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Blattgold

Montag, 07. Juni 2010

Karin Havlicek
Vergolden mit Blattgold
Schritt für Schritt

DVA 2010, 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 4210 3713 8

 Vergolden mit Blattgold: Schritt für Schritt

Gold. Das Wort allein ist eine Verheißung. Die Symbolkraft des wertvollen Edelmetalls ist legendär. Seine Materialeigenschaften sind kaum zu übertreffen. Zu Blattgold geschlagen, lassen sich mit den hauchdünnen Blättchen Oberflächen so perfekt veredeln, dass die Objekte wirken als bestünden sie aus massivem Gold. Unzählige Bilder- und Spiegelrahmen, Wandvertäfelungen und Statuen verlangten in längst vergangenen Jahrhunderten nach der kundigen Hand des Vergolders. Wie geschäftig es in deren Werkstätten zugegangen sein muss, lässt ein Stich in der von Denis Diderot ab 1751 zusammengestellten “Encyclopédie, ou Dictionaire raisonné des sciences, des arts et des métiers” erahnen. Heute ist es um das traditionsreiche Handwerk stiller geworden. Der Beruf des Vergolders scheint langsam in Vergessenheit zu geraten - ein Schicksal, das er mit anderen Handwerken, die auf Qualität statt Massenfertigung setzen, teilt. Doch solange es MeisterInnen gibt, die bereit sind ihr Wissen nicht nur an Auszubildende, sondern auch an interessierte Laien weiterzugeben, werden die alten Techniken nicht verloren gehen. Karin Havlicek ist eine von ihnen. In ihrem herrlich informativen Buch “Vergolden mit Blattgold” bietet die Schreinerin und Vergoldermeisterin eine umfassende Einführung in die Techniken des Vergoldens.

Der Aufbau des Buches ist übersichtlich und logisch. Ausgehend von der Materialkunde werden zunächst Blattmetalle und Vergoldungsarten vorgestellt. Der Hinweis auf die Bedeutung der richtigen Beschaffenheit und Sauberkeit von Arbeitsplatz und Werkzeugen für das Gelingen einer perfekten Vergoldung dient als Überleitung zur Vorbereitung des Untergrundes, die besonders sorgfältig erfolgen muss. Im Anschluss daran folgen die Kapitel zu den unterschiedlichen Vergoldungsarten. Der Bogen spannt sich dabei von der Polimentvergoldung über Mixtionvergoldungen/Anlegevergoldungen, Vergoldung mit dem Kölner Instacoll-System bis zu Hinterglasvergoldungen und Mordentvergoldungen.

Karin Havlicek führt mit ihrem präzise formulierten, leicht verständlichen und mit nützlichen Tipps gespickten Text Schritt für Schritt durch den jeweils erforderlichen Arbeitsvorgang. Hervorragende Fotos begleiten die verbalen Erklärungen und machen es möglich, die einzelnen Arbeitsschritte sowie die Handhabung der Werkzeuge auch optisch nachzuvollziehen. Benötigte Materialien und Arbeitsgeräte sowie die Abfolge der Arbeitsschritte in Kurzform werden als Listen präsentiert. Sogar Rezepte verrät die Autorin.

Der Verwendung von Blattgold für die Veredelung von Büchern (Goldschnitt) und anderen mit Leder bezogenen Werkstücken (Vergoldung von Lederprägungen) ist ein eigener Abschnitt am Ende des Buches gewidmet. Zu guter Letzt wird es kulinarisch, denn Blattgold kann auch zur Verzierung von süßen Leckereien verwendet werden. “Vergolden mit Blattgold” ist ein Buch mit hohem Informationsgehalt, das als Anleitung und Nachschlagwerk unverzichtbar ist. Karin Havlicek gelingt es, mit den Grundlagen auch die vom Vergolderhandwerk ausgehende Faszination zu vermitteln. Obwohl sie vor Augen führt, wie arbeitsauswendig eine Vergoldung ist, wie viel Übung und Sachkenntnis zu ihrer Ausführung benötigt wird, bleibt der Tonfall des Textes ermutigend. Unterstützt von der attraktiven Gestaltung - für die unter anderem stimmungsvolle Nahaufnahmen von Blattgold zum Einsatz kommen - weckt das Buch

“Vergolden mit Blattgold” die Lust zumindest einige der vorgestellten Techniken selbst auszuprobieren.

© Ch. Ranseder

Vergolden mit Blattgold: Schritt für Schritt

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Landschaftsarchitektur visualisieren

Montag, 07. Juni 2010

Elke Mertens
Landschaftsarchitektur visualisieren
Funktionen, Konzepte, Strategien
Birkhäuser 2010, 192 S., zahlr. Farbabb., 1 DVD
ISBN 978 3 7643 8788 4

 Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

In der Welt des Designs ist es üblich, mit Bildern und Modellen zu kommunizieren. Auch Landschaftsarchitekten vermitteln ihre Ideen und Gestaltungsvorschläge für Freiräume mit Hilfe von Visualisierungen aller Art, deren Anfertigung ein integraler Bestandteil des Arbeitsprozesses ist. Die Wahl der Ausdrucksmittel und -modi richtet sich dabei nach der Planungsaufgabe und der Zielgruppe, mit der es gilt in Dialog zu treten. Im Lauf der Auseinandersetzung mit einem Projekt entstehen zahlreiche bildliche Darstellungen, die nicht für die Augen der Auftraggeber bestimmt sind, sondern nur der bürointernen Kommunikation im Rahmen der Ideenfindung sowie der Optimierung von Entwürfen dienen. Sie sind im allgemeinen von einer größeren Spontanität und Unmittelbarkeit geprägt als die ausgefeilten Reinzeichnungen, welche für die Weitergabe an Externe angefertigt werden.

In dem Buch “Landschaftsarchitektur visualisieren” sind alle Typen der visuellen Kommunikation planerischer Inhalte, die im Rahmen der Freiraumgestaltung zum Einsatz kommen können, vertreten. Das Spektrum reicht vom Scribble bis zum Film, vom nüchternen Bestandsplan bis zur Collage, die emotional ansprechen soll. Obwohl auch flüchtige Handskizzen Aufnahme in den Reigen der Abbildungen gefunden haben, wurde bei der Auswahl des reichhaltigen Bildmaterials der Schwerpunkt auf Darstellungen, die einen hohen Grad der optischen Perfektionierung aufweisen, gelegt.

Das grafisch übersichtlich gestaltete Buch ist in drei farbcodierte Teile gegliedert, denen einführende Worte zu Ideen- und Gestaltfindung sowie einige Beispiele historischer Darstellungsweisen vorangestellt sind.

Teil 1 - Funktionen - befasst sich mit der Darstellung von Fläche, Raum und Zeit. Zweidimensionale Ansichten, also Grundrisse und Schnitte, sind die Grundlage der visuellen Kommunikation in der Landschaftsarchitektur. Auf sie beruhen die zur Analyse eines Areals unabdingbaren Bestandspläne ebenso wie Vorentwurfs- und Entwurfspläne, Struktur- und Flächennutzungspläne, Pflanzpläne sowie Geländequerschnitte mit Terrain- und Vegetationshöhen. Dreidimensionale Darstellungsmodi umfassen Perspektiven, Axonometrien und Modelle. Mit ihrer Hilfe können Raumeindrücke wiedergegeben werden. Ansichten aus der Vogelschau erleichtern sowohl die Vorstellung des Zusammenspiels von Gelände, Entwurfsstruktur und Vegetation, als auch der Eingliederung einer Neuplanung in den bestehendem städtischen oder ländlichen Kontext. Durch die Wahl eines ungefähr der Augenhöhe späterer Nutzer entsprechenden Blickwinkels kann das intendierte Raumerlebnis angedeutet werden. In ihrer Extremform wird die dreidimensionale Darstellung - künstlerisch aufgewertet durch gewagte Perspektiven oder mit positiv besetzten Elementen (wie Schmetterlingen, Vögeln, bunten Blüten etc.) versehen - zum reinen Stimmungsträger. Der Faktor Zeit schließlich spielt vor allem für Beleuchtungskonzepte und die Zusammensetzung der Bepflanzung eine Rolle. Zuweilen ist die Einbeziehung der besonderen Geschichte eines Ortes opportun oder wird vom Auftraggeber explizit gewünscht.

Teil 2 - Konzepte - legt anhand von Fallbeispielen dar, wie Visualisierungen im tatsächlichen Planungsprozess und im Rahmen von Wettbewerben zum Einsatz kommen. Erst die überzeugende Komposition individueller Pläne und Zeichnungen, deren aussagekräftiges Ineinandergreifen in Bildfolgen, ermöglicht die erfolgreiche ganzheitliche Vermittlung einer komplexen Planung.

