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Hamburg für Kinder

Freitag, 18. Oktober 2013
ab acht Ebensolch Rez-E-zine 76/13

Kathrin Sander (Text)
Michel Lengenfelder (Illustration)
Hamburg

Stadtführer für Kinder

Picus
, Wien 2013, 80 S., farbig illustriert
ISBN 978 3 8545 2169 3

Hamburg für Kinder Hamburg: Stadtführer für Kinder

Augen auf, Ohren gespitzt!

Der Wiener Picus Verlag macht Städte für Kinder interessant. Der Führer durch Hamburg ist daher nicht der erste Juniorreiseleiter im Programm: Wien, Salzburg, Berlin, München sind bereits erschienen.

Geschichte in Geschichten, Entdeckungstouren und mehr

Eine kleine Geschichte der Stadt verspricht genau das, was der Titel ankündigt: Kleine Geschichten, die das Wichtigste - knapp und witzig erzählt - vermitteln.

Anschließend folgen sechs Entdeckungstouren durch Hamburg. Für Eltern heißen die Touren u. a. “vom Michel zum Elbtunnel”. Da das aber für Kinder so überhaupt nicht verlockend klingt, werden sie mit Musik auf dem Turm, dicken Pötten und einem Unterwasserspaziergang neugierig gemacht. Und wer zu sich selbst ehrlich ist, findet das als Erwachsener auch ansprechender als eine Strecke zwischen zwei schnöden Stadtadressen. Dass die Texte zudem fröhlich-bunt illustriert sind, macht das ganze Angebot noch reizvoller.

Die knappen Geschichten sind genau so, wie sie sein sollen: Ein Zwischendurchspaß mit inhaltlichem Mehrwert. Sie haben den gewissen Haribo-Effekt. Die Kleinen werden bei Laune gehalten und die Erwachsenen ebenso. Egal ob während des Rundgangs laut vor- oder bei der eingelegten Naschpause nachgelesen wird, sie machen auf das Wichtigste links und rechts des Weges auf flotte und manchmal auch auf rätselhafte Weise aufmerksam.

Was es noch zum Unternehmen und Anschauen gibt, ist im siebten Kapitel zusammengefasst. Ein Aufstieg im Fesselballon verschafft den totalen Hamburgblick - zumindest bei Schönwetter. Hagenbeck, Museen - mir persönlich ist natürlich das Helms-Museum mit seinen tollen Angeboten rund um die Archäologie am liebsten - sind nur einige der vielen weiteren Vorschläge.

Im Anhang finden sich die Rätselauflösungen sowie ein Register.

Fazit

Mit knackigen, kurzen Erzählungen wird Hamburg bunt und fröhlich vermittelt: So machen Städtereisen mit Kindern Spaß. Dass das Buch handlich ist und sogar weniger achtsame Kinderhände überleben dürfte, sind zusätzliche Pluspunkte. Wenn man sich dann noch den moderaten Preis ansieht, kommt wahrlich Freude auf.

© S. Strohschneider-Laue

Hamburg für Kinder Hamburg: Stadtführer für Kinder

Siehe auch

Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten - Rezension

ab acht | Wissen
Ebensolch | Kultur

Teeblätter | Story
AugenBlick | Kino

Archäologie - Scherben bringen Glück

Mittwoch, 16. Januar 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 73/13

Amanda Adams
Scherben bringen Glück
Pionierinnen der Archäologie
Gerstenberg 2013, 239 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8369 2674 4

Pionierinnen der Archäologie Scherben bringen Glück: Pionierinnen der Archäologie

Frauen in der Archäologie: Pochen an der Pforte des Herrenclubs

Die Autorin Amanda Adams weiß, wovon sie schreibt: Auch heute braucht man als Frau in der Archäologie einen klaren Kurs, um in einem solchen Herrenclub sicher zu manövrieren […]. Zunächst absolvierte die Autorin Anthropologie und Archäologie an den Universitäten Kalifornien, Berkeley, und British Columbia, Vancouver. Die Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat, kamen ihr beim Blick auf die Forschungsgeschichte - insbesondere den Werdegängen von Kolleginnen - zugute. Zugleich folgt sie selbst einer Karriere, die typisch für die Archäologinnen ist: Sie ist als Sachbuchautorin sowie selbstständige Ausstellungsarchitektektin und Kommunikationskuratorin eine Kulturvermittlerin. Die Zeiten, in denen Frauen nur die Rolle der nützlichen Assistentin zugewiesen bekommt, sind noch nicht vorbei.

