Mehr als ich kann
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Mehr als ich kann - Film
Ein Film über den Pflegealltag im Verborgenen
Was es noch dazu zu sagen gibt (Zusatzfilm)
Ein Film von Herbert Link 2011, Dt., Gehörlosen Fassung, 45′, Zusatzfilm 13′.
Trailer

Die Filmpremiere im Votiv Kino war ein besonderer Abend, deshalb war bereits 14 Tage zuvor die letzte Karte vergeben. Der Saal war restlos ausgebucht, 200 InteressentInnen mussten abgewiesen und auf den 26. November ‘11 im Cine Magic vertröstet werden. Das Publikum war überraschend jung, wesentlich jünger als erwartet. In einer immer langlebigeren Gesellschaft sind es tatsächlich die Jungen, die - auch am Beispiel ihrer Großeltern und Eltern - erkennen oder erkennen sollten, dass auch sie länger alt sein werden, als sie je jung waren. Die Premiere leitete Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger) ein.
Nach dem Film über die Hospizbewegung und SR Mag.a Hildegard Teuschl CS (*1937-†2009), widmet sich der Filmemacher Herbert Link dem Pflegealltag. Die drei Kapitel des Hauptfilms “Mehr als ich kann” zeigen Aspekt zu “Warum wir?”, “Was darf ich noch leben?”, “Du bist die Starke!”. Bewegende, fesselnde und aufrüttelnde 45 Minuten, die alle Menschen betreffen. Der Zusatzfilm bietet noch weitere 15 Minuten über das “Was es noch zu sagen gibt …”.
Unverkennbar die Handschrift des Regisseurs: Unaufgeregtheit und Ruhe sind seine magischen Schlüssel, die die InterviewpartnerInnen öffnen. Zu Wort kommen Pflegende und Pflegebedürftige. Es sind sehr junge und alte Menschen - auf beiden Seiten des Pflegealltags. Kinder, die über das alterstypische Fürsorgemaß hinaus versorgt werden müssen und Schulkinder, die ihre hilfsbedürftigen Eltern versorgen. Vor allem Kinder agieren völlig unerkannt. Die Dunkelziffer soll laut Birgit Meinhard-Schiebel bei 20.000 Kindern in Österreich liegen, die als PflegerInnen von Angehörigen aktiv sind. Es sind sehr viele kranke und/oder alte Menschen, die in der Familie gepflegt werden und das ohne jene Unterstützungen, die für einen weniger aufreibenden Ablauf notwendig wären. Im Pflegealltag eingebundene Personen schildern in diesem Film ungedrängt ihre persönliche Situation. Oft verlieren sich die Pflegenden während der Pflege selbst, reiben sich unaufhörlich auf. Es ist ein 24-Stunden-Job ohne finanzielles Entgelt und Urlaubsanspruch oder Anerkennung. Ein gewaltiges Burnoutrisiko geprägt von Angst, Schuldgefühlen und Überforderung - selbst bei jenen, die aus der Branche kommen, den Umgang mit Patienten gelernt haben. Schuldgefühle, die von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, die am Land stärker sind als in der Stadt, noch verstärkt werden.
Herbert Link verschafft den Betroffenen genau jene private Zeit in der Öffentlichkeit, die sie benötigen, um über das Kostbarste zu sprechen: Veränderung, Gesundheit, Zeit und (fehlende) Zuwendung. In Zeiten der budgetären Kürzungen in unwirtschaftlich geltenden Bereichen - somit alle soziale, bildungsrelvante und kulturelle Angelegenheiten - muss der alle Menschen betreffende Pflegealltag besonders laut und deutlich in die Öffentlichkeit getragen werden.
Die Botschaft des Films lautet daher: Werden Sie laut! Sprechen Sie über Pflege - besonders bevor sie notwendig wird. Der Pflegealltag findet (noch) im Verborgenen statt, das darf nicht so sein, das muss anders werden.
Filmvorführungen in Verbindung mit einer Lesung von Bärbel Danneberg aus Alter Vogel flieg können über die Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger gebucht werden.
© S. Strohschneider-Laue
Mehr als ich kann ist zu beziehen bei avp
Siehe dazu auch:
Ein “…ganz langsamer Walzer”, Film (30′) über das Wirken der Hospiz-Pionierin Sr. Hildegard Teuschl CS. Der Film ist bei avp erhältlich.