Teil 3 - Strategien - setzt sich mit der Herausforderung großräumiger Planungen im gesellschafts- und umweltpolitischen Kontext auseinander. Das Wachstum der Städte, die Zersiedlung der Landschaft und der Klimawandel wird in der nicht allzu fernen Zukunft auch die Fähigkeiten der Landschaftsarchitekten auf die Probe stellen.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” gibt einen Querschnitt durch die Bandbreite der Kommunikationsmittel und Stile, derer sich Landschaftsarchitekten für die Präsentation vielschichtiger Inhalte bedienen. Unabhängig davon, ob sie lieber mit dem Bleistift oder mit dem Computer zeichnen, ist ihre Bildsprache international. Das belegt die Auswahl der Beispiele aus der Praxis von Büros aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden, Israel, Kanada, den USA, Kolumbien, Japan, China und Australien. Es ist nicht zu leugnen, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch den zur Selbstverständlichkeit gewordenen Einsatz von Computern und die globale Ausweitung der Märkte verändert und vereinheitlicht hat. Die Freiheit als Landschaftsarchitekt eine individuelle Handschrift des grafischen Ausdrucks zu entwickeln, ist dennoch beträchtlich. Schließlich geht es in der Berufspraxis auch um die Entfaltung von Überzeugungskraft. Ansprechende Präsentationsunterlagen mit ästhetischem Mehrwert helfen, Entscheidungsträger und Geldgeber, Wettbewerbsjuroren und befragte künftige Nutzer für sich und ein Projekt zu gewinnen. Durch seinen weit gefassten Überblick der heutigen Darstellungsmöglichkeiten ist das Buch eine hervorragende Inspirationsquelle für die Erarbeitung eines eigenen Stils. Welche technischen Daten (z. B. Bemaßung, Nivellements, Maßstab, Nordpfeil) auf Plänen für ein tiefgreifenderes Verständnis jenseits des visuellen Oberflächenreizes hilfreich sind, wie sich Legenden sinnvoll zusammensetzen oder wie die Positionen von Schnitten auf Grundrissen markiert werden können, sodass der Zusammenhang auch Laien auf den ersten Blick klar wird, erschließt sich durch das Betrachten und den Vergleich des Anschauungsmaterials. Leider sind durch die beträchtliche Größenreduktion der Bilder deren Originalbeschriftungen fallweise so klein geraten, dass der Griff zur Lupe fast unausweichlich ist. Mit der Vorstellung der Darstellungsformen und -techniken nimmt bei der Lektüre von “Landschaftsarchitektur visualisieren” auch der berufliche Alltag von Landschaftsarchitekten schemenhaft Gestalt an.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” ist ein fachlich fundiertes Buch, dessen unbeschwerter Text und grosses Spektrum sorgfältig kommentierter visueller Erscheinungsbilder zahlreichen Studienanfängern die Tore zur Erkenntnis öffnen werden.

© Ch. Ranseder

Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

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Fotokurs: Das weibliche Auge

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Almut Adler
Das weibliche Auge
Anders sehen, anders fotografieren
Addison-Wesley 2008, 287 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8273 2632 4

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

Almut Adler ist Fotografin, Grafikdesignerin und Weltenbummlerin mit offenem Blick für den richtigen Moment große Details und kleine Großartigkeiten einzufangen. Mit vorliegendem Buch entschädigt sie all jene, die keinen Kurs bei ihr besuchen können.  Zugleich bietet sie jenen eine Gedächtnisstütze, die einen Kurs in München oder Spanien besuchten.

Was unterscheidet Almut Adlers vorliegendes Fotobuch von den oft austauschbaren Fotobüchern ihrer männlichen Kollegen?
Es ist die fotografische Improvisationskunst, die im Mittelpunkt steht, und das wohltuende Fehlen von angeberischen Firlefanz. Hier werden Festbrennweiten vorgestellt und nicht Objektivgrößen verglichen. Außerdem wird nichts vorausgesetzt, alles wird knapp und präzise erklärt und das ohne eine Fachbezeichnung durch eine andere zu ersetzen.

Und was dürfen EinsteigerInnen erwarten?
Zwölf Kapitel die vom geschichtlichen Überblick, Aufnahmetechnik, Bildaufbau, Perspektive, Licht, Actionfotografie, Fotomotiv, Filterkunde, Nachtaufnahmen, Spezialthemen, Aufnahmefehler bis zu Activseiten reichen. Im Anhang des strapazfähigen Buches befinden sich ein benutzerfreundliches Glossar sowie ein Stichwortverzeichnis.

Und was hat mir besonders gefallen?
Adler stellt im Überblick die technische Seite und die Funktion einer Spiegelreflexkamera vor ohne Spitzenreiter oder Marken in das Rampenlicht zu rücken. Damit gewährt sie finanziellen Spielraum, den Frauen häufiger beachten (müssen) als Männer. Das ein Foto ein komplexes Produkte ist, das aus dem Zusammenspiel von FotografIn, Spielgelreflex, Motiv und zahlreichen Faktoren wie Licht und Blickwinkel entsteht, wird von ihr von ihr aufgezeigt ohne angehende Fotokünstlerinnen zu entmutigen. Der Fotokurs lebt daher auch von seinen zahlreichen Beispielen. Jede Aussage, jedes Beispiel wird mit passenden Fotos anschaulich belegt. Die Autorin geizt nicht mit Tipps und Tricks, die häufig ganz nebenbei einfließen und dadurch niemals den Charakter eines belehrend geschwungenen Zeigefingers haben. Diese Tipps betreffen ebenso die Körperhaltung der Person hinter der Kamera als auch ganz selbstverständlich scheinende Hinweise auf die behagliche Raumtemperatur für Aktmodelle zu achten. Und besonders schön ist, dass für Almut Adler misslungene Aufnahmen nur dann ein Drama sind, wenn man nicht daraus lernt oder nicht weiß, wie man das Foto retten kann. Bei ihr steht eindeutig der Spaß am Fotografieren im Mittelpunkt ohne die professionellen, technischen Aspekt zu vernachlässigen.

Das großartige Fotobuch für Frauen, muss auch Männer ans Herz gelegt werden; und ganz unabhängig vom Geschlecht gibt es zu viele Menschen, die nur “draufhalten und abdrücken”. Sie haben ihr Gespür für Farben, Formen, Blickwinkel und vieles mehr verloren. Das muss nicht sein. Fotografieren kann man lernen und Kreativität kann man schulen, wie die Fotos von zwei Personen, denen ich das “Das weibliche Auge” bereits geschenkt habe, beweisen.

© S. Strohschneider-Laue

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

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Papierdesign: unfolded

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Petra Schmidt, Nicola Sattmann
unfolded
Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie
Birkhäuser 2009, 256 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 0346 0031 6

 Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

Papier hat in den letzten Jahren die Herzen der Designer, Architekten und Künstler erobert. Zeichner und mit dem klassischen Printbereich befasste Grafiker schätzen seine Qualitäten ja seit langem. Doch als Mittel zur Aneignung des dreidinemsionalen Raumes ist Papier ein relatives Novum. Dank technischer Entwicklungen in der Papierherstellung, die dem Markt sowohl verbesserte als auch mit völlig neuen Eigenschaften ausgestattete Papiere bescherten, und der Imagekorrektur erlebt das bescheidene Material derzeit eine Hochkonjunktur. Es wird fleißig geklebt, gefaltet, gegossen, geschnipselt, gefräst und manchmal sogar geschraubt. Auch in dem Buch “unfolded. Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie” dreht sich alles um das dreidimensionale Gestalten mit Papier.

Der erste Teil des Buches fungiert als Schaufenster für herausragende Projekte, im Rahmen derer Papier auf innovative Weise verwendet wurde. Erste Experimente mit dem vielseitigen Material stammen bereits aus den 60er-Jahren. Bunt bedruckte Wegwerfkleider waren damals in Amerika der letzte Schrei. Von den schlicht geschnittenen Kleidchen zu den ausgetüftelten, gefalteten und gestanzten Kreationen junger zeitgenössischer Designer war es ein weiter Weg. Als wunderbares Experimentierfeld erweisen sich auch Sitzmöbel, wie die zahlreichen Beispiele im Buch belegen. Die Idee Papier für Sessel zu verwenden ist ebenfalls nicht neu: Der aus Wellpappe gefertigte Wiggle Side Chair von Frank Ghery aus dem Jahr 1972 hat bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Nicht zu unterschätzen ist die Nützlichkeit des Papiers bei der Entwicklung von Prototypen für Möbel und sogar, wie die Entwürfe von Konstantin Grcic zeigen, für Haushaltsgeräte oder Mülleimer.

Selbst in die Architektur hat das Papier Einzug gehalten. Shigeru Ban baute temporäre Gebäude aus Pappröhren und ließ für einen Messepavillon Tragwerksprofile aus Papierresten herstellen. In der Innenraumgestaltung findet Papier, dank seiner hohen Belastbarkeit, bei der Gestaltung von Shops und Messeständen Verwendung. Ein besonders originelles Beispiel für diesen Einsatzbereich ist die Einrichtung eines Büros in der holländischen Stadt Eindhoven.

Zeitgenössische Künstler bedienen sich des Papiers auf neue Art und Weise. Meine Favoriten unter den vorgestellten Projekten, sind die Arbeiten von Peter Callesen. Fingerfertig verwandelt er einfache A4-Blättern in fantasievolle 3D-Welten mit denen er kleine Geschichten erzählt. Überrascht hat mich, dass von der ansonsten repräsentativen Zusammenstellung Künstlerbücher weitgehend ausgeschlossen blieben, obwohl auch sie sich durchaus die dritte Dimension zu eigen machen.

Der zweite Teil von “unfolded” befasst sich mit der Materialkunde. Er ist das Ergebnis der Recherche der Autorinnen nach technischen Papieren für 3D-Anwendungen und birgt manche Überraschung. Beginnend mit der Herstellung entfaltet sich ein beeindruckender Produktreichtum. Die gebotenen Kategorien sind: Modifiziert, Outdoor-Papier, Formteile aus Papierschichten, Chemisch aktiv, Gesintert, Feuerfest und Reinigend, Elektronisch, Textilien, Komposite und Laminate, Tiefgezogen, Wabenstrukturen, Waben-Formteile, CNC-Waben, Formgeschäumt, 3D-Geschöpft, Konstruktionselemente, Origami für die Serie, Computer-Origami und Gelasert.