Begeistert und ausgebremst

Sieben Frauen, Töchter des Victorianischen Zeitgeists, stellt die Autorin in diesem Band näher vor. In der Lebensspanne dieser Frauen, die zwischen 1831 und 1968 lebten, entwickelte sich die Archäologie vom Hobby Reisender und Sammler zur Wissenschaft. Aus den Raubgräbern wurden Systematiker, deren Ziel es war, zu forschen, zu dokumentieren und zuletzt auch zu bewahren.

Amelia Edwards (1831-1892)

eröffnet den Reigen. Sie kam als eine der Schreibenden und Reisenden zur Archäologie. Wie viele ihrer reisenden Zeitgenossen besuchte sie die historischen Stätten Ägyptens. Mit der “eigenhändigen” Freilegung eines “Grabes” - Archäologie bestand damals im Wesentlichen aus Ausschaufeln lassen, architektonischen Skizzen sowie dem Abtransport attraktiver und wertvoller Funde - war ihr ägyptologischer Jagdeifer geweckt. Ihr Engagement führt zur Gründung des Egypt Exploration Fund (Egypt Exploration Society). Ungeachtet ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse war sie das, was man heute eine geniale PR-Frau und Redakteurin bezeichnen würde - damals wie heute ein nicht notwendigerweise dankbarer oder gar gut bezahlter Job. Ihr Engagement verhinderte es, ihrem Broterwerb als Schriftstellerin nachzugehen. Nicht verwunderlich, dass sie an Sir Flinders Petrie, dessen Karriere auch durch ihre Berichte in Schwung kam, schrieb: Meine Zeit ist […] für die Wissenschaft nicht so wertvoll wie Ihre […]. Doch auf dem Markt hat eine Zeit einen deutlich höheren Wert. […] Arbeit, die Ihnen […] Ruhm einbringt - und mir Armut und Vergessenheit. Nein, das traf niemals ein, vergessen wurde die Grand Dame des Nils nicht.

Jane Dieulafoy (1851-1916),

Schriftstellerin, Archäologin und Fotografin, gab sich als Mann und hatte sich daher auch als Mitarbeiter aber nicht als Mitarbeiterin bezeichnet. Sie war sich ihrer Aufwertung bis zur Gleichberechtigung an der Seite ihres Ehemannes also durchaus bewusst und betonte dies gezielt. Während Marcel sie an der öffentlichen Anerkennung teilhaben ließ ohne sie, wie damals durchaus üblich, einfach zu übergehen. Ein außergewöhnliches Paar, das nicht nur 1870 gemeinsam an die Front zog, sondern danach eine 46-jährige gleichberechtigte Partnerschaft verband. Die bequeme Männerkleidung legte Jane nach dem Krieg nicht mehr ab, obwohl sie dafür eine polizeiliche Erlaubnis benötigt. Das Löwenfries von Susa machte das exzentrische Paar mit einem Schlag berühmt. Ihr größerer Verdienst war aber, einen riesigen Beitrag zur Anerkennung und Gleichberechtigung in der Wissenschaft geleistet zu haben.

