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Mamerot - Chronik der Kreuzzüge

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Non-Fiction

Thierry Delcourt, Danielle Quéruel, Fabrice Masanès 
Sébastien Mamerot - Chronik der Kreuzzüge
Von Karl dem Großen bis Sultan Bajsit
Taschen 2009, 2 Bände, 224 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 218 00795 5

Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge

Das wunderbar illuminierte Manuskript “Les Passages d’Outremer” aus dem 15. Jahrhundert befindet sich in der französischen Nationalbibliothek in Paris. Text und Bilder erzählen die Geschichte der Kreuzzüge ab Karl dem Großen bis zum Aufstand in Genua (1462). Das unbezahlbare Original in Händen zu halten, ist nur Wenigen vergönnt. Um so schöner ist es, dass Taschen ein hochwertiges Faksimile in herausragender Detailtreue und mit Goldhöhung vorgelegt hat. Begleitet wird dieses Werk von einem umfassenden Kommentarband, der eine vollständige Übersetzung enthält. Prachtband und Kommentarband werden gemeinsam durch einen königsblauen Schuber mit goldenen Lilien geschützt. Zieht man die beiden Bände heraus, hält man zwei gewichtige rot gebundene Bücher in Händen, deren aufwändige Ausstattung jedem Bibliophilen das Herz höher schlagen lassen.

Mit der Entstehung des Originals sind vor allem drei Namen verbunden: Sébastien Mamerot (um 1430-1490), der Autor,  Jean Colombe (um 1430-1493), der Illustrator, und Louis de Laval (1411-1489), der Auftraggeber. Jean Colombe ist für seine unsterblich schöne Buchmalerei der ”Très Riches Heures” des Duc de Berry berühmt und nicht minder fantastisch sind die Illustrationen, die er für “Les Passages d’Outremer” schuf.

Die Kreuzzüge verursachten tiefgreifende politische und soziale Veränderungen. Die vordergründig religiös motivierten Kreuzzüge, hatten wie alle Kriege wirtschaftliche und strategische Hintergründe. “Jenseits des Meeres” (Outremer) vollzogen sich daher auch für die teilnehmenden Adeligen zahlreiche gesellschaftliche Ereignisse, die ihre Wirkung bis in die jeweilige Heimat entfalteten. Eines dieser tiefgreifenden Ereignisse ist wohl den meisten Menschen bekannt: Der berühmte Streit zwischen Richard Löwenherz und Leopold von Österreich vor Akkon im Jahr 1191. Der Zwist mündete schließlich in der Gefangenschaft Richard Löwenherz bei seiner Rückreise 1192 durch Österreich. Das hohe Lösegeld, das seine Untertanen für ihn aufbringen mussten, ermöglichte schließlich den Ausbau der Stadtbefestigung von Wien. Die Beschreibung der gegenseitigen Provokationen vor Akkon, das undiplomatische Verhalten kann man sowohl dem Faksimile als auch der Übersetzung im Kommentarband entnehmen. Die lebendige Schilderung lässt die Mächtigen der damaligen Welt durchaus als postpubertäre, machtgeile Männer erscheinen, die in ihrer Überheblichkeit jegliche, damals üblichen Umgangsformen weit hinter sich ließen. Das erfreut nicht nur Historiker, sondern verschafft noch immer - nach rund 550 Jahren - ein überraschendes Lesevergnügen.

Thierry Delcourt steuert im Kommentarband das umfassende Essay “Die Passages d’Outremer, ein Meisterwerk der französischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts” bei. Gemeinsam mit Danielle Quérel verfasste er zu dem “Editorische Anmerkungen”. Die Übersetzung des Originals besorgten Eva Dewes, Hubertus von Gemmingen und Regine Schmidt. Die Bildkommentare und die Zusammenfassung übernahm Fabrice Masanès. Abgerundet wird der Kommentarband von einer umfassen Bibliografie.

Ein herrliche Anschaffung, die ihren Wert behält!

Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge

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James Cook

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Non-Fiction

Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museum für Völkerkunde Wien, Historisches Museum Bern (Hgg.)
James Cook und die Entdeckung der Südsee
Hirmer 2009, 276 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 7774 2121 6

James Cook und die Entdeckung der Südsee

Nichts vermag den Ruhm so zu beflügeln wie ein unerwarteter Tod unter ungeklärten Umständen. Das gewaltsame Ableben von James Cook auf Hawaii ist keine Ausnahme. Dem Seefahrer wurden posthum Gedichte, Theaterstücke, Gemälde, Münzen und Medaillons gewidmet. Sein Name wurde zum Synonym der Erforschung der Südsee.

Auch in dem Buch “James Cook und die Entdeckung der Südsee”, das anlässlich der gleichnamigen Ausstellung erschienen ist, dient Cook als Leitfigur. Die drei Reisen unter seinem Kommando führen als roter Faden durch die Weiten des Themenspektrums einer stattlichen Anzahl von Aufsätzen, die als Inseln des Wissens von den im Geiste mitreisenden LeserInnen angelaufen werden können. Entlang des Weges ist die Person James Cooks (1728-1779) der Ausgangs- und Referenzpunkt für die Erzählung über die Geschehnisse und Leistungen, die in Verbindung mit den Weltumsegelungen stehen: Von den Errungenschaften der an den Expeditionen teilnehmenden Wissenschaftler und Künstler über den zu dieser Zeit herrschenden Forschungsstand bis zu den Begegnungen mit den Bewohnern des Pazifiks spannt sich der Bogen der 26 Essays. Erfreulich ist der in den Texten dargebotene Facettenreichtum der Sichtweisen. Cooks Tod durch die Hand eines hawaianischen Kriegers ist dafür ein gutes Beispiel. Sowohl die eurozentrische Schilderung und Interpretation der Bluttat als auch die hawaianische Sicht des historischen Ereignisses und seines Kontexts werden ausführlich dargelegt. Dass nicht nur die Perspektive der Entdecker, sondern auch jene der Entdeckten berücksichtigt wird, ist eine Bereicherung des Wissens über eine Epoche die prägend für das europäische Selbstverständnis war.

Die Abenteuer des unerschrockenen Kapitäns, der vor allem als Kartograph und Navigator große Leistungen vollbrachte, stehen in engem Zusammenhang mit der Aufklärung und dem Bestreben die Welt zu erforschen. So hatte Cook nicht nur den Auftrag Land für England in Besitz zu nehmen und den großen Südkontinent zu suchen, er sollte auf seiner ersten Reise auch Tahiti anlaufen, um dort gemeinsam mit dem Astronom Charles Greene den Venusdurchgang zu beobachten. Weitere Stationen dieser von 1768 bis 1771 dauernden Entdeckungsfahrt waren Neuseeland, Australien und Batavia. Dass sich gerade Cooks erste Reise als Meilenstein für die Wissenschaft erwies, war jedoch weder ihm noch der Weitsicht der Admiralität, sondern dem Privatgelehrten Joseph Banks zu verdanken, der sich auf eigene Kosten mit seinem Forschungsteam an der Reise beteiligte. Die von ihnen gesammelten Pflanzen und Tiere, ethnografischen Objekte, Zeichnungen und Gemälde gingen in die Tausende. Kaum zurück in England war Mr. Banks Reise in aller Munde. An der nächsten Expedition in die Südsee nahm Joseph Banks wegen seines Zerwürfnisses mit der Admiralität nicht teil. Als Cook 1772 neuerlich in See stach, befanden sich als Naturforscher Johann Reinhold Forster und sein Sohn Georg an Bord. Die Fahrt ging nach Neuseeland, Tahiti, Tonga, Vanuatu, Neukaledonien sowie zu den Oster- und Marquesas-Inseln. Diesmal gehörte nach der Rückkehr 1775 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ganz James Cook - der es sich nicht nehmen ließ, den Abschlussbericht selbst zu schreiben.

Für die dritte Reise, die 1776 begann und nach Tonga, Tahiti, der nordamerikanischen Pazifikküste und Hawaii führte, verzichtete Cook auf die Mitnahme von offiziellen Wissenschaftlern. Die Bedeutung der bildlichen Dokumentation wurde allerdings erkannt und in die Hände des Malers John Webber gelegt.

Den von zahlreichen Abbildungen aufgelockerten Essays des Buches “James Cook und die Entdeckung der Südsee” steht ein vortrefflich bebilderter Katalog zur Seite, der 599 Einträge umfasst. Nahezu jedes der Objekte ist mit einer ausführlichen Erklärung versehen. Es zahlt sich aus, in diesen zumindest zu schmökern, denn sie geben - zum Teil belebt durch Zitate aus den Aufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer - faszinierende Details preis. Von den zwischenmenschlichen Beziehungen der Expeditionsteilnehmer ist im Kleingedruckten ebenso zu lesen wie über Beobachtungen von Ritualen und die Verwendung von Navigationsinstrumenten oder ethnografischen Artefakten.

Wer Auszüge aus den Reisedokumentationen und repräsentative Objekte im Original bestaunen möchte, hat bis Februar 2011 noch an folgenden Orten die Gelegenheit zu einem Besuch der Ausstellung “James Cook und die Entdeckung der Südsee”:
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland 28. August 2009 bis 28. Februar 2010, Museum für Völkerkunde Wien 10 Mai bis 13. September 2010, Historisches Museum Bern 7. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011

© Ch. Ranseder

James Cook und die Entdeckung der Südsee

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Indien hören

Mittwoch, 18. November 2009

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Peter Pannke, Lisa Fehrenbach
Indien hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 13 3

 Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart

Die klingenden Reisen sind unverwechselbar. Kompakt und stimmungsvoll zugleich verführen sie zu Ohrenreisen in die Ferne. Fundiert aufbereitet, wird die Kulturgeschichte des jeweiligen Landes erzählt. Das klangliche i-Tüpfelchen bildet die jeweilige Kombination aus exzellentem Sprecher und mit Bedacht gewählten Musikzitate. Gemeinsam komplettieren sie die sinnliche Atmosphäre aller Hörreisen. Die anspruchsvollen Produktionen erfreuen durch ihre grafische und akustische Aufbereitung Augen und Ohren gleichermaßen. Aber das wirklich Besondere an Ihnen ist, dass sie wertfrei neugierig auf das Andere, das Fremde machen.

