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220 Jahre Moorarchäologie

Donnerstag, 03. November 2011

Non-Fiction

“O, schaurig ist’s übers Moor zu gehn …”
220 Jahre Moorarchäologie
Schriftenreihe des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg 79
Philipp von Zabern 2011, 260 S, zahlr. Fotografien und Grafiken.
ISBN 978 3 8053 4361 9

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

175 Jahre Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch ist Anlass die Bedeutung der Moorarchäologie seit 220 Jahren aufzuzeigen. Die Begleitschrift zur Ausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg 2011 widmet sich dem Thema Moorarchäologie.

In acht gut strukturierten Kapiteln mit jeweils beigefügtem Literaturverzeichnis werden archäologische Forschungen rund ums Moor vorgelegt. Die spektakulärsten - aber nicht unbedingt immer aufschlussreichsten - Funde sind Moorleichen, sie  werden in diesem Band ausgespart. Der Faszination Moorleichen ist nämlich ein eigener Band gewidmet worden.

Carsten Ritzau und Lena Strauch setzen sich einleitend mir dem Hochmoor als einmaligen Lebensraum und “nassen Geschichtsbuch” auseinander. Von der Moorentstehung über den Lebensraum bis hin zur Bedeutung von Mooren als einzigartige archäologische Tresore spannt sich der inhaltliche Bogen. Ein komprimierter Überblick über die einzigartige (Fund-)Landschaft.

Mystische Moorlandschaften stehen zusätzlich noch bei Lena Strauch im Mittelpunkt. Zwischen wirtschaftlicher Nutzung und künstlerischer Inspiration bieten Moore eine weite Spanne für Realität und Fantasie.

Frank Both und Mamoun Fansa, die auch für den Band “Faszination Moorleichen” verantwortlich zeichnen, bieten in zwei Kapitel Überblicke über Moorwege und ihre Forschungsgeschichte im Weser-Ems-Kreis. Moore sicher und schnell zu durchqueren, war zu allen Zeiten ein Anliegen. Die dazu angelegten Bohlenwege sind der Forschung schon lange bekannt. Ihre Bauweise und ihr feuchtbodenbedingter exzellenter Erhaltungszustand bieten der Forschung mehr Erkenntnisse als so manch anderer zur Sensation aufgeblasener Einzelfund.

Vier hölzerne Übungsschwerter stellt Philipp Roskoschinski vor. Die durch sie gewonnen Einblicke in die militärische Ausbildung im Babaricum der älteren Römischen Kaiserzeit, spricht für ein regelmäßiges Waffentraining.

Frank Both unterzieht Rad und Wagenentwicklung einer genaueren Betrachtung. Aus Wagenresten, die  quer durch die Urgeschichte bis in das Mittelalter nachgewiesen wurden, sind Rückschlüsse auf Transport und Verkehr möglich. Eine Reihung dieses Beitrags im Anschluss an die Ausführungen über Bohlenwege wäre m. E. thematisch sinnvoller gewesen.

Erhard Cosack stellt Überlegungen zu einem Brotopfer beim Bohlenweg XII (Ip) im Ipweger Moor an. Vom am Schreibtisch interpretiertem Brotopfer bis zum im Experiment verwendeten Achsfett”brot” reichen die interessanten Ausführungen.

Zuletzt wird noch das “Erfolgsmodell Einbaum” von Christina Wawrzinek näher beleuchtet. Denn auch diese sind aus Feuchtgebieten des Oldenburgerraumes bekannt und werden hier katalogsystematisch vorgestellt.

Der Band bietet einen guten Überblick über die Feuchtbodenfunde und den Forschungsstand in Nordwestdeutschland. Deutlich wird dabei, wie wesentlich organische Reste zum Klären offener chronologischer, wirtschaftlicher und ganz allgemein lebenspraktischer Fragen beitragen. Spannend aufbereitet und somit für Fach- und Laienpublikum gleichermaßen wertvoll.

