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Giftmord

Mittwoch, 12. Mai 2010

Helga Schimmer  
Giftmord 
Gerichtschemiker in ihrem Element  

Kremayr&Scheriau 2009, 192 S., Sw.-Abb.
ISBN 978 3 2180 0801 3

 Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element

Wie die Gerichtsmedizin zur heutigen Wissenschaft wurde, bietet die Grundlage zu den nachfolgenden spektakulären, unheimlichen und nahezu perfekten Todesfällen durch Gift.  Säuberlich in giftige Elemente und anorganische Verbindungen sowie toxische organische Verbindungen getrennt, legt Helga Schimmer die passenden Verbrechen zu den entsprechenden Substanzen vor.  In flotter journalistischer Manier wird erzählt, wie forensischen Toxikologen die jeweiligen Fälle nachweisen konnten. 

Über die Wirkung und den Erfolg von Gift war man vermutlich schon in Urzeiten, aber ganz sicher ab der Antike bestens informiert. Den Nachweis des freiwilligen oder meist eher unfreiwilligen Giftkonsums zu erbringen, war - und ist es teilweise heut noch jedenfalls - nicht so einfach. Mal ganz abgesehen davon, dass bekanntlich “die Dosis das Gift macht”, kann in kleinen Mengen durchaus Verträgliches - wie z. B. Alkohol - in großen Mengen konsumiert zum Tode führen. Die minutiöse wissenschaftliche Spurensuche und ihre Beweise konnten sich vor Gericht außerdem nicht seit jeher behaupten. Auch James Marsh musste 1836 erst einen besseren Arsennachweis als den des Homöopathen Samuel Hahnemann entwickeln - die sog. Marshsche Probe -, um seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit vor Gericht durchsetzen zu können. Wegen der guten Nachweisbarkeit ist Arsen bei Giftmischern aus der Mode gekommen - zumindest solange bis die Gerichtsmedizin begann Arsentests zu vernachlässigen.

Egal ob Arsen, Thallium, Selen, Blausäure dem Essen, Getränken oder Medikamenten beigemischt werden oder ein bisschen Knollenblätterpilzgift heimtückisch unter die Haut gespritzt wird, das Ergebnis ist in jeden Fall verheerend. So locker und flockig auch die Schreibe sein mag, die Autorin weiß, worüber sie berichtet. Helga Schimmer nicht nur Chemikerin, sondern auch bestens mit Giftstoffen und ihren Wirkungen in realen Vergiftungsfällen vertraut. Ihr Buch ist eine fesselnde Lektüre für KrimispezialistInnen, schließlich wollen AutorInnen und LeserInnen wissen, welche Mittelchen probate Opferproduzenten sind. Und wer dann noch nicht genug von Gift hat, wird unter der weiterführenden Literatur sicher fündig werden.

© S. Strohschneider-Laue

Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element

Siehe auch:
Kriminologie: Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen
Mordmethoden: Ermittlungen der bekanntesten Kriminalbiologen der Welt
CSI-Forensik für Dummies
Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige

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Botanischer Garten Bern

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Non-Fiction

Fred Zaugg, Adrian Moser
Botanischer Garten Bern 
Haupt 2009, 240 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 258 07540

 Botanischer Garten Bern

In einem Außenbezirk von Wien, dort wo Stadtrandverbauung und Wienerwald aufeinander treffen, steht ein Apfelbaum. Ich kenne und liebe ihn seit meiner Kindheit. Jeden Frühling verleihen ihm tausende Blüten das Aussehen einer fröhlichen Wolke. Jeden Herbst biegen sich seine Äste unter der Last der vielen, dicht an dicht hängenden roten Äpfelchen. Jetzt steht das Grundstück zum Verkauf und ich fürchte den Tag an dem das Geräusch der Motorsäge erschallt und das Leben dieses wunderbaren alten Baums jäh beendet wird.

In Bern, Schweiz, befindet sich ein herrlicher botanischer Garten. Auch er ist bedroht.