Auf Indien muss man allerdings nicht neugierig machen. Unvorstellbar das Land der Vielfalt nicht reizvoll zu finden. Indien denkt, fühlt und lebt in anderen Dimensionen. Nicht nur hinsichtlich Bevölkerung, Kulturen und Sprache ist Indien ein bunter Gigant. Mitprägend waren für die Entwicklung Indiens die Ausbreitung des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Islam, Bhakti-Kult, Sufismus, Sikhismus oder auch des Krishna-Kults. Die von innen und von außen kommenden politischen Veränderungen waren zusätzliche Faktoren, die Indien einen nachhaltigen Stempel aufdrückten.

Die neue klingende Reise aus dem Silberfuchs Verlag vermittelt einen akustischen Farbrausch für die Ohren, der Indien mehr als nur gerecht wird. Von den frühen Schöpfungsmythen, über politische, philosophische und religiöse Strömungen bis zum modernen Indien des Mahatma Gandhi, Bollywood oder auch Slumdog Millionär wird der Bogen gespannt. Die enorme Herausforderung eine gewaltige Informationsfülle auf 80 Minuten zu verdichten, ist genial bewältigt worden. Die spannende Aufbereitung in Kombination mit der Stimme von Rufus Beck verführt immer aufs Neue zum Wiederhören. Mit traditioneller indischer Musik unterlegt, entsteht ein Klangerlebnis, das Ohren Curry hören, riechen und schmecken lässt. Dass die Augen bei diesem inhaltlichen und akustischen Fest nicht zu kurz kommen, dafür hat Roswitha Rösch mit farbenprächtiger Gestaltung von CD, Cover und Booklet gesorgt.

Hörprobe 

© S. Strohschneider-Laue

Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart 

höre auch:
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Geografische Kostbarkeiten

Dienstag, 17. November 2009

Non-Fiction

Jan Mokre (Hg.)
Annäherungen an die Ferne
Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

Kremayr&Scheriau 2009, 224 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 218 00795 5

  Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

Habgier kennt keine Grenzen. Weltumspannendes Agieren auf der Suche nach Profit ist keinesfalls eine Erscheinung des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Globalisierung mag auf einem vorläufigen Höhepunkt angekommen sein, ihre Wurzeln hingegen reichen tief in die Vergangenheit zurück.

Als die Europäer sich aufmachten die Welt zu entdecken, taten sie dies nicht weil ihnen Fragen der Wissenschaft oder Erkenntnisgewinn um seiner selbst willen am Herzen lagen. Es ging, wie immer, um Geld und Macht. Expeditionen wurden ausgesandt, um Land in Besitz zu nehmen, wertvolle Rohstoffe auszubeuten und Luxusgüter zu finden. Die zu Beginn des 17. Jahrhunderts gegründeten Handelsgesellschaften genossen Privilegien und konnten in vieler Hinsicht wie ein Staat auftreten. Das Sammeln von Informationen erfolgte als zweckgebundene Begleiterscheinung, die gewonnenen Kenntnisse wurden oft geheim gehalten. Wer sich die Erde untertan machen möchte, muss erst einmal wissen, wie sie aussieht und beschaffen ist, wer beziehungsweise was auf ihr lebt und wie man am schnellsten von Punkt A nach Punkt B kommt. Die Vermessung der Welt ging Hand in Hand mit einer Bestandsanalyse. Fleißig wurde gezeichnet, beschrieben und gesammelt. Reisen erweitert - nolens volens - den Horizont. Kartenwerke, Reiseberichte, ethnografische und geografische Schilderungen, botanische und zoologische Schriften sowie Sammlungen von Objekten aller Art vermittelten den europäischen Eliten Kenntnisse über ferne Länder und ihre Bewohner. Dreh- und Angelpunkt der Verbreitung des neuen geografischen Wissens waren die Verlagshäuser, die aufwändig gestaltete Atlanten und Bücher über die Menschen, Flora und Fauna fremder Erdteile herausbrachten. Heute gehören diese historischen Zeugnisse der Erkundung der Welt zu den Beständen großer Universalbibliotheken, zu denen auch die Österreichische Nationalbibliothek zählt.

In dem reich bebilderten Buch “Annäherungen an die Ferne” präsentiert die Österreichische Nationalbibliothek Kostproben aus ihrer Sammlung geografischer Aufzeichnungen. Im Mittelpunkt der Betrachtung des europäischen Wissensstandes über Afrika, Asien und Amerika steht das 17. Jahrhundert, in dem nicht nur der Fernhandel erblühte, sondern auch das Verlagswesen Glanzleistungen hervorbrachte. Zu den schönsten, umfangreichsten und zu seiner Zeit teuersten Atlanten zählt der, 1662 im Amsterdamer Verlag Blaeu erschienene, “Atlas Maior sive Cosmographia Blaviana”. Mit seinen über 600 Karten stellt er - gleichsam als Spiegel der zu dieser Zeit bestehenden Kenntnisse über das Aussehen der Erde - eine einzigartig reichhaltige Bildquelle dar.

Jede der für das Buch “Annäherungen an die Ferne” ausgesuchten Bildquellen hat ihren eigenen visuellen Reiz. Im 17. Jahrhundert gab es auf den Landkarten noch viele weiße Flecken. Der Fernhandel erfolgte weitgehend auf dem Seeweg, folglich waren die Küsten und ihr Hinterland bis ins 19. Jahrhundert besser bekannt und erforscht als das Innere der Länder und Kontinente. Zeichner griffen oft auf fragwürdige Berichte zurück und ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Sie bevölkerten die Meere mit Ungeheuern und das Festland mit seltsamen Kreaturen, darunter die Acephalen (Kopflosen) und das einäugige Monoculi. Mit der Zeit wurde der Glaube an Mythen wie Eldorado und Fantasiewesen, die in fernen Ländern angeblich anzutreffen seien, durch Beobachtungen und verlässliche Augenzeugenberichte entkräftet. Die Europäer lernten schnell. Ihre von Illustratoren, Kartografen und Kupferstechern festgehaltenen Irrungen machen aus den Bildquellen charmante Zeitzeugnisse.

Was die attraktiven Land- und Seekarten, Kupferstiche mit Szenen des Alltags der fremden Völker, botanischen Illustrationen und anderen Bildquellen nicht selbst Preis geben, ist den hervorragenden Texten zu entnehmen. Nach Kontinenten gegliedert, erzählen die Autoren des Buches “Annäherungen an die Ferne” von den Fahrten und Taten der Eroberer und Kaufleute, die durch ihr Handeln in wenigen Jahrhunderten nicht nur das Anlitz der Erde, sondern auch das Leben fremder Völker gründlich veränderten. Die Europäer waren im Umgang mit der Natur und der indigenen Bevölkerung nicht zimperlich. Selbst kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Kolonialmächten waren keine Seltenheit, wenn es um den Schutz eines Monopols oder anderer wirtschaftlicher Vorteile ging. Diplomatische Missionen, die vor allem in den Beziehungen zu China und Japan eine bedeutende Rolle spielten, folgten wiederum anderen Regeln. Virtuos verbinden Jan Mokre, Elisabeth Zeilinger und Helga Hühnel in ihren Essays kartografische, politische, völkerkundliche, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte der Begegnung Europas mit dem Rest der Welt.

Eine gut bestückte Bibliothek, wie es die Österreichische Nationalbibliothek zweifelsohne ist, kann durch die Präsentation ihrer Schätze zur Zeitmaschine werden. Das Buch “Annäherungen an die Ferne” lädt ein zu einer Reise zurück zu den Anfängen der Globalisierung.

© Ch. Ranseder

Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

siehe auch:
Ausstellungsrezension

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Insekten von Surinam

Montag, 09. November 2009

Non-Fiction

Katharina Schmidt-Loske (Hg.)
Maria Sibylla Merian - Insects of Surinam
Taschen 2009, En./Dt./Fr., 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 9783 8228 5278 1

  Merian - Insects of Surinam

Das 1705 erschienene Werk “Metamorphosis Insectorum Surinamensium” ist der brilliante Höhepunkt im Schaffen einer Frau, die mit eisernem Willen ihren eigenen Weg ging. Maria Sibylla Merian (1647-1717) gelang der Spagat zwischen Familie und Berufung, zu einer Zeit als weibliche Selbstverwirklichung die Ausnahme darstellte und Frauen in der Wissenschaft nahezu undenkbar waren. Ihre herausragende Leistung muss daher im Kontext mit der Lebensgeschichte betrachtet werden, da das Werk über die Insekten Surinams eine im Grunde logische Folge der jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Faltern darstellt.

Aufgewachsen in einem intellektuell geprägtem Künstlermilieu - ihr Vater war der Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian d.Ä., ihr Stiefvater der Blumen- und Stilllebenmaler Jacob Marrel, entwickelt Maria Sybilla Merian bereits als 13-jährige ein Interesse für Raupen. Sie verfolgt den Lebenszyklus des Seidenspinners und schreibt ihre erste Abhandlung, “Verwandlung und Veränderung der Seidenwürm”. Glücklicherweise lässt die Familie das begabte Mädchen, das unter anderem Zeichnen, Malen und Kupferstechen erlernt hat, gewähren. Auch der Erwerb des obligatorischen Ehemanns, die Geburt zweier Töchter und der Umzug von Frankfurt nach Nürnberg können Maria Sybilla nicht von ihren naturkundlichen Studien abhalten, die sie um die Suche nach Farbrezepturen erweitert. Ihre erste Veröffentlichung ist jedoch ein Blumenbuch. Wenig später, 1679, erscheint “Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumen=Nahrung”. In diesem Buch gibt die Naturforscherin erstmals die Entwicklungsstadien zum Schmetterling, angeordnet auf einer einzelnen (Futter-)Pflanze, wieder. Diese ganzheitliche Darstellung ist etwas völlig Neues. Wo auch immer sich Maria Sybilla Merian aufhält, sammelt sie Raupen - zwei Fortsetzungen des Raupenbuches (1683, 1717) sind die Folge. 1685 verlässt die Künstlerin ihren Mann und zieht mit Töchtern und Mutter bei den Labadisten auf Schloss Waltha ein. In den folgenden Jahren ordnet Merian ihre Zeichnungen und Notizen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Surinam rückt näher, denn Schloss Waltha wird der Sekte vom Gouverneur der holländischen Kolonie zur Verfügung gestellt. Doch zuerst geht es 1691 nach Amsterdam, wo Maria Sybilla den Lebensunterhalt für sich und die Töchter durch den Handel mit Farben und Naturalien sowie der Ausführung von Auftragsarbeiten bestreitet. In der geschäftigen Handelsstadt kann die forschende Künstlerin Sammlungen besuchen, zu deren Exponaten auch Insekten aus Surinam zählen. Ihre Neugier ist geweckt, sie will selbst in dieses Land fahren, um eigene Beobachtungen zu machen. 1699 ist es endlich so weit: Maria Sybilla Merian, mittlerweile 52 Jahre alt, und ihre Tochter Dorothea Maria stechen in See. Zwei Jahre verbringen die beiden Frauen sammelnd, zeichnend und forschend in Surinam, bevor sie gesundheitliche Gründe zur Rückkehr zwingen. Zurück in Amsterdam und wieder genesen macht sich Maria Sybilla voller Tatendrang an die Herausgabe ihres Werkes über die Insekten Surinams.