© S. Strohschneider-Laue

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

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Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

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Faszination Moorleichen

Donnerstag, 03. November 2011

Non-Fiction

Frank Both und Mamoun Fansa
Faszination Moorleichen
220 Jahre Moorarchäologie
Schriftenreihe des Landesmuseum Natur und Mensch 80.
Philipp von Zabern 2011, 119 S, zahlr. Sw- und Farbfotografien.
ISBN 978 3 8053 4360 2

Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

Im Rahmen der Ausstellung 220 Jahre Moorarchäologie im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg sind zwei Begleitschriften erschienen. Vorliegende stellt die Moorleichen aus dem Weser-Ems-Raum in den Mittelpunkt.

Moorleichen sind ein steter Quell überraschender Erkenntnisse, die weit über das Erscheinungsbild des Menschen zwischen Eisenzeit und Mittelalter hinausgehen. Zugleich werfen sie leider oft mehr Fragen auf, als sie Antworten liefern. Was auch daran liegt, dass sie zumeist Zufallsfunde ohne ideale wissenschaftliche Bergungsbedingungen sind. Für die Ausstellung konnten jedenfalls neue Untersuchungen vorgenommen werden, deren Ergebnisse in diesem Band - inklusive einer Überschau aller bisherigen Funde - vorgelegt werden.

Komplette Moorleichen, ein Zopf, ein Hautstück sowie ein Knochen in einem Schuh bieten ganz unterschiedliche Aspekte zum Tod der einzelnen Individuen. Auch die Beifunde, der Beitrag von Julia Gräf widmet sich minutiös dem Fellumhang der Kayhauser Moorleiche, lassen nicht automatisch durch ihre exzellente Erhaltung einen allgemeingültigen “modischen” Rückschluss auf den gesamten Zeithorizont zu. Fundumstände, Erhaltungsbedingungen und Interpretationen, die sich im Laufe der Zeit - nicht nur aufgrund labortechnischer Möglichkeiten - verändern, zeigen, wie schwierig es ist, mit diesen spektakulären Funden zu verfahren. Andererseits ist der im Moor beerdigte 1828 verstorbene Hausierer Jan Spieker für die Archäologie ein wunderbares Beispiel dafür, wie Erhaltungs- und Verfallsprozesse im Moor in einem exakt überschaubaren Zeitrahmen ablaufen. Dennoch sorgen von der Analyse über Interpretation bis hin zur Präsentation im musealen Rahmen Leichen(teile) aus Mooren immer wieder für neuen Diskussionsstoff.

Der Verdienst des Bandes ist es, die historischen Fakten von Fund und Befund inklusive reichen Bildmaterials, durch ein Literaturverzeichnis abgerundet, vorzulegen und diese durch aktuelle Untersuchungen zu ergänzen. Der wichtige Beitrag zur Moorarchäologie ist zugleich auch breitenwirksam vorgelegt und kann daher dem interessierten Laienkreis ebenfalls empfohlen werden.

© S. Strohschneider-Laue

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G.E.L.D

Freitag, 22. Juli 2011

Non-Fiction

Christopher Howgego 
Geld in der Antiken Welt 
Eine Einführung

Philipp von Zabern 2011², 229 S., zahlr. Sw-Fotos
ISBN 978 3 5342 3940 5

Geld in der antiken Welt Geld in der Antiken Welt: Eine Einführung

Numismatiker und Studierende Alter Geschichte und archäologischer Disziplinen kommen an diesem Buch nicht vorbei. Zum einen, da Geld als “drittes Gut” historischen Abläufen eine eigene Dynamik verleiht und zum anderen dieses auch alle anderen nichtmonetären Gemeinschaften nachhaltig beeinflusst. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass Münzen nicht nur eine Datierungshilfe sind, sondern auch sonst schwer fassbare politische Geschehnisse dokumentieren und ökonomische Verhältnisse und Netzwerke offenbaren.

Die Stärken des Buches offenbaren sich bereits in seiner zielgerichteten Gliederung und seinem Hauptaugenmerk auf geldhistorischen Fakten, die letztlich auch in modernen nationalökonomischen Strukturen nachvollziehbar werden.

