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Film: So weit ich kann

Mittwoch, 04. Juni 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 78/14

So weit ich kann - Film
Pflegende Angehörige und ihr Weg
Davor, dazwischen und danach - Die Dreharbeiten
Ein Film von Herbert Link
Dt., Gehörlosenfassung (Hauptfilm), 62′30”
Medienbegleitheft (pdf)
PAL 16:9
avp 2014
Bestellungen bei IG-Pflege

So weit ich kann

Leben und Film gehen weiter

In der Politik muss man sehr laut werden, um sich Gehör zu verschaffen. Dass die Mehrheit laut brüllen muss, wenn es um wirklich Wichtiges geht, und dennoch kaum gehört wird, ist hingegen ein Skandal. Soziale - ebenso bildungsrelvante und kulturelle - Angelegenheiten finanziell ausblutet, bedeutet, die besten Ressourcen der Zukunft zu zerstören. Denn das Für- und Miteinander sind die Faktoren, die den größten Nutzen für ALLE Menschen haben. Wenn man Qualität einer Gesellschaft am Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern misst, dann steht Österreich nicht vor, sondern bereits über dem Abgrund.

Die Pflegesituation in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft spitzt sich zu. Daher werden nicht nur die aktuell Betroffenen lauter, sie organisieren sich, bevor es notwendig wird zu einer gemeinsamen Stimme: Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger (IG-Pflege).

Herbert Link hat in Kooperation mit der IG-Pflege ein Nachfolgeprojekt gedreht, das an seinen Film Mehr als ich kann (2011) anknüpft. Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm “Mehr als ich kann” über den Pflegealltag im Verborgenen zeigt Pflegebedürftige und Pflegende, wie sie ihren 24-Stunden-Job an 365 Tagen im Jahr (gem-)einsam bewältigen. Der Film - zuletzt mit dem Heinrich-Treichl-Preis geehrt - ist unaufgeregt, leise und zugleich erschütternder als die Trompeten vor Jericho.

Der aktuelle Film “So weit ich kann” hatte 2014 seine Premiere. Zwei Pflichtfilme für ALLE, man muss beide gesehen haben.

Pflege fordert ein und gibt zurück

So weit ich kann“So weit ich kann” (2014) zeigt die positiven Aspekte des Pflegealltags. Prägende Momente und Erfahrungen pflegender Angehöriger stehen im Mittelpunkt. Die sehr persönlichen Interviews sind bewegend. Sie belegen, dass der Pflegealltag trotz großer emotionaler und körperlicher Belastung auch beglückende Seiten hat. Die Betroffenen sprechen über ihr Kostbarstes - darunter Zeit, Veränderung, Zuwendung, Leben und Tod.
Der Film, der in Kooperation mit der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger und durch Unterstützung von ÖKSA, BMBF und BMASK entstand, macht Lebensgrenzen unaufgeregt sichtbar.

Ein Film für Junge, Alte, Gesunde, Kranke und für Veränderungen in der Politik

Die filmische Dokumentation ist in fünf ruhige und dennoch fesselnde Kapitel gegliedert. Didaktisches Begleitmaterial mit zahlreichen Diskussions- und Projektvorschlägen sowie weiterführende Informationen machen den Film auch zu einem idealen Unterrichtsmittel. Das detaillierte Medienbegleitheft (pdf) von Philipp Klutz ist für Schulen - auch fächerübergreifend - sowie Aus- und Fortbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen geeignet.

Einfach Wandern gehen - Eine Rückschau

Pflegealltag ist belastend. Die Rückschau berichtet über persönliche Rückzugsgebiete, Lebensinseln. Protagonisten des ersten Films (Mehr als ich kann - Ein Film über den Pflegealltag im Verborgenen) berichten wo und wie sie diese für sich gefunden haben.

Einstweilen schaffe ich es noch

Pflegende Angehörige stehen oft völlig überraschend vor einer großen Herausforderung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind bald überschritten, wenn eine Person die Last alleine trägt oder sich alleine verantwortlich fühlt.

Eine Sprache dafür finden

Pflege - durchaus ein gesellschaftliches Tabuthema - bedeutet Strategien zu entwickeln. Alleine die emotionale Bewältigung ist vielfältig. Es bedeutet ein großes Maß an Kreativität, um konkrete Hilfe im praktischen Pflegealltag zu erhalten.

Die Dinge ändern sich

Der Fokus wird auf die Veränderungen im Pflegebereich gelegt. Den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen wird vermehrt Rechnung getragen. Die zunehmende Professionalisierung bringt aber auch einengende Reglementierungen. So geht die u. a. die Zeit für die aufwendige Dokumentation der Pflege dem zwischenmenschlichen Beziehungsdreieck von Pflegefall, Angehörige und Personal verloren.