Fotos, Produktbeschreibungen, Formate, Hersteller, Kontaktadresse und der Vermerk, ob es sich um ein bereits in Serie hergestelltes Papier, ein Unikat oder ein Forschungsprojekt handelt, machen “unfolded” zu einem praktischen Handbuch.

Nicht nur die in “unfolded” vorgestellten Designer durften mit Papier spielen, auch die Gestalter des Buches nutzten die unterschiedlichen haptischen Qualitäten von Papier. Es zahlt sich übrigens aus den Umschlag zu entfalten - aber Vorsicht mit dem Sticker!

© Ch. Ranseder

Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

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Tag des Denkmals: Kreativität & Innovation

Freitag, 18. September 2009

Notiz

Tag des Denkmals 2009
Kreativität und Innovation
Bundesdenkmalamt
25. September ‘09 - Denkmaltag für Schulen
27. September ‘09 - Denkmaltag für Alle

Seit elf Jahren wird auch in Österreich der Tag des Denkmals durchgeführt - und das sehr erfolgreich. Am 25. September findet ein eigener Termin für Schulen mit speziellem Programm statt. Der 27. September ist für alle Interessierten organisiert worden.

Das diesjährige Programm steht unter dem Motto “Kreativität und Innovation” und verspricht in allen Bundesländern außergewöhnliche Einblicke. Einblicke, die sowohl die Arbeit des Bundesdenkmalamtes, als auch die Arbeit und Attraktionen hinter den Kulissen betreffen. Das Angebot ist so vielfältig wie die Aufgaben der obersten Denkmalschutzbehörde Österreichs. Da für einige Programmpunkte Anmeldungen erforderlich sind, lohnt es sich rechtzeitig die Folder (siehe unten) der Bundesländer durchzusehen und aus über 200 Veranstaltungsorten zu wählen.

Exemplarisch für die Angebote, die von der Urgeschichte bis in die Gegenwart reichen, soll an dieser Stelle u. a. die revitalisierte Brenner-Wohnung genannt werden. Der Architekt entwarf in den 20er Jahren einen bis zu den Möbeln in den Wohnungen durchgestylten Wiener Gemeindebau. Das überraschend moderne, funktionale Design auf 38 m² wird in seinem Nutzfaktor bestätigt, da der Architekt selbst in dieser Wohnung lebte. In Aschach an der Donau (OÖ) kann man seine Erlebnisse in Schloss und Museum zusätzlich beim Ortsrundgang um den barrierefreien Kulturwanderweg bereichern oder in Feldkirch (Vbg.) den Dachboden der Dompfarrkirche Hl. Nikolaus betreten.

Zusätzliche Würze erhält der Tag des Denkmals durch die erste Ausgabe der Publikumszeitschrift “Denkmal heute”, die an diesem Tag gratis in ganz Österreich an die BesucherInnen “Tag des Denkmals” verteilt wird. Zweimal jährlich soll das neue Magazin in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde herausgegeben werden. Abonnements können ab sofort per Kontaktformular beim Bundesdenkmalamt bestellt werden.

Fazit: Unbedingt hingehen!
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien

© S. Strohschneider-Laue

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Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam

Donnerstag, 10. September 2009

Notiz

Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam
Albertina
11. September ‘09 bis 10. Januar ‘10

“Nicht schon wieder Impressionisten”, mögen manche beim Ausstellungstitel denken. Keine Sorge, es ist keine Déjà-vu verursachende Personale eines Impressionisten, Seerosenschau oder Sonnenblumenpräsentation. Diese Ausstellung bringt dem Publikum den frischen Wind der Freiluftmalerei und den flüchtigen Augenblick in großen Inszenierungen und mikroskopisch kleinen Details näher. So viel und so genial strukturierte Information bekommt man in österreichischen Museen selten geboten. Kein Wunder, ist die Ausstellung doch vom Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbud konzipiert worden und dort scheint man sich nicht auf rein chronologische Hängungen spezialisiert zu haben. Und noch schöner ist es, dass sich die Albertina dazu entschloss die Ausstellung, die bereits in Köln erfolgreich war, zu präsentieren.

Was unterscheidet diese Ausstellung von den zahlreichen anderen Impressionisten-Präsentationen?
Es ist der gelenkte Blick auf Details, die sonst nicht herausgestrichen werden. Minutiöse Untersuchungen brachten es an den Tag: Selbst so große Werke wie die “Trocknende Wäsche an der Seine” entstanden im Freien und nicht im Atelier. Eine Pappelknospe blieb in der feuchten Farbe haften. Gustave Caillebotte hatte sie beim Malen in der Allee wohl übersehen. Das Forscherteam um die Restauratorin Iris Schaefer vom Wallraf-Richartz-Museum hat die Knospe nach rund 100 Jahren entdeckt und kann dadurch ein weiteres Puzzelstück zur Entstehungsgeschichte des Bildes gefunden. Und das ist längst noch nicht alles, was mit detektivischer Akribie, Mikroskop, Röntgen und dem Einsatz anderer Technologien entdeckt wurde. Farbflächen verraten den Handlungsablauf beim Werden eines Bildes. Randliche Farbfehlstellen belegen die Befestigung des Bildes im Malkoffer oder auf der Feldstaffelei. Löcher und Druckstellen rühren von Abstandhalter zwischen den frischen Bildern her. Vorzeichnungen, Ergänzungen, Übermalungen relativieren sowohl die Spontaneität der Künstler als auch die Wertschätzung der späteren Besitzer. Die Bilder wurden nicht nur künstlerisch “verbessert”, sondern auch gefirnist, ihrer schlichten Rahmen beraubt und mit Prunkrahmen versehen. Und all diese erstaunlichen Erkenntnisse werden in vergrößerten Bildausschnitten deutlich gemacht, so dass es ist eine Freude ist, selbst nach dem winzigen Indiz auf dem Original zu fanden. Es lohnt sich zusätzlich zum Ausstellungsbesuch die Online-Publikation zum Forschungsprojekt anzusehen. Sie wartet mit vielen weiteren überraschenden Entdeckungen und das in guter optischer Qualität sowie perfekten Texten auf.

 

Inszenierungen, Vitrinen mit Malmaterialien und Künstlerutensilien, darunter die dunkle Brille von Edgar Degas, Farbtuben von Vincent van Gogh und die Palette von Georges Seurat sowie wandfüllende Porträtfotos, würdigen die Künstler und ihre Malweise über die 125 ausgestellten Gemälde hinaus.

Erfrischend informativ und kein begehbares Buch; definitiv ein Pflichttermin, an den man sich gerne und vor allem mit inhaltlichen Mehrwert erinnern wird.

© S. Strohschneider-Laue

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Keine Panik vor Statistik!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Non-Fiction

Markus Oestreich, Oliver Romberg
Keine Panik vor Statistik!
Erfolg und Spaß im Horrorfach nichttechnischer Studiengänge
Vieweg+Teubner 2009, 326 S., zahlr. Abb. und Tab.
ISBN 978 3 8348 0282 8

Keine Panik vor Statistik /> <strong><span style= Keine Panik vor Statistik!: Erfolg und Spaß im Horrorfach aller nichttechnischen Studiengänge: Erfolg und Spaß im Horrorfach aller nichttechnischen Studiengänge

In jedem Studiengang sieht man sich mit Prüfungsfächern konfrontiert, mit denen man - rein statistisch - zu 100% nicht gerechnet hat. “Nie mehr Mathe” singen viele nach bestandener Matura/Abitur, beginnen mit einem möglichst unmathematischen Studium und werden - rein statistisch - zu fast 100% mit irgendeiner Form von Mathematik konfrontiert. Statistik ist eines dieser mathematischen Teilgebiete, die zuweilen völlig überraschend vor StudienbeginnerInnen auftauchen und sich als große Hürde entpuppen können. Hürden soll man nicht scheuen, sondern bewältigen und es ist unnötig die Stange gleich ganz oben aufzulegen.

Wenn man zu den 11,7% der Leser - die angegebene Statistik ist leider nicht genderspezifisch - zählt, die das Vorwort liest, dann hat man zumindest keine Sorge mehr 326 Seiten gelangweilt zu werden: die Autoren sind humorige Menschen und keine stoischen Vulkanier. Einfacher können die beiden Mathematiker die Statistik zwar auch nicht machen, aber es gelingt ihnen mit vielen - oft sehr schrägen - Vergleichen zunächst Unverdauliches appetitlicher zu machen, damit man bereit ist, es auch wirklich - wirklich alles - ordentlich durchzukauen.

Die Einführung bringt es mit den ersten 42 Seiten statistischer Grundlagen auf den Punkt: Ohne Statistik läuft nichts - oder zumindest nichts mehr. Die nachfolgenden Kapitel widmen sich dann jeweils gut strukturiert der deskriptiven Statistik, der Wahrscheinlichkeit und der beurteilenden Statistik. Die drei Kapitel haben übrigens mit dem “Herrn der Ringe” mehr als nur den Umfang gemeinsam. Es werden sich trotz der exzellenten Querbezüge und guten Erklärungen die LeserInnen in drei Lager aufspalten: “Statistik!”-Fans, “Statistik!”-HasserInnen und jene irrelevanten/ignoranten NichtleserInnen, die die Prüfung beim ersten Anlauf geschafft haben.