Die sechs Kapitel widmen sich
•Geld (Geschichte des Münzgeldes, gesellschaftliche Veränderungen, Gebrauch in Athen und Rom),
•Münzprägung (Metallvorkommen, Münzstätte, Emissionen, Prägegründe, Prägung und Staatshaushalt),
•Großreiche (Münzprägung und Imperialismus, Athen, Persien, Philipp II und Alexander, Seleukiden, Ptolomäer, Attaliden, Rom),
•Politik (Münztypen und Politik, Repräsentation in Griechenland und Rom, Typenwahl und Intention, Publikum und Rezeption, Bildrepertoire und Sprache), Themen der Macht (Göttlichkeit, Legitimation und Nachfolge, kaiserliches Bildrepertoire, Ideologie der Wohltätigkeit),
•Geldumlauf (Überlieferung und Grenzen, Gründe des Umlaufs, archaische Zeit, spätklassische und hellenistische Zeit, römische Zeit - städtisch und regional, Ausfuhr, Chronologie, Analyse, Dezentralisierung),
•Krise (Athen und Rom, Währungen unter Druck, römische Geldmanipulation, Inflation - Geldmenge, Münzverschlechterung, Geldreform-, Krise des 3. Jh.).

Das ebenso fundierte wie exzellent strukturierte Werk wird durch einen umfangreichen und benutzerfreundlichen Anhang inkl. Register komplettiert. Das ohnedies schon komplexe Literaturverzeichnis wird zusätzlich mit der nach 1996 erschienen Publikationen in den Literaturnachträgen ergänzt und kapitelbezogen auf den aktuellen Forschungsstand gebracht. Der Tafelteil belegt die Kapitel in perfekter Auswahl und Bildqualität.

Eine unersetzliche Pflichtpublikation, die in der aktualisierten Neuauflage nochmals gewonnen hat.

© S. Strohschneider-Laue

Geld in der Antiken Welt: Eine Einführung


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Ötzi, die Räter und die Römer

Dienstag, 04. Mai 2010

Non-Fiction

Luisi Righi, Stefan Wallisch
Ötzi, die Räter und die Römer
Folio 2009, 175 S., zahlr. Farbfotos und Karten
ISBN 978 3 85265 486 9

 Ötzi, die Räter und die Römer

Wandern ist kurzweilig und lehrreich, wenn es mehr als nur Bewegung im Freien ist. Die vorliegenden archäologischen Ausflüge Südtirols lohnen sich daher sowohl für Bewegungsfreudige wie Bildungshungrige. Südtirol hat in jeder Hinsicht viel zu bieten. Es ist landschaftlich reizvoll, klimatisch überraschend vielfältig und bietet archäologisch ab der Steinzeit ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten.

Das Autorenteam dieses Bandes schlägt 46 archäologische Wanderungen in Südtirol - mit dem Herzstück des Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen - vor, die es sprichwörtlich “in sich” haben. Zehn Schwerpunkte gliedern die Wanderungen, die auch einen Abstecher nach Osttirol inkludieren. Den Auftakt machen Exkursionen zum Archäologie Museum in Bozen sowie zum berühmten Südtiroler “Ötzi” und in seinen Lebensraum.  Jagd, Wohnen, Handwerk und Waffen, Götter, Steine, Räter, Römer, Antike Straßen und Begegnungen, die Archäologie und Mysterium verbinden, sind die nachfolgend aufgegriffen Themenbereiche.

Der praktische und strapazfähige Begleiter, passt in jedes Wandergepäck. Die gut struktuierten Überblicksinformationen kombiniert mit praktischen Tipps, guten Fotos, übersichtlichen Wegbeschreibungen und kleinen Karten bieten eine solide Basis und machen Lust auf mehr. Die gewünschte “Mehrinfo” bieten die Museen, die in den Wanderrouten eingebunden sind. Streckenangaben, Rastmöglichkeiten und andere wichitige Informationen werden unter “kurz & bündig” zu jedem Routenvorschlag benutzerfreundlich am Ende zusammengefasst. In den ausklappbaren Umschlagseiten verbergen sich Pläne und die numerisch kartierten Sehenswürdigkeiten. Literaturhinweise runden den kompakten Reiseführer zur Archäologie in Südtirol ab.