150 Jahre ist es her, dass der Botanische Garten Bern seinen Standort in Rabbental gefunden hat. Zum Jubiläum ist ihm ein ungewöhnliches Buch mit dem schlichten Titel “Botanischer Garten Bern” gewidmet. Es ist so schön und vielfältig wie die Anlage, von der es berichtet. Schon der Bucheinband verheißt, ganz wie der Garten selbst, stille Freuden: Wie von Mondlicht beschienen, zeichnen sich die cremeweiß schimmernden Schattenrisse von Pflanzen auf dem, in einem geheimnisvollen Grünton gehaltenen, Leinen ab. Im Buchinneren offenbart sich in den Fotografien von Adrian Moser die ganze Pracht des Botanischen Gartens Bern. Ob der Blick nun über Alpinum, Jahreszeiten-Wildgarten, Teichufer, Waldgarten, Grotte, Bauerngarten, Schmetterlingsgarten oder Heilpflanzengarten schweift: Ein Areal ist schöner als das andere. Stattliche Bäume, üppiges Grün und buntes Blütenmeer verlocken zum Erkunden. Namenschildchen verraten, was man vor sich hat. In den Glashäusern sind die Exoten und Empfindlichen untergebracht. Aus ungewöhnlichen Blickwinkeln aufgenommene Pflanzenporträts machen mit dem botanischen Bestand im Freiland und unter Dach bekannt. Ob die Schnecke am Wegesrand, der Farbenrausch der herbstlich verfärbten Blätter oder das Glitzern des alles bedeckenden Schnees - gekonnt fängt der Fotograf die zauberhafte Stimmung des Gartens ein. Auf einigen Bildern betreten Menschen die Bühne der Natur. Wer sie sind und warum sie einen Platz in dem Buch über den Botanischen Garten Bern gefunden haben, ist aus den Texten von Fred Zaugg zu erfahren. Und mit dem Wort kommt auch der Schock der Ernüchterung, werden BetrachterInnen der idyllischen Bilder schnell wieder in die brutale, von der Jagd nach Rendite bestimmte, Realität zurückgeholt.

Dreimal drohte dem Botanischen Garten Bern seit 1999 die Schließung. Fred Zauggs Texte sind ein Plädoyer für dessen Erhalt. Mit seinen vielschichtigen, sehr persönlich gefärbten Essays, Porträts und Erzählungen hat er eine elegante Lösung gefunden, um darzulegen wie wichtig der Botanische Garten Bern ist: Als Ort des Forschens und Bewahrens, Lernens und Entdeckens, der Inspiration und Erholung.

Was der Botanische Garten für die Menschen bedeutet, wird in den auf Interviews basierenden Porträts von Männern und Frauen deutlich, die für den Fortbestand dieses einzigartigen Ortes kämpfen oder als BesucherInnen hier Kraft und Inspiration schöpfen. Es sind diese zwanzig, für die Kapitel “Die Menschen und ihr Garten” Befragten, die LeserInnen auf den Fotos aus der üppigen Vegetation entgegenblicken. Wie sie zum Botanischen Garten gefunden haben, ist so verschieden wie die von ihnen genannten Lieblingsblumen.

In den “Gartenräume”-Kapiteln hingegen, wird die Aufmerksamkeit auf einzelne Bereiche dieser Oase mitten in der Stadt und zu bewundernde botanische und zoologische Schätze gerichtet. Von Alpinum und Heilpflanzengarten über die ältesten Bäume und die in Palmenhaus und Wildgarten flatternden Schmetterlinge bis zum Herbarium und den Angeboten der Gartenpädagogik spannt sich der Bogen. Nicht nur einheimischen Pflanzen und Tieren begegnet man auf Freiflächen und in Glashäusern, sondern Schönheiten aus der ganzen Welt. Schritt für Schritt offenbart sich der Artenreichtum der Natur. Studenten des Instituts der Pflanzenwissenschaften der Universität Bern können hier ihr Wissen vertiefen, während andere Besucher sich ganz dem Genuss des schönen Anblicks hingeben.

Die Geschichte des Botanischen Gartens schlängelt sich als roter Faden durch das Buch. Zu ihr gesellen sich in den als “Geschichten” ausgewiesenen Kapiteln Erzählungen, die den Garten und seine Pflanzen mit Erinnerungen des Autors, historischen Begebenheiten, Literatur, Kunst und Philosophie vernetzten. Geschickt verpackt wird wortgewandt Stoff zum Nachdenken geboten: über Kleinigkeiten, welche das Leben lebenswert machen; über die Auswüchse des modernen Kulturbetriebs; oder über die Symbolkraft eines Baumes. Mehrmals bezieht Fred Zaugg im Buch auch expliziter Stellung und findet deutliche Worte zum Überlebenskampf des Botanischen Gartens Bern und der Kurzsichtigkeit der Politik. Hut ab, vor diesem Mut!

Botanische Gärten gehören zu den großen kulturellen Errungenschaften der Menschheit. In einer Zeit, in der Pflanzen und Tiere mit beängstigender Geschwindigkeit von unserem Planeten verschwinden und sich die Menschen Zusehens ihrer Umwelt entfremden, lässt sich der Wert eines öffentlichen Raums, der ein stilles Genießen der reichen Gaben der Natur ebenso ermöglicht wie selbstbestimmtes Lernen, nicht in Geld bemessen. Es sollte in unser aller Interesse sein, diese lebenden Archive zu schützen und für ihren Fortbestand zu sorgen. So bleibt zu guter Letzt nur zu hoffen, dass dieses wunderbare Buch über den Botanischen Garten Bern nicht zum Schwanengesang vor dessen Untergang wird. Für die nächsten vier Jahre ist der Betrieb wenigstens gesichert. Mehr über den Botanischen Garten Bern und seine botanischen Kostbarkeiten ist im Internet auf den vorzüglichen Seiten zu erfahren.