“Metamorphosis Insectorum Surinamensium” erscheint 1705 und umfasst insgesamt 60 Kupferstiche. Das Geld für die Herstellung des Buches brachte Merian selbst auf, indem sie Subskribenten warb und Auftragsarbeiten annahm. Käufer konnten zwischen einer schwarz-weißen oder einer handkolorierten Fassung des Werkes wählen. Der exquisite Prachtband “Insects of Surinam” des TASCHEN Verlages basiert auf den besonders schön kolorierten Tafeln des in der öffentlichen Bibliothek der Universität Basel befindlichen Exemplars der “Metamorphosis Insectorum Surinamensium”.

Im 18. Jahrhundert präsentierten die 60 Tafeln Ergebnisse der Grundlagenforschung, auf die sogar der Naturwissenschaftler Carl von Linné für sein wegbereitendes Ordnungssystem der Natur zurückgriff. Heute bezaubern Merians Darstellungen durch ihre dekorative Eleganz. Wer in den Medien des 21. Jahrhunderts schon alle Hässlichkeit dieser Erde gesehen hat, ist durch die hübschen Abbilder der “unachtbaren Thierlein” nicht zu erschüttern. Im Gegenteil. Was Merians Zeitgenossen vielleicht als garstig abstoßende Schädlinge angesehen haben, wirkt geradezu niedlich. Auf und um anmutigen, fast ornamental angeordneten Pflanzen tummelt sich eine bunte Insektenschar. Fette Raupen knabbern an saftigen Blättern. Plumpe Kokons und Puppen ruhen auf Ästen und Stängeln. Prächtige Schmetterlinge flattern herum. Käfer krabbeln im Laubwerk oder erheben sich behäbig in die Lüfte. Heuschrecken, Zikaden, Wespen und Ameisen lassen sich gelegentlich blicken. Auf einigen Tafeln hat Maria Sybilla Merian sogar Fösche, Kröten, Eidechsen, Schlangen und Vogelspinnen festgehalten. Auffällig ist das Spiel mit Größenverhältnissen. Merian ist bemüht, die Insekten in Originalgröße wiederzugeben. Die Pflanzen hingegen zeigt sie verkleinert, wohl auch, um möglichst viel von Wuchs und anderen Charakteristika auf dem beschränkten Platz der Tafeln zeigen zu können. Es ist bekannt, dass die Forscherin für ihre Studien auch ein Mikroskop benutzte. Die Künstlerin genießt sichtlich die an den Insekten zu beobachtbaren Farben, Muster und Texturen, die sie nicht nur zeichnet sondern auch beschreibt. Trotz des Bestrebens nach Wahrhaftigkeit der Wiedergabe, verliert die dual Begabte nie den ästhetischen Wert ihrer Bildkompositionen aus den Augen.

Wer mehr über die abgebildeten Insekten und Pflanzen erfahren will, kann allerlei Wissenswertes in den Bilderläuterungen aus der Feder von Katharina Schmidt-Loske erfahren, die Merians Originaltext ersetzen. Die Leiterin des Biohistoricums, Bonn, hat auch den Essay “Maria Sybilla Merians ‘kostbare’ Reise in die Schatzkammer der Natur” zu Leben und Werk der forschenden Künstlerin verfasst. Ergänzendes Bildmaterial, darunter Arbeiten einer der Töchter der Künstlerin, begleitet diesen Text.

“Insects of Surinam” ist ein verführerisch schönes Buch. Maria Sybilla Merians unvergleichliche Darstellungen der Insekten- und Pflanzenwelt Surinams sind eine Augenweide, die niemals an Frische verliert. Auch die Designer des prächtigen Bandes scheinen sich an den dekorativen Krabbeltieren und Räupchen erfreut zu haben. Seitenfüllende Vergrößerungen von Details aus den Tafeln beleben die ohnehin schon attraktive grafische Gestaltung.

Folgen Sie nicht dem in Wohnzeitschriften immer wieder zu bemerkenden Trend, sich aufgespießte Schmetterlingsleichen in Kästchen an die Wand zu hängen. Schaffen Sie sich stattdessen das wunderschöne Buch “Insects of Surinam” an - das schont die Umwelt und stimuliert den Geist.

© Ch. Ranseder

Merian - Insects of Surinam

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Schatzkammer Natur

Mittwoch, 30. September 2009

Non-Fiction

Museum Mensch & Natur Hofpfisterei München (Hg.)
Schatzkammer Natur
Von der Vielfalt heimischer Arten 

oekom 2009, 221 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 86581 134 9

Schatzkammer Natur: Von der Vielfalt heimischer Arten

Dieses Buch bietet eine Entdeckungsreise durch die Natur für die ganze Familie. In wunderschönen Bildern von Rita Mühlbauer und herrlichen Texten führt es durch Bach und Tümpel, Feld und Flur, Hecke und Wald.

Dreiunddreißig heimischen Tiere und Pflanzen sowie Natur- und Umweltschutz stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. Dass dieser hohe Anspruch nicht langweilig, belehrend oder bis zur Unverständlichkeit wissenschaftlich sein muss, ist hohes Verdienst der neunzehn AutorInnen. Die renommierten WissenschaftlerInnen haben sich zum Ziel gesetzt Kinder und Erwachsene gleichermaßen für ihren unmittelbaren Lebensraum zu begeistern und damit dessen Erhalt zu fördern.

Blitzschnelle Wasserjäger, denen die Luft ausgeht, gepanzerte Ritter, denen das Wasser bis zum Hals steht oder Langstreckenflieger, die ohne Navi auskommen, sind einfach faszinierend, wenn der Finger auf den Punkt gelegt wird. Kurz, prägnant und trotzdem abwechslungsreich sind die Betrachtungen, denen neun ”Denkstücke” zur Seite gestellt werden.  Durch zartgelbes Papier farblich abgehoben, bieten die “Denkstücke” Fakten und Querbezüge, die dem großen Überblick gewidmet sind. In ihnen wird aufgezeigt, warum Vielfalt besser als Einfalt ist und welche Wechselseitigkeiten in überraschenden Bereichen bestehen.

Dass das Ausprobieren und Selbermachen ein wesentlicher Schritt zum Verständnis ist, ist Menschen angeboren - obwohl das zu viele vergessen haben. In diesem Buch ist es nicht vergessen worden. Egal ob im Trüben für die neue Teichlupe gefischt wird oder Hagebuttenmarmelade gekocht wird, es ist altersunabhängig, interessant und spaßbetont. Die zusätzlichen Publikationshinweise und Ansprechpartner machen Lust auf mehr Aktivitäten in der freien Natur und zu naturkundlichen Themen. Nützlich ist unter anderem die Liste der Naturkundemuseen mit ihren vielfältigen Attraktionen. Das Frankfurter Senckenberg liebe ich, das Erfurter sollte ich mal wieder besuchen, das Stuttgarter und einige andere stehen schon länger auf der Liste, dass ich allerdings das älteste Naturkundemuseum Deutschlands in Braunschweig diesen Sommer verpasst habe, ist mir erst durch das Buch bewusst geworden. Veranstalter von Waldführungen, Buchtipps zur Natur, Autorenporträts und das Artenregister runden den schönen Band benutzerfreundlich ab.

“Schatzkammer Natur” ist auch in gebundener Form vielfältig und bunt wie die Natur selbst. Dem Anspruch einen Beitrag zum Erhalt der Natur zu leisten wird das Buch - somit auch die herausgebende Hofpfisterei - in jeder Hinsicht gerecht.

© V. Strohschneider

Schatzkammer Natur: Von der Vielfalt heimischer Arten

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El tesoro de cuentos - Der Märchenschatz

Sonntag, 30. August 2009

ab acht

Juliane Buschhorn-Walter, Claudia von Holten (Hgg.) 
El tesoro de cuentos
Der Märchenschatz

Silberfuchs 2009, 110 S., farbig illustriert.
Zwei CDs (Deutsch/Spanisch), 122′
ISBN 978 3 940665 05 8 (Print)
ISBN 978 3 940665 11 9 (Audio)

Der Märchenschatz Buch El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
Der Märchenschatz CD El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

Es ist nie zu spät Sprachen zu lernen, aber man kann nicht früh genug damit beginnen. Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen, ist eine wertvolle Grundlage für das ganze Leben. Die Sprachschule Amiguitos hat sich auf Spanisch und Italienisch für Kinder spezialisiert. In Zusammenarbeit mit Silberfuchs erscheinen zu den Sprachprogrammen begleitende und hochwertige Print- und Audioprodukte, die auch unabhängig vom Kursbesuch eine Bereicherung darstellen.

Der “Märchenschatz” liegt als Buch und Audio-CD vor und sollten m. E. auch solche zum Einsatz kommen. Die 15 Stories aus Spanien und Lateinamerika werden zweisprachig geboten. Sie fördern neben dem sprachlichen auch das kulturelle Verständnis. Die sprachlichen Gemeinsamkeiten, aber auch die durch die Kulturkreise bedingten Unterschiede werden durch die getroffene Auswahl deutlich. Das hohe inhaltliche Niveau wird Kinder nicht überfordern, sondern sie in ihrem Sprachverständnis fördern. Ungebräuchliches wie Fachbegriffe oder historische Fakten werden ausführlich erklärt. Die in verschiedenen Farben sowie kursiv gesetzten zweisprachigen Textteile erleichtern den Lesefluss. Zugleich werden die Texte dadurch in übersichtlichen Häppchen aufgeteilt, so dass nicht der Eindruck einer riesigen und vielleicht abschreckenden Textflut entsteht.