© S. Strohschneider-Laue

Ötzi, die Räter und die Römer

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Archäologie: Europäische Straßen

Mittwoch, 16. September 2009

Non-Fiction

Thomas Szabó (Hg.)
Die Welt der europäischen Straßen
Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit
Boehlau 2009, Dt., Eng., Fr., Ital., Span., 378 S., sw. Abb.
ISBN 978 3 4122 0336 8

 Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

Eine urgeschichtliche, antike oder mittelalterliche Straße ist mehr als eine interessante und oft schwer nachweisbare Baustruktur. Wege und Straßen stellten - oft über weite Strecken - vielfältige Verbindungen her. Dabei darf nicht vergessen werden, dass großräumige Straßennetze bis in die Gegenwart hinein nur vordergründig zum Transport von Handelsgütern und dem Personenverkehr dienen. Straßen ermöglichten in Zeiten vor der Entdeckung moderner Kommunikationsmittel wie der Telegraphie raschen Austausch von Informationen und Befehlen sowie dem Militär effiziente Truppenverschiebungen. Genau aus diesen Gründen war - und wird - die staatliche Finanzierung von Hauptverbindungen gewährleistet, während das Nebenstraßensystem mehr oder minder ein Anrainerproblem blieb. Nicht überschätzt werden darf der Personenverkehr, der selbst in Knotenpunkte wie der Großstadt Byzanz, in der Fernhandelswege und Heerstraßen eine Rolle spielten, gering war. Ein bedeutender Faktor ist der mit guten Straßen einhergehende wirtschaftliche und kulturelle Austausch, wobei der “Ideentransport”, der ebenfalls von den Straßen profitierte, am schwersten wissenschaftlich fassbar ist. 

Die Beiträge belegen ab den frühen Bohlenwegen aus der Mitte des 4. Jahrtausends, dass bestehende naturräumliche Gegebenheiten im Zusammenspiel mit historischen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Faktoren den Aufbau eines Straßennetzes in vieler Hinsicht zugleich förderlich wie abträglich sein konnten. Das baulich und rechtlich systematisierte antike Straßensystem, das sich seinerseits an bestehenden Wegenetzen orientierte, ist auf Grund der schriftlichen und archäologischen Quellenlage oft besser fassbar als Straßenstrukturen früherer oder sogar nachfolgender Epochen. Es bildet zudem vielerorts die Basis nachfolgender Straßen. 

Straßenforschung ist ohne interdisziplinäre Kooperationen nicht denkbar. Die Sichtung von Schriftquellen sowie die Gewinnung und die Aufarbeitung archäologischer Funde und Befunde sind erforderlich, um solide wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Sicher ist, Altstraßen beeinflussten historische Entwicklungen maßgeblich und die Gegenwart wäre ohne sie undenkbar.

Der Sammelband des gleichnamigen Kolloquiums in Göttingen (2006) bietet trotz seiner sprachlichen Hürden einen exzellenten Überblick zur Forschungsgeschichte und zum aktuellen Stand der Straßenforschung. Die Abhandlungen von 19 WissenschafterInnen beziehen Stellung zu “Antike”, “Das europäische Mittelalter”, “Die Zeugnisse der Archäologie”, “Die Straßen in der mittelalterlichen Literatur und Kunst”, “Von der Kartographie zu den Poststraßen” und “Das Straßenwesen in der Neuzeit”. Eine wesentliche Schwachstelle des fünfsprachigen Bandes zeigt sich in fehlenden mehrsprachigen Zusammenfassungen der Artikel. Es wäre Pflicht der Wissenschaftsredaktion gewesen für Resümees in Deutsch und Englisch Sorge zu tragen. Das gute zusammenfassende Nachwort zu “Ergebnissen und Problemen” von Thomas Szabó entschädigt für das Fehlen jedenfalls nicht. 

© S. Strohschneider-Laue

Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

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Lust auf Archäologie!

Dienstag, 14. April 2009

ab acht

Wolfgang Korn
Lust auf Archäologie!
Igel Genius 2009, 5 CDs, 350′, Booklet.
ISBN 978 3 89353 256 8

Lust auf Archäologie Lust auf Archäologie! Detektive der Vergangenheit

Fünf CDs sind Detektiven mit dem Spaten auf der Spur. Die fast 6-stündige Hörreise entstand nach der Buchvorlage Detektive der Vergangenheit: Expeditionen in die Welt der Archäologie. Archäologiefans ab 10 Jahren und Erwachsene werden hier vollständig auf ihre Kosten kommen.  