© Ch. Ranseder

Botanischer Garten Bern

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Kulturbüro

Dienstag, 30. Juni 2009

Non-Fiction

Ivan Sterzinger (Hg.)
Das Kulturbüro-Weissbuch
Scheidegger & Spiess 2009, 107 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 85881 262 9 

Kulturbüro Weissbuch  Das Kulturbüro-Weissbuch: Mit Gesuchsleitfaden, zwanzig Geheimtipps und über hundert nützlichen Adressen für das Überleben im Kulturbetrieb

Herzlichen Glückwunsch zum zehnten Geburtstag, Kulturbüro Zürich! Grün vor Neid bin ich als Österreicherin beim Lesen der Jubiläumspublikation des Schweizer Projektes zur Unterstützung von Kulturschaffenden geworden! Das Kulturbüro hilft praxisnah und unbürokratisch. UNBÜROKRATISCH - gleich mehrmals las ich dieses magische Wort, sogar laut. Ich musste es mir regelrecht auf der Zunge zergehen lassen. Aber es kam noch besser!
Ein Künstler ist jemand, der sich selbst als solcher definiert und nicht in erster Linie jemand, der bereits zahlreiche Auszeichnungen gewonnen hat, schreibt Hedy Graber, Leiterin Direktion Kultur und Soziales Migros-Kulturprozent, im Vorwort von “Das Kulturbüro-Weissbuch” über die “Haltung” des Kulturbüros. “Wow!” war mein erster, sich zugegebenermaßen nicht durch intellektuelle Reflexion auszeichnender, Gedanke. Entzückt über so viel Aufgeschlossenheit und Weitsicht einer Fördereinrichtung, versenkte ich meine Nase wieder in das Buch.

Dank der zahlreichen charmanten, humorvollen und nützlichen Beiträge, ist die anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Kulturbüros erscheinende Festschrift “Das Kulturbüro-Weissbuch” zugleich Dokumentation und Ratgeber. Das Kulturbüro wurde 1998 in Zürich gegründet. Seine Räume sind Treffpunkt, Atelier und Büro zugleich. Hier können Kulturschaffende arbeiten und netzwerken, sich bei den engagierten Mitarbeitern der unkonventionellen Einrichtung Rat holen, kostengünstig Geräte ausborgen oder die Infrastruktur des Büros nutzen. Wofür das Kulturbüro steht, wie es zu seiner Gründung kam und welche Leistungen es anbietet, wird als Auftakt und Abschluss des Buches erzählt. Von Seite 15 bis 54 dürfen LeserInnen Hand anlegen: Perforierte Seiten müssen vorsichtig aufgerissen werden, um an die Tipps von zwanzig Kulturschaffenden zu kommen, wie unerwartete Hürden oder Engpässe überwunden werden können. Von Rezepten für Kunstblut über die Beschaffung von kostenlosen Fonts bis zu Tricks mit deren Hilfe Geräten das Maximum des technisch Machbaren entlockt werden kann, reicht das Spektrum der Improvisationskunststücke und Notlösungen.
Ein wenig ernster geht es dann im Leitfaden zum Verfassen von Gesuchen zu. Die meisten in der Gesuchsanleitung angeführten Punkte sind allgemein gültig und als Hilfestellung auch für Österreicher und Deutsche brauchbar. Einige wenige Empfehlungen sind allerdings eher als landestypisch zu betrachten. Wirklich nur für Schweizer hilfreich ist der Adressenteil “Die gelben Seiten”. Nach dieser Serviceleistung schwenkt “Das Kulturbüro-Weissbuch” wieder auf die Dokumentationsschiene. Witzig fand ich die Porträtfotos der hart für die Kulturschaffenden arbeitenden Geräte. Da sich das Kulturbüro Zürich als bahnbrechendes Erfolgsprojekt erwies, wurden nach und nach Niederlassungen in Bern (1999), Genf (2006) und Basel (2008) eröffnet. Das vorletzte Kapitel fängt mithilfe eines fotografischen Essays die Stimmung in den Räumen der vier Kulturbüros ein.

Was in Österreich zu einer schwerfälligen Jubelpostille für Politiker und deren Versuch, sich in zahlreichen Vor-, Geleit- und Einleitungsworten inklusive Foto zu profilieren, verkommen würde, wird in der Schweiz zu einer Publikation, in deren Mittelpunkt das gefeierte Projekt steht und in der Menschen zu Wort kommen, die tatsächlich etwas mit dieser Einrichtung zu tun hatten oder haben. Nicht nur Konzept und Tonfall von “Das Kulturbüro-Weissbuch” sind aufgeschlossen und individuell, auch die optische Gestaltung des Buches kann sich sehen lassen. Nur der blaue Schutzumschlag wollte sich ständig aus dem Staub machen.