Das exzellent gegliederte und ansprechend illustrierte Buch eignet sich zum Vorlesen und eigenständigem Lesen sowie Mitlesen in Verbindung mit dem Hörbuch (José Paniagua - Text, Ulli Simon - Musik, Peter Lohmeyer - Sprecher). Einen Sprachkurs können Buch und Audio-CD nicht ersetzen, sie werden aber bestehende Kenntnisse fördern und/oder zum Besuch eines Kurses anregen.

© S. Strohschneider-Laue

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

Siehe auch:
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder - Rezension - Hörprobe

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Strandsteine

Freitag, 07. August 2009

ab acht

Frank Rudolph
Strandsteine für Kids 
Wachholtz 2009, 69 S., zahlr. Farbfotos und Illustration
ISBN 978 3 5290 5414 3

Strandsteine für Kids Strandsteine für Kids: Sammeln und Bestimmen

Unglaublich was so alles vom Meer angespült wird. Selbst die Steine sind es wert aufgehoben zu werden. Man müsste nur noch wissen, was man für Schätze aus den letzten Jahrmillionen der Ergeschichte gefunden hat.

Angenehme Erinnerungen an unzählige Sammelstunden an den Stränden von Nord- und Ostsee kommen auf, wenn man vom Titel verführt dieses Buch zur Hand nimmt.

Mir ist in letzter Zeit kein so kindgerecht aufgearbeitetes, nettes und klar verständliches sowie gut strukturiertes Sachbuch untergekommen. Wer sollte da keine Lust auf Strand, Steine und Donnerkeile bekommen? Schon der Satz Kennt Ihr Steine, die man riechen oder hören kann? macht neugierig auf den weiteren Inhalt und vor allem auf die Steine selbst. Das handliche, strapazfähige Outfit und die kindgerechte Aufbereitung von “Strandsteine für Kids” regen zum Mitnehmen an den Strand ein. Die exzellente Fotoauswahl in Kombination mit korrekt dargestelltem fachlichem Inhalt ist auch für Erwachsene ein Anreiz gemeinsam mit dem Nachwuchs auf Steinjagd zu gehen.

Steine, die am Strand von Nord- und Ostsee herumliegen, sind zum Teil ziemlich herumgekommen. Passend, niedlich und genial zugleich sind die von Lutz Mathesdorf entwickelten Comicfiguren. Sie repräsentieren die Herkunftsländer, führen durch das Buch und kennzeichnen die Erdzeitalter. Möwe Pauli (überall daheim), Erik (Dänemark), Knolle Troll (Norwegen), Sören (Schweden), Lena (Finnland) und Fiete (Deutschland) werden sofort Fans finden. Diese zweckmäßige Verniedlichung täuscht nicht darüber hinweg, dass in diesem Werk fundiertes Fachwissen weitergegeben wird. Kenntnisse die im Schulunterricht bis weit in die Mittelstufe ausreichen.

Folgende Informationen werden geboten:

  • Wie und woher Steine an den Strand kommen, die Rolle der Eiszeit.
  • Sinnvolles Steinesammeln, die Anlage einer eigenen Sammlung.
  • Ein Überblick der Geologischen Zeittabelle.
  • Was sind Gesteine, welche Arten von ihnen gibt es?
  • Besondere Gesteine, Steine die man hören oder schmecken kann.
  • Ein Überblick der Gesteine nach ihrer Entstehung (Tiefen- und Ergussgesteine, Umwandlungs- und Ablagerungsgesteine)
  • Ergänzende Darstellungen über Bernstein, magnetische Sande, Fossilien und vieles mehr.
  • Und wie es sich für ein solides Fachbuch gehört, gibt es selbstverständlich Begriffserklärungen und ein Literaturverzeichnis.

Findige Eltern haben schon lange Rezepte für Schlechtwettertage während Strandaufenthalten entwickelt, um ihre eventuell nervenden Kinder zu beschäftigen. Mit diesem Buch wird das noch einfacher, weil es auch Eltern Spaß machen wird. Für die besonders Wissbegierigen und für Erwachsene gibt es von Frank Rudolph noch mehr Bestimmungsliteratur für den Nord- und Ostseeraum. Auf jeden Fall für den nächsten Urlaub an Nord- und Ostsee “Strandsteine”, Hammer, Schutzbrille - nicht nur - für die Kids einpacken!

© V. Strohschneider

Strandsteine für Kids: Sammeln und Bestimmen

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Strandfunde: Sammeln & Bestimmen von Tieren und Pflanzen an Nord- und Ostseeküste

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Shanghai Magie

Freitag, 10. Juli 2009

Non-Fiction

Emily Hahn 
Shanghai Magie 
Reportagen aus dem New Yorker  

edition ebersbach 2009, 168 S., 16 Sw-Abb.
ISBN 978 3 938740 89 7

Shanghai Magie Shanghai Magie

Emily Hahn begleitet im Frühjahr 1935 ihre Schwester nach Shanghai und entschließt sich spontan zu bleiben. Die pulsierende Stadt fasziniert die abenteuerlustige Amerikanerin, die trotz abgeschlossenem Ingenieurstudium ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin verdient. Ihre Erlebnisse in Shanghai hält Emily Hahn in hinreißenden Reportagen für das Magazin “The New Yorker” fest. Das ist ein Glück für LeserInnen. Die in dem, in der edition ebersbach erschienenen, Buch “Shanghai Magie” abgedruckten elf Geschichten aus der sündigen Metropole sind noch heute eine unterhaltsame Sommerlektüre.

Die lebenslustige, exzentrische Emily Hahn wird in Windeseile zum Darling der in Shanghai ansässigen ausländischen High Society. Auf einer Party lernt sie einen der seltenen chinesischen Gäste, den Intellektuellen Shao Xunmei, kennen. Er ist ihre Eintrittskarte in die Welt der Chinesen. Durch ihn lernt sie die chinesische Kultur, und die Rituale des chinesischen Alltags kennen. Emily Hahn ist nicht nur eine scharfe Beobachterin, sie will auch alles selbst ausprobieren - sogar das Opiumrauchen. Offenherzig erzählt sie in der Geschichte “The Big Smoke” über die angenehme Wirkung der Droge, ihre Sucht und den schmerzhaften Entzug. Nichts bringt die Amerikanerin aus der Ruhe. Mit unwiderstehlichem Witz schildert sie in “Einmal Nanking und Retour” einen Ausflug, auf dem sie, ihre Freundin Mary und deren Entenküken “Sweetie Pie” vom Krieg überrascht werden. Es ist weder das erste noch das letzte Mal, dass die Schriftstellerin in einem Essay den Ernst der Lage durch Situationskomik herunterspielt, ja vergessen lässt. In “Doktor Baldwin” macht sie sich im japanischen Bombenhagel auf die Suche nach einem Zahnarzt, um sich die Krone eines Schneidezahns reparieren zu lassen - sie hatte als Vergeltung ihren Gibbon gebissen. Emily Hahn sitzt der Schalk im Nacken. Sie macht sich in ihren Reportagen über sich selbst lustig, setzt diese Begabung gezielt als Stilmittel ein. Sogar ihre beiden Affen, die gerne ausbüchsen, hat sie in einer Geschichte verewigt. In “Mr. Mills” begegnet die Autorin den Beschwerden ihrer Wohnungsnachbarn über die ungewöhnlichen Haustiere auf chinesische Art. Nach Jahren im Reich der Mitte ist die Autorin weise geworden wie ihr Hausdiener, dessen Umgang mit Problemen sie in “Der verschwundene Jadering” festgehalten hat.

Emily Hahns persönlich gefärbte, mit stilsicherer Leichtigkeit geschriebene Reportagen lassen das wilde Leben und die politischen Spannungen im Shanghai der Jahre 1935 bis 1943 wieder auferstehen.

Dagmar Yu-Dembski steuert im reich mit historischen Fotografien bebilderten Vorwort des Buches stadtgeschichtliches Hintergrundwissen bei und erzählt aus der Lebensgeschichte von Emily Hahn. Ihr ist auch die wunderbare Übersetzung der englischen Texte zu verdanken.

© Ch. Ranseder

Shanghai Magie

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Griechenland hören

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Antje Hinz
Griechenland hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 09 6

Griechenland hören Griechenland hören - Das Griechenland-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Griechenlands von den Mythen bis in die Gegenwart

Griechenland, die Wiege Europas: Von der ersten europäischen Hochkultur bis zum modernen Mitglied der EU führt die Hörreise. Zwanzig Kapitel spannen einen genialen Bogen von der Blütezeit, Zerfall und Auferstehung Griechenlands über 5000 Jahre hindurch bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt dieser Silberfuchs-Hörreise liegt auf der Antike. Verständlich, denn Griechenland als Staatsgefüge zeichnet sich durch Jahrhunderte mit Absenz aus. Als Kulturfaktor und prägend für die historische, politische und soziale Entwicklung Europas war Griechenland allerdings stets gegenwärtig. 