Die geniale Balance zwischen anspruchsvollen Inhalt und sprachlicher Klarheit ist hervorstechend. Passend gezogene Querverweise - unter anderen zu aktuellen Verhältnissen - klären auch komplizierte Sachverhalte oder Fachbegriffe bei gleichbleibend hohem Niveau. Abwechslungsreich vorgetragen von Bernt Hahn, Ingeborg Wunderlich, Dominik Freiberger und Michael Kamp wird zusätzlich die Spannung beim Hören aufrecht gehalten. 

Quer durch die Forschungsgeschichte, quer durch die Zeiten und vor allem quer durch die Methoden werden Meilensteine der Archäologie vorgestellt. Spektakuläre Entdeckungen, berühmte Forscher, Irrtümer und moderne Methoden werden anhand anschaulicher Beispiele zu einer spannenden Forschungsreise in die Vergangenheit.

Die erste CD ist den Grundlagen der Archäologie - wie ist denn alles unter die Erde gekommen, wieso wird es wieder entdeckt - und der Urgeschichte gewidmet.
Die Probleme und Entdeckungen der archäologischen Forschung zwischen Wissenschaft und Plünderung werden auf der zweiten CD angerissen.
Berühmte Archäologen wie Koldewey, Wooley und Schliemann, ihre Ausgrabungen und ihre Ergebnisse werden auf der dritten CD vorgestellt.
Berühmte Fundstätten (Olympia, Troja) und die Verfeinerung der Methoden von der Stratigrafie bis zur Dendrochronologie werden auf der vierten CD näher betrachtet.
Sensationelle Funde der Bronzezeit, wie der Fund von Nebra, Wikinger, Moorleichen und Eismumien stehen auf der fünften CD im Mittelpunkt.

Wer mit diesem toll aufbereiteten archäologischen Hörerlebnis nicht glücklich wird, sollte sich ein anderes Interessensgebiet suchen.

© S. Strohschneider-Laue

Lust auf Archäologie! Detektive der Vergangenheit
Detektive der Vergangenheit: Expeditionen in die Welt der Archäologie
50 Klassiker Archäologie: Die wichtigsten Fundorte und Ausgrabungsstätten  -  Rezension

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Limes-Lexikon

Mittwoch, 01. April 2009

Non-Fiction

Dieter Planck, Andreas Thiel (Hg.)
Das Limes Lexikon
Roms Grenzen von A bis Z
Beck 2009, 160 S., 43 Sw-Abb., 2 Karten Umschlaginnenseiten.
ISBN 978 3 406 56816 9

Das Limes Lexikon  Das Limes-Lexikon: Roms Grenzen von A bis Z

Die römische Grenzziehung war effizient und markant. Sie ist in vielen Regionen bis heute - zum Teil sogar sehr gut - erhalten geblieben. In Deutschland gehört der Limes seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe (siehe dazu u.a.: Deutsche Limeskommission, Limes in Österreich). Etliche Abschnitte wie z. B. der Obergermanische-Rätische Limes, den die Deutschen kurz und bündig nur “Limes” nennen, oder der Hadrianswall sind überraschend vielen Menschen bekannt. Obwohl das Interesse groß ist und zunimmt, wissen nur Wenige mehr über die römische Grenze. Mit dem Limes-Lexikon kann man diese Wissenslücken problemlos füllen.

Zur den geballten archäologischen und historischen Basisinformationen rund um das mächtige Bauwerk haben Martin Kemkes, Jürgen Obmann und Marcus Reuter unter der Federführung von Dieter Planck und Andreas Thiel beigetragen. Und sie stecken ihre inhaltlichen Grenzen “limesmäßig” nicht zu eng. Natürlich stehen militärische Belange um den Limes im Vordergrund: Die Armee und ihre Einheiten, militärische Bauten, Ausrüstung und vieles mehr. Dennoch wird das zivile Leben nicht rigoros ausgespart: Bestattungen oder Landwirtschaft sind einige Bereiche, die auch das zivile Leben erfassen. Heutige Städte von Aalen  bis Zugmantel, die in römischer Zeit wichtige Funktionen z. B. als Kastelle am Limes besaßen, kann man ebenso nachschlagen wie die bedeutende Archäologen und ihre Leistungen für die Erforschung des Limes. Literaturverzeichnis, Register, Bild- und Artikelnachweis sowie die Karte mit dem Grenzverlauf des Römischen Reichs (Mitte 2. Jh. bis Anfang 3. Jh.), aufgeteilt auf die Umschlaginnenseiten, runden den handlichen lexikalischen Begleiter für eigene Limeserkundungen ab.