Das Kulturbüro ist eine Bereicherung der Schweizer Kulturlandschaft, “Das Kulturbüro-Weissbuch” für jedes Bücherregal.

© Ch. Ranseder

Das Kulturbüro-Weissbuch: Mit Gesuchsleitfaden, zwanzig Geheimtipps und über hundert nützlichen Adressen für das Überleben im Kulturbetrieb

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Rotmilan

Montag, 15. Juni 2009

Non-Fiction

Adrian Aebischer 
Der Rotmilan
Ein faszinierender Greifvogel
Haupt 2009, 232 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 258 07417 7

Der Rotmilan Der Rotmilan: Ein faszinierender Greifvogel

Jede/r aufmerksame/r NaturfreundIn hat den Rotmilan irgendwann einmal beobachtet, zumindest in Deutschland, Frankreich oder Spanien. In diesen Ländern befinden sich drei Viertel des Weltbestandes. In Österreich ist die Zahl der mehr oder minder erfolgreichen, maximal zwanzig Brutpaare leider nur als verschwindend zu bezeichnen.

Der Kulturfolger trägt viele Namen, darunter Gabelweihe oder Roter Habicht. Die auffällige Erscheinung des etwa bussardgroßen Vogels mit seinen langen schlanken, auf der Unterseite dreifarbigen Flügeln, rostbraunem Gefieder und dem langen, gegabelten Schwanz, verschaffen selbst ungeübten Vogelbeobachtern beim Erkennen ein rasches Erfolgserlebnis. Insbesondere die kurzen Drehbewegungen des Schwanzes zur Flugkorrektur sind typisch für den Rotmilan und ein echter Eye-Catcher. Die fantastischen Fotografien in diesem Buch zeigen den wunderschönen Vogel tatsächlich von seinen besten Seiten und bei eindrucksvollen Flugmanövern.

“Der Rotmilan” ist das beste Handbuch, das zum Rotmilan bisher vorgelegt wurde. Am Puls der Forschung vereinigt es die zahlreichen Einzelstudien mit den in der Westschweiz seit 2000 erhobenen Fakten zu Brutbiologie, Wanderungen und Überwinterungen zu einer ebenso spannenden wie wissenschaftlich fundierten Lektüre. Unglaublich wie viele Fakten für dieses Buch erhoben wurden und wie viele Fragen zum Rotmilan beim derzeitigen Stand der Forschung trotzdem noch offen bleiben. Ein Verdienst dieses Buches ist es diese Forschungslücken aufzuzeigen und Studien wie z. B. zur Sterblichkeit, Wanderungsrouten des Rotmilans in Winterquartieren einzufordern. Statistiken, Tabellen und Karten präsentieren übersichtlich u. a. Verbreitung, Bestandsdichte, Zugrichtungen oder Todesursachen des Rotmilans.

Vorliegende Publikation zeichnet sich durch seine systematische inhaltliche Gliederung, die zusätzlich durch ein perfektes Layout unterstützt wird, aus. Die sechs Kapitel “Beschreibung”, “Lebensraum und Nahrung, Balz, Brut und Jungvögel”, “Ein echter Europäer: Verbreitung des Romilans”, “Überwinterung und Wanderung”, “Gefährdung und Schutz” werden durch einen Ausblick auf “die Greifvögel Mitteleuropas” sinnvoll ergänzt. Der Anhang rundet den benutzerfreundlich angelegten Band mit einem exzellenten Literaturverzeichnis, Bildnachweis, nützlichen Adressen und einem Register ab. Erfreulich, dass der Autor nicht mit Dank an die zahlreichen MitarbeiterInnen, KollegInnen und Rotmilan-FreundInnen geizt. Unterstreicht doch diese Transparenz die Bedeutung und die Unentbehrlichkeit internationaler sowie interdisziplinärer wissenschaftlicher Kooperationen.

Wie es wirklich um den Rotmilan steht und was gut für ihn ist, weiß man allerdings erst nach dieser großartigen Bestandsaufnahme. Unentbehrlich für OrnithologInnen und ein Muss für jeden Greifvogelfan!