Die Hochblüte Griechenlands entwickelte alle wesentlichen Aspekte europäischer Zivilisation. Kontakte zu anderen Hochkulturen schufen wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen. Nach der Entwicklung einer eigenen Schrift erlebten Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung und Literatur pure Höhenflüge. Was Solon für die Demokratie bedeutete, bedeutete Perikles für den Aufschwung Athens. Perserkriege und der schwelende Konflikt zwischen den antiken griechischen Großmächten Athen und Sparta trennten und vereinten die Griechen zu gleichen Teilen. Untrennbar mit der Philosophie sind vor allem Sokrates, Platon und Aristoteles verbunden. Alexander der Große steht hingegen für politische Entwicklung, militärische Expansion und die Verbreitung des kulturellen griechischen Erbes weit und nachhaltig über die damaligen Grenzen hinaus. Das kulturelle Erbe Griechenlands war auch in Rom willkommen, was sie nicht von der Übernahme Griechenlands abhielt, sondern diese sogar beschleunigte.
Und wieder war es die Sprache und die Schrift, die eine neue Zeit einläutete. Die altgriechische Verkehrssprache des Mittelmeerraumes war etwa zwischen 300 v. bis 600 n. Chr. die Koine. Die Schriften des Neuen Testamtens erreichten dadurch in kurzer Zeit sehr viele Menschen. Das Christentum wurde zur prägenden Religion Griechenlands. Byzanz, Kreuzfahrer, Venezianer, Türken traten in wechselnder Folge die Herrschaft über das zersplitterte Griechenland an. Nur das Griechentum geriet nicht in Vergessenheit.
Zerrissen wie der geographische Eindruck von Festland und Inselwelt ist daher die politische und religiöse Entwicklung Griechenlands ab römischer Zeit. Fremdherrschaften, Monarchien, Kriege, Widerstände und Vertreibungen kamen und prägten Land und Menschen. Der Weg des heutigen Griechenlands in eine moderne Demokratie war steinig. Neben vielen anderen Aspekten europäischer Zivilisation und Tradition sind die populärsten echte griechischen Highlights: Homer, Olympia und Theater. Und überaus passend kam der Vorschlag jährlich eine europäische Kulturhauptststadt zu zelebrieren von der griechischen Künstlerin Melina Mercouri. Und zuletzt sollte man nie vergessen, dass die Demokratie eine gebürtige Athenerin (um 600 v. Chr.) ist und maßgeblich für die Europäische Union ist, der Griechenland seit 1981 angehört.

Akustisch unterlegt von zahlreichen exzellent ausgewählter musikalischer Klänge aller Epochen - u.a. von musica romana - und stimmlich getragen von Rolf Becker. Mit wohl modulierter Sprache gelingt es ihm Stimmungen und komplexe Inhalte zu einer spannenden Einheit zu verweben. Roswitha Rösch zeichnet erneut für gelungene Cover-Gestaltung und Grafik verantwortlich. So macht es wirklich Freude den unentzifferbaren “Diskos von Phaistos” in die CD-Lade zu werfen und Griechenland zu hören.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Geografische Kostbarkeiten

Mittwoch, 29. April 2009

Notiz

Annäherung an die Ferne
Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

ÖNB Prunksaal
24. April bis 8. November ‘09

Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

Weltkarte, Joan Blaeu, Nova Et Accuratissima Totius Terrarum Orbis Tabula …, Amsterdam 1662 © OeNB 

Es ist doch immer wieder erstaunlich, was aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek für kurze Zeit ans Licht gezaubert wird. Jenes Licht, das für die kostbaren Objekte auf Dauer so schädlich ist, dass sie dem staunenden Publikum nur selten präsentiert werden können, um ihre Brillanz auch für die nächsten Generationen zu erhalten.

Titelblatt mit Afrika-Karte Antonio Fracanzano da Montalboddo (Hrsg.), Mailand 1508 © OeNB Afrika, Asien und Amerika sind die Stationen der Ausstellung, die der Gliederung des berühmten 11-bändigen Atlas Major (1662) von Joan Blaeu folgt.

Tulpe La Grande Sultane, Nicolas Robert, [1650 - 1655]  (Ausschnitt) © OeNBUnd von frühen Berichten bis zum begehrten Sammelobjekten aus fernen Ländern reicht.

Asiatische Kostbarkeiten Frederick de Wit, Indiae Orientalis, Amsterdam um 1680 (Ausschnitt aus Indiae Orientalis) © OeNB Sie sind einzigartig. Sie sind selten oder nie zu sehen. Alles gute Gründe die Ausstellung zu besuchen. Aber der beste Grund ist, dass die Ausstellung exzellent kuratiert wurde. Es werden fantastische Geschichten über Sichtweisen und ihre Veränderungen offenbart. Es wird deutlich herausgearbeitet wie die Welt langsam immer größer wurde und wie das Unbekannte dieser Welt immer schneller weniger wurde. 

Insel Makian Joannes Vingboons, In: Altlas Blaeu-Van der Hem, Band 40, Amsterdam um 1670 © OeNB Und nicht zuletzt wird deutlich, wie nahe sich Wissenschaft, Kunst, Sammelleidenschaft und Geheimhaltung kommen können. Nur kurze Zeit ist eine Seite aus dem 50-bändigen ”Atlas Blaeu-Van der Hem” zu sehen, der alles dies in sich vereint. Seit 2003 steht das Monumentalwerk einer Sammlerleidenschaft - die auch geheimes Material einschloss - auf der UNESCO-Liste Memory of the World als Weltdokumentenerbe.

Titelblatt David Fabricius, Korte Beschryvinge van West Indien, Hamburg 1612 © OeNB Geografie, Topografie, kulturelle, wirtschaftliche, politische und naturwissenschaftliche Betrachtungen wurden in Karten und Tagebüchern aufgezeichnet. Einige vermischten Fundiertes und Fiktion, andere hielten sich strikt an das Beobachtete.

 Insel Gungong Api Amsterdam um 1670 (Ausschnitt aus der Karte der Banda Inseln) © OeNB Und auch funktionale Land- und Seekarten überschreiten oft die Grenze zur fiktionalen Kunst. Und genau das ist es, was das ausführliche Betrachten selbst für Laien so spannend macht. Jedes Objekt lädt zum intensiven Hinschauen ein. Unendliche Details können entdeckt werden. Details, die nicht nur Verzierung waren, sondern Bezüge zum damaligen Geschehen, den Auftraggebern und Benutzern herstellen.

Karte der Banda Inseln Amsterdam um 167 (Ausschnitt aus der Karte der Banda Inseln) © OeNB Schiffe, die beflaggt und unter vollen Segeln Kanonen abfeuern.

Afrika Willem Janszoon Blaeu, Africae nova descriptio, Amsterdam 1617 (Ausschnitt) © OeNB Schiffe, die mit vollen Segeln Fahrt aufnehmen.

Afrika Willem Janszoon Blaeu, Africae nova descriptio, Amsterdam 1617 (Ausschnitt) © OeNB Seeungeheuer, die den Längengrad durchschwimmen.

Kanada Novae Franciae Accurata Delineatio, Francesco Giuseppe Bressani, Paris 1657 © OeNB Einheimische in ihren Booten , die sich auf die offene See wagen.

Sergipe (Brasilien) Georg Marggraf In: Joan Blaeu, Atlas Maior, Amsterdam 1662 (Ausschnitt) © OeNB Tiere, die faszinierten oder als landestypisch angesehen wurden.

Pirat in der Karibik Alexandre Olivier Exquemelin, Histoire Des Avanturiers, Paris 1686 © OeNB Natürlich auch die unvermeidlichen Piraten, die bis heute ein Problem der Seefahrt sind, in zeitgenössischen Bildern.

Männer aus Cochin India Maior, Hand Burgkmaier d. Ä., Oppenheim 1509 (Ausschnitt) © OeNB Und besonders spannend sind Berichte und Bilder über ferne Kulturen und fremde Völker. Erstaunlich ist, dass zunächst noch wertfrei abgebildet wird. Weniger überraschend wie schnell sich der Wandel vollzieht und Verachtung, Sklaverei und Völkermord dominieren.

Unglaublich faszinierend, eindrucksvoll und ewig schade, wenn man den Besuch verpasst.

© S. Strohschneider-Laue

Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

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Wiener Wirtshauskochbuch

Dienstag, 28. April 2009

Non-Fiction

Christian Hauenstein, Klaus Kamolz, Ingo Pertramer
Wiener Wirtshaus Kochbuch
Metroverlag 2009, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 9025 1782 1

Wiener Wirtshaus Kochbuch  Wiener Wirtshauskochbuch

Ein Wiener, ein Kärntner und Salzburger gehen in Wien zum Wirten… Und herauskommt kein Witz, sondern ein Buchschmankerl! Stammtisch, Menutafel und Speisen in feinsten Nahaufnahmen, Storys zum Einlesen und Rezepte zum Nachschmecken. Ein geniales viergängiges Menu plus Lesevergnügen nach Wiener Art für daheim - wo immer das auch sein mag.

Noch bevor ganz wienerisch aufgekocht wird, gibt es einen guten historischen Überblick zum Wiener Wirtshaus. Und vieles ist bis heute gleich geblieben, vor allem wenn es um die Wandlungsfähigkeit geht. Oder die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert in 83 von 155 Neulerchenfelder-Häusern ein Ausschank zu finden war. Viel Unterschied ist das meines Erachtens nicht, wenn man bedenkt, dass heute rund 800 Wirtshäuser in Wien um Gäste buhlen. Und trotz der Veränderungen in den Lebensgewohnheiten und der wachsenden Vielfalt internationaler Restaurants, ist das Wiener Wirtshaus mit seiner Speisekarte und Ausstattung sich selbst und damit die Kundschaft ihm treu geblieben.

Holzverkleidung an den Wänden, Schiffboden, Holztische mit Menagerie (Zahnstocher, Salz, Pfeffer und Maggiflasche), Extrazimmer mit Tischdecken und die Budel (Tresen) mit Vitrine in der sich Pez, Mannerschnitten und Bensdorp Schokoladeriegel stapeln, sind nicht nur Erinnerungen an vergangene Kindheitstage. Erinnerungen, die geprägt sind von fetten Suppen, riesigen Fleischportionen - bei denen knackiges Gemüse Nebensache aber gut Verkochtes mit Einbrenn Hauptsache war - und dem süßen Salat, der die Vitamine beisteuerte. Und unvergessen sind die Süßspeisen, die das von mir ungeliebte Beuschl perfekt ersetzten. Auch wenn sich die Portionen in Größe und Fettanteil an den heutigen Kundenwunsch angepasst haben, sind die Optik und die Angebote doch die alten geblieben und sie erfreuen sich einer erstaunlichen Renaissance in der jungen Wiener Szene.

