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Abenteuer des Wilden Flusses

Mittwoch, 12. November 2014
ab acht Ebensolch Rez-E-zine 78/14

Carlos Rodrigues Gesualdi (Text)
Christine Rösch (Illustration)
Das Abenteuer des Wilden Flusses / The Wild River Adventure

Amiguitos, 2014, Dt./Engl. oder Dt. /Span., 47 S., sw. illustriert
ISBN 978 3 9430 7931 9 (Dt./Engl.)
ISBN 978 3 9430 7930 2 (Dt./Span.)

Das Abenteuer des Wilden Flusses / The WILD river adventure

Das Abenteuer des Wilden Flusses / The WILD river adventure

Das Abenteuer des Wilden Flusses / La aventura del Rio Salvaje

Spanisch/Deutsch, Englisch/Deutsch

Erneut legt der Amiguitos Verlag ein Buch vor, das sowohl auf Spanisch und Deutsch als auch Englisch und Deutsch erhältlich ist. Das engagierte Verlagsprogramm zeichnet sich nicht nur durch mehrsprachigen Ansatz, sondern auch durch kompetenzorientierte Inhalte und engagierte Themen aus. Das für die Spielsprachschule für Kinder entwickelte Konzept bildet die Basis für die Publikationen, darunter Lehrwerke, Arbeitsbücher und Begleit-CDs.

William Faulkner, dem Meister der wechselnden Perspektive, zugeeignet

Wieder erzählt der Argentinier Carlos Rodrigues Gesualdi, der Autor des Vorgängerbandes The Supermodel / Das Topmodel, La Modelo Top / Das Topmodel, eine ganz besondere Geschichte. Sie handelt nur auf dem ersten Blick von einer abenteuerlichen sowie mutigen Flussüberquerung mit dem Floß. Denn eigentlich geht es doch mehr: Es geht um Tradition, Vertrauen und Verbundenheit zwischen Vater und Sohn. Es ist ein Buch, das den Mut macht, helfende Hände zu ergreifen und das Vertrauen verleiht, junge Hände loszulassen, damit diese das Zufassen lernen.

Das Buch richtet sich an LeserInnen ab elf Jahren bzw. für Lernende zu beginnen des Jahrs. Der Anhang bietet wieder zahlreiche Übungs- und Arbeitsanregungen zu Lese- und Grammatikkompetenz.

Die Illustrationen von Christine Rösch. Sie greift mit ihren Bildern die Stimmung und Story in Farben und Blickwinkeln auf. So stimmig und einprägsam, dass man ihren Stil einfach lieben muss.

Fazit

Eine stimmungsvolle Story, die das sprachliche Niveau von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzt, sondern fordert und fördert. Ein vergnüglicher Lese- und Lernspaß. Zweisprachigkeit vom Feinsten und das zu einem Preis, für den man nicht mal mehr eine Kinokarte bekommt.

© S. Strohschneider-Laue

Das Abenteuer des Wilden Flusses / The WILD river adventure

Das Abenteuer des Wilden Flusses / The WILD river adventure

Das Abenteuer des Wilden Flusses / La aventura del Rio Salvaje

Siehe auch

The Supermodel / Das Topmodel / La Modelo Top / Das Topmodel - Rezension

El Colibrí que perdió su pico / der Kolibri, der seinen Schnabel verlor / the Hummingbird who losts his beak: 3 Sprachen in einem Buch - Rezension

Nardo und die goldenen Schuhe - Rezension

Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y

LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika - Rezension

fútbol en España / Fußball in Spanien - Rezension

ab acht | Wissen
Ebensolch | Kultur

Teeblätter | Story
AugenBlick | Kino

Hamsterfuchs

Mittwoch, 05. November 2014
ab acht Ebensolch Rez-E-zine 78/14

Viola Eigenbrodt, Christiane Hoff
Peter Verwunderlich (Illustration)
Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten

elf skurrile Märchen
BoD 2014, 133 S., sw. illustriert
ISBN 978 3 7357 7140 7

Der Hamsterfuchs und ander Kuriositäten Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten - elf skurrile Märchen

Skurrilitätenkabinett

Wenn der Alltag von Viola Eigenbrodt und Christiane Hoff gerührt, geschüttelt und als Groteske serviert wird, entsteht eine moderne Fabelwelt. Sie verwandeln Menschen in ihren Geschichten in tierische Zerrbilder aus dem Spiegelkabinett. Was der Spiegel zeigt, erinnert an Hieronymus Bosch im Designeroutfit von Mordillo. Schauderhaft schön, seltsam schrill und überraschend merkwürdig. Hier wird Realität zu Fantasiewolle gesponnen und zu kuriosen Fabeln verwoben.