Der große Verdienst von “Keine Panik vor Statistik” ist selbstverständlich nicht nur die geniale Schreibe. Es sind die gut strukturieren Zugänge, die auf das Wesentliche komprimierten Zusammenfassungen und natürlich die Aufgaben mit Lösungsweg. Nicht zuletzt seien auch die Tabellen erwähnt, die man leider nicht angewidert auf den Tellerrand schieben darf, sondern verdauen muss wie sie sind. Für die Hebung des Ansehens der verkannten Fußnote, die eigentlich mehr sein sollte als nur ein weiterführendes und/oder belegendes Zitat, haben die beiden Autoren ganz nebenbei auch noch beigetragen. Diese Fußnoten sind schon aus therapeutischen Gründen lesenswert, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit statistisch gesehen hochverkrampfte Statistik-Lernende wieder auflockern.

Das beste Einsteigerbuch für Nicht-MathematikerInnen bevor sie sich an die unvermeidlichen Hardcore-Statistikbücher heranwagen sollten. Übrigens soll es eine relevante, leider nicht reliable und rein subjektive Statistik geben, dass echte Matheprofis es bloß nicht zugeben, dass sie “Keine Panik vor Statistik!” ebenfalls gelesen haben.

© V. Strohschneider

Keine Panik vor Statistik!: Erfolg und Spaß im Horrorfach aller nichttechnischen Studiengänge: Erfolg und Spaß im Horrorfach aller nichttechnischen Studiengänge

siehe auch:
Keine Panik vor Thermodynamik!: Erfolg und Spaß im klassischen “Dickbrettbohrerfach” des Ingenieurstudiums
Keine Panik vor Mechanik!: Erfolg und Spaß im klassischen “Loser-Fach” des Ingenieurstudiums
Ohne Panik Strömungsmechanik!: Ein Lernbuch zur Prüfungsvorbereitung, zum Auffrischen und Nachschlagen mit Cartoons von Oliver Romberg

und nicht vergessen: Keine Panik vor Statistik!

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Deutsche Erfinder

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Ulrike Gropp
Deutsche Erfinder
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 76′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 12 6

Deutsche Erfinder Deutsche Erfindungen - Das Erfinder-Hörbuch: Eine Entdeckungsreise in die Erfindenation Deutschland

Unheimlich beginnt diese Erfolgsgeschichte mit “Das Röntgenbild eines Schädels…” und mit Stimmen, Fakten, Geräuschen und Musik geht es die Ohren fesselnd quer durch den deutschen Erfindertraum. Max Foster (Dietmar Mues) bastelt an einer neuen Publikation. Ihm zur Seite steht Wissenschaftlerin Pia Blumenbach (Hannelore Hoger). In Dialogen und erläuternden Erzählungen (Holger Löwenberg) erschließen sich die deutschen Erfindungen.

Kindliche, völlig zweckfreie Entdeckerlust steht am Anfang des Forschens. Wissenschaft und Bildung sollten frei sei, und nicht völlig von zweckgebundenen Förderungen abhängen, denn Grundlagenforschung ist der Nährboden der Erfindung. Forschungsergebnis oder Erfindung? Egal, die Wirkung und vor allem deren Wirtschaftlichkeit zählen. Manche Erfindung geht auf die Beseitigung eines Ärgernisses zurück. Andere Erfindungen sind Verbesserungen von Vorhandenem, wieder anderes ist systematischer Forschungen zu verdanken oder als schlichtes Nebenprodukt erfunden worden. Egal, die Kombination guter Ideen zu einer funktionalen Einheit, die im besten Fall für den Schöpfer auch noch wirtschaftliche Vorteile bringt, schreibt Geschichte, die oft über deren erstes Ziel weit hinaus gehen. So ist Gutenberg mehr als nur ein Buchdrucker. Er schuf die Basis für das erste Massenmedium und damit die Basis für die Verbreitung von Ideen, Wissen und Bildung auf breiter Ebene.

Es ist eine Männerwelt in der sich die Frauen nur anstandshalber finden. Melitta und Herta haben sich mit ihren - durchaus bahnbrechenden -  Küchenerfindungen von Kaffeefilter und Currywurst zumindest eine Erwähnung im Erfinderolymp gesichert. Auch Männer sind hungrig, wollen Kaffee und schließlich kann man mit beidem Geld, eigentlich sogar sehr viel Geld verdienen. Und trotz Dampfmaschine, Glühbirne, Dieselmotor und Atombombe ist die Deutsche Erfindergeschichte ein Beispiel für verschwendete Energie. Verschwendete Energie, weil die zündenden Ideen von Frauen, die sich nicht vornehmlich um die eine oder andere Aufrüstung drehen, von deren Männern eingesackt wurden. Frauen haben mehr geleistet als Erfinder zu gebären, aufzuziehen oder das Laborkaninchen abzulösen, wenn man zum Beispiel “nur” an Fallschirm und leichte Augengläser denkt. Vielleicht hätte der “verschwundene” Frauenanteil diesem durchaus angenehmen und informationsgeladenen Ohrenschmaus ab und an einen unangenehmeren Beiklang gegeben, aber sicher nicht mehr als jenen alltäglichen Beiklang über Misserfolge, Hindernisse und Neid, denen auch männliche Erfinder ausgesetzt sind.

“Made in Germany” war einst als Warnung gedacht und wurde doch zum Gütezeichen. Vom Buchdruck (um 1450) bis zum Scheinwerfer (2009) wurden internationale und nachhaltige Maßstäbe gesetzt. Ob die Currywurst ebenso wie Aspirin über Deutschland hinaus erfolgreich werden wird, ist auf jedenfall hörwürdig. Drei geniale Stimmen und zahlreiche Musik- sowie Textzitate halten durchgehend die Spannung aufrecht. Und auch die Optik kommt nicht zu kurz. In hoffnungsfrohen Grüntönen gehalten, besticht wieder die Grafik von Roswitha Rösch durch thematische Ausgewogenheit.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

Deutsche Erfindungen - Das Erfinder-Hörbuch: Eine Entdeckungsreise in die Erfindenation Deutschland

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Media Facades

Donnerstag, 07. Mai 2009

Non-Fiction

M. Hank Haeusler
Media Facades
History, Technology, Content
avedition 2009 , Engl., 248 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6107 5

Media Facades Media Facades

Technische Neuerungen und ihre innovativen Anwendungen sind aufregend. Der letzte Schrei, um sich in der nächtlichen Stadtlandschaft Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind Medienfassaden. Mit hohem technischen Aufwand werden Fassaden von Gebäuden so (um)konstruiert, dass sie mit dynamischen digitalen Grafiken, Texten oder Bildern bespielt werden können. Als auf diese Weise vermittelter “Inhalt” sind auch die gesamte Außenhaut eines Bauwerks umflutende psychedelische Lichtmuster zu verstehen, wie man sie - als jüngstes österreichisches Beispiel - im Rahmen von Linz ´09 am Ars Electronica Center bestaunen kann.

Medienfassaden sind eine relativ neue Entwicklung in dem sich stetig erweiternden Feld der Architektur. Für jede junge Disziplin kommt der Zeitpunkt, an dem es notwendig erscheint, den durch Pionierarbeit erreichten Stand der Dinge festzuhalten und im theoretischen Diskurs zu etablieren. Dazu bedarf es, unter Anderem, der Schaffung eines Ordnungssystems und der Vermittlung der von den Vorreitern geschaffenen Fachsprache, um die Verständigung mit einem möglichst großen, interdisziplinär zusammengesetzten Kreis aus Ingenieuren, Architekten, Mediendesignern, Studenten, Journalisten, Kritikern und potentiellen Auftraggebern zu erleichtern.

M. Hank Haeusler legt in seinem Buch “Media Facades. History, Technology, Content” den Grundstein für eine über Insiderkreise hinausgehende Auseinandersetzung mit dem ebenso faszinierenden wie kontroversiellen Thema.

Aufbauend auf eine Bestandsaufnahme gewährt er einen Überblick über bereits Erreichtes und in Zukunft technisch Mögliches. Der Aufbau der hervorragend gegliederten Publikation folgt der bereits im Untertitel angekündigten Dreiteilung.