Zelia Nuttall (1857-1933),

Mexikos König der Archäologie, hatte die Geschichte des Landes regelrecht verinnerlicht. Sie war vielfach gebildet und eine breitgefächert arbeitende Wissenschaftlerin, die die Basis für die moderne Forschung formte. Ein Interessengebiet wird der weltgewandten Frau zum Lebensmittelpunkt: Mexiko. Ihr Leben war abwechslungsreich und führte durch die halbe Welt. Eine gewisse Zeit lebte sie sogar in Dresden. Obwohl wissenschaftlich anerkannt, blieben ihr harte Kämpfe nicht erspart. Im privaten Bereich focht sie nicht nur ihre Ehescheidung durch, sondern es gelang ihr auch, das alleinige Sorgerecht für die Tochter zu erstreiten. Da verwundert es nicht, dass es ihr sogar gelang, ihren Mädchennamen wieder für sich und die Tochter anzunehmen. Sie war definitiv kein unterwürfiges Weibchen, sondern eine selbstbewusste und Frau, die wusste, wo sie im Recht war und dies auch nachdrücklich einforderte. Mit durchaus üblichen männlichen Methoden, verteidigte sie ihre wissenschaftliche Reputation und öffentliche Anerkennung - obwohl man das einer Frau als Nervensägerei auslegte. Verdrängen ließ sie sich jedenfalls nicht, genauso wenig ließ sie sich um ihre archäologischen Verdienste berauben. Leopoldo Bates, der sich ihre Entdeckungen an die Brust heften wollte, handelte sich für diesen Versuch seine totale Vernichtung ein. Solche männlichen Rangkämpfe in der Wissenschaft finden selten ihren Weg an die Öffentlichkeit, aber mit einer Frau als Kontrahentin ist es bis heute eine öffentlich verfolgte Besonderheit.

Gertrude Bell (1868-1926)

war eine schillernde Persönlichkeit mit dunklen Flecken. Sie lässt sich jedenfalls nicht auf die Archäologie “reduzieren”, auch wenn sie die Gründerin des Irakischen Nationalmuseums und dort als Direktorin für Altertümer und Chefkuratorin bestellt war. Die Intellektuelle war als Dame der Gesellschaft bei diplomatischen und politischen Ereignissen nicht nur zugegen, sondern sie war daran aktiv beteiligt, u. a. den britischen Kolonialismus voranzutreiben oder als “Hebamme” des Iraks zu fungieren. Völlig konträr zu ihren persönlichen Leistungen und öffentlichen Auftreten, jenseits der damaligen weiblichen Norm, war sie dennoch gegen das Frauenwahlrecht. Tatsächlich verweigerte sie anderen Frauen das, was sie sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung herausnahm: meinungsbildendes Auftreten und politische Beteiligung. Vielleicht hätte sie anders gehandelt, wenn sie von ihrem Vater keine Zuwendungen für ein unabhängiges Leben erhalten oder sich gegen ihre Familie für die Ehe entschieden hätte. Ohne das väterliche Geld wären ihre ausgedehnten Reisen, deren Routen und Gegenden sie kartierte, jedenfalls nicht möglich gewesen. Ihr Leben war bis zuletzt eine einzige Expedition, die sie mit einer Überdosis selbst beendete.

Harriet Boyd Hawes (1871-1945)

stammte aus den USA. Ihrer Kindheit verdankte die körperlich kleine Frau wohl ihre Robustheit. Sie war unter vier Brüdern aufgewachsen und hatte einem alleinerziehenden Vater. An der Liebe zur Archäologie schließlich war Amelia Edwards Schuld, deren Vortrag Ägypten sie besuchte. Harriet studierte an der American School of Classical Studies in Athen. Dass der dortige Direkter mit allen Mitten Frauen behinderte, war nicht ungewöhnlich. Die Grabungslizenzen für Athen und Umgebung waren alle in männlichen Händen. So tat sie, was alle Frauen in so einer Situation tun: Sie wich aus und erschloss sich ihr eigenes Forschungsareal. Ihre Forschungen in Gournia auf Kreta erwiesen sich bald als sensationelle Entdeckung. Letztlich sichert eine Frau die Unterstützung für Forschung: Die Sekretärin - Mrs Stevenson -, des Archaeological Institut of American warb die erforderlichen Mittel ein. Politisch geschickt betonte sie, dass es zu allererst einer Frau aus Amerika gelang, die geschäftliche und wissenschaftliche Leitung einer Ausgrabung zu übernehmen. Wesentlich berühmter machte Harriet aber die sorgsame Dokumentation aller Funde sowie deren unverzügliche Publikation. Dass sie durch ihre Entscheidung für Ehe und Familie ausgebremst wurde, ist ein anderes Kapitel ihrer Biografie.

