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Archäologie: DressCode im Römischen Weltreich

Freitag, 26. Juli 2013
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 75/13

Michael Tellenbach, Regine Schulz, Alfried Wieczorek (Hg.)
Die Macht der Toga
DressCode im Römischen Weltreich
Reiss-Engelhorn-Museen Bd. 56 
Schnell + Steiner
, Regensburg 2013, 317 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7954 2590 6

Die Macht der Toga Die Macht der Toga - DressCode im Römischen Weltreich

Bekleidung: Schlüssel der Gesellschaft

Auch in der Antike galt: Geld ist Macht und Bekleidung ist der sichtbare Beweis. Bekleidung ist ein sozialer Spiegel und veranschaulicht u. a. Beruf, Rang, ethnische Zugehörigkeit. Sie ist die auswechselbare und dennoch identitätsstiftende Außenhaut. Der Schritt von Staatstracht zu Bekleidungsgesetzen ist klein und schnell getan. Überall, wo sozialer Stand und politischer Rang durch Kleidung zum Ausdruck gebracht werden, wird dafür gesorgt, dass sich diese nicht angemaßt werden.

Wer, was und wie zu tragen hat, wurde vorgeschrieben. Und wer glaubt, dass sich dies heute geändert hat, irrt. Es muss ja nicht gleich eine Amtstracht oder Uniform sein, die in der Öffentlichkeit unrechtmäßig getragen, Ärger verspricht. Nein, es reicht - oft ungeschriebenen - Bekleidungsgesetzen ungenügend zu befolgen oder gar gegen diese zu verstoßen, um den Zutritt zum Nobelklub (Designerware), zum Ball (langes Ballkleid, Smoking/Frack/Uniform), zu religiösen Orten (mit/ohne Kopfbedeckung, mit/ohne Schuhe, bedeckte Schultern/Beine), ins Museum (ohne Tasche) oder gar zum Strand (mit/ohne Badegewand) verwehrt zu bekommen.

Der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim (20. April bis 8. September ‘13) geht den antiken Bekleidungsfragen nach. Nahezu 50 Autoren haben an dem Band mitgewirkt. Ihre Beiträge rund um Textilarchäologie, Bekleidung in Rom und in seinen Provinzen sowie in den angrenzenden Gebieten - von Skandinavien bis Ägypten - des römischen Weltreichs sind am Puls der Forschung. Das Projekt DressID: Clothing and Identities - New Perspectives on textiles in the Roman Empire liegt der Ausstellung zugrunde. Hier werden Teile der Forschungsergebnisse von über 90 Wissenschaftern an 35 Institutionen der breiten Öffentlichkeit wunderbar aufbereitet präsentiert.

Römisch, hellenistisch, ägyptisch und der Rest der Welt

Die römische Staatstracht - toga, tunica, calcei - war sündteuer und nicht für Otto Normalverbraucher, sondern bestimmten Personenkreisen und Amtsträgern vorbehalten. Der Spielraum zwischen der Billigvariante und der Luxusausführung war dennoch gegeben. Ein perfekter Sitz der gebleichten und gestärkten Toga war nicht alleine, sondern mithilfe von mindestens vier Ankleider zu bewerkstelligen. Somit war wohl auch Senator eben nicht gleich Senator, wie man unschwer an Qualität und Tragweise erkennen konnte. War der Mann auch an Vorschriften gebunden, konnte er wenigstens über die Ausstattung seiner Frau protzen. Anders im Militär, da boten Paradeuniformen für die Offiziere durchaus eine gute Möglichkeit sich aufzuputzen, während der Legionär an die Grundausstattung gebunden war.

Die Bekleidung im Herzen des Römischen Reichs und jener im antiken Griechenland sind nur ein Teil der enormen Vielfalt - unabhängig vom modischen Wandel durch die Zeit -, die zur Verfügung stand. Textile Luxusgüter wurden importiert, während die römischen Sitten wiederum Einfluss auf die sie umgebenden Kulturen ausübten. Im Grunde ist das das “Jeansprinzip”, denn nicht jeder Jeansträger ist ein Amerikaner oder Goldgräber.