Das erste Kapitel bietet Begriffsdefinitionen, allgemeine Richtlinien für die Design und Bau vorhergehende Phase der Entscheidungsfindung, einen historischen Abriss der Vorläufer heutiger Medienfassaden und der Entwicklung ihrer elektronischen Komponenten sowie eine Geschichte des Times Square in New York, dessen Charakter und Rolle in der Stadtplanung durch Medienfassaden bestimmt wird.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Technologie der Medienfassaden, mit der sich das umfangreiche zweite Kapitel beschäftigt. Haeusler unterscheidet vier technische Kategorien - “Mechanical”, “Projector”, “Illuminant” und “Display” - innerhalb derer eine weitere Gliederung nach den unterschiedlichen, für die Gestaltung von Medienfassaden verfügbaren Technologien erfolgt. Diese werden anhand von 36 internationalen Fallbeispielen in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis von Text und Bild, erörtert. Das macht “Media Facades. History, Technology, Content” zu einem wunderbaren, reich bebilderten Handbuch. Seinen Mehrwert erhält die Publikation durch die, für Arbeiten technischen Inhalts keinesfalls selbstverständliche, Lesbarkeit der Texte. M. Hank Haeusler verfügt über die seltene Begabung komplexe technische Informationen in einer auch für Laien verständlichen Sprache zu vermitteln. Die Gegenüberstellung von technischer Beschreibung und Anwendungsbeispiel erleichtert darüber hinaus den Vergleich der unterschiedlichen Wirkungen, die Medienfassaden im urbanen Umfeld oder als Gestaltungselement von Inszenierungen im Innenraum entfalten können. Und natürlich sind die ausgewählten Fallbeispiele allesamt schicke Eyecatcher, egal ob es sich um Prototypen, künstlerische Interventionen oder durchgestylte Markenauftritte handelt. Vor allem die Automobilindustrie scheint für Messestände oder firmeneigene Museen gerne auf Medienfassaden zurückzugreifen, um ihre Produkte optimal in Szene zu setzten - gleich sechs Fallbeispiele sind dieser Branche zuzuordnen. Werbung findet eben nicht nur als Holzhammer-Kommerz statt, wie er am von Haeusler mehrfach als Beispiel angeführten Times Square zu finden ist. Damit stellt sich die Frage nach möglichen “Inhalten”, die mit Hilfe von Medienfassaden kommuniziert werden können. Ihnen ist das abschließende, ein wenig dünn geratene, dritte Kapitel gewidmet.
Ein Glossar sowie eine Liste von Designern und Herstellern runden das grafisch ansprechend gestaltete Buch ab.

“Media Facades. History, Technology, Content” ist zugleich Einführung und Nachschlagewerk. Eindrucksvoll führt das Buch vor Augen, was heute technisch möglich ist und wie gut Medienfassaden aussehen können. Doch die nächtlichen Fassaden-Lichtspiele haben auch ihre Schattenseiten. Wertneutral erwähnt Haeusler Baukosten, Energieverbrauch und die Tatsache, dass der Platz hinter einer Medienfassade oft nicht mehr für Büro- oder Wohnzwecke genutzt werden kann. Über die Sinnhaftigkeit von Medienfassaden ließe sich also streiten. Wie war das noch mal mit dem ökologischen Fußabdruck, an den EU-Bürger in letzter Zeit so oft gemahnt werden?

© Ch. Ranseder

siehe auch:
ag4-mediafacades (Daab Architecture & Design)
Krieg der Zeichen: Spurenlesen im urbanen Raum
Vattenfall Europe Zentrale & Medienfassade Berlin. Deutsche Ausgabe

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Albertina: Fotografie und das Unsichtbare

Donnerstag, 19. Februar 2009

Non-Fiction

Corey Keller (Hg.)
Fotografie und das Unsichtbare
Brandstätter 2009, Dt, Engl., 216 S., ca. 200 Abb.
ISBN 978 3 8503 3271 2

Albertina: Fotografie und das Unsichtbare Fotografie und das Unsichtbare 1840-1900

Von 11. Februar bis 24. Mai ‘09 wird in der Albertina eine Ausstellung des SFMOMA gezeigt.

Die Zeit als sich Wissenschaft und Kunst in der Fotografie trafen, steht im Mittelpunkt von Ausstellung und Publikation. Unsichtbare, kleine, entfernte und bewegte Bildwelten taten sich damals vor dem staunenden Publikum auf. Trotz der heutigen Möglichkeiten und Erkenntnisse übendiese Fotos eine bis heute ungebrochene Faszination aus. Fotografie im Dienste der Wissenschaft verwandelt für das menschliche Auge Unsichtbares in Sichtbares. Die Ausstellung in der Albertina steht mit dem Katalog und fällt ohne ihn. Der Mehrwert für BesucherInnen liegt in Authentizität und Nähe zum Original(-abzug), während der Mehrwert für LeserInnen in der Aufbereitung des komplexen Inhalts sowie Bildmaterial liegt. 

Corey Keller - Kuratorin für Fotografie am SFMOMA -  betrachtet mit “Abbilder des Unsichtbaren” das an wissenschaftlichen Entdeckungen und industriellen Neuerungen reiche 19. Jahrhundert mit den Augen der Fotografen und des staunenden Publikums. Zugleich verweist sie auf die Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Der Artikel trägt maßgeblich zum Verständnis der Wissenschaftsfotografie in ihrer historischen Entwicklung bis zur Jahrhundertwende - und darüber hinaus - bei und regt zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema an.

“Die gesellschaftliche Prägung des fotografischen Blicks” stellt Jennifer Tucker in ihrem Essay vor. Amateure im Dienste der Wissenschaft und die damit voranschreitende Professionalisierung der beinahe schon massentauglichen Fotografie vor. Der gesellschaftliche Kontext in dem Wissenschaft und Fotografie sich damals bewegten, kann von Tucker natürlich nur angerissen werden, spannend ist es aber trotzdem. Es ist nteressant und spannend, wenn man bereit ist, auf der gebotenen Basis weitere Schlüsse zu ziehen. Es wird zwar nicht deutlich angesprochen, aber unterschwellig schwingt im Beitrag mit, dass Amateure nicht nur mehr, sondern sicher auch billiger waren als - wenn schon nicht gut, so dennoch bezahlte - Spezialisten. Und dass das Betätigungsfeld von reiner Wissenschaft auf den Spiritualismus (Geisterfotografie) ausgeweitet wurde, ist m. E. nicht verwunderlich. Mit der Dummheit der Menschen ist - abgesehen von der Pornographie - noch immer das meiste Geld zu machen. Von der Ehre der Forschung zu dienen, konnten auch im 19. Jahrhundert Fotograf nicht leben. Dasselbe gilt für die Suche nach der breiten Öffentlichkeit der Wissenschafter, deren Anliegen siche rnicht Volksbildung war. Klappern gehört zum Handwerk und ohne Öffentlichkeit gibt es bis heute keine Forschungsgelder.

Als die Fotografie die Natur entdeckte, wurden unsichtbare Welten mit sichtbaren Medien kombiniert. Tom Gunning widmet sich den Röntgenbildern, der Chronofotografie und den Geisterfotos. Die Albertina zitiert zu den Chronofotografien Josef Maria Eder (1886) Möglich auch, dass der Künstler in Zukunft manche gewagte Stellung einer Momentfotografie wiedergeben darf, welche man jetzt nicht goutieren will. Ein wahrhaft prophetischer Ausspruch in Anbetracht der ausgestellten “Bewegungsstudie” von Eadweard Muybridge vom “Verhauen eines Kindes”, deren wissenschaftlicher Anspruch vermutlich hinter den Verkaufsoptionen blieb. Während bei den Geisterbildern deutlich wird, dass man von der wissenschaftlichen Authentizität der Fotografie so überzeugt war, dass alles Abgebildete real sein musste. Der Widerstand von Wissenschaft und der Kirchenvertreter führte zur Verfolgung von Betrügern, die man heute eher als Verkaufstalente, Fakegenies und Künstler, denn Betrüger in ihrer Zunft ansehen sollte.

“Die wissenschaftliche Fotografie bei Josef Maria Eder” unterzieht Maren Gröning - Kuratorin der Fotosammlung  der Albertina - einer genauen Betrachtung. Wenn ihrem Beitrag auch die sprachliche Leichtigkeit fehlt, so ist der Inhalt um so spannender und ein Stück typisch österreichische (Wissenschafts-)Geschichte. Der Österreicher Josef Maria Eder (1855-1944) war Fotochemiker und Initiator der K.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren. Seine persönlichen Netzwerke trugen maßgeblich zum Erfolg seines Instituts und dem Aufbau einer bedeutenden Sammlung bei, an die nach seiner Pensionierung niemand angeknüpft konnte. Der fotografische Teil - inklusive Apparate - wurde der Albertina 2000 als Dauerleihgabe übergeben und befindet sich seither in Aufarbeitung.

Der umfangreiche Tafelteil gliedert sich in: Das Mikroskop, das Teleskop, Bewegungsstudien, Elektrizität und Magnetismus, Röntgenstrahlen, Geisterfotografie, Farbfotografie. Die Einführungen in die einzelnen Themenbereiche stammen von Marie-Sophie Corcy, Maren Gröning, Corey Keller, Erin O’Toole und Carole Troufléau-Sandrin.

Technisches Glossar, Verzeichnis der Werke, Bildnachweis und ausgewählte Literatur runden einen ebenso attraktiven wie überaus spannenden Band zur Entwicklung der Wissenschaftsfotografie ab. Ein unverzichtbarer Katalog für alle, die sich für Fotografie interessieren. Dass der wissenschaftliche Kontext zentrales Anliegen ist, macht einen größeren Reiz aus als man zunächst annehmen möchte.

© S. Strohschneider-Laue

Fotografie und das Unsichtbare 1840-1900

Siehe auch:
Facts - Tatsachen: Fotografien des 19. und 20. Jahrhundert aus der Sammlung Agfa Foto-Historama im Museum Ludwig Köln
Foto-Essays: Zur Geschichte und Theorie der Fotografie
Eder, Josef Maria (Hrsg.) und Eduard Kuchinka: Jahrbuch für Photographie, Kinematographie und Reproduktionsverfahren für die Jahre 1921-1927.

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Schuhtick.