Spannungsgeladen zieht man mit Elektrolurch Lothar, dem UKW-Wellensicht Walter durch die seltsame Fabeltierwelt. Wer keine Parallelen zu Karl dem dicklichen Kakadu und Drossel-Dietmar ziehen kann oder den angezwitscherten Marienkäfer Fred sowie das theatralische Enten-Drachen-Duo wiedererkennt, dem ist nicht zu helfen. Das Glück ist jedenfalls immer ein schräger Vogel - besonders in der Gestalt von Hamsterfuchs und Bärenhäsin. Wenn zwei Autorinnen sich gegenseitig derartig aufgeigen, dann sollte man sich hinsetzen und sich lesend darüber amüsieren.

Die optische Weitererzählung sind die Illustrationen von Peter Verwunderlich. Zart und fantastisch öffnet er mit ihnen Fenster und Türen zu anderen Orten.

Fazit

Es gibt sie doch noch, die schönen Erzählungen. Für junggebliebene Erwachsene und Junge, die nie ganz erwachsen werden wollen. Zum Selberlesen, zum Vorlesen für Fantasievolle, die auch mit 100 noch aus dem Fenster steigen wie vor 90 Jahren, und zum (gem)einsamen Weiterspinnen.

© S. Strohschneider-Laue

Der Hamsterfuchs und ander Kuriositäten Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten - elf skurrile Märchen

ab acht | Wissen
Ebensolch | Kultur

Teeblätter | Story
AugenBlick | Kino

Archäologie: Unterwasser

Donnerstag, 23. Oktober 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 78/14

Florian Huber, Sunhild Kleingärtner (Hgg.)
Gestrandet - Versenkt - Versunken

Faszination Unterwasserarchäologie

Wachholtz, Neumünster, Hamburg 2014, 364 S., zahlr. Farbfotos und Abb.
ISBN 978 3 5290 1450 5

gestrandet versenkt gesunken Gestrandet - versenkt - versunken: Faszination Unterwasserarchäologie

Hohes Niveau für große Tiefe

Die Kombination aus Tauchen und Archäologie ist „nur” eine Methode, um Forschung in „unwegsamem Gelände” - u. a. in Extremräumen wie Höhlen oder Brunnen - zu ermöglichen. Landesaufnahmen finden eben überall, so auch subaquatisch statt. Dass die Unterwasserarchäologie trotzdem immer vom Hauch des Spektakulären umgeben ist, macht die Allgemeinheit neugierig genug, um sich mit dem Thema näher vertraut zu machen. Den beiden Herausgebern ist es mit „Gestrandet - Versenkt - Versunken” gelungen, seriöse Forschung, auf hohem wissenschaftlichen Niveau und trotzdem breitenwirksam attraktiv vorzulegen.  Gut, dass sie die Geschichte des Forschens unter Wasser, ihre Methoden und Ergebnisse als Prachtband gestaltet ließen.

Vom Forschen, Tauchen und Fotografieren

Gut strukturiert, werden in sechs Kapiteln Methoden und Ergebnisse der archäologischen Forschung unter Wasser anhand ausgewählter Beispiele und in einzelnen Beiträgen vorgelegt. Dass diese Abhandlungen ausgezeichnet layoutiert und farblich zum Thema passend - harmonisch aufeinander abgestimmte Gewässerfarben; überwiegend Blaunuancen - dargeboten werden, erfreut das Auge und ist ein zusätzlicher Bonus.