Agatha Christie (1890-1976)

ist weltberühmt als Autorin von Kriminalromanen. Dass sie eine große Leidenschaft für Archäologie entwickelte, wissen hingegen nur wenige. Als sie im Alter von rund 40 Jahren mit dem Orientexpress losfuhr, begann sie nach ihrer Scheidung einen neuen Lebensabschnitt. Sie besuchte Ur. Dort begegnete sie Max Mallowan, der Assistent auf der Ausgrabung war. So lernten sich die beiden Menschen kennen, die von 1928 bis 1958 gemeinsam im Nahen Osten arbeiteten. Aber nicht ihre erfolgreiche Zusammenarbeit steht immer wieder Mittelpunkt des Interesses, sondern ihr 14-jähriger Altersunterschied. Agatha, die erfolgreiche Autorin, fand über ihren Mann zur Archäologie. An seiner Seite übernahm sie organisatorische Aufgaben und putzte, restauriert oder fotografierte auf der Ausgrabung. Obwohl sie keine ausgebildete Archäologin war, erwarb sie umfassende Kenntnisse des Fachs. Ihre Mitarbeit war hilfreich, aber wesentlich wichtiger war es, dass sie durch ihre Romane auch dazu beitrug, die Archäologie als Detektivarbeit zu verstehen.

Dorothy Garrod (1893-1968)

gehörte der neuen Archäologengeneration an, die Informationen sammelten und präzise auswerteten. Auch ihr Weg war von Schikanen gesäumt, denen sich männlichen Kollegen nicht stellen mussten. Sie studierte zunächst Anthropologie und wurde mit dem berühmten Paläolithforscher Abbé Henri Breuil bekannt. Er  wurde ihr Lehrer und Mentor wurde. Die detailversessene Methodikerin machte das Paläolithikum zu ihrem Forschungsinteresse. Angeregt von Breuil begann sie mit einer Bestandaufnahme von Artefakten und Informationen, die in allerlei Museen verstreut aufbewahrt wurden. Ihre Publikation “The Upper Palaeolithic in Britain” ist bis heute ein Meilenstein der Steinzeit-Forschung. Ihr Funde eines Neandertalerkindes auf Gibraltar brachte den Durchbruch. Dabei verstand sie es, über den Tellerand zu blicken und neue Verfahren aus anderen Wissenschaften für ihre Forschungszwecke einzusetzen. Kein Wunder, dass sie die erste Professorin in Cambridge wurde. Einer ihrer größten Verdienste ein wenig abseits der Forschung war, ihre offene Förderung von Frauen in der Wissenschaft, so diese eine bessere Kompetenz als ihre Mitwerber aufwiesen. Ihre Pioniertat, die Tore der Archäologie für Frauen weit zu öffnen, ist ihr mindestens so hoch anzurechnen wie ihre enormen wissenschaftlichen Leistungen.

Fazit

Gemeinsam ist den Pionierinnen der Archäologie dieses Buches, dass sie allesamt zumindest aus sog. bildungsbürgerlichen Umfeld, wenn nicht gar der gut betuchten Oberschicht stammten. Wenn es sogar diesen Frauen verwehrt blieb oder zumindest schwer gemacht wurde, ihre Lebensziele zu verfolgen bzw. zu erreichen, wird klar, dass es unmöglich für Frauen aus schlechteren Verhältnissen war. Die archäologischen Wissenschaften gehören heute zu den Studien mit sehr hohem Frauenanteil. Das bedeutet aber nicht, dass weibliche Karrieren nun leichter geworden wären.

Amanda Adams erzählt locker und fundiert von historischen Frauenkarrieren im Fach, verliert aber nicht den realen Blick auf die Gegenwart. Ein Sachbuch, das sich fesselnd wie ein Roman liest. Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird mit wesentlich mehr als nur Biografien von Archäologinnen belohnt.

© S. Strohschneider-Laue

Pionierinnen der Archäologie Scherben bringen Glück: Pionierinnen der Archäologie

Siehe auch

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Die Krinoline bleibt in Kairo: Reisende Frauen 1650 bis 1900 - Rezension in Ebensolch Rez-E-zine 07/04

Die Wüste atmet Freiheit: Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930

Westwärts mit gerafften Röcken: Pionierinnen in Nordamerika

Wild, melancholisch und erhebend: Die Brontës in Haworth

Ich geh nicht ohne dich: 13 Hochzeitspaare auf der Titanic

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Ebensolch | AmazonStore
Teeblätter | AmazonStory/e
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Mexiko hören

Mittwoch, 09. Januar 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 73/13

Antje Hinz
Mexiko hören

Silberfuchs Verlag 2012, 1 CD, Laufzeit 82′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6530 0