Mittwoch, 07. Januar 2009

Non-Fiction

Hartmut Roder (Hg.)
Schuhtick.
Von kalten Füßen und heißten Sohlen
Phillipp von Zabern 2008, 212 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8053 3938 4

Schuhtick Schuhtick. Von kalten Füßen und heißen Sohlen

Auf den Spuren der Fußbekleidung von der Steinzeit bis in die Gegenwart begeben sich 22 AutorInnen. Und es ist unglaublich, was sie dabei - vom Fußschutz bis zum Statussymbol - an Erkenntnisgewinn aus einem einzigen Schuh - besser noch aus einem Paar - herausholen!

Von den biologischen Voraussetzungen der Fortbewegung und der Tatsache, dass die Evolution nicht mit der rasanten Ausbreitung des Menschen in “fußunfreundliche” Regionen Schritt halten konnte, über die wechselhaften Schuhmoden quer durch Zeiten und Regionen bis hin zum Schuhmachern spannt sich der inhaltliche Bogen. Steinzeitliches Schuhwerk und römische Sandalen, die mehr als nur ein beliebiges Kleidungsstück waren, mittelalterliche Absonderheiten und neuzeitliche Eleganz zeigen gesundheitliche Probleme und gesellschaftliche Ambitionen gleichermaßen auf. Der Schuh, ein notwendiges und oft unerschwingliches Verbrauchsgut, war nicht immer leicht zu bekommen, wie nicht nur die Schuhprobleme der Nachkriegszeit beweisen.

Unverwechselbarkeit der Modelle und/oder der Status ihrer Träger mach(t)en manche Schuhe zu Erfolgsmodellen, andere sind unverwüstliche Evergreens und überzeugen durch ihre hohe Funktionalität. Tatsache ist, dass Schuhe in vielen Kulturen nicht nur als Fußschutz dienen, sondern auch unverzichtbarer Ausdruck sozialer Stellung sind, mal ganz abgesehen von ihrem Wert als Fetisch. Das unerschöpfliche Thema “Männersandale” wird über Legionäre, Mönche, Hippies und Ökofreaks abgehandelt. Schade, dass nicht auch die Unart Socken darin zu tragen, näher beleuchtet wird. Andererseits genügt es ja schon zur kulturellen Unordnung beizutragen, wenn Sneakers unter der Anzugshose hervorlugen.

Der spannende Abriss zum Machen eines Schuhs, umfasst Beiträge über das Anfertigen von Maßschuhen, die Herstellung in der Fabrik und Schuhdesign der Upperclass und die Problematik der asiatischen Massenware. Abgerundet wird das Thema Herstellung mit einem interessanten und vergnünglichen Blick auf Schuhwerbung, der ruhig ein wenig länger hätte ausfallen dürfen. Abgeschlossen wird der Rundblick auf den “Schuhtick” mit einer Betrachtung wie sich Schuhe in Märchen und Erzählungen niedergeschlagen haben.

“Und die Schuhe bringen es an den Tag. denn im Märchensind sie kein “Accessoire”, sondern ein Teil der Person selber.”

Ein Katalog für alle, die von Schuhen nicht genug bekommen können und noch ein mehr über dieses für die meisten unverzichtbare - außer man möchte Buße tun oder lebt im warmen Regionen mit weichen Böden -Bekleidung wissen wollen.

© S. Strohschneider-Laue

Schuhtick. Von kalten Füßen und heißen Sohlen

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Mord ist ihr Alltag

Freitag, 14. November 2008

Non-Fiction

Helga Schimmer
Mord ist ihr Alltag
Kremayr & Scheriau 2008,
ISBN 978 3 218 00789 4

Mord ist ihr Alltag Mord ist ihr Alltag: Kriminalisten auf Spurensuche

Spurensuche ist telegen, obwohl oder weil CSI und seine Verwandten ebenso weltfremd wie stylish sind. Die TV-Ermittler sind wahre Spurenverteiler und keine Spurensammler. Vielleicht haben sie aber neben dem Unterhaltungswert ein kleinwenig Abschreckungseffekt mit ihrer naiven Kernaussage “wir kriegen alle, bei uns kommt keiner davon”. Und vielleicht sind diese Formate eine Gewinn abwerfende - staatliche geförderte - Präventionsmaßnahme, die billiger ist als in reale Ermittlung zu investieren? Vielleicht investieren Politiker aber nur nicht in Aktivitäten, die einen Bumerang-Effekt entwickeln könnten?

Die Wirklichkeit ist deutlich ärmer an Prada - was nicht nur an den Gehältern liegt - und reicher an sackartiger Schutzkleidung aus Plastik. Und nicht zu vergessen, dass in der realen Welt sich wesentlich weniger Ermittler und Wissenschafter tummeln, die sich dafür akribisch und deshalb erfolgreich mit musealen statt Highend-Equipment mühen dürfen.

Vom Tatort, Chemielabor, Physik und Technik, biologische Spuren und dann noch einmal quer durch die Naturwissenschaft begleitet die Helga Schimmer die Spurensucher. Fünf Kapitel rund um Mord, Betrug, Brandstiftung, Taten im Cyberspace und andere Verbrechen beleuchten die Grenzen und Möglichkeiten der Kriminalisten, ebenso wie deren Erfolge. Die ewig gleichen Fragen nach dem ”Wer ist tot, Was ist geschehen, Wann ist es passiert und Wo”, wird um die essentiellen Fragen “Wer war es, Warum und Womit wurde die Tat vollbracht” detailreich ergänzt. Wissenschaftsjournalistisch zeigt die Autorin an realen Mordfällen auf, wie es tatsächlich um Ermittlung und Erfolg steht.  Eine tolle Lektüre rund um Reifen-, Schuh- und Fingerabdrücke, DNA- und sonstige Spuren, Informationsgewinn aus Insekten, Blut, Knochen und vielem mehr. Also wer hier nicht fündig wird, wird sich wohl selbst in die Fachliteratur einarbeiten müssen. Durch die fettgedruckten Begriffe und erläuternden Abbildungen erhält die spannende Lektüre den Touch eines Handbuchs für kriminalsitisch Interessierte und angehende Hobbyermittler. 

© S. Strohschneider-Laue

Mord ist ihr Alltag: Kriminalisten auf Spurensuche

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Licht & Wärme

Freitag, 24. Oktober 2008

Non Fiction

Ingeborg Gaisbauer, Christine Ranseder, Sylvia Sakl-Oberthaler
Licht & Wärme
Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit
Phoibos 2008, Wien Archäologisch Bd. 4, 86 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 85161 003 1

Licht und Wärme Licht & Wärme: Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit

In Österreich ist diese von Christine Ranseder für die Bundeshauptstadt Wien attraktiv designte Archäologie-Reihe konkurrenzlos. Auch mit Band “Licht & Wärme” gelingt es wie schon bei Michaelerplatz, Wasser und Knochen populärwissenschaftliche Leichtigkeit mit archäologischem Anspruch zu verknüpfen. In gewohnter Ausstattung wird das Thema anhand von Texten, Kartierungen, Grabungsplänen, Rekonstruktionen und Fotos von Ausgrabungen sowie Objekten leicht fassbar gemacht und ein guter Überblick über charakteristische Funde aus Wien geboten.

Menschen versuchen seitdem der erste Funke übersprang die Nacht zum Tag und den Winter zum Sommer zu machen. Auch in Wien lassen sich die Wünsche nach Licht und Wärme nachweisen. Archäologische Funde und historische Schriftquellen belegen u. a. welche soziale Rolle Licht und Wärme über die Grundsicherung hinaus spielten.
Vier Epochen der Menschheitsgeschichte waren nötig, um vom offenen Lagerfeuer, das Wärme- und Lichtspender gleichermaßen war, eine Entwicklung bis zu modernen Lampen und Heizungen zu ermöglichen. So handelt auch dieser Band die Situation in Wien seit der Urgeschichte über Römerzeit und Mittelalter bis in die Neuzeit ab.
Anhand des ältesten Feuersteinbergbaus Österreichs, der in Mauer-Antonshöhe bei Wien nachgewiesen wurde, und Funden wie Backplatten oder Kienspänen wird der Wunsch nach Licht und Wärme in der Urgeschichte anschaulich belegt.
Ausgeklügelte Heizungs- und Dämmsysteme und die Beleuchtung mit Lampen sind typisch für die Römerzeit. Zusätzlich lassen sich die sozialen und kultischen Funktionen in Wien ab der Römerzeit ebenfalls gut nachweisen.
Innen- und Außenbeleuchtung gewinnen ab dem Mittelalter zunehmend an Bedeutung. Auch wenn das in der Publikation gegebene Beispiel für Lichtnischen in einer Mauer aus dem 12. Jahrhundert unglaubhaft scheint. Gluthauben und Kachelöfen sind hingegen gute Beispiele für Feuersicherung bzw. Wärmenutzung.
In dem exzellent aufbereiteten Neuzeit-Kapitel wird nicht nur Materialkunde betrieben, sondern auch der soziologische Aspekt berücksichtigt. Öllampen, Gaslicht und Elektrolampen führten auch zu massiven sozialen Veränderungen, die adelige Machtdemonstrationen ebenso betrafen wie großbürgerliches Ökonomiedenken im Zuge der Industrialisierung. Nicht nur Rom brannte - ganz ohne Neros Befehl - mehrfach. Die stete Brandgefahr war auch im mittelalterlichen und neuzeitlichen Wien allgegenwärtig. Der Brand des Ringtheaters 1881, ausgelöst von Gaslampen, liefert mit 400 Opfern dafür ein schauerliches Beispiel.
Kachelöfen und Sparherd runden die schöne Publikation ab, die sich noch zusätzlich durch einen umfangreichen Literaturteil auszeichnet. 