Kleidung: Luxus, Privileg, Besitz

Kleidung war Luxus. Nicht jeder konnte/durfte sich zum Notwendigsten auch Materialien aus Seide, Kamelhaar, aufwendige Webmuster und speziell eingefärbte Stoffe leisten. Besondere Produkte waren es tatsächlich “wert”, sie gesetzlich zu regeln, sie zu vererben, zu pfänden und bis zum letzten verschlissenen Teilchen immer wieder zu flicken und so lange anderweitig zu verwenden, bis sie nur noch als ein winziges Putzfetzchen auf den Müll landeten. Kleidung in der antiken Welt war wie besonders hochpreisige Luxusware: wertbeständig bzw. eine halbe Ewigkeit weiterverwertbar. Kein Wunder, dass sich entsprechende Kreise die Privilegien sicherten. Mit bestimmten Rohmaterialien - wie z. B. Seide, Purpur, Goldgewebe - war viel Geld zu machen. Beschränkte Zugänge hielten zugleich den Markt stabil und sorgten dafür, dass soziale Unterschiede deutlich sichtbar blieben. Eine einträgliche Praxis, die das römische Reich lange Zeit überlebte. Ebenfalls kein Wunder, dass Textilgeschenke, als Gewebe und Kleidung noch edel, haltbar und keine qualitätslose Fließbandware waren, sehr beliebt waren.

Interdisziplinäre Forschung

Zwischen Hausware und professioneller Erzeugung, Alltagsware und Luxusgut zu unterscheiden, wird Wissenschaftlern nicht leicht gemacht. Genauso schwierig ist es, Herkunft der Rohmaterialien, die Verarbeitung und die damit verbundenen Techniken, Netzwerke, Transportwege zu erschließen. Einige der zentrale Fragen von Textilforschern sind: Wer trug was, wann, wie, warum, was “kostete” es. Daraus ergeben sich weitere Fragen, die nicht nur soziale Aspekte (Mann, Frau, Kind, Alte und Junge, Arme und Reiche) betreffen, sondern auch solche zur Wirtschaftsgeschichte, politische und religiöse Strukturen.

Die Quellen sind nicht so zahlreich, wie sie scheinen, dafür aber umso vielfältiger und bruchstückhafter. Zu den raren Textilfunden, die nicht nur aus Gräbern stammen - u. a. auch aus dem Salzbergwerk von Hallstatt - gesellen sich schriftliche Überlieferungen, Bilder, Skulpturen, die mit allen zur Verfügung stehenden Methoden untersucht und ausgewertet werden.
Wer sich über die Erzeugung und Verwertung von Textilien detailliert informieren möchte, sei zum vorliegenden Katalog auch das Standardwerk Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa (Rezension) empfohlen, dass im Zuge des gleichen Projektes entstand.

Fazit

Was noch gesagt werden muss: Der hochwertige Band besticht durch seinen systematischen Aufbau, der durch das attraktive Layout und eine Fülle hervorragender - auch publikumsgerechter - Abbildungen unterstützt wird. Der benutzerfreundliche Anhang bietet Glossar der Fachbegriffe aus Kleidungs- und  Textilwissenschaft sowie eine umfangreiche Publikationsliste. Der moderate Preis ist das Zuckerl, das diesen wissenschaftlichen Leckerbissen zusätzlich versüßt.

Ein Freude bereitendes Pflichtbuch für alle, die die Ausstellung besucht haben und ganz besonders für jene, die sie nicht besuchen konnten. Archäologen, Textilkundler sowie an der Antike Interessierte werden den Band sowieso haben wollen.

© S. Strohschneider-Laue

Die Macht der Toga Die Macht der Toga - DressCode im Römischen Weltreich

Siehe auch

Prähistorische Textilkunst - Rezension

Kleidung und Mode im Mittelalter - Rezension

Schuhtick. - Rezension

Ebensolch
Teeblätter
Textzone

Lukullische Genüsse

Sonntag, 07. Juli 2013
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 75/13

Brigitte Cech
Lukullische Genüsse

Die Küche der alten Römer

Primus Verlag
, Darmstadt 2013, 208 S., zahlr. Abb. und Fotos
ISBN 978 3 8631 2354 3

