Mamerot - Chronik der Kreuzzüge
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Thierry Delcourt, Danielle Quéruel, Fabrice Masanès
Sébastien Mamerot - Chronik der Kreuzzüge
Von Karl dem Großen bis Sultan Bajsit
Taschen 2009, 2 Bände, 224 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 218 00795 5
Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge
Das wunderbar illuminierte Manuskript “Les Passages d’Outremer” aus dem 15. Jahrhundert befindet sich in der französischen Nationalbibliothek in Paris. Text und Bilder erzählen die Geschichte der Kreuzzüge ab Karl dem Großen bis zum Aufstand in Genua (1462). Das unbezahlbare Original in Händen zu halten, ist nur Wenigen vergönnt. Um so schöner ist es, dass Taschen ein hochwertiges Faksimile in herausragender Detailtreue und mit Goldhöhung vorgelegt hat. Begleitet wird dieses Werk von einem umfassenden Kommentarband, der eine vollständige Übersetzung enthält. Prachtband und Kommentarband werden gemeinsam durch einen königsblauen Schuber mit goldenen Lilien geschützt. Zieht man die beiden Bände heraus, hält man zwei gewichtige rot gebundene Bücher in Händen, deren aufwändige Ausstattung jedem Bibliophilen das Herz höher schlagen lassen.
Mit der Entstehung des Originals sind vor allem drei Namen verbunden: Sébastien Mamerot (um 1430-1490), der Autor, Jean Colombe (um 1430-1493), der Illustrator, und Louis de Laval (1411-1489), der Auftraggeber. Jean Colombe ist für seine unsterblich schöne Buchmalerei der ”Très Riches Heures” des Duc de Berry berühmt und nicht minder fantastisch sind die Illustrationen, die er für “Les Passages d’Outremer” schuf.
Die Kreuzzüge verursachten tiefgreifende politische und soziale Veränderungen. Die vordergründig religiös motivierten Kreuzzüge, hatten wie alle Kriege wirtschaftliche und strategische Hintergründe. “Jenseits des Meeres” (Outremer) vollzogen sich daher auch für die teilnehmenden Adeligen zahlreiche gesellschaftliche Ereignisse, die ihre Wirkung bis in die jeweilige Heimat entfalteten. Eines dieser tiefgreifenden Ereignisse ist wohl den meisten Menschen bekannt: Der berühmte Streit zwischen Richard Löwenherz und Leopold von Österreich vor Akkon im Jahr 1191. Der Zwist mündete schließlich in der Gefangenschaft Richard Löwenherz bei seiner Rückreise 1192 durch Österreich. Das hohe Lösegeld, das seine Untertanen für ihn aufbringen mussten, ermöglichte schließlich den Ausbau der Stadtbefestigung von Wien. Die Beschreibung der gegenseitigen Provokationen vor Akkon, das undiplomatische Verhalten kann man sowohl dem Faksimile als auch der Übersetzung im Kommentarband entnehmen. Die lebendige Schilderung lässt die Mächtigen der damaligen Welt durchaus als postpubertäre, machtgeile Männer erscheinen, die in ihrer Überheblichkeit jegliche, damals üblichen Umgangsformen weit hinter sich ließen. Das erfreut nicht nur Historiker, sondern verschafft noch immer - nach rund 550 Jahren - ein überraschendes Lesevergnügen.
Thierry Delcourt steuert im Kommentarband das umfassende Essay “Die Passages d’Outremer, ein Meisterwerk der französischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts” bei. Gemeinsam mit Danielle Quérel verfasste er zu dem “Editorische Anmerkungen”. Die Übersetzung des Originals besorgten Eva Dewes, Hubertus von Gemmingen und Regine Schmidt. Die Bildkommentare und die Zusammenfassung übernahm Fabrice Masanès. Abgerundet wird der Kommentarband von einer umfassen Bibliografie.
Ein herrliche Anschaffung, die ihren Wert behält!
Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge
Hier kann man im Buch blättern



Afrika, Asien und Amerika sind die Stationen der Ausstellung, die der Gliederung des berühmten 11-bändigen Atlas Major (1662) von Joan Blaeu folgt.
Und von frühen Berichten bis zum begehrten Sammelobjekten aus fernen Ländern reicht.
Sie sind einzigartig. Sie sind selten oder nie zu sehen. Alles gute Gründe die Ausstellung zu besuchen. Aber der beste Grund ist, dass die Ausstellung exzellent kuratiert wurde. Es werden fantastische Geschichten über Sichtweisen und ihre Veränderungen offenbart. Es wird deutlich herausgearbeitet wie die Welt langsam immer größer wurde und wie das Unbekannte dieser Welt immer schneller weniger wurde.
Und nicht zuletzt wird deutlich, wie nahe sich Wissenschaft, Kunst, Sammelleidenschaft und Geheimhaltung kommen können. Nur kurze Zeit ist eine Seite aus dem 50-bändigen ”Atlas Blaeu-Van der Hem” zu sehen, der alles dies in sich vereint. Seit 2003 steht das Monumentalwerk einer Sammlerleidenschaft - die auch geheimes Material einschloss - auf der UNESCO-Liste Memory of the World als Weltdokumentenerbe.
Geografie, Topografie, kulturelle, wirtschaftliche, politische und naturwissenschaftliche Betrachtungen wurden in Karten und Tagebüchern aufgezeichnet. Einige vermischten Fundiertes und Fiktion, andere hielten sich strikt an das Beobachtete.
Und auch funktionale Land- und Seekarten überschreiten oft die Grenze zur fiktionalen Kunst. Und genau das ist es, was das ausführliche Betrachten selbst für Laien so spannend macht. Jedes Objekt lädt zum intensiven Hinschauen ein. Unendliche Details können entdeckt werden. Details, die nicht nur Verzierung waren, sondern Bezüge zum damaligen Geschehen, den Auftraggebern und Benutzern herstellen.
Schiffe, die beflaggt und unter vollen Segeln Kanonen abfeuern.
Schiffe, die mit vollen Segeln Fahrt aufnehmen.
Seeungeheuer, die den Längengrad durchschwimmen.
Einheimische in ihren Booten , die sich auf die offene See wagen.
Tiere, die faszinierten oder als landestypisch angesehen wurden.
Natürlich auch die unvermeidlichen Piraten, die bis heute ein Problem der Seefahrt sind, in zeitgenössischen Bildern.
Und besonders spannend sind Berichte und Bilder über ferne Kulturen und fremde Völker. Erstaunlich ist, dass zunächst noch wertfrei abgebildet wird. Weniger überraschend wie schnell sich der Wandel vollzieht und Verachtung, Sklaverei und Völkermord dominieren.