© S. Strohschneider-Laue

Licht & Wärme: Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit
Knochen lesen. Tierknochen als Zeugen der Vergangenheit
Michaelerplatz: Die archäologischen Ausgrabungen
Wasser in Wien. Von den Römern bis zur Neuzeit

 

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Geschmacksache

Dienstag, 21. Oktober 2008

Notiz

Geschmacksache ist Geschmacksache
Was Essen zum Genuss macht - Technisches Museum Wien
22. Oktober ‘08 - 21. Juni ‘09

Kaffeemaschine Copyright TMW “Essen hält Leib und Seele zusammen” ist in überfütterten Industrienationen schon lange kein Thema mehr. Hier gehört sowohl Essen als auch essen zum Lifestyle. Kochen ist längst salonfähig geworden. Und das Einkochen - pardon - Bekochen von Konsumenten zieht sich erfolgreich durch alle Medien. Also, wenn es keine Kochshows gäbe, wären einige TV-Sender aufgrund mangelnder Einschaltquoten und daher fehlender Werbeschaltungen vermutlich schon pleite. Mit anderen Worten: E/essen ist weit mehr als die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Sättigung durch Nahrungsaufnahme. Diese Grundidee griff auch das Team des TMW auf und ging der Frage nach, was das Haus zum Thema “Geschmacksache” und Nahrungsmittelproduktion zu bieten hat.

Ausschnitt Molkereimodell Copyright TMW Gleich fünf Rohstoffe - Getreide, Milch, Fleisch, Kaffee, und Kakao - werden aufgegriffen. Anhand von Geräten und Verarbeitungstechniken wird aufgezeigt wie aus diesen Rohstoffen Endprodukte mit typischen Eigenschaften und Geschmacksrichtungen werden. Das TMW konnte hierzu erstaunliche Objekte aus dem Depotschlaf wecken und frisch aufpoliert ausstellen. Darunter erweist sich das Modell der Wiener Molkerei (1906/07), das die ganze Betriebsanlage zeigt, als besonders eindrucksvoll. Natürlich gibt es auch unzählige unbekannte, weniger bekannte oder längst wieder in Vergessenheit geratene Spezialgeräte zu bestaunen. Die mehr oder minder vertrauten Haushaltsobjekte belegen, welche technische Vielfalt bei der Zubereitung von Essen zum Einsatz kam und immer noch kommt.

Kaffeeschale 1837 Copyright TMW Trotzdem täuschen die stimmigen Inszenierungen der einzelnen Themenkreise, die Menge, die Vielfalt und die Qualität der Objekte leider nicht darüber hinweg, dass dem Ausstellungskonzept Grundlegendes zum Haubenmenü fehlt. Und wenn das unglaublich engagierte Vermittlungsprogramm nicht wäre, nicht einmal ein schaler Nachgeschmack von der “Geschmacksache” bliebe. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Ein einziges der fünf Rohprodukt in seiner Gesamtheit zu präsentieren, in seinem naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Kontext zu betrachten und die technische Aspekte der Auf- und Zubereitung zu zeigen bzw. begreifbar zu machen, hätte einen echten Mehrwert bedeutet. Auch eine Trennung zwischen heimischen Grundnahrungsmitteln und importierten Genussmitteln wäre denkbar gewesen. So zieht der Individualbesucher aus einer Fülle von Objekten nur minimalistische Information.  Und nur jene, die das umfangreiche Veranstaltungsprogramm nutzen werden, werden sehr viel nachhaltigen Geschmack an der “Geschmacksache” finden.

Den gleichnamigen Begleitkatalog (Geschmacksache. Was Essen zum Genuss macht. 200 S. ISBN 978 3 902183 16 3) sollte man sich unbedingt gönnen. Er erweist sich zusätzlich zur und auch unabhängig von der Ausstellung als reichhaltiges Buffet mit großer Auswahl an interessanten und schmackhaft zubereiteten Häppchen. Die Beiträge greifen das Thema auf, vertiefen es breit gefächert. Im Katalogteil werden Kostproben aus der Ausstellung mit Kurzabrissen zu den Nahrungsmitteln und ausgewählten Objekten geboten. Grafisch mit ausreichend Weißraum gestaltet, erweist der Katalog sich auch als optischer Genuss und ist mit € 29,80 - natürlich auch gemessen am gebotenen Inhalt - eine ebenso erschwingliche wie attraktive Anschaffung mit Nachhaltigkeitseffekt.

© S. Strohschneider-Laue

Veranstaltungsprogramm

SCHMECK’S! Ein musikalisch-kulinarischer Abend, 22. Oktober. ‘08, 19:00 Uhr, Eintritt: € 18,- Ermäßigte Karten in jeder Bank Austria, unter www.clubticket.at oder Tel. 01/249 24 und für Ö1 Club, Kurier Club, Euro<26 an der Abendkassa, Kartenreservierungen: Tel. 01/ 416 23 66, weanhean@wvlw.at

Von Kakaokühen und Rülpsbakterien 19. November ‘08, 10:00 bis 12:00 Uhr, Nur für Schulgruppen (8 bis 12 Jahre, max. 30 TeilnehmerInnen). Anmeldung unter www.lesefestwoche.at

Die faszinierende Aromawelt der Schokolade 20. November ‘08; 15. Dezember ‘08; 22. Januar ‘09; 26. März ‘09. Anmeldung erforderlich: www.chocolateloversclub.at  oder office@chocolateloversclub.at

Novelli’s Kochwerkstatt 2. Dezember ‘08; 12. Februar ‘09; 19. März ‘09; 29. April 09; 19. Mai ‘09. Kosten € 140,- pro Person (inkl. Eintritt, Führung, 1 Glas Champagner, Kochkurs, dreigängiges Menü und Novelli-Kochschürze) Mindestteilnehmerzahl 10 Personen, maximal 15 Personen pro Kurs. Anmeldung erforderlich: novelli@haslauer.at

Rosa Fasching Von 11:00 bis 17:00 Uhr finden im Museum süße Aktionen rund um Schokolade und ihre Verarbeitung statt. Der Eintritt ist an diesem Tag für alle, die rosa verkleidet ins Museum kommen, frei! 21. Februar ‘09

Die wunderbare Welt der sinnlichen Wahrnehmung von Lebensmitteln Vortrag von Klaus Dürrschmid, Universität für Bodenkultur, 20. Januar ‘08, 19:00 Uhr

Gute Keime für wohlschmeckende und sichere Produkte Vortrag von Wolfgang Kneifel und Konrad Domig, Universität für Bodenkultur, 24. März ‘08, 19:00 Uhr

Neue Verfahren und Techniken in der Lebensmittelproduktion Vortrag von Emmerich Berghofer, Universität für Bodenkultur, 12. Mai’ 08, 19:00 Uhr

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Gastmahl | Ama/Koch/zon/e

Universal Design

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Non Fiction

Oliver Herwig
Universal Design - Lösungen für einen barrierefreien Alltag 

Birkhäuser 2008, 175 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7643 8717 4

Universal Design Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

Universal Design hat sich in den letzten Jahren aus dem Konzept des barrierefreien Designs entwickelt. Noch wird Universal Design vor allem bei Wohnprodukten eingesetzt, die für jeden gleichermaßen und in jeder Lebensphase nutzbar sein sollen. Das Wohnumfeld wird so gestaltet, dass es für ältere, aber auch für jüngere Menschen optimal ist. Es geht um schönes Design, das allen nützt und keiner bemerkt. Ziel von Universal Design ist die Zugänglichkeit für möglichst viele Menschen zu ermöglichen und ein breites Spektrum an Lösungen zu bieten, das allen hilft, nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung. Gerade in einer Zeit, in der es in den Industrieländern immer mehr ältere Menschen gibt, nimmt Universal Design einen immer wichtiger werdenden Raum ein. Statt Spezialprodukten für eine begrenzte Zielgruppe müssen ästhetisch ansprechende Designlösungen für alle Menschen entwickelt werden.

Universal Design – Lösungen für einen barrierefreien Alltag von Oliver Herwig, einem deutschen Journalisten und Autor, gibt erstmals eine Zusammenfassung dieses verhältnismäßig neuen Designbereichs.
Der Autor stellt seinem Buch 5 Thesen voraus, in denen er aufzeigt, wie sich die älter werdende Gesellschaft auf die Gestaltung von Produkten auswirkt. Diese Thesen werden in zwei großen Bereichen – „Universal Design heißt gestalten für alle“ und „Universal Design in der Praxis“ – begründet und mit Beispielen universellen Designs belegt.

Der Autor setzt den Anspruch von Universal Design auch in seinem Buch fort und gliedert die einzelnen Kapitel klar und übersichtlich. Zum Einstieg lässt sich der 41jährige Autor für einige Stunden mit Hilfe eines Altersimulationsanzuges in die Welt alter Menschen versetzen – um dann das Verständnis für die Notwendigkeit universellen Designs den LeserInnen anschaulich zu vermitteln. Die Kapitel werden in die einzelnen Sinne unterteilt – Auge, Ohr, Hand und Fuß sowie in die Frage „Wie wohnen?“ Jedes Kapitel schließt mit einem Interview ab – so kommen berühmte Designer und Architekten wie Gerrit Terstiege, Mathias Knigge, Ursula Wangler und Frank Abele, Konstantin Grcic, Peter Naumann und Carlo Baumschlager zu Wort.