Lukullische Genüsse Lukullische Genüsse: Die Küche der alten Römer

Essen hält Leib und Seele zusammen

Die Archäologin Brigitte Cech legt mit “Lukullische Genüsse” bereits ihren zweiten Band zur Antike (siehe auch: Technik in der Antike) vor. In diesem Buch führt sie in die antike Ess- und Trinkkultur zunächst mit einem unterhaltsamen „Exklusivinterview mit Lucius Licinius Lucullus” ein. Das Interview gibt Einblicke in ein Festmahl vom Ambiente über Gepflogenheiten bis zum Geschmackserlebnis und leitet zuletzt zu den tatsächlich vorhandenen Fakten über. Das Werk über die die römische Küche bietet ausgewogene populärwissenschaftliche Zugänge, die durch gut nachkochbare Rezepte abgerundet werden.

Ess- und Trinkkultur

Die ersten beiden Kapitel sind der römischen Ess- und Trinkkultur mit ihren Sitten und Gebräuchen rund ums Essen und Trinken gewidmet. Die Forschung schöpft dafür aus zahlreiche Quelle, die von der Literatur bis zur Archäologie reichen. Ein besonderer Schatz ist vor allem das sog. Kochbuch des Apicius. Durch sein Buch De re coquinaria /Über die Kochkunst sind nahezu 400 Rezepte überliefert.
Das knappe Frühstück, der kalte Mittagsimbiss und das reichhaltige Abendessen sind ähnlich der heutigen Gepflogenheiten in mediterranen Ländern. Räumlichkeiten und Speisefolgen wurden im Rahmen des Üblichen zusätzlich durch persönliche Vorlieben, finanzielle Mittel und abhängig von privaten oder offiziellen Anlässen bestimmt. Das Begleitprogramm reichte von gepflegten Tischgesprächen bis zu musikalischen, tänzerischen und akrobatischen Auftritten. Vom anschließenden geselligen Umtrunk zum Trinkgelage war es wie heute nur ein Becher zu viel allerdings war Komasaufen auch damals nicht gesellschaftsfähig.

Was kam auf den Tisch?

Den Lebensmitteln sind die umfangreichsten Kapitel gewidmet. Dieses Thema könnte ganze Bände füllen. Brigitte Cech gelang es, einen knappen und zugleich präzisen Überblick zu Getreide, Gemüse, Pilze und Trüffel, Obst, Fische und Meeresfrüchte, Geflügel, Eier, Fleisch, Schnecken und andere „Köstlichkeiten”, Milch und Käse, Fette, Öle und Oliven, Gewürze und Küchenkräuter zu verfassen. Zusätzlich weist sie auf die Veränderung des Nahrungsspektrums hin, das vor allem in der Neuzeit nach der Entdeckung Amerikas, noch umfangreicher wird. Vor allem die amerikanischen Nutzpflanzen (Kartoffeln, Mais, Tomaten, Paprika, Gartenbohnen, Kürbisse etc.) bestimmen bis heute unserer Speisekarte.

Harte Fakten wie Anekdoten fesseln beim Lesen. Vieles davon wird nicht allgemein bekannt sein.
Getreide und Getreideprodukte waren in der Antike als Grundnahrungsmittel der wichtigste Garant für zufriedene Bürger und erfolgreicher Expansion. Kein Wunder, dass Gesetze Preise und Abgaben regeln sollten, während die daran geknüpften Sozialleistungen zum politischen Schlachtfeld wurden. Hülsenfrüchte ein weiteres Grundnahrungsmittel war mit Zwiebeln und Knoblauch ein gesellschaftlicher Stein des Anstoßes. Dem hochwertigen Eiweißlieferanten wurde (und wird) aufgrund seiner blähenden Eigenschaften nicht allgemeine Zustimmung entgegengebracht. Speiseverbote für bestimmte Personenkreise sollten vermutlich bewirken, dass in geschlossenen Räumen und bei öffentlichen Zeremonien stinkende Flatulenzen minimiert werden sollten.