Unterwasserarchäologie und Denkmalschutz

Das erste Kapitel führt in das Thema Unterwasserarchäologie ein und würdigt auch den wichtigen und komplizierten Schutz des kulturellen Erbes unter Wasser.
Martin Mainberger und Timm Welski machen mit einem forschungsgeschichtlichen Abriss aus mitteleuropäischer Sicht zur Unterwasserarchäologie den Auftakt. Von den Anfängen über die ersten technischen Hilfsmittel bis zur modernen Ausbildung spannen sie den Bogen.
Gleich anschließend stellt Ulrike Guèrin die Maßnahmen, die im Rahmen der UNESCO und den Schutz des Kulturerbes unter Wasser - auch hinsichtlich internationaler Aspekte - getroffen werden, in den Mittelpunkt. Ausgehend von der Konvention von 2001 wird die Ist-Situation analysiert.
Unterwasserarchäologie und Tauchsport - Kulturschutz unter Wasser werden von Florian Huber und Gerd Knepel einer genaueren Betrachtung unterzogen. Theorie und Praxis sind dabei die eine Seite, während Aufklärungsarbeit die andere betrifft, um eine konstruktive Zusammenarbeit herbeizuführen.
Konservatorisches wird von Johann Müller und Reuben Shipway unter dem Titel „Kleines Tier - Große Wirkung. Wie Holzbohrmuscheln hölzerne Unterwasserfunde bedrohen”, berücksichtigt.

Von der Steinzeit bis zur Neuzeit - Archäologie querbeet

Die chronologische Rundschau eröffnen Aikaterini Glykou, Julia Goldhammer und Sönke Hartz. In taucharchäologischen Untersuchungen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste spüren sie der versunkenen Steinzeit nach.
Carsten Mischka widmet sich detailliert drei interessanten Fundstücken - Axt und Querbeil, Geweih und Stein - aus der Kieler Förde und Schlei.
Der Beitrag von Oliver Nakoinz stellt die Schlei anhand bedeutsamer Funde und Ereignisse quer durch die Zeiten vor. Zugleich wirft er einen Blick auf die Zukunft der Schleiforschung.

Schiffsarchäologie

Das umfangreichste Kapitel wird mit einem Überblick zur Seefahrtsgeschichte Schleswig-Holsteins von Jann M. Witt von den Anfängen über die Wikinger zu Hanse sowie den Entwicklungen im 16 und 17. Jahrhundert mit einem Ausblick in die Gegenwart eingeleitet.
„Faxekalk und Schießpulver” lautet der Titel des Beitrags von Florian Huber, der das Schicksal der dänischen Jacht „Catharina Maria” aufgreift. Die dabei eingesetzten Methoden und Recherchen geben einen Einblick in die vielfältigen Maßnahmen, die gesetzt werden, um zu einer Interpretation und letztlich Wrackidentifikation zu gelangen.
Das Wrack der „Prinzessin Hedvig Sophia” wird von Jens Auer und Holger Schweitzer zum Anlass genommen, um Archäologie und Geschichte eines schwedischen Kriegsschiffes des Großen Nordischen Krieges nachzuvollziehen. Ein anschauliches Beispiel für die Zusammenarbeit von Archäologie und Geschichtswissenschaft.
Philipp Grassel und Jasmin Loose gehen mit „Wo sind all die Schiffe hin?” der Frage bezüglich der mittelalterlichen Wrackhölzer vom Frankenhof-Stralsund nach. Mit Objektbiografie wird ein ebenso spannender wie komplizierter Analyseprozess angesprochen.
Daniel Zwick begibt sich auf eine archäologische Zeitreise, die den Spuren des ältesten See-Itinerars der Ostsee folgt: Wasserwegeforschung anhand von Schriftquellen und Schiffswracks.
Die Untersuchung eines Schleppdampfers im Tyrifjord (Norwegen) von Marijana Krahl gilt der „D/S Høvding”. Hier werden nicht nur Aspekte der Erforschung von Dampfschiffen berücksichtigt, sondern auch zum Wissen über die Flößerei beigetragen.