© V. Strohschneider

Der Rotmilan: Ein faszinierender Greifvogel

siehe auch:
Zürcher Tierschutz (Projektförderung)
Birdlife  Schweiz
Birdlife Österreich
Naturschutzbund Deutschland 
Atlas der bedrohten Arten 

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Hermann Obrist

Donnerstag, 09. April 2009

Non-Fiction

Eva Afuhs, Andreas Strobl (Hgg.)
Hermann Obrist Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

Museum Bellerive, Staatliche Graphische Sammlung München
Scheidegger & Spiess 2009, Dt./Engl., 248 S., zahlr. Abb.
ISBN
ISBN 978 3 85881 239 1

Hermann Obrist Hermann Obrist: Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

Hermann Obrist (1862-1926) war ein Suchender. Vielseitig begabt und leicht zu langweilen, kam er über den Umweg der Naturwissenschaften zur Kunst. Vier “Visionen” brauchte es, bis der junge Hermann seine Berufung erkannte und sich ganz dem Kunstgewerbe verschrieb. Wie sein Werdegang verlief, erzählt der Künstler, der einst in München den deutschen Jugendstil maßgeblich formte, in der Autobiografie “Ein glückliches Leben”. Seine Erinnerungen bilden - durch Papier, Farbe und mittige Platzierung von den wissenschaftlichen Beiträgen abgehoben - das Herzstück des Buches “Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″.

Das künstlerische Schaffen von Hermann Obrist ist nur noch lückenhaft erhalten. Vieles kam nie über das Entwurfsstadium hinaus, ging verloren oder wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Nahezu das gesamte bildhauerische Werk sowie eine fotografische Dokumentation der Grabmäler und Brunnen befinden sich heute im Museum für Gestaltung, Zürich. Ein weiterer bedeutender Teil seines Nachlasses hat sich in der Staatlichen Graphischen Sammlung, München, erhalten. Das als gemeinsames Projekt der beiden Institutionen entstandene Buch “Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″ und die begleitende Ausstellung führen erstmals diese Teile des Nachlasses zusammen.

Unter welchen dramatischen Bedingungen Teile des Werkes von Hermann Obrist gerettet werden konnten, schildert der erste Beitrag des reich bebilderten Buches. Eva Afuhs und Andreas Strobl stellen in “Erste Grundlagen zu einem fragmentierten Werk” den Nachlass vor. Im Zuge dessen untersuchen sie sowohl die künstlerische Entwicklung des Bildhauers als auch die Rezeption und Bedeutung seines Werkes im Kontext des damaligen Kunstverständnisses. Hermann Obrist wollte neue Wege beschreiten. Er fand neue, originelle Ausdrucksformen und experimentierte als einer der Ersten mit den Materialien Plastilin und Zement. Als Inspirationsquelle für seine Plastiken, Textilien und Zeichnungen sammelte er Abbildungen aus Zeitschriften. Damit nahm er die “mood-boards” heutiger Designer vorweg. Wäre Hermann Obrist noch am Leben, könnte er vermutlich als Ausstatter von Fantasy-Filmen Erfolge feiern. Seine bildhauerischen Arbeiten wirken fantastisch-fremdartig, bisweilen sogar bedrohlich. Eva Afuhs und Andreas Strobl benutzen den treffenden Ausdruck “biomorph”. Obrist orientierte sich an der Natur, jedoch ohne sie zu kopieren. Er fing Bewegung und Wachstum als Ausdruck der inneren Kraft eines Organismus ein und verkörperlichte sie als Spirale oder Peitschenschlaglinie. Für ihn sollte Kunst das Gefühl des Lebens in übersteigerter Form erfahrbar machen.
Annika Waenerberg legt in “Lebenskraft als Leitfaden” dar, welche Faktoren sowohl Obrists Ringen nach einem einzigartigen persönlichen Stil als auch seine kunsttheoretischen Ideen beeinflusst haben. Die Erforschung der Wahrnehmung und der abstrakten Form beschäftigten den Künstler auch in seinen Zeichungen.
Stacy Hand geht in ihrem Beitrag “Feuer in Schwarzweiss” der Frage nach, welche Bedeutung Wahrnehmungspsychologie und naturwissenschaftliche Illustration für das Werk von Hermann Obrist hatten. Dieser widmete sich ja nicht nur der Praxis sondern auch der Theorie und Lehre. Als Mitbegründer der “Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk” dürfte er gut mit anderen Künstlern vernetzt gewesen sein.
Ingo Starz wirft in “Ornamental-Plastik” Licht auf den Dialog und die, anlässlich der Werkbundausstellung in Köln 1914 erfolgte, Zusammenarbeit mit Henry van de Velde.
Dass Hermann Obrist sich der Bedeutung seiner Grabmäler und Brunnen bewusst war, darf aus der qualitativ hervorragenden fotografischen Dokumentation der Werke geschlossen werden. Viola Weigel analysiert in “Hermann Obrist und die Fotografie” das im Nachlass erhaltene Konvolut von 49 Aufnahmen. Im Zuge dessen legt sie dar, wie der Blick durch das Objektiv die Wahrnehmung der Arbeiten und ihrer Platzierung im Raum beeinflusst.
Warum Obrist ausgerechnet der Gestaltung von Grabmälern besondere Aufmerksamkeit schenkte und welche Erfolge er mit seinen Werken verbuchen konnte, beschäftigt schließlich Hubertus Adam in “Symbolische Erinnerungen an die Natur”.

“Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″ ist die erste Monografie über den eigenwilligen Bildhauer, Textildesigner, Zeichner, Theoretiker und Lehrer. Die in deutscher und englischer Sprache wiedergegebenen Essays leisten einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung des Gesamtwerkes von Hermann Obrist. Zu den hervorragenden Texten und der großzügigen Bebilderung gesellt sich für designbewusste LeserInnen ein zusätzlicher Bonus. Das Buch besticht mit einer edlen Gestaltung, die es wohltuend von der Masse der verfügbaren Kunstpublikationen abhebt. Mehr sei hier nicht verraten. 

© Ch. Ranseder

Hermann Obrist: Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

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Malweiber

Donnerstag, 09. April 2009

Non-Fiction

Katja Behling, Anke Manigold
Die Malweiber
Unerschrockene Künstlerinnen um 1900
Elisabeth Sandmann 2009, 152 S., zahlr. Abb.

ISBN 978 3 938045 37 4

Malweiber Die Malweiber - Unerschrockene Künstlerinnen um 1900

Im 19. Jahrhundert gab es zahllose Frauen, die als Künstlerinnen tätig waren. Sie nutzten die wenigen ihnen offen stehenden Ausbildungsmöglichkeiten, stellten aus, gewannen Preise, schlossen sich in Vereinen zusammen und verkauften ihre Werke. Nur in die offizielle Kunstgeschichte haben sie, bis auf wenige Ausnahmen, ihren Weg nicht gefunden. Je radikaler, fortschrittlicher und innovativer die von den Künstlerinnen entwickelte eigene Bildsprache war, desto größer die Ablehnung der zeitgenössischen männlichen Kunstkritiker. Der mutige Bruch mit den bestehenden Geschlechterrollen, die Überwindung äußerer und innerer Barrieren kostete die kunstschaffenden Frauen enorme Kraft. Nicht selten waren Anfeindung und Spott der einzige Lohn. Besser fuhren Künstlerinnen, deren Werke mit Attributen wie charmant, reizend etc. bedacht werden konnten. Solange ihre Lebensführung und ihr künstlerischer Ausdruck einigermaßen den gesellschaftlich zementierten Vorstellungen des Weiblichen entsprachen, wurde ihnen zumindest zu Lebzeiten die Anerkennung nicht verwehrt. Die Zeit überdauert haben auch viele ihrer Werke nicht.

Wahre Wertschätzung zeigt sich im Sammeln, Bewahren und lebendig halten der Erinnerung. Das Ausmaß dessen, was verloren ging oder vernichtet wurde, macht erst die Lektüre eines Buches wie “Die Malweiber” bewusst. So fragwürdig es auch scheinen mag, 45 Künstlerinnen auf mageren 127 Seiten zu präsentieren, ermöglicht es doch einen einzigartigen Vergleich der Biografien und Überlebensstrategien dieser Frauen. Malen konnte jede von ihnen ebenso gut wie ihre männlichen Kollegen. Der Preis, den sie für die Ausübung ihrer Profession zu zahlen hatten, war ungleich höher. Der Balanceakt zwischen ersehnter Freiheit zur künstlerischen Verwirklichung und der Erfüllung weiblicher Pflichten gelang nur wenigen. Ehemänner oder Lebensgefährten, die sich willig zeigten, ihr Ego hintanzustellen und ihre Frauen zu unterstützen waren die Ausnahme. Von jenen Künstlerinnen, die nicht allein oder mit einer anderen Frau zusammenlebten, gaben viele wegen der Familie ihre künstlerischen Ambitionen frühzeitig auf oder pausierten. Andere stellten sich in den Schatten ihrer berühmteren Männer und verschrieben sich der Pflege deren Nachlasses anstatt jener des eigenen Werkes. Ohne Menschen, die ihre Arbeiten schätzen, ohne Fürsprecher, Förderer und Nachlassverwalter liefen und laufen Künstlerinnen Gefahr, vergessen zu werden. Wer liebender Verwandter entbehrt und von den Torwächtern des Kunstbetriebes, den Kritikern, Wissenschaftlern, Kuratoren und Galeristen, totgeschwiegen wird, der verschwindet in der Versenkung. Die Ökonomie der Aufmerksamkeit ist keine Erscheinung des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Nur wessen Name in aller Munde ist, geradezu gebetsmühlenartig wiederholt wird, findet Aufnahme ins kulturelle Gedächtnis.