Eine prägnante Zusammenfassung und ein Ausblick unter dem noch visionären Titel „ Die Zukunft wird einfach und komfortabel“ schließt das Buch ab.

Sehr praktisch auch der Anhang, der die sieben Prinzipien universellen Gestaltens (©1997 NC State University, The Center für Universal Design) ebenso vorstellt wie übliche Abkürzungen und eine kurze weiterführende Literaturliste bietet.

Der Autor richtet sein Buch ausdrücklich an Designer und Architekten, Entscheidungsträger und Firmen, die sich mit der Zielgruppe älterer Menschen nachhaltig beschäftigen wollen. Doch nicht nur für diese von ihm definierte Zielgruppe ist das Buch von Interesse. Universal Design betrifft uns alle und versteht sich im Sinn einer nachhaltigen Gesellschaftspolitik geradezu als eine Kernforderung für die Zukunft.

© Doris Prenn

Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

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Lichtdesign

Freitag, 11. April 2008

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Andreas Schulz (Hg.)
Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur
avedition 2007, Dt./Engl, Broschur mit Klappen im Schuber, 176 S., 332 farbige Abb. und Pläne
ISBN 978 3 89986 057 3

Lichtdesign Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

Welch wunderbare, perfekt funktionierende Ergebnisse der Einsatz professioneller Lichtgestalter zeitigen kann, zeigt die neueste Publikation des Büros Licht Kunst Licht. Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Es geht in diesem Buch weder um eventgebundene Lichtspektakel noch um selbstverliebte (Licht)Kunst am Bau. Die Ingenieure, Designer und Architekten von Licht Kunst Licht entwickeln für die ihnen anvertrauten Bauwerke maßgeschneiderte, dauerhafte Lichtlösungen auf höchstem Niveau. Ihre Entwürfe gewährleisten einerseits die optimale Lichtversorgung der in den Gebäuden arbeitenden Menschen, andererseits kleiden sie die Architektur in ein attraktives nächtliches Lichtgewand fernab jeder Effekthascherei. Soviel wird schon beim ersten Durchblättern des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” klar. Die hervorragenden, großformatigen Fotografien vermitteln den Eindruck eines diskreten, sich sensibel mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzenden Lichtdesigns, das ganz im Dienst der Sache steht. Acht, zwischen 2001 und 2006 fertig gestellte, Projekte werden in dem gleichermaßen prächtigen wie wohldurchdachten Bildband präsentiert. Aus der staatlichen Sphäre sind es der Plenarsaal des Bayerischen Landtags (München) sowie zwei Parlamentsbauten im Berliner Regierungsviertel, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Aus dem kulturellen Umfeld sind das RuhrMuseum in der ehemaligen Kohlenwäsche Zollverein (Essen) und die Helmut Newton Foundation (Berlin) vertreten. Der Welt der Wirtschaft zuzurechnen sind ein Bürogebäude am Novartis Campus (Basel), der Uniqua Tower (Wien) und die Galeria Kaufhof Alexanderplatz (Berlin). Unterschiedlicher könnte die Architektur nicht sein. Jedes Gebäude und jede Nutzung desselben stellte die Lichtplaner vor neue Herausforderungen. So gut die fotografische Bilddokumentation auch ist, erst der begleitenden Text hilft das Ausmaß der jeweiligen technischen und gestalterischen Leistung zu verstehen. Übersichtlich gegliedert werden in deutscher und englischer Sprache historische Vorgeschichte von Gebäude und Umfeld, bauliche Rahmenbedingungen, Aufgabenstellung, Entwurf und angestrebte Lichtwirkung sowie Grundzüge der technischen Umsetzung dargelegt. Ergänzend führen Grund- und Aufrisse, Längs- und Querschnitte Dimension und Komplexität der zu beleuchtenden Architektur vor Augen. Konstruktionszeichnungen einzelner Leuchten vermitteln technische Details.

Als Abschluss des Buches sind ein Verzeichnis der Projekte des Planungsbüros Licht Kunst Licht sowie eine Liste der erhaltenen Auszeichnungen zu finden.

Ebenso maßgeschneidert wie das Lichtdesign des Planungsbüros Licht Kunst Licht ist die grafische Gestaltung des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur”. Aus dessen Cover wurden 144 kleine Quadrate ausgestanzt, sodass das verbleibende Gitter unterschiedliche, von Lichteinfall und Papierkrümmung bestimmte Schatten auf die eingeschlagene Klappe des Umschlags wirft. So wird schon als Auftakt der Beschäftigung mit dem Buch subtil auf die Wirkung von Licht hingewiesen. Ganz abgesehen von diesem didaktischen Erfolg, macht es einfach verdammt viel Spaß mit dem Einband zu spielen! Doch noch auf einer anderen Ebene wirkt die edle Publikation bewusstseinsbildend. Tätigkeits- und Aufgabenfeld von Lichtplanern werden so anschaulich dargestellt, dass nicht nur potentielle Auftraggeber sondern auch junge Menschen, die sich auf der Suche nach einem Beruf befinden, von der Lektüre profitieren werden. “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” ist somit eine Werkdokumentation mit Mehrwert - wie erfrischend!

© Ch. Ranseder 23. Oktober 2007

Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

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Farben Natur.Technik.Kunst

Freitag, 11. April 2008

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Norbert Welsch, Claus Chr. Liebmann
Farben Natur.Technik.Kunst
Elsevier München 2007², Dt., Broschur, 434 S., zahlr. Farbabb., CD-ROM
ISBN 978-3-8274-1772-5

Farben Natur.Technik.Kunst Farben - Buch und CD-ROM. Natur - Technik - Kunst

Farbe ist etwas so Selbstverständliches, dass wir sie nur selten bewusst wahrnehmen. Eine Auseinandersetzung mit unserer bunten Umwelt hat meist praktische Gründe. Von Zeit zu Zeit muss ja, zum Beispiel, die Küche frisch ausgemalt oder ein neues Kleidungsstück angeschafft werden. Spätestens dann wird klar, dass Farbe etwas sehr Subjektives ist. Jeder nimmt sie anders wahr und zu formulieren was wir da sehen, ist nicht ganz einfach. Wer jemals einer anderen Person per Telefon die Farbe einer neuen Anschaffung zu schildern versucht hat, wird wissen welche Kluft sich zwischen Imagination und Realität auftun kann. Norbert Welsch und Claus Chr. Liebmann haben sich in “Farbe. Natur - Technik - Kunst”, das nun bereits in seiner zweiten Auflage vorliegt, auf die Spuren des Phänomens Farbe begeben. Sie durchforsteten zahlreiche Bücher und das Internet nach Wissenswertem zum Thema Farbe, vernetzten die Informationen aus den verschiedensten Disziplinen und setzten so manches multimedial um. Angesichts der Weitläufigkeit des Forschungsgebietes fürwahr eine herkulische Aufgabe! Das Ergebnis ihrer Recherche ist nicht nur eine interaktive CD-ROM sondern auch ein bemerkenswert umfangreiches Buch, das wegen seines beträchtlichen Gewichtes gut und gerne als Schwarte oder Wälzer angesprochen werden kann. Ein nicht abreißen wollender Informationsstrom trägt die Leserin und den Leser durch eine bunte Mischung aus 134 Themen zum Phänomen Farbe. Eltern, deren Kinder sich gerade in der “warum?”-Phase befinden, können aufatmen. Fragen wie “Warum ist der Himmel blau?” verlieren mit “Farbe. Natur - Technik - Kunst” ihren Schrecken.Das mit anschaulichen Abbildungen und Diagrammen reich bebilderte Werk bändigt die Themenfülle in vier Kapiteln. Ein von einem exzellenten Glossar unterstützter Index macht die Navigation innerhalb der 434 Seiten zum KinderspielKapitel 1, “Das Wesen der Farbe”, widmet sich der Wirkung und Ordnung der Farben, untersucht Symbolik und Psychologie einzelner Farben und streift die Anwendng von Farbe in Kunst und Kultur.Kapitel 2, “Farben in Natur und Chemie”, erklärt Färbeverfahren und stellt natürliche Farbstoffe sowie synthetische Farbmittel vor.Kapitel 3, “Farbwahrnehmung”, entführt in das Reich der Biologie und geht dem Wunder des menschlichen und tierischen Farbensehens auf den Grund.Kapitel 4, “Farbe in Physik und Technik”, analysiert Licht und Farbe aus der Sicht der Physik und führt praktische Anwendungsbeispiele vor Augen. Abgerundet wird das Buch durch einen Anhang, der neben Index und Glossar, auch noch mit einer Zeittafel, Anleitungen zu Experimenten und einem Literaturverzeichnis aufwarten kann. Vollgepackt mit Informationen bietet “Farbe. Natur - Technik - Kunst” ein kunterbuntes Allerlei zum Thema Farbe, das gleichermaßen unterhält und belehrt. Liebhaber der Interaktivität können sich mit der CD-ROM Vergnügen und so manchen Farbeffekt selbst ausprobieren. In Summe ist “Farbe. Natur - Technik - Kunst” ein Produkt, dem es gelingt das komplexe Thema Farbe einem breiten Publikum anschaulich näher zu bringen.

© Ch. Ranseder

Farben - Buch und CD-ROM. Natur - Technik - Kunst

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