Hafenanlagen

Philip Lüth, F. Huber und André Dubisch verfolgen mit „Tonpfeifen für Amerika” Kiels Entwicklung als Hafen- und Handelsstadt vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Die internationale Reichweite erstaunt, da Kiel nicht über eine eigene Handelsflotte verfügte.
Mit dem Schleswiger Hafenviertel, der Feuchtbodenarchäologie zwischen Wikingern und Hanse, setzt sich Felix Rösch nachfolgend auseinander. Schleswig als Machtzentrum ist in vielen Bereich belegt, was ohne die erstklassige Feuchtbodenerhaltung nicht in diesem Umfang nachvollziehbar gewesen wäre.
A. Dubisch beschließt die Betrachtungen der Hafenanlagen am Beispiel submariner Schiffs- und Handelsfunde der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Vorhafengeschichte Neustadts in Holstein. Geschichte des Nah- und Fernhandels und mehr, wird erst durch archäologisch-historische Forschungen deutlich.

Limnische Archäologie

„In isolierter Lage” von Ph. Lüth stellt die Archäologie auf den Inseln der Seen Schleswig Holsteins dar. Systematische Aufnahme erfordert auch hier interdisziplinäre Zusammenarbeit, um quer durch die Zeiten ein schlüssiges Gesamtbild der Besiedlungsgeschichte in sich immer wieder stark veränderten Landschaften zeichnen zu können.
Spätestens mit dem Artikel „Die Tauchuntersuchungen im ‚Tiefen Brunnen’ der Kaiserburg zu Nürnberg” von F. Huber, Alfons Baier, Hans Fricke, Martin Nadler und Jana Ulrich wird deutlich, dass Tauchen im Dienste der Wissenschaft nicht immer unter den angenehmsten Bedingungen stattfindet. Die Forschungen zu Wasserbedarf und Brunnenbaukunst werden mit Methoden der Taucharchäologie ergänzt.
„Drei Farben Braun. Subaquatische Untersuchungen im Thorsberger Moor” von Ruth Blankenfeldt beschließt das Kapitel. Das Thorsberger Moor als Langzeitfundstelle hat nicht an Bedeutung verloren und dauern bis in die Gegenwart an.

Methoden und Techniken

Tom Kwasnitschka und Anne Jordt präsentieren quasi einen digitalen Abguss der Welt, die 3-D-Rekonstruktion unter Wasser. Eine Methode mehr, um die Dokumentation unter Wasser nicht nur zu erleichtern, sondern zuweilen überhaupt erst zu ermöglichen.
Der „Tauchgang in die Totenwelt” von F. Huber gilt den Prospektions- und Dokumentationsmethoden, die bei der archäologischen Erforschung gefluteter Höhlensysteme auf der Halbinsel Yucatán (Mexiko) zum Einsatz kamen. Darunter auch eine ausführliche Beschreibung der Ausrüstung und Planung, die dafür unentbehrlich sind.
Ulrich Kunz diskutiert die Unterwasserfotografie im Dienste der Wissenschaft. Er analysiert die komplexe Aufgabenstellung, die eine gute Dokumentation unter Extrembedingungen erfordert. Es ist eben nicht das sog. schöne Foto, welches jedes Laienauge erfreut, wichtig, sondern das minutiöse, das die meiste Information festhält.

Anhang

Zum Schluss bietet der ausgezeichnete Band zur Unterwasserarchäologie noch den einzelnen Artikeln zugeordnete Endnoten sowie ein überaus umfangreiches, ebenfalls den entsprechenden Beiträgen zugeordnetes Literaturverzeichnis.

Fazit

Diese Wissenschaftspublikation erfüllt tatsächlich Ansprüche eines attraktiven Coffee Table Books, was die allerwenigsten modernen Archäologiewerke von sich behaupten können. Was die LeserInnen auch immer von der Publikation erwarten, es wird ihnen geboten, denn renommierte WissenschaftlerInnen legen ihre aktuellen Forschungsergebnisse - noch dazu gut lesbar und reich illustriert - vor. Nicht zuletzt spricht diese abenteuerlichste Form der archäologischen Forschung auch jene Kreise, die nicht primär an der Archäologie, sondern eher am Tauchen interessiert sind, an.

© S. Strohschneider-Laue

gestrandet versenkt gesunken Gestrandet - versenkt - versunken: Faszination Unterwasserarchäologie

Siehe auch

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie - Rezension
Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie
- Rezension

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