150 Rezepte zum problemlosen Nachkochen typischer Suppen, Vorspeisen, Hauptspeisen und den unverzichtbaren Nachspeisen enthält die Sammlung. Alle wohl gegliedert und in typisch österreichischem Sprachgebrauch (Erdäpfel, Paradeiser, Semmelbrösel, Schwammerl) vorgestellt. Wientouristen schon deshalb dringend zu empfehlen; denn internationale Stadtkultur unterscheidet sich inzwischen fast nur noch durch Essen und Sprachgebrauch von den allweltlichen touristischen Beliebigkeiten. Aber keine Sorge, das Glossar hilft weiter, wo das Wörterbuch Deutsch-Österreichisch versagt. Und was haben die Einheimischen - gemeint sind alle ÖsterreicherInnen und nicht nur die WienerInnen - davon? Ganz ehrlich, wer weiß noch, wie man Kalbsbries, Fiakergulasch, Linsen mit Knödel, Polsterzipfe oder gefüllte Dalken zubereitet? Schließlich geht man für den Genuss dieser Speisen ins Wirtshaus. Nein nicht nur, man hat das Buch zum Nachschlagen im Kochbuchregal stehen, fährt mit dem Finger die Zeilen im Register hinunter und überrascht seine Gäste mit einem unüblichen Essen, das nicht wie üblichen aus dem Wok oder vom Raclettegrill stammt.

Erfrischend zeitgeistig und unverschnörkelt präsentieren sich Buch und Inhalt. Zum übersichtlich gegliederten und großzügigen Layout gesellen sich die etwas anderen Porträts von Ingo Pertramer. Er hat mit seinen Fotos auf das Wirtshausdetail geschaut. Es gibt zwar zur Kapiteleinleitung auch das eine oder andere Supperl, Fleischstück oder Knöderl zu sehen, aber eigentlich steht das Ambiente mit seiner unverkennbaren Ausprägungen im Mittelpunkt. Es geht nicht um plastifizierte Food-Fotografie essensähnlicher Pappendeckel, sondern um das Brotkörberl, die Kleiderhaken, die Emailschilder und die handbeschriebene Menuetafel.

Köstlich, ich habe mich schon lange nicht mehr an einem Kochbuch mit einem solchen Appetit voll-gelesen, genuss-gesehen und satt-gegessen. Ich werde wohl meinem kochenden Freundeskreis und meine deutsche Verwandtschaft mit einem Karton Wiener Wirtshauskochbücher beglücken. Bei diesem günstigen Buchpreis bleibt mir sogar noch genug übrig, um mir ein Seiderl, Erdäpfelgulasch und Palatschinken servieren zu lassen.

Mahlzeit!

© S. Strohschneider-Laue

Wiener Wirtshauskochbuch

Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
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Friaul Essen und Trinken

Freitag, 27. März 2009

Non-Fiction

Gerd Wolfgang Sievers
Friaul genießen
200 authentische Rezepte und Lokaltipps
Brandstätter 2009, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 85033 228 6 

Friaul genießen  Friaul genießen: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps

Friaul, die Landschaft im Nordosten von Italien, mit ihrer Landeshauptstadt Udine ist ein touristischer Reizpunkt. Eingebettet zwischen Venetien, karnischen Alpen, Slowenien und Adria wurde das ehemalige langobardische Herzogtum durch unterschiedliche kulturelle und politische Einflüssen geprägt. Diese Vielfalt zeichnet sich auch in den Sprachen der Region ab. Neben Italienisch wird furlanisch, slowenisch und deutsch gesprochen.

Und kein Wunder, dass sich somit auch die Küchenkunst als abwechslungsreich erweist. Gerd Wolfgang Sievers hat sich als Profikoch in seiner zweiten Heimat auf die Spurensuche nach der authentischen Küche begeben. Und er hat sich für die Bauernküche entschieden, die die Region Julisch-Venetien mit ihren maritimen Schwerpunkten und Einflüssen ausklammert.
Gut so! 
Getreide, Hülsenfrüchte und Fleisch - insbesondere Wild - stehen nicht auf jedermanns Speisezettel. Aber ganz ehrlich, wollen Sie tatsächlich ”jedermann” sein? Jemand der das Unbekannte verschmäht, um Gewohntes zu konsumieren? Wo ist die Entdeckerlust, die alle Sinne - also auch den Gaumen - anspricht? Keine Sorge, wenn man Friaul ohne Julisch-Venetien als Gourmet erkundet, muss man trotzdem nicht auf Fisch verzichten und ganz bestimmt nicht verhungern.

Von der Vorspeise bis zum süßen Schluss ist der friulanische Tisch reichlich und abwechslungsreich gedeckt. Radicchio mit Wurst oder Wachtelbohnen, eingelegte Pilze (Halimasch) oder mit Zitronensaft marinierte rohe Forellenfilets zur Vorspeise klingen fantastisch, aber Hirschschinken mit Honig lässt mir sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Rollgerste-Bohnen-Suppe ist mir danach etwas zu üppig, aber Spinatsuppe klingt passend. Vor allem damit noch Platz für die gegrillte Forelle bleibt. Auf die Muscheln werde ich aus ganz persönlichen, überlebenstechnischen Gründen wohl wieder einmal verzichten müssen. Es ist schon Pech, wenn man nicht nach dem Geschmack, sondern nach der Verträglichkeit entscheiden muss, was serviert werden darf. Die Polenta lasse ich ebenfalls aus, sonst passt nichts mehr hinein und es gibt doch noch so viele gute Speisen zu verkosten. So gute Speisen wie die Tagliatelle mit Wildschweinsauce oder die Brennnessel-Gnocchi. Die Entenbrust von der Grillplatte oder der Hase süß-sauer muss es dann unbedingt noch sein. Dann kann ich getrost auf Pilze, Gemüse und Eierspeisen verzichten, um mich mit letzter Kraft den Süßwaren zuzuwenden. Süßwaren wie Ramandolo-Gebäck oder Maronitorte. Die Obstvarianten lasse ich aus, so gesunde Köstlichkeiten ist mein Körper nicht gewohnt und ich will es ja nicht gleich bei der ersten authentischen Friaul-Mahlzeit restlos übertreiben. Schließlich wurde Rom nicht in einem Tag erbaut und Friaul kann nicht in einem Tag kulinarisch erkundet werden.

Nein, Friaul kann definitiv nicht an einem Wochenende mit dem Gaumen und Magen erfasst werden. Zum Vorverkosten, Miterleben und Nachgenießen, wenn Norditalien Urlaubsziel ist, ist “Friaul genießen” sehr empfehlenswert. Dennoch sollte man kein Einsteigerkochbuch erwarten. Die speziellen landestypischen Zutaten sind sicher nicht überall leicht zu beschaffen. Und Schengener-Abkommen hin oder her, wenn man einen Lastwagen beladen mit Spezialitäten “für den privaten Bedarf” über die Grenze bringen will, fällt man sicher negativ auf. Für weniger versierte KöchInnen - die Rezepte sind exzellent beschrieben und sollten keine Probleme bereiten - ist dieses Buch ein idealer Friaulbegleiter. Ausgewählte Lokaltipps, Hinweise auf Weinfeste und ein Glossar, das ein wenig umfangreicher hätte ausfallen dürfen, runden das appetitliche Buch ab.

Erwähnt sei noch, dass Gliederung und Layout übersichtlich und ansprechend sind. Und selbstverständlich ist das Buch strapazfähig genug, um einen ständigen Kücheneinsatz zu überleben. Schön, dass Gerd Wolfgang Sievers nicht nur Kochen und Schreiben kann, sondern auch ein Händchen für das Fotografieren hat. Die Fotos zeigen nicht nur die Speisen von ihrer appetitlichsten Seite, sondern sie bestechen besonders durch ihre trügerische Schlichtheit. Perfekt zubereitete und servierte Gerichte, die trotzdem echt wirken, und normale Menschen, die keine Nip-Tuck-Opfer sind, sieht man in Publikationen nur noch selten. Meist wirken von der Avocado bis zur Servierkraft alle Beteiligten wie Pappe, Plastik und Haarspray, dieses Gefühl hat man hier nicht - vielen Dank dafür!

© S. Strohschneider-Laue

Friaul genießen: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps

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Basel: 50 000 Jahre

Donnerstag, 19. Februar 2009

Non-Fiction

Guido Lassau
Zeitreisen durch 50 000 Jahre Basel
Christoph Merian 2009, Dt./Engl., 72 S., 22 farbige Abb.
ISBN 978 3 85616 466 9

Zeitreise Basel Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

Guido Lassau, Kantonsarchäologe von Basel, macht mit prägnanten Texten und Fotos Lust auf archäologische Entdeckungstouren in Basel. Von der Altsteinzeit bis ins Spätmittelalter führt seine Zeitreise.

Elf Fundorte, die repräsentativ für ihren Epoche oder Zeitabschnitt sind, werden in Wort und Bild vorgestellt. Die kurzen Abrisse führen auch archäologische Neulinge sprachlich leicht fassbar und fesselnd in die für die jeweilige Zeit kennzeichnenden Situationen wie Umwelt, Lebensweise, technische Entwicklungen oder soziale Strukturen ein. Verweise auf die Häufigkeit, Verteilung oder Weiterentwicklung der Fundstellen verschaffen eine guten Eindruck der Besiedlungsgeschichte Basels. Eine Besiedlungsgeschichte, die mit den ersten Begehungen durch die noch nicht sesshaften Neandertalern der Altsteinzeit ihren Anfang nimmt und bis zu den städtischen Strukturen im Mittelalter reicht.

Anschaulich illustriert werden die Texte durch die Gegenüberstellung von digitaler Rekonstruktion der Vergangenheit und aktuellem Foto des Fundortes. Für die exzeptionellen Rekonstruktionen, die den Fotos der Fundorte maßstäblich entsprechen, zeichnet Digitale Archäologie verantwortlich. Der Umschlag des Buches ist abnehmbar und entpuppt sich beim Aufklappen als Luftbild von Basel. Die im Buch beschriebenen Fundorte sind auf dieser fotografischen Übersichtskarte verortet und leicht auffindbar.

Ein idealer Reisbegleiter sowohl für archäologisch Interessierte als auch für Schulen in Basel und Umgebung - für letztere ein eindeutiges “Muss”. Ein weiteres gelungenes Produkt der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und definitiv beispielgebend für alle Elfenbeintürmler in vergleichbaren Institutionen.