Alter Vogel flieg - Rezension
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Reden ist viel, Zuhören ist mehr und Verstehen ist alles! Denn hätten die Kaninchen, Hasen und Meerschweinchen weniger frisch gezapftes Möhrli getrunken und besser zugehört, hätten sie vielleicht verstanden, dass Angst Gewalt schafft und Gewalt keine Lösung ist! Und die Angsthasen wären stattdessen gemeinsam mit den Kaninchen und Meerschweinen eine vielfältige und kritikfähige Gemeinschaft gewesen, die jederzeit gemeinsam gegen Angst und Gewalt aufgetreten wäre.









Wohl die meisten BesucherInnen im Kunsthistorischen Museum wünschen sich reich genug zu sein, um sich zumindest ein den Ausstellungsstücken vergleichbares Kunstwerk leisten zu können. Vielleicht ein dürres Mädchen von Cranach oder eine pralle Frau von Rubens. Atelierbetriebe, die damals die Reichen und Schönen so malten wie es sich die Fotografen-Kundschaft von heute ebenfalls erträumt. Denn auch vor der Erfindung der Fotografie und lange vor Photoshop wurde weggelassen, was unerwünscht war und ergänzt, was fehlte. Nicht umsonst ist Heinrich VIII. auf der Suche nach der idealen vierten Frau auf das Porträt der Anna von Cleve (Hans Holbein) “hereingefallen”. Jahrhunderte formten das Verhältnis von Künstlern und Kunden. Ein Verhältnis das übrigens selten eine Auftragsbeziehung zwischen Künstlerinnen und Kundinnen war und sich daher deutlich in den von Männern bevorzugten Sujets niedergeschlagen hat. Und Vieles hat vielleicht die Aktualität eingebüßt aber trotzdem die Anziehungskraft behalten. Und alle, deren Geldbeutel zu klein und das Plakat aus dem Museumshop zu schäbig ist, hoffen auf den zeitgenössischen Glückskauf als Wohnungsbehübschung mit Identifikationspotential. Leider haben die Dauerausstellung des KHM und die Sonderausstellung KUNSTWERK mehr als nur die Qualität der Bilder, Zeichnungen, Druckwerke und Skulpturen gemein. Man kann auch von den ausgestellten zeitgenössischen KUNSTWERKen nichts im Kunsthistorischen Museum kaufen. Es geht nämlich bis zum 15. Februar ‘09 nicht um Charity, sondern es geht um Kunst.
Ohne den Streit “Künstler oder Kunsthandwerker” oder “Was ist Kunst” anzufachen, der ohnedies schon längst geführt wird, sind die Fragen nach “Künstler” oder “Kunsthandwerker”, Einzel- oder Atelierleistung zumindest berechtigt. Unberechtigt ist hingegen die Frage, ob Kunst von Menschen mit Behinderung überhaupt Kunst ist. Erlebtes verarbeiten, Befindlichkeit zum Ausdruck bringen, Sichtweisen zeigen, Erzählen durch Gestalten und vieles mehr macht Kunst(handwerk) zur Kunst. Obwohl rein finanziell gesehen erst das phrasenreiche Verkaufsgespräch und “Kaisers” Kaufbereitschaft so manche Kunst zum Kassenschlager macht.
“Kunst ist das gemalte Wort”, sagte Thomas Weissenbacher (Künstler und Vorsitzender von Vienna People First) bei seiner Eröffnungsrede.
Die KünstlerInnen wollen/müssen es niemand recht machen. Sie sind frei. Sie bringen ihre Befindlichkeiten zum Ausdruck und verarbeiten Erlebtes. Sie können über ihre Arbeiten sprechen ohne Schlüsselworte wie Position, Installation, ästhetisches Leitmotiv, abrupter Stilwechsel, minimalistische Farbfeldmalerei, eruptive Energie oder expressiv abstrakte Monochromie zu gebrauchen. Zufriedenheit ist befriedigend, Ehrlichkeit ansteckend. So ansteckend, dass BMin Dr. Claudia Schmied über das Bild, das ihr im Zuge der Eröffnung überreicht wurde, erfreut sagte: “Es sind meine Farben!”
Charlotte Basnar (*1980 Wien), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien.
Gruppe Werd Zwei, Werkstätte Im Werd, 1020 Wien
Dragan Mirkovic (*1982), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien
Zeljko Katic (*1976 in Kroatien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Kurt Grasnek (*1944 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien
Susanne Kuzma (*03.06.1966), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Michael Coban (*18.01.1967), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Christine Klaus (*01.06.1949), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien
Wolfgang Wagner (*19.10.1971), Werkstätte ALPHA, 1220 Wien
Metallgruppe HORIZONT, Werkstätte HORIZONT, 1210 Wien