Die Informationen rund um das riesige Bauwerk kann man nicht kompakter vorlegen. Zumal Schrift- und Bildgröße und vor allem die Bildunterschriften, um das handliche Format zu gewährleisten, bereits grenzwertig klein sind. Das schlecht ausgeschöpfte Potenzial der Abbildungen war jedenfalls unnötig und steht in keinem Verhältnis zu den ausgezeichneten Texten. Die Abbildung eines Militärdiploms in unlesbarer Briefmarkengröße hätte man in dieser Kleinheit getrost weglassen können. Die Karte des Donaulimes ist aus unverständlichen Gründen, denn Platz wäre vorhanden gewesen, ebenfalls winzig ausgefallen. Egal, schließlich kauft man ein Lexikon nicht wegen seiner Abbildungen. Außerdem sollte man besonders bei dieser exzellenten inhaltlichen Qualität, die noch dazu zu so einem Schnäppchenpreis zu haben ist, nicht briefmarkenkleinlich sein.

© S. Strohschneider-Laue

Das Limes-Lexikon: Roms Grenzen von A bis Z

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Gemalte Gärten

Dienstag, 24. März 2009

Non-Fiction

Nils Büttner
Gemalte Gärten
Bilder aus zwei Jahrtausenden
Hirmer 2009, Geb. m. Schutzumschlag im Schuber, 238 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7774 4245 7

Gemalte Gärten Gemalte Gärten: Bilder aus zwei Jahrtausenden

Der Garten auf Carl Spitzwegs Gemälde “Der Gartenfreund” (1860) hat schon bessere Zeiten gesehen. Die begrenzende Mauer bröckelt, die Einfassungen der Beete sind geflickt und Unkraut wuchert. Dennoch wird das Gärtlein geliebt und gepflegt, davon zeugen schon die vielen blühenden Topfpflanzen. Ein Blick auf den einsamen Gärtner vertreibt jeden Zweifel, dass es anders sein könnte. Fürsorglich neigt sich der Mann, die Giesskanne in der Hand, zu einem Rosenbusch, der ihm in graziösem Bogen einige Ranken entgegenstreckt.

Spitzweg malte seinen Garten mit einem ironischen Augenzwinkern. Andere Maler verfolgten andere Ziele. Mit Pinsel und Farbe festgehaltene Gärten sind eine ergiebige Quelle mit deren Hilfe sich kultur-, kunst- und sozialgeschichtliche Fragen beantworten lassen. Gartenbilder erzählen von kultivierter Lebensart, sozialem Wandel, religiöser Erziehung, geheimen Wünschen, Besitzerstolz und Prestigedenken. Sie spiegeln die sich wandelnden Gartenmoden und Kunstströmungen. Natürlich bildet nicht jeder gemalte Garten einen realen Garten ab. Viele der schönsten Gartenansichten sind reine Fantasieprodukte, deren einzelne Bestandteile als Bedeutungsträger fungieren. Auch der Reiz des als dekoratives Beiwerk gemalten Grüns ist nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Gartenbilder, die tatsächlich existierende Gärten in topografischen Ansichten festhalten.