© S. Strohschneider-Laue

Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

siehe auch:
Auf dem Basler Münsterhügel  -  Rezension

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Frosch & Lurch

Montag, 02. Februar 2009

Non-Fiction

Thomas Marent
Frösche und andere Amphibien
Dorling Kindersley 2009, 280 S., über 400 Farbfotos. 
ISBN 978 3 8310 1356 2

Frösche und Amphibien Frösche & andere Amphibien

Sie sind hübsch, manchmal tödlich giftig und in vielen Fällen extrem gefährdet: Frösche und Amphibien. Sie reagieren empfindlich auf Klimaänderungen. Sie benötigen Feuchtigkeit und haben es gerne kuschelig warm. Trotzdem schwimmen nicht alle gut oder gerne. Es gibt Flugakrobaten, Wüstenbewohner und Frosttaugliche. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind attraktive Fotomodelle und viel mehr als nur “kermit”-grün. So vielfältig wie ihr Erscheinungsbild sind ihre Lebensräume. Winzigkleine Hüpfer im Privatuniversum ihrer winzigen Blattteiche, Welten im Miniformat. Und als Eltern haben sie sich für ihren Nachwuchs sehr viel einfallen lassen. Huckepack dabei, Eischnüre und Geleeballen im Wasser oder auf einem Blatt gut in Schleim verpackt sind einige Möglichkeiten der nächsten Generation einen guten Start zu ermöglichen. Die Kapitel Artenspektrum, Körperbau, Überleben, Fortpflanzung und Amphibienfamilien bieten einen guten Überblick zum Thema. Grundlegende Informationen, die durch ihre fantastische fotografische “Verpackung” umso mehr an Gewicht gewinnen.

Es gibt viele Gründe das Buch zu kaufen und jeder davon ist stichhaltig. Übersichtliche Information und einzigartigen Aufnahmen sind zwei davon; denn Thomas Marent gelingt es Frösche ins rechte Licht zu rücken und sie von ihren beeindruckenden Seiten zu zeigen. Einmal spiegelt sich der Fotograf sogar selbst im Froschauge und kehrt damit die Sichtweisen von Fotograf und Motiv um. Und die Fotomodelle sind allesamt frei von Allüren, ganz natürlich, garantiert botoxfrei und vielleicht gerade deswegen echte Persönlichkeiten. Es macht Spaß die Bilder zu erkunden und es macht Spaß die - oft sehr persönlichen - Texte zu lesen. Es macht Spaß das tolle Buch zu besitzen. Aber das Buch weckt auch Wünsche. Wünsche die Artenvielfalt dieses Planeten zu erhalten, sie zu beobachten, sie zu dokumentieren, sie an die nächste Generation im vollen Umfang weitergeben zu können und nicht zuletzt den Wunsch so fotografieren zu können wie Thomas Marent.

© V. Strohschneider

Frösche & andere Amphibien

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Frauen erobern die Welt

Dienstag, 28. Oktober 2008

Non Fiction

Alexandra Lapierre, Christel Mouchard
Frauen erobern die Welt
Abenteuer - Reisen - Expeditionen. Unterwegs auf fernen Kontinenten
Aus dem Französischen von Franziska Weyer 
Flammarion (im Vertrieb von Prestel) 2008, 240 S., zahlreiche Abb.
ISBN 978 2 08 020067 9

Frauen erobern die Welt Frauen erobern die Welt

Die von Alexandra Lapierre und Christel Mouchard für ihr Buch “Frauen erobern die Welt” ausgewählten weiblichen Reisenden bewiesen Neugier, Mut, Durchhaltevermögen, Organisationstalent, Improvisationsgeschick, Durchsetzungskraft, diplomatisches Fingerspitzengefühl und Führungsqualitäten. Forscherinnen erprobten ihr Fachwissen im Feld und zeigten ihre Fähigkeit wissenschaftlich zu arbeiten. Müßiggängerinnen genossen es, neue Erfahrungen zu sammeln. Literarisch Ambitionierte erwiesen sich als begnadete Reiseschriftstellerinnen. Netzwerkerinnen bemühten sich um internationale Beziehungen.
Jede der 31 porträtierten Frauen ist einzigartig. Familiäre Hintergründe, Vermögensverhältnisse und Lebensläufe weisen kaum Übereinstimmungen auf. Und doch eint diese Frauen der eiserne Wille zu einem selbstbestimmten Leben.

Die aktive Reisetätigkeit der, von den Autorinnen für das attraktiv gestaltete Buch ausgewählten, fernwehgeplagten Damen fällt - bis auf drei Ausnahmen - in die Jahre von 1850 bis 1950. Es ist eine Zeitspanne des gesellschaftlichen Umbruchs, in der es Frauen gelingt, sich im bewussten oder unbewussten Aufbegehren gegen herrschende Rollenbilder Freiräume zu schaffen. Die Protagonistinnen des Buches “Frauen erobern die Welt” waren Pionierinnen, auch wenn sie sich meist nicht als solche empfunden haben.
Vorgestellt werden: Catalina de Erauso, Aphra Behn, Isabel Godin des Odonais, Ida Pfeiffer, Alexine Tinne, Mary Seacole, Florence Baker, Isabella Bird, May French Sheldon, Marianne North, Jane Dieulafoy, Fanny Stevenson, Mary Kingsley, Fanny Bullock Workman, Gertrude Bell, Margaret Fountaine, Daisy Bates, Nellie Bly, Isabelle Eberhardt, Charmian Kittredge, Alexandra David-Néel, Freya Stark, Karen Blixen, Evelyn Cheesman, Rosita Forbes, Margaret Mead, Ella Maillart, Osa Johnson, Odette du Puigaudeau, Anita Conti, Emily Hahn.

Dass auf den 240 Seiten eines reich bebilderten Buches die Lebensgeschichten von 31 Frauen nur oberflächlich abgehandelt werden können, liegt auf der Hand. Ein echtes Ärgernis ist jedoch die stellenweise bemüht lockere Wortwahl, die wenig dazu beiträgt Klischees zu entkräften. Als kleine Kostprobe mag ein Kommentar zur Reisetätigkeit englischer Frauen genügen: “… , da das viktorianische Zeitalter zahlreiche Damen hervorbringt, die wie sie mit steifem Kragen, Hutschleier und Sonnenschirm, manchmal auch mit Staffelei oder Schmetterlingsnetz, aber immer mit einer ansehnlichen Rente und Empfehlungsschreiben, die Kontinente abgrasen. Sie alle sind ältliche Jungfern, ehrenhaft und einsam, ungestüm und doch so sittsam.” Die Frau, deren Porträt diese Worte einleiten, ist Marianne North (1830-1890), die als 40-Jährige aufbricht, um Pflanzen ferner Länder auf Leinwand festzuhalten. 832 ihrer Gemälde können noch heute in der Marianne North Gallery, Royal Botanic Gardens, Kew bewundert werden. Um zu malen, bereiste Marianne North, unter anderem, Amerika, Kanada, Jamaica, Brasilien, Chile, Japan, Borneo, Indien, Ceylon, Südafrika, Australien und Neuseeland. Selbst in Zeiten des Langstreckenflugs ist das eine beeindruckende Leistung. Vor allen, wenn es sich nicht um sinnentleertes Jetsetten, sondern um die Erfüllung einer selbst gewählten Aufgabe, also um Arbeit, handelt.

“Frauen erobern die Welt” ist ein Buch, das so manches “Aha-Erlebnis” bereithält. Die unerschrockenen Fernreisenden durchquerten Wüsten, unwirtliche Berglandschaften und den Dschungel, engagierten sich für Eingeborene oder in Kriegen verwundete Landsmänner, sammelten Informationen oder Insekten und fanden Wege ihre Erlebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die 31 - aus Kurzbiografie, historischem Bildmaterial und einem Zitat bestehenden - Steckbriefe machen mit faszinierenden Persönlichkeiten bekannt. Schlussfolgerungen und Entwicklungstendenzen werden in Texten präsentiert, die das Buch in zeitliche Abschnitte gliedern. “Frauen erobern die Welt” ist ein Coffee Table Book dem es gelingt, die Lust zu wecken, sich mittels anderer Quellen eingehender mit den vorgestellten Frauen und ihrem Werk zu beschäftigen.

© Ch. Ranseder

Frauen erobern die Welt

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Deutschland hören

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Non-Fiction

Corinna Hesse
Deutschland hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 02 7

Deutschland hören Deutschland hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Deutschlands

Nominiert zum Deutschen Hörbuchpreis (2007 beste verlegerische Leistung, 2008 beste Information), war die Länderreihe schon zweimal. Die Ausstellung “Das “Auge hört mit” würdigte die Leistung auf der Leipziger Buchmesse und jetzt folgt brandaktuell der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Also wer es bis jetzt nicht gemerkt hat, dass diese Ländereihe ein ebsno kurzweiliges wie fundiertes Hörerlebnis ist, sollte spätestens jetzt die Ohren aufsperren und zuhören.

Gelegenheit dazu bietet “Deutschland hören”, das nach Frankreich hören und Türkei hören den diesjährigen Länderreigen schließt. Passend zum Tag der Deutschen Einheit erscheint die moderne Silberscheibe, die grün und golden wie die urzeitliche Bronzescheibe von Nebra gestaltet ist. Ein optischer Geniestreich, denn das bronzezeitliche Objekt aus Deutschland hat weltweite Schlagzeilen gemacht und kulturelle Wellen geschlagen. Sie macht auch den thematischen Auftakt zu den zwanzig Hörkapiteln rund um das kulturelle “Deutschland”. Die “Germania” des Römers Tacitus, die Merseburger Zaubersprüche und Hildebrandslied, mit der passenden musikalische Untermalung von Duivelspack, werfen bezeichnende Schlaglichter römische Wahrnehmung und germanische Selbstsicht. Nach dem geschmiedeten Himmel, im Spiegel des Feindes und Wodans Fährte, wendet sich die CD dem Bildung mit System unter Karl dem Großen zu. Schöner Schein und blutiger Ernst (Walther von der Vogelweide, Nibelungenlied) beschließen das Mittelalter. Mit dem brennenden Gott (Isenheimer Altar), Büchernarren - gefallene Engel und der Kraft des Wortes wird mit Grünewald, Brant, Dürer, Luther die Neuzeit eingeläutet. Meistersinger, Doktor Faust, Dreißigjährigem Krieg und Simplicissimus stehen in Folge für die Suche nach Ordnung und die Kollision von Gegensätze, während im Kapitel “Alles nach Maß und Zahl”, der harmonische Kosmos von Kepler bis Bach im Mittelpunkt steht. Philosophie und Bildung unter Friedrich dem Großen, Menschheitsdramen im Zeichen der Aufklärung von Lessing und Goethe sowie die freiheitliche Ideale am Beispiel von Schiller und Beethoven zeigen einen neuen Wendepunkt auf. Es folgt die staatliche Selbstfindung nach dem Wiener Kongress, eine Neuordnung, die in Folge die Proletarier aller Länder zur Vereinigung aufruft und 1848 für ein Jahr zu einem frei gewählten Parlament führt. Das Deutsche Reich entsteht aus Geld und Gewalt und baut auf Übermenschen und Untertanen. Die inhaltlichen und kulturellen Gegensätze prallten schon vor dem Ersten Weltkrieg aufeinander und werden anschließend zwischen Dada und Bauhaus zum neuen Ausdruck. Und trotzdem zeichneten sich die ”Notzeiten für Blechtrommler” bereits ab auch wenn man das Volk nicht abwählen konnte. Getrennte Entwicklungen unter kommunistischen und kapitalistischen Vorzeichen konnten die Identitätssuche nicht stoppen. Wie das letzte Kapitel “Von Zimmerspringbrunnen und Hobbygärtner” Deutschland treffend nach der Wiedervereinigung beleuchtet.