“Die Malweiber” leistet einen Beitrag, die Namen von Künstlerinnen in die Welt hinauszutragen und das Interesse für sie zu schüren. 45 Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden von Katja Behling und Anke Manigold für ihr Buch ausgewählt: Paula Moderson-Becker, Marie Bock, Clara Rilke-Westhoff, Louise Moderson-Breling, Katharina Bamberg, Elisabeth Büchsel, Antonie Biel, Clara Arnheim, Henni Lehmann, Anna Gerresheim, Elisabeth von Eiken, Anna Natalie Sinnhuber, Margarethe Sinnhuber, Helene Neumann, Alma del Banco, Anita Rée, Käte Lassen, Julie Wolfthorn, Augusta von Zitzewitz, Clara Siewert, Charlotte Berend-Corinth, Dora Hitz, Käthe Kollwitz, Ida Braubach, Mathilde Knoop-Spielhagen, Mathilde Battenberg, Viktoria von Preussen, Anna Klein, Maria Langer-Schöller, Emmi Walther, Paula Wimmer, Johanna Oppenheimer, Marianne Werefkin, Lolo von Hornstein, Waltraut Niepmann, Gabriele Münter, Sophie Taeuber-Arp, Clara von Rappard, Louise Breslau, Aloïse Corbaz, Bronica Koller, Tina Blau, Helene Funke, Marie-Louise von Motesiczky und Else Lasker-Schüler. Ihren knappen Biografien ist eine Einleitung, die sich mit den Ausbildungsbedingungen von Frauen im Kunstbetrieb und der Bedeutung von Künstlerkolonien auseinandersetzt, vorangestellt. Bestimmend für die Gliederung des Buches sind die Arbeitsorte der Künstlerinnen - sei es ländliche Künstlerkolonie oder Großstadt. Jeder wird kurz vorgestellt, doch leider beleben diese Texte nur Zitate von Männern, die sich überschwänglich zur Schönheit der Orte und ihren Besonderheiten äußern. Wäre es in einem Buch über Künstlerinnen nicht interessanter zu erfahren, wie es ihnen dort gefiel? Und so las ich “Die Malweiber” mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend weil jede Publikation über Künstlerinnen zählt, weinend weil hier den einzelnen Persönlichkeiten so wenig Platz eingeräumt wird. Zwischen einer und vier Seiten sind die - Text, Foto der Künstlerin und Werkbeispiele umfassenden - Biografien lang. Oder sollte ich sagen: kurz? Die Möglichkeit zusätzliches Bildmaterial in der Einleitung und auf Schmuckseiten unterzubringen, wurde bedauerlicherweise nicht ausgeschöpft. Stattdessen finden Bilder zweimal Verwendung, Katharina Bambergs “Schafstall auf Hiddensee” ist sogar dreimal abgebildet.

Das Buch “Die Malweiber” ist Zusammenfassung und potentieller Ausgangspunkt zugleich. Paula Moderson-Becker und Käthe Kollwitz haben bereits Aufnahme in den “Kanon” der Kunstgeschichte gefunden. An ihnen kommt man nicht mehr so leicht vorbei. Einige der in dem Buch vorgestellten Malerinnen wurden in den letzten Jahren wiederentdeckt und mit Ausstellungen gewürdigt. All jenen, die bislang nur in Sammelbänden aufscheinen, wünsche ich eine Monografie, reich an Abbildungen und Originalzitaten. Damit auch ihre Stimme gehört wird.

© Ch. Ranseder

Die Malweiber - Unerschrockene Künstlerinnen um 1900

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Basel: 50 000 Jahre

Donnerstag, 19. Februar 2009

Non-Fiction

Guido Lassau
Zeitreisen durch 50 000 Jahre Basel
Christoph Merian 2009, Dt./Engl., 72 S., 22 farbige Abb.
ISBN 978 3 85616 466 9

Zeitreise Basel Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

Guido Lassau, Kantonsarchäologe von Basel, macht mit prägnanten Texten und Fotos Lust auf archäologische Entdeckungstouren in Basel. Von der Altsteinzeit bis ins Spätmittelalter führt seine Zeitreise.

Elf Fundorte, die repräsentativ für ihren Epoche oder Zeitabschnitt sind, werden in Wort und Bild vorgestellt. Die kurzen Abrisse führen auch archäologische Neulinge sprachlich leicht fassbar und fesselnd in die für die jeweilige Zeit kennzeichnenden Situationen wie Umwelt, Lebensweise, technische Entwicklungen oder soziale Strukturen ein. Verweise auf die Häufigkeit, Verteilung oder Weiterentwicklung der Fundstellen verschaffen eine guten Eindruck der Besiedlungsgeschichte Basels. Eine Besiedlungsgeschichte, die mit den ersten Begehungen durch die noch nicht sesshaften Neandertalern der Altsteinzeit ihren Anfang nimmt und bis zu den städtischen Strukturen im Mittelalter reicht.