“Gemalte Gärten” entführt auf einen Streifzug durch die glanzvolle Welt des Gartens in der Kunst. In chronologischer Abfolge bietet der Bilderreigen von allen Themen und Malweisen ein bisschen: römische Wandmalereien, Paradies- und Liebesgärten, als Orte mythologischen oder biblischen Geschehens dienende Gärten, topographische Ansichten, barocke Gartenanlagen, Landschaftsparks, bürgerliche Kleingärten, Künstlerrefugien, sogar ein Gemüsegarten und ein Münchner Biergarten sind dabei. Der graduelle Kontrast von der Feinmalerei, die auch noch die zarteste Blüte naturgetreu wiedergibt, zur völligen Abstraktion des Gartens führt die gesamte Bandbreite künstlerischen Ausdrucks vor Augen. Das großformatige, prachtvolle Buch lebt von der Vielzahl der in erstklassiger Qualität wiedergegebenen Gartendarstellungen. Aus den schönsten Abbildungen der gezähmten Natur werden Details herausgegriffen und seitenfüllend vergrößert, sodass Blumen oder einzelne Elemente des Gartens gebührend bewundert werden können. Das Register der vertretenen Künstler liest sich wie das Who´s Who der Kunstgeschichte. Nils Büttner setzt bei der Auswahl der Bilder zum überwiegenden Teil auf bekannte Namen. Jan van Eyck, Botticelli, Mantegna, Altdorfer, Lucas Cranach d. Ä., Tizian, Tintoretto, Pieter Brueghel d. J., Jan Brueghel d. Ä., Rubens, Watteau, Fragonard, Canaletto, Constable, Caspar David Friedrich, Corot, Pissaro, Renoir, Manet, Monet, Cezanne, van Gogh, Klimt, Nolde, Hundertwasser, Hockney - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Wie bereits der Untertitel des herrlichen Buches verkündet, liegt der Schwerpunkt von “Gemalte Gärten” auf den Bildern. Die fulminante Flut der Abbildungen wird von einem Text begleitet, der nach Herzenslust Hintergrundwissen zu den Gemälden und den auf ihnen dargestellten Szenen, Künstlern, Charakteristika der Kunstepochen und Strömungen der Gartenkunst vermittelt. Fraglos alles sehr interessant, aber auch ein wenig beliebig. Bei mehr als einem der ausgewählten Gemälde wäre ein konkreter Bezug zu dem dargestellten Garten (anstatt zu dem in ihm stattfindendem Geschehen) oder eine tiefergehende Analyse einzelner Gartenelemente wünschenswert gewesen.

“Gemalte Gärten” ist in erster Linie ein Fest für die Augen und somit das ideale Geschenkbuch für kunstsinnige Gartenfreunde.

© Ch. Ranseder

Gemalte Gärten: Bilder aus zwei Jahrtausenden

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Basel: 50 000 Jahre

Donnerstag, 19. Februar 2009

Non-Fiction

Guido Lassau
Zeitreisen durch 50 000 Jahre Basel
Christoph Merian 2009, Dt./Engl., 72 S., 22 farbige Abb.
ISBN 978 3 85616 466 9

Zeitreise Basel Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

Guido Lassau, Kantonsarchäologe von Basel, macht mit prägnanten Texten und Fotos Lust auf archäologische Entdeckungstouren in Basel. Von der Altsteinzeit bis ins Spätmittelalter führt seine Zeitreise.

Elf Fundorte, die repräsentativ für ihren Epoche oder Zeitabschnitt sind, werden in Wort und Bild vorgestellt. Die kurzen Abrisse führen auch archäologische Neulinge sprachlich leicht fassbar und fesselnd in die für die jeweilige Zeit kennzeichnenden Situationen wie Umwelt, Lebensweise, technische Entwicklungen oder soziale Strukturen ein. Verweise auf die Häufigkeit, Verteilung oder Weiterentwicklung der Fundstellen verschaffen eine guten Eindruck der Besiedlungsgeschichte Basels. Eine Besiedlungsgeschichte, die mit den ersten Begehungen durch die noch nicht sesshaften Neandertalern der Altsteinzeit ihren Anfang nimmt und bis zu den städtischen Strukturen im Mittelalter reicht.

Anschaulich illustriert werden die Texte durch die Gegenüberstellung von digitaler Rekonstruktion der Vergangenheit und aktuellem Foto des Fundortes. Für die exzeptionellen Rekonstruktionen, die den Fotos der Fundorte maßstäblich entsprechen, zeichnet Digitale Archäologie verantwortlich. Der Umschlag des Buches ist abnehmbar und entpuppt sich beim Aufklappen als Luftbild von Basel. Die im Buch beschriebenen Fundorte sind auf dieser fotografischen Übersichtskarte verortet und leicht auffindbar.

Ein idealer Reisbegleiter sowohl für archäologisch Interessierte als auch für Schulen in Basel und Umgebung - für letztere ein eindeutiges “Muss”. Ein weiteres gelungenes Produkt der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und definitiv beispielgebend für alle Elfenbeintürmler in vergleichbaren Institutionen.