Ein spannender Abriss, dem man in seiner Leichtigkeit nicht anmerkt wie schwierig es gewesen sein muss in 80 Minuten nur die wesentlichsten Highlights der fast ausschließlich von Männern geprägten Kulturgeschichte herauszupicken. Die identitätstiftenden Höhenflüge sowie unmenschlichen Tiefpunkte wurden im Hörbuch “Deutschland Hören” zu einem kritischen Kulturreigen über und für die Deutsche Bevölkerung. So eingängig-nachhaltig muss Pflichtlektüre für die Ohren sein. Genial geschrieben von Corinna Hesse, genial gelesen von Rolf Becker und grafisch von Roswitha Rösch als echter Blickfang gestaltet. Bitte mehr davon!

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Das Oderbruch

Dienstag, 01. Juli 2008

Non Fiction

Carmen Winter
Das Oderbruch - Liebe auf dem zweiten Blick

Findling 2008³, 144 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 933603 27 2

Das Oderbruch Das Oderbruch - Liebe auf den zweiten Blick: Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer

Eine Entdeckungsreise im östlichen Brandenburg sollte man nicht ohne diesen handlichen Band unternehmen, man könnte etwas verpassen… Mit viel Liebe und persönlichem Bezug beschreibt Carmen Winter die Landschaft Sehenswürdigkeiten und Menschen des Oderbruchs. Kein Wunder, dass die Publikation inzwischen schon die dritte Auflage erlebt. Qualität zeigt Bestand!

Einleitend werden die naturräumlichen Gegebenheiten und die zugehörige Besiedlung vorgestellt. Die folgenden vier Kapitel laden zu einer Rundreise ein, die von Seelower Höhen und Pontische Hügel über Alte Mauern und neue Grenzen zu Musenhöfen und Pioniere der Landwirtschaft führt und letztlich bei Schloss, Burg und Insel anlangt. In diesem kulturhistorischen und touristischen Reiseführer beweist Carmen Winter, dass Reiseführer nicht nur sachlichen Inhalt bieten müssen, sondern auch lesenswerte Literatur sein können. Im angenehm warmen Gelbton unterlegte Textteile bieten zusätzliche Informationen, die Gastronomie, Übernachtungen, Feste, Touren und Sehenswürdigkeiten betreffen. Eine Liebe auf den ersten Blick kann mit Hilfe dieses Reiseführers durchaus möglich werden.

Ein Orts- und Literaturverzeichnis runden den strapazfähigen Reisebegleiter, der den Begriff “taschentauglich” verdient, benutzerfreundlich ab. Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch, dass das ansprechende Layout und die gute Qualität der Fotos den Band nicht nur behübschen, sondern die gebotene Information optisch unterstützen.

© S. Strohschneider-Laue

Das Oderbruch - Liebe auf den zweiten Blick: Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer

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Jacques-Yves Cousteau

Sonntag, 29. Juni 2008

Non-Fiction

Jacques Cousteau, Susan Schiefelbein
Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus
Campus 2008, 371 S.
ISBN 978 3 5933 8564 8

Jacques Cousteau Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus. Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt 

Am 11. Juni 2010 jährt sich der Geburtstag von Jacques-Yves Cousteau zum 100. Mal. Kein anderer hat im 20. Jahrhundert die Erforschung des „10. Kontinents” so maßgeblich angeregt und vorangetrieben wie diese schillernde Persönlichkeit. Mehrere Generationen sind mit seinen spannenden und abwechslungsreichen TV-Reportagen „Geheimnisse des Meeres” aufgewachsen und dadurch auch angeregt worden, selbst an der Erforschung des Meeres teilzunehmen. Zur sommerlichen Grundausstattung von Kindern und Jugendlichen gehörten schon ab Beginn der 1960er Jahre Taucherbrille, Flossen und Schnorchel.

Cousteaus anfängliches Interesse für die Eisenbahn wurde bald vom Interesse für das Meer und der Fliegerei abgelöst. Durch einen Autounfall an seiner Fliegerkarriere verhindert, wendete sich Cousteau nun dem Geschehen auf und unter der Meeresoberfläche zu. Er trat 1933 der französischen Kriegsmarine bei. Während des Zweiten Weltkriegs war Cousteau Mitglied der Resistance. Die Kriegsmarine verließ er 1950 als Korvettenkapitän. In dieser Zeit widmet er sich besonders der Entwicklung und Verbesserung von Gerätschaften, die einen längeren Aufenthalt in einiger Wassertiefe ermöglichen. So wurden Atemgeräte, Tauchermasken und auch Unterwasser Fortbewegungsmittel erfunden oder weiterentwickelt.
Die entscheidende Wende in Cousteaus Leben, die Wandlung von einer lokalen Berühmtheit zu einem internationalen, weltweit bekannten Meeresforscher und Medienstar, wurde durch den Erwerb der Calypso ausgelöst. Die Yacht leistete ihm auf vielen Forschungsreisen zwischen 1950 und 1996 ausgezeichnete Dienste.

Cousteau bediente sich geschickt der Medien. So wurde 1956 sein erster Film (Regisseur Louis Malle) mit der goldenen Palme und dem Oskar ausgezeichnet. Der weltweite Bekanntheitsgrad von Cousteau wurde so groß, dass sogar ein Yanomami-Indianer im hintersten Amazonien ihn erkannte und seine Expedition passieren ließ. Jacques Cousteau wurde 17 Jahre in Folge zum beliebtesten Franzosen gewählt. In mehr als 800.000 Briefen wurde er aufgefordert als Staatspräsident zu kandidieren. Vielfältig, faszinierend und prägend war seine Persönlichkeit und umso erfreulich ist es, dass in dem vorliegenden Buch endlich von der Journalistin Susanne Schiefelbein, einer langjährigen Mitarbeiterin Cousteaus, zehn Jahre nach dessen Tod dessen Vermächtnis eröffnet. Hier lässt Cousteau einerseits sein Leben revueartig passieren, andererseits beschreibt der Band seine Entwicklung zum Umweltschützer und Atomgegner.

Spannend und informativ wird das ohnedies schon abwechslungsreiche Leben und das Lebenswerk von Cousteau präsentiert. Definitiv nicht nur eine Pflichtlektüre für jeden Cousteau-Fan, deren einziges Manko es ist wenig Fotos zu bieten.

© R. Strohschneider

Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus. Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt

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Türkei hören

Sonntag, 01. Juni 2008

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Martin Greve
Türkei hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 79′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 01 0

Türkei hören Türkei hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Türkei

Selbst erfahrene Türkeireisende werden hier in einem geballten Überblick vom mythischen Ursprung bis in die Gegenwart sehr viel bislang Unbeachtetes erfahren. In zwanzig Kapiteln begleitet man das ursprünglich nomadische Volk aus Zentralasien. Der religiöse Schmelztiegel des Islam eint die Kulturen. Die Religion, Politik und Kunst werden untrennbar und die Ausweitung des Reichs aus Zentralanatolien gen Westen unaufhaltbar. 1366 fällt Adrianopel, 1453 schießen die Osmanen ein Loch in die mächtige Stadtmauer von Byzanz. Die letzte Erinnerung an oströmisches Erbe wird damit ausgelöscht. Die Hagia Sophia wird von christlicher Kirche zur Moschee deklariert. In kurzer Zeit wird die Stadt Konstantinopel zur Mega-City mit 400.000 Einwohnern. Erfolgreiche Kriegszüge lassen die Janitscharen, die Infantarie, in Folge zum Schrecken Europas werden. Bereits 1529 stehen sie - allerdings vergeblich - vor den Toren Wiens und 1683 belagern sie die Stadt wieder erfolglos. Das türkische Heer hat für Europa einen Teil seines Schreckens eingebüßt, dafür wird die türkische Kultur zur Mode. Aber auch der Austausch mit den westlichen europäischen Kulturen hat seine Spuren unter anderem in Musiktradition oder den Militärreformen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.

Vom frühen Dichter Yunus Emre bis zum Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk der Gegenwart spannt sich der literarische Bogen. Kalligraphie, Buchdruck und Malerei, Musik, Tanz und Islam gehen in der türkischen Kultur eine einzigartige Verbindung ein, die vom großen Vielvölkerstaat geprägt wird. Leichthändig und politsch sensibel, wird die Türkei als vielschichtiger und historisch wechselvoller kultureller Reigen präsentiert. Lebendig, sinnlich und traurig sind die ausgewählten Musikzitate. Sie stehen als harmonischer und dennoch fast gleichwertiger Bestandteil neben der ruhigen Stimme des Sprechers Ercan Durmaz. Mit roten Tulpen und weißen Derwischen auf türkisem Hintergrund hat Roswitha Rösch wieder kluges Gespür für passendes Cover- und Bookletdesign bewiesen.

Man muss die Silberfuchsreisen einfach alle haben. Unglaublich, aber fast besser als eine echte Reise und viel billiger! Ganz abgesehen davon, ist die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse 2008. Kurzweiliger und stimmiger kann man sich wirklich nicht kulturhistorisch über die Türkei informieren.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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