Etwas deutlich machen

So weit ich kann, Adrienne PötschnerDie politische Dimension des Pflegethemas ist enorm. Es ist notwendig, immer wieder vom Staat das Recht auf ein würdevolles Leben und Sterben einzufordern: Die Menschenwürde als Menschenrecht. Beispiele belegen, welchen Erfolg beharrliches und öffentliches Eintreten für dieses Recht haben kann.

Zum Thema „pflegende Kinder und Jugendliche” steht eine Auskopplung des Gesprächs mit Adrienne Pötschner auf YouTubeAT zur Verfügung.

Das Making-of

So weit ich kann, Herbert und Inge LinkZuletzt noch ein Blick auf die Dreharbeiten. Es ist doch immer wieder spannend zu sehen, wie Filme entstehen. Das auch Pannen und vor allem Lachen für ein gelungenes Endprodukt nötig sind. Hier wird deutlich, warum die Filme von Herbert Link so gelassen wirken. Es ist die ausgestrahlte Ruhe und der positive persönliche Umgang mit den Interviewten, die im Film ebenfalls spürbar wird. Schön, dass auch Inge Link, die den diskreten Hintergrund dem Rampenlicht vorzieht, zu sehen ist. Sie ist für den “guten Ton” und noch viel mehr verantwortlich.

Fazit

Ein Dokumentarfilm, der bewegt und (hoffentlich) viel bewegen wird. Durch die Protagonisten wird Pflege von einem Tabu zu einem Thema, über das es sich zu reden lohnt.

© S. Strohschneider-Laue

So weit ich kann

So weit ich kann
Pflegende Angehörige und ihr Weg

Davor, dazwischen und danach - Die Dreharbeiten
Medienbegleitheft (pdf)
Dt., Gehörlosenfassung (Hauptfilm)
Herbert Link 2014, 62′30”.


Siehe auch

Filme

Mehr als ich kann - Rezension
Über den Pflegealltag im Verborgenen - Trailer
Was es noch dazu zu sagen gibt (Zusatzfilm)
Herbert Link 2011, 45′, Zusatzfilm 13′.

Ein “…ganz langsamer Walzer”
Das Wirken der Hospiz-Pionierin Sr. Hildegard Teuschl CS.
Herbert Link 2009, 30′.

Die fallenden Blätter geben dem Wind die Gestalt
20 Jahre Mobiles Caritas Hospiz
Herbert Link 2008, 40′.

Ich hätte noch so viel zu sagen
Herbert Link 1996, 24′.

Plötzlich und unerwartet
Herbert Link 1989, 45′.

Alle Filme sind bei avp erhältlich

Bücher

Leben mit Grenzen: Texte aus und zu Filmen von Herbert Link

Alter Vogel flieg - Rezension

Eiswege - Rezension

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Bertha Buch | Amazon(e)Store
AugenBlick | AmaZino

Humanität: Heinrich-Treichl-Preis 2013

Donnerstag, 19. September 2013
NotizEbensolch Rez-E-zine 75/13

Heinrich-Treichl-Preis 2013

Herbert Link (Filmemacher), Veronika Krainz (lobby.16), Gerald Schöpfer (Präsident ÖRK), Verleihung Heinrich-Treichl-Preis © ÖRK/Markus Hechenberger

Am 18. September ‘13 vergab das Österreichische Rote Kreuz zum 19. Mal den Heinrich-Treichl-Preis. Der Preis, der nach Heinrich Treichl (1974-999 Präsident ÖRK) benannt ist, wird seit 1994 für außerordentliches humanitäres Engagement verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u. a. unermüdliche Persönlichkeiten wie Ute Bock, Brigitte Handlos und Barbara Stöckl.

Der Preis wurde dieses Jahr Veronika Krainz und Herbert Link für ihre außergewöhnlichen Leistungen zuerkannt.

Herbert Link, Filmemacher

Herbert Link, Verleihung Heinrich-Treichl-Preis © ÖRK/Markus HechenbergerHerbert Link hat dem Pflegealltag von der Hospizbewegung bis zur Betreuung im Familienkreis Gesicht und Stimme mit seinen Filmen verliehen. Vor allem die kräftezehrende Pflege durch Angehörige stellt er in den Mittelpunkt. Denn nicht die großen Hilfswerke leisten hier den Löwenanteil in Betreuung, sondern diese Privatpersonen. Sie stehen Pflegebedürftigen Tag und Nacht über Jahre hinweg helfend zur Seite. Es ist ein 24-Stunden-Job ohne finanzielles Entgelt und Urlaubsanspruch oder Anerkennung.

Er verschafft den Betroffenen, darunter auch Kindern, die Angehörige pflegen, genau jene private Zeit in der Öffentlichkeit, die sie benötigen, um über das Kostbarste zu sprechen: Veränderung, Gesundheit, Zeit und (fehlende) Zuwendung. In Zeiten der budgetären Kürzungen in unwirtschaftlich geltenden Bereichen - somit alle sozialen, bildungsrelvanten und kulturellen Angelegenheiten - macht er den alle Menschen betreffenden Pflegealltag für die Öffentlichkeit sichtbar.