Nur dem Steckbrief zur Weintraube fehlen einige wichtige Details. Die Kultivierung der Weinrebe, der Genuss von Weintrauben und die Herstellung von Wein nördlich der Alpen sind nicht den Römern zu verdanken, wie diverse Funde und Befunde beweisen. Der Warenhandel zwischen Römern und Kelten betraf auch süßere und schwerere Weine aus dem Süden, die als Luxusgut auf den nördlichen Märkten teuer verkauft wurden. Schließlich begannen billigere Weine aus den Provinzen den italischen Markt zu erobern. Um die einheimische Produktion zu schützen, verfügte Kaiser Domitian 92 n. Chr. Aussatz- und Produktionsbeschränkungen für die Provinzen. Kaiser Probus hob erst 280 n. Chr. diese alte Verfügung wieder auf. Dies trug Probus fälschlich den Ruf ein, er hätte den Weinbau überhaupt erst eingeführt.

Kochen wie die die alten Römer

Die letzten beiden Kapitel stellen Küche und Kochen in den Mittelpunkt: Wo und wie wurden welche Gerichte zubereitet. Die Römer schätzten getrennte Wohn- und Arbeitsbereiche, sie hatten und haben nicht nur aus hygienischen Gründen ihre Vorteile. Die mögliche Brandgefahr, Lärm, Dunst und Gerüche waren Gründe genug, die Küche möglichst weit vom Wohnbereich und aus arbeitstechnischen Gründen nahe bei den ebenfalls entfernt gelegenen Abfallgruben und Wasseranschlüssen zu positionieren. Es mutet seltsamer an, dass es heute als gutes Design gilt, die dampfende Badewanne ans Fußende des Bettes und die Fettdünste produzierende Küche mitten ins Wohnzimmer zwischen empfindliche Bücherregale und Polstermöbel zu platzieren. Sauber getrennte Arbeits- und Wohnbereiche

Die Feinheiten des Kochens hängen nicht nur von der gut eingerichteten Küche, dem Koch und von den Zutaten ab, sondern auch von den verschiedenen Arten der Zubereitung. Römische Rezepte für die moderne Küche zu adaptieren ist eine Herausforderung und die langjährigen Erfahrungen der Autorin den Kochwilligen zugute. Ein Kochbuch ist kein Gesetzbuch, sondern eine richtungsweisende Anleitung, die nach persönlichem Geschmack und vorhandenen Zutaten adaptiert wird. Die Kunst gute Surrogate für selten gewordene Zutaten zu finden und geeignete Mengenverhältnisse zu ermitteln, hat B. Cech perfekt gemeistert. Den Basis-informationen, die man wirklich genau lesen sollte, folgen die Rezepte: Würzwein, Gebäck, Vorspeisen, Gemüsebeilagen und Salate, Hauptspeisen, Nachspeisen sowie die Grundrezepte. Das Originalrezept und zugehörige Erklärungen leiten den Speisevorschlag ein. Es folgen die Zutatenliste und die nach Arbeitsabläufen gegliederte Zubereitung. Zuweilen beschließen Tipps die Rezepte. Fotos der appetitlich angerichteten Speisen machen jedenfalls viel Lust auf die römische Küche.

Ein guter Anhang ist Goldes wert

Ein großer Verdienst des Buches ist der umfangreiche und benutzerfreundlich gestaltete Anhang. Tabellen zu Löhnen und Warenpreise geben zuletzt noch wichtige Einblicke in die ökonomischen Strukturen und verdeutlichen zusätzlich preisabhängige Ernährungsgewohnheiten. Die Literatur wurde nach antiken Quellen, Übersetzungen antiker Autoren und verwendete Literatur, nach Kapiteln geordnet, gelistet. Das Register teilt sich in das Glossar der Nahrungsmittel und Getränke, Personen- und Ortsnamen.

Fazit

Archäologie und Kochen sind in diesem Band appetitlich vorgelegt. Archäologiebegeisterte, Hobbyköche und auch Fachkollegen werden an diesem Band ihre Freude haben.

