Spanien hören
Donnerstag, 08. Dezember 2011
Antje Hinz
Spanien hören
Silberfuchs Verlag 2011, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6514 9
Die kulturelle Vielfalt Spaniens wird in 80 Minuten und in 21 Häppchen als geniales Menü serviert. Die Länderreihe hat sich eindeutig zu einer stattliche Sammleredition mit steter Wiederhörqualität entwickelt. Historische, literarische und musikalische Clips lassen auf dieser CD ein ganz besonderes Bild von Spanien entstehen.
Beginnend mit den, zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählenden, Höhlenmalereien von Altamira spannt sich ein kultureller Bogen über die Iberische Halbinsel. Phönizier, Griechen, Vasconen, Iberer, Kelten, Römer, Westgoten, Mauren bildeten die vielfältige Basis. In Spanien ist untrennbar mit dem kulturellen Aufstieg während des Mittelalters auch politisch-religiöse Macht verbunden: Islam und Christentum. Das kulturelle Zentrum in islamischer Zeit war Córdoba. Hier entwickelte sich zugleich ein multikulturelles “Mekka der Wissenschaften”. Wie oft wechseln Toleranz und Verfolgung einander ab. Toledo profitiert vom Zuwachs Intellektueller als sie die Stadt verfolgte Juden und Christen aufnimmt. Schließlich wird vom Norden ausgehend die Rückgewinnung Spaniens unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der (Re-)Christianisierung vorgenommen. Dies mündet letztlich in der Inquisition. Systematische Verfolgung wird in Folge zum religiös untermauerten Staatsgeschäft, das die blühende Multikultur mit ihren Wissenschaftlern und Künstlern vernichtete. In Folge ging für Katholizismus, Kolonialismus und das Reich die Sonne nicht mehr unter. Marienverehrung, Askese auf der einen Seite sowie Don Quijote und das pralle spanische Volkstheater auf der anderen Seite sind nicht nur Gegensätze, sondern logische Folgen der Repressalien. Unter den Bourbonen sank der Stern des Katholizismus, Wissenschaft und Bildung wird zum Staatsanliegen. Dann kam Napoleon. Den Widerstand und den Kriegsgräuel zeigt niemand besser auf als Goya, der modernste, provozierendste, politisch und sozial kritischste Künstler - nicht nur zu seiner Zeit. Der Weg zur Verfassung und Republik war steinig, war aber auch der Weg zur nationalen Musik. Multikulturell, darunter die Musik und Sprache der Galizier, Basken, Katalanen und Roma, wird salonfähig. Ein fruchtbarer Nährboden auf denen einerseits Gaudi, Miró, Dalí, Picasso sich entfalten und andererseits im Zuge von Bürgerkrieg, Diktatur und neuer Nation Lorca, Celaya, Semprún, Marsé ihre Eindrücke in eindringliche, unvergängliche Worte fassen.
Dietmar Mues (†) präsentiert die Vielfalt außergewöhnlich abwechslungsreich vor dem Hintergrund vieler Musikzitate. Den optischen Genuss steuert Roswitha Röschs Grafik bei.
© S. Strohschneider-Laue
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