Veronika Krainz, lobby.16

Veronika Krainz, Verleihung Heinrich-Treichl-Preis © ÖRK/Markus HechenbergerFlüchtling kann jeder werden, Asyl zu finden, ist hingegen nicht selbstverständlich. Kinder und Jugendliche betrifft das gleichfalls. Schlimmer noch: Nicht alle von ihnen erreichen in Begleitung von Bezugspersonen Österreich.

Am Lebensbeginn Perspektiven zu erhalten, positive Erfahrungen zu sammeln, sind wichtige Voraussetzungen, um Vertrauen zu sich und seinen Fähigkeiten zu finden. Jungen Asylanten eine die Perspektiven zu bieten, hat sich lobby.16 seit 2008 zum Ziel gesetzt, denn Bildung und insbesondere Ausbildung sind Basisgaranten eine Zukunft aufzubauen. Teilhabe am öffentlichen Leben und eine Zukunft für Minderjährige und junge Erwachsene bis 22 Jahren zu organisieren, hat lobby.16 übernommen.

Bereits 1992 wurde von Österreich die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, während die EU-Status-Richtlinie 2003 die Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedsstaaten - darunter auch das Recht auf Bildung - festlegt. lobby.16 setzt damit dort an, wo der Staat sich auf Unterschriften und Subventionen von Vereinen, die von Ehrenamtlichen und durch Spenden unterstützt werden, beschränkt.

Fazit

Mit den Preisträgerinnen Veronika Krainz und Herbert Link hat das Österreichische Rote Kreuz Menschen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, deren humanitäres Engagement beispielgebend ist. Mögen diese Projekte, die schon etliche Steinchen und Steine ins Rollen gebracht haben, noch mehr in Bewegung bringen; denn Füreinander und Miteinander sind die Faktoren, die den größten Nutzen für ALLE Menschen haben.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch

Filme

Mehr als ich kann
Über den Pflegealltag im Verborgenen - Trailer
Was es noch dazu zu sagen gibt (Zusatzfilm)
Herbert Link 2011, 45′, Zusatzfilm 13′.

Ein “…ganz langsamer Walzer”
Das Wirken der Hospiz-Pionierin Sr. Hildegard Teuschl CS.
Herbert Link 2009, 30′.

Die fallenden Blätter geben dem Wind die Gestalt
20 Jahre Mobiles Caritas Hospiz
Herbert Link 2008, 40′.

Ich hätte noch so viel zu sagen
Herbert Link 1996, 24′.

Plötzlich und unerwartet
Herbert Link 1989, 45′.

Alle Filme sind bei avp erhältlich

Bücher

Leben mit Grenzen: Texte aus und zu Filmen von Herbert Link

Alter Vogel flieg - Rezension

Eiswege - Rezension

Pflege

Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

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Bertha Buch | Amazon(e)Store
AugenBlick | AmaZino

Als meine Mutter die Küche nicht mehr fand

Donnerstag, 27. Dezember 2012
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 72/12

Jörn Klare
Als meine Mutter die Küche nicht mehr fand

Vom Wert des Lebens mit Demenz
Suhrkamp 2012, 270 S.
ISBN 978 3 5184 6401 4

Demenz Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

Demenz - Weg ins Vergessen

Jörn Klares Buch ist eines, das zu großer Aufmerksamkeit zwingt. Bei der Begleitung seiner 75-jährigen Mutter durch ihre Demenzerkrankung trifft er nicht nur auf Fachleute zur Alterswissenschaft, der Pflege, der Philosophie, der Theologie. Er begegnet auch immer wieder auf seine eigene Geschichte, die mit der Lebensgeschichte seiner Mutter eng verbunden ist und es auch in der Zeit des Vergessens bleibt. Die zahlreichen Fragen an ExpertInnen machen deutlich, dass sie helfen, rationale Erklärungen zu finden.

Fragen, Antworten und Rätselhaftes

Die Antworten, die ihm seine Mutter gibt, bleiben oft genug ein Rätsel. Jörn Klare lernt, sie ungelöst sein zu lassen und ihr damit ein Leben zu ermöglichen, das ihr die größtmögliche emotionale Sicherheit bietet.
Mit den Rückblenden in ihr Leben, die er einige Jahre vor Ausbruch der Erkrankung aufgenommen hat, seinen Berichten über die gemeinsame Reise durch die Tage ihres Daseins als demenzkranker Mensch zeichnet er ein sehr persönliches Bild und schreibt zugleich ein Buch, das in seiner Klarheit und Einfachheit unendlich viele Facetten des Themas “Demenz - eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit für Wissenschaft, Medizin und Solidarität untereinander” beleuchtet.

Jörn Klare

Jörn Klare ist bekannt als Autor von Reportagen und Features. Er wurde 2008 und 2012 mit dem Robert-Geisendörfer-Preis ausgezeichnet.

© B. Meinhard-Schiebel

Demenz Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

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