© S. Strohschneider-Laue

Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

siehe auch:
Auf dem Basler Münsterhügel  -  Rezension

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Basler Münsterhügel

Freitag, 11. April 2008

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Andrea Hagendorn, Eckhard Deschler-Erb
mit einem Beitrag von Guido Lassau
Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende
Archäologische Denkmäler in Basel 5
Christoph Merian 2007, 66 S., 30 Farb- und 10 Sw-Abb.
ISBN 978 3 85616 345 7

Basel Münsterhügel Auf dem Basler Münsterhügel

Der Münsterhügel im Zentrum von Basel ist seit rund 3000 Jahren besiedelt. Bis zu drei Meter hoch sind die in diesem Zeitraum von seinen Bewohnern zurückgelassenen Kulturschichten. Das freut Archäologinnen und Archäologen, denen es dank zahlreicher Rettungsgrabungen gelang, die Geschichte der Besiedlung zu rekonstruieren. Die Broschüre “Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende”, Band 5 der Reihe “Archäologische Denkmäler in Basel”, folgt den Spuren der ersten Siedler, welche die Vorzüge des Siedlungsareals für sich entdeckten.

Den natürlichen Schutz seiner steil zu Rhein und Birsig abfallenden Hänge wussten bereits die Bewohner der ersten, in der Spätbronzezeit (1300-800 v. Chr.) errichteten, befestigten Siedlung zu schätzen. Dennoch verließen sie am Ende der Bronzezeit den Münsterhügel. Seine bis heute kontinuierlich fortdauernde Besiedlung setzte erst um 80 v. Chr. ein, als das Sicherheitsbedürfnis der keltischen Bevölkerung angesichts der wachsenden Bedrohung durch die Germanen zunahm. Die von einer mächtigen Wall-Graben-Anlage geschützte keltische Siedlung diente als Adelssitz und Zentralort. Nach der Eroberung Galliens geriet auch der Münsterhügel unter die Kontrolle der Römer, unter deren Befehl die keltischen Adeligen nun die Rheingrenze sicherten. Die Befestigung der Siedlung wurde eingeebnet, neue vom römischen Baustil beeinflusste Häuser entstanden. Mit der Verlegung der römischen Reichsgrenze büßte die Ansiedlung auf dem Münsterhügel ihre strategische Bedeutung ein. Viel wichtiger war nun die Anbindung an das römische Straßennetz und die damit gegebene Möglichkeit am überregionalen Handel Teil zu haben. Erst in der zweiten Hälfte des krisengeschüttelten 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde die römische Grenze wieder an den Rhein zurückverlegt und der Münsterhügel erneut mit einer massiven Mauer befestigt. Mit dem von Kaiser Valentinian beaufsichtigtem Ausbau der Grenzbefestigung erlebte Basel eine kurze Blütezeit, bevor um 400 n. Chr. die römischen Truppen endgültig abzogen und die Zivilbevölkerung auf sich gestellt zurück blieb.

Andrea Hagendorn und Eckhard Deschler-Erb erzählen mit großer inhaltlicher und sprachlicher Klarheit vom Leben und Sterben der Bewohner des Münsterhügels und deren archäologischen Hinterlassenschaften. Dabei verlieren sie trotz faszinierender Detailbefunde niemals das große Ganze aus dem Blick. Die Geschichte der Besiedlung wird stets in Beziehung zum überregionalen Zeitgeschehen gesetzt, aus dem sich die wechselnde strategische und wirtschaftsgeographische Bedeutung des Standortes bedingte. Unterstützt durch ausgezeichnetes, abwechslungsreiches Bildmaterial entsteht so ein anschaulicher Ablauf des Siedlungsgeschehens.

“Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende” macht Lust auf einen Spaziergang über das Areal. Dank des von Guido Lassau verfassten, von zahlreichen Plänen begleiteten chronologischen Überblicks der Siedlungsentwicklung, finden sich auch Ortsfremde leicht zurecht. Die grafisch attraktiv gestaltete Broschüre vermittelt Stadtgeschichte in jeder Hinsicht vorbildlich.

© Ch. Ranseder

Auf dem Basler Münsterhügel

siehe auch:
Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel   -   Rezension

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