© S. Strohschneider-Laue

Lukullische Genüsse Lukullische Genüsse: Die Küche der alten Römer

Siehe auch

Technik in der Antike

De re coquinaria /Über die Kochkunst

Das Wikinger-Kochbuch - Rezension

Zu Tisch bei Martin Luther - Rezension

Keltische Kochbarkeiten: Mit 60 Rezepten vom “Fünf-Steine-Koch”- Rezension

Gastmahl
Ebensolch

Teeblätter
Textzone
AugenBlick

220 Jahre Moorarchäologie

Donnerstag, 03. November 2011
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 69/11

“O, schaurig ist’s übers Moor zu gehn …”
220 Jahre Moorarchäologie
Schriftenreihe des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg 79
Philipp von Zabern 2011, 260 S, zahlr. Fotografien und Grafiken.
ISBN 978 3 8053 4361 9

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

175 Jahre Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch ist Anlass die Bedeutung der Moorarchäologie seit 220 Jahren aufzuzeigen. Die Begleitschrift zur Ausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg 2011 widmet sich dem Thema Moorarchäologie.

In acht gut strukturierten Kapiteln mit jeweils beigefügtem Literaturverzeichnis werden archäologische Forschungen rund ums Moor vorgelegt. Die spektakulärsten - aber nicht unbedingt immer aufschlussreichsten - Funde sind Moorleichen, sie  werden in diesem Band ausgespart. Der Faszination Moorleichen ist nämlich ein eigener Band gewidmet worden.

Carsten Ritzau und Lena Strauch setzen sich einleitend mir dem Hochmoor als einmaligen Lebensraum und “nassen Geschichtsbuch” auseinander. Von der Moorentstehung über den Lebensraum bis hin zur Bedeutung von Mooren als einzigartige archäologische Tresore spannt sich der inhaltliche Bogen. Ein komprimierter Überblick über die einzigartige (Fund-)Landschaft.

Mystische Moorlandschaften stehen zusätzlich noch bei Lena Strauch im Mittelpunkt. Zwischen wirtschaftlicher Nutzung und künstlerischer Inspiration bieten Moore eine weite Spanne für Realität und Fantasie.

Frank Both und Mamoun Fansa, die auch für den Band “Faszination Moorleichen” verantwortlich zeichnen, bieten in zwei Kapitel Überblicke über Moorwege und ihre Forschungsgeschichte im Weser-Ems-Kreis. Moore sicher und schnell zu durchqueren, war zu allen Zeiten ein Anliegen. Die dazu angelegten Bohlenwege sind der Forschung schon lange bekannt. Ihre Bauweise und ihr feuchtbodenbedingter exzellenter Erhaltungszustand bieten der Forschung mehr Erkenntnisse als so manch anderer zur Sensation aufgeblasener Einzelfund.

Vier hölzerne Übungsschwerter stellt Philipp Roskoschinski vor. Die durch sie gewonnen Einblicke in die militärische Ausbildung im Babaricum der älteren Römischen Kaiserzeit, spricht für ein regelmäßiges Waffentraining.

Frank Both unterzieht Rad und Wagenentwicklung einer genaueren Betrachtung. Aus Wagenresten, die  quer durch die Urgeschichte bis in das Mittelalter nachgewiesen wurden, sind Rückschlüsse auf Transport und Verkehr möglich. Eine Reihung dieses Beitrags im Anschluss an die Ausführungen über Bohlenwege wäre m. E. thematisch sinnvoller gewesen.

Erhard Cosack stellt Überlegungen zu einem Brotopfer beim Bohlenweg XII (Ip) im Ipweger Moor an. Vom am Schreibtisch interpretiertem Brotopfer bis zum im Experiment verwendeten Achsfett”brot” reichen die interessanten Ausführungen.

Zuletzt wird noch das “Erfolgsmodell Einbaum” von Christina Wawrzinek näher beleuchtet. Denn auch diese sind aus Feuchtgebieten des Oldenburgerraumes bekannt und werden hier katalogsystematisch vorgestellt.

Der Band bietet einen guten Überblick über die Feuchtbodenfunde und den Forschungsstand in Nordwestdeutschland. Deutlich wird dabei, wie wesentlich organische Reste zum Klären offener chronologischer, wirtschaftlicher und ganz allgemein lebenspraktischer Fragen beitragen. Spannend aufbereitet und somit für Fach- und Laienpublikum gleichermaßen wertvoll.

© S. Strohschneider-Laue

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

Siehe auch:

Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

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