Anschaulich illustriert werden die Texte durch die Gegenüberstellung von digitaler Rekonstruktion der Vergangenheit und aktuellem Foto des Fundortes. Für die exzeptionellen Rekonstruktionen, die den Fotos der Fundorte maßstäblich entsprechen, zeichnet Digitale Archäologie verantwortlich. Der Umschlag des Buches ist abnehmbar und entpuppt sich beim Aufklappen als Luftbild von Basel. Die im Buch beschriebenen Fundorte sind auf dieser fotografischen Übersichtskarte verortet und leicht auffindbar.

Ein idealer Reisbegleiter sowohl für archäologisch Interessierte als auch für Schulen in Basel und Umgebung - für letztere ein eindeutiges “Muss”. Ein weiteres gelungenes Produkt der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und definitiv beispielgebend für alle Elfenbeintürmler in vergleichbaren Institutionen.

© S. Strohschneider-Laue

Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

siehe auch:
Auf dem Basler Münsterhügel  -  Rezension

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Basler Münsterhügel

Freitag, 11. April 2008

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Andrea Hagendorn, Eckhard Deschler-Erb
mit einem Beitrag von Guido Lassau
Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende
Archäologische Denkmäler in Basel 5
Christoph Merian 2007, 66 S., 30 Farb- und 10 Sw-Abb.
ISBN 978 3 85616 345 7

Basel Münsterhügel Auf dem Basler Münsterhügel

Der Münsterhügel im Zentrum von Basel ist seit rund 3000 Jahren besiedelt. Bis zu drei Meter hoch sind die in diesem Zeitraum von seinen Bewohnern zurückgelassenen Kulturschichten. Das freut Archäologinnen und Archäologen, denen es dank zahlreicher Rettungsgrabungen gelang, die Geschichte der Besiedlung zu rekonstruieren. Die Broschüre “Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende”, Band 5 der Reihe “Archäologische Denkmäler in Basel”, folgt den Spuren der ersten Siedler, welche die Vorzüge des Siedlungsareals für sich entdeckten.

Den natürlichen Schutz seiner steil zu Rhein und Birsig abfallenden Hänge wussten bereits die Bewohner der ersten, in der Spätbronzezeit (1300-800 v. Chr.) errichteten, befestigten Siedlung zu schätzen. Dennoch verließen sie am Ende der Bronzezeit den Münsterhügel. Seine bis heute kontinuierlich fortdauernde Besiedlung setzte erst um 80 v. Chr. ein, als das Sicherheitsbedürfnis der keltischen Bevölkerung angesichts der wachsenden Bedrohung durch die Germanen zunahm. Die von einer mächtigen Wall-Graben-Anlage geschützte keltische Siedlung diente als Adelssitz und Zentralort. Nach der Eroberung Galliens geriet auch der Münsterhügel unter die Kontrolle der Römer, unter deren Befehl die keltischen Adeligen nun die Rheingrenze sicherten. Die Befestigung der Siedlung wurde eingeebnet, neue vom römischen Baustil beeinflusste Häuser entstanden. Mit der Verlegung der römischen Reichsgrenze büßte die Ansiedlung auf dem Münsterhügel ihre strategische Bedeutung ein. Viel wichtiger war nun die Anbindung an das römische Straßennetz und die damit gegebene Möglichkeit am überregionalen Handel Teil zu haben. Erst in der zweiten Hälfte des krisengeschüttelten 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde die römische Grenze wieder an den Rhein zurückverlegt und der Münsterhügel erneut mit einer massiven Mauer befestigt. Mit dem von Kaiser Valentinian beaufsichtigtem Ausbau der Grenzbefestigung erlebte Basel eine kurze Blütezeit, bevor um 400 n. Chr. die römischen Truppen endgültig abzogen und die Zivilbevölkerung auf sich gestellt zurück blieb.

Andrea Hagendorn und Eckhard Deschler-Erb erzählen mit großer inhaltlicher und sprachlicher Klarheit vom Leben und Sterben der Bewohner des Münsterhügels und deren archäologischen Hinterlassenschaften. Dabei verlieren sie trotz faszinierender Detailbefunde niemals das große Ganze aus dem Blick. Die Geschichte der Besiedlung wird stets in Beziehung zum überregionalen Zeitgeschehen gesetzt, aus dem sich die wechselnde strategische und wirtschaftsgeographische Bedeutung des Standortes bedingte. Unterstützt durch ausgezeichnetes, abwechslungsreiches Bildmaterial entsteht so ein anschaulicher Ablauf des Siedlungsgeschehens.

“Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende” macht Lust auf einen Spaziergang über das Areal. Dank des von Guido Lassau verfassten, von zahlreichen Plänen begleiteten chronologischen Überblicks der Siedlungsentwicklung, finden sich auch Ortsfremde leicht zurecht. Die grafisch attraktiv gestaltete Broschüre vermittelt Stadtgeschichte in jeder Hinsicht vorbildlich.

© Ch. Ranseder

Auf dem Basler Münsterhügel

siehe auch:
Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel   -   Rezension

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