Mexikohören Mexiko hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kultur Mexikos

Lehm, Holz, Mais: Die Schöpfung des Menschen

Der aus Lehm gefertigte Mensch war in der Schöpfungsgeschichte der Maya nur eine Developer Preview. Die Beta-Version bestand aus Holz und wurde ebenfalls als ungeeignet verworfen. Der tatsächliche Release war ein aus Mais geschaffener Mensch. So gesehen hat die Kreativität des alttestamentarischen Schöpfers nur zu einer tönernen Alpha-Version gereicht, während Carlo Colloni mit Pinocchio immerhin eine hölzerne Beta-Version lieferte.

Antje Hinz stellt Mexiko mit seinen Bewohnern und deren wechselhafter Kulturgeschichte sowie ihre widersprüchliche Einigkeit vor. Die chronologische Reiseroute beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und führt von der präkolumbianischen Zeit über die Conquista bis zum modernen Staat der Gegenwart. Die 20 Kapitel berichten von Wissenschaft, Architektur, Kunst, Religion, blutigen Kämpfen und grausamer Eroberung, Illusionen und Selbstverständnis bis in die Gegenwart. Handfeste Fakten verbunden mit farbenprächtigen Schilderungen regen die Fantasie des Publikums an und laden zugleich zum kritischen Betrachten eines Landes und seines Werdens ein. So detailreich und wunderbar aufbereitet, dass man den Lapsus, den römisch-deutschen Kaiser und spanischen König Karl V. kurz und bündig als “spanischen Kaiser” zu bezeichnen, verzeihlich findet. Die Absicht von Silberfuchs das “Geheimnis der Kunst und ihre wunderbare Wirkung auf den Menschen gemeinsam zu entdecken” ist jedenfalls auch mit dieser Hörreise CD voll und ganz erfüllt worden.

Wissenschaft und Religion - Mathematik und Weißsagung

Mexiko ist untrennbar mit Mayas, Olmeken, Mixteken, Azteken - um nur einige namentlich zu nennen - verbunden. Deren kulturellens Erbe konnten weder die Spanier noch die katholische Mission völlig vernichten, nicht einmal mit ihrer extremen Gewalt an Menschen und gezielter Vernichtung von Kulturgut. Die bekanntesten Spuren der frühen Hochkulturen Mexikos wie die von Teotihuán oder das jüngere Chichén Itzá gehören heute zum UNESCO-Kulturerbe. Der berühmte Piedra del Sol, dessen Abbild auf der CD zu sehen ist, soll hier als Beispiel für die herausragenden Kenntnisse in Mathematik, Astronomie und den damit verbundenen Kalenderberechnungen erwähnt werden. Zumindest eine Prophezeiung bewahrheitete sich definitiv: Mit der Ankunft der Europäer begannen katastrophaler Zeiten voller Elend und Tod.

Während spanische Chroniken aus der Sicht der Eroberer berichten, gesellen sich zu den verbliebenen Originalquellen der Indigenen die Übersetzungen und Abschriften der Geistlichen. Stadtstaaten, Königreiche, Republik und Revolten wechseln einander ab, während Politik, Religion, Kunst und Kultur miteinander verbunden bleiben. Wer jetzt glaubt, dass Mexiko nur mit einer begabten und starken Frau - Frida Kahlo - verbunden ist, der irrt.

Erlebnis für Ohren und mehr

Die Stimme von Rolf Becker wird Mexiko durch Zeit, Raum und Ereignissen vollkommen gerecht. Er zieht  beim Hören mitten ins Geschehen und verleiht den Protagonisten fast greifbare Körperlichkeit. Die exzellent gewählten Musikzitate sind Reisebegleiter, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommen möchte.

Die Gestaltung von Roswitha Rösch baut auf schlichtes Gold. Sie schafft es damit sogar, eine optische Brücke zur Architektur zu schlagen. Auf 16 Seiten wird ein kurzer Überblick geboten, der attraktiv und bewährt übersichtlich layoutiert wurde.

Fazit

Wer die CD hört, wird Augen machen. Nur eine Reise nach Mexiko ist noch besser.

© S. Strohschneider-Laue

Mexikohören Mexiko hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kultur Mexikos

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