Artikel mit ‘Teefleck’ getagged
Montag, 16. Mai 2011

Weltreisende
Ida Pfeiffer

Auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich das Ehrengrab von Ida Pfeiffer. Sie wurde 1797 in Wien geboren und durch ihren Vater mehr intellektuell gefördert, als es der Mutter lieb war. Nach dem Tod des Vaters bereitete die realistisch denkende Mutter die kleine Ida auf das typische Frauenschicksal jener Zeit vor: ordentliche Hausfrau, treue Gattin, fürsorgliche Mutter. Aber Idas Ehe scheiterte, die zwei Söhne zog sie alleine auf. Mit 45 Jahren war sie endlich frei, frei ihre erste lang ersehnte Reise anzutreten. Es folgten 16 ebenso entbehrungsreiche wie abenteuerliche - aber sicher auch geistig erfüllte - Jahre für Ida Pfeiffer. Sie reiste, forschte, sammelte, schrieb Bücher und pflegte Kontakte zu führenden Wissenschaftern. 1858 starb sie völlig geschwächt, nachdem sie von Madagaskar zurück nach Wien gekommen war.
Ida Pfeiffer vollbrachte zu einer Zeit als Frauen gar nichts zugebilligt wurde mehr als ihre Zeitgenossen. Sie reiste und sammelte ethnografische und naturkundliche Objekte ohne jene generösen Förderungen - selbst Konservierungsmaterialien wurden abgelehnt -, die Männern mit geringeren Potenzial und großem Eigenkapital oft unbeantragt zuteil wurden. Viele Museen, darunter das Naturhistorische Museum und das Museum für Völkerkunde in Wien, verdanken ihr tausende Objekte.

Und ich frage mich:
Was hat es Ida Pfeiffer zu Lebzeiten genutzt, dass es heute veschiedene Arten - Palaemon idae (Garnele), Myronides pfeifferae (Stabheuschrecke), Vaginula idae (Schnecke), Rana idae (Frosch) - nach ihr benannt sind?
Was hat es Ida Pfeiffer zu Lebzeiten gebracht, dass ihr Leichnam auf massives Drängen des “Vereins für erweiterte Frauenbildung” vom Friedhof St. Marx in eines der Ehrengräber, die nur dazu dienten Wienern den entlegenen Friedhof schmackhaft zu machen, umgebettet wurde?
Gibt es Hoffnung, dass jemals angemessen nach tatsächlicher Leistung, aber nicht nach politischen und persönlichen Kriterien gefördert wird?
© S. Strohschneider-Laue
siehe dazu auch:
Eine Wiener Biedermeierdame erobert die Welt: Die Lebensgeschichte der Ida Pfeiffer (1797 - 1858)
Eine Frau fährt um die Welt: Die Reise 1846 nach Südamerika, China, Ostindien, Persien und Kleinasien
Verschwörung im Regenwald: Die Reise nach Madagaskar
Abenteuer Inselwelt - Die Reise 1851 durch Borneo, Sumatra und Java
Nordlandfahrt: Eine Reise nach Skandinavien und Island im Jahre 1845
Ida Pfeiffer: “Wir leben nach Matrosenweise”: Briefe einer Weltreisenden des 19. Jahrhunderts
Ebensolch | AmazonStore
Bertha Buch | Amazon(e)Store
Teeblätter | AmazonStory/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Biografie, Biologie, Ebensolch Rez-E-zine 66/11, Gender, Kommentar, Reise, Sistlau, Teefleck, Völkerkunde, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Montag, 21. Februar 2011

Die Fotos der Rosi Z.
Bilder aus der Vergangenheit sind spannend. Sie sind stumme Zeitzeugen. Ich liebe es, sie zu betrachten, zu hinterfragen und zu enträtseln.
Zwei Schuhschachteln, vollgestopft mit Fotos und Postkarten völlig fremder Menschen, kamen heute in meinen Besitz. Stundenlang packte ich aus und sortierte vergnügt vor mich hin. Jahrhundertwendefrauen mit riesigen Hüten und Batistkleidern mit Lochstickereien, Bubiköpfe aus den 20er-Jahren, Gruppenfotos von Wirtshausangestellten und Wohnungsinterieur aus den 30er-Jahren sowie beschriftete und unbeschriftete Postkarten von allen wichtigen Ausflugszielen der damaligen Zeit.
Es war eine Bilderflut unbekannter Momente, Geschichten und Menschen aus der langsam ein wiederkehrendes Gesicht und ein Name an die Oberfläche gespült wurde: Rosi/Rosie/Rosy Z. Ihre Streckenkarte aus dem 3. Wr. Gemeindebezirk von 1933 um 18,00 S., das Hochzeitsbild vor dem Krieg und ein Kindergrab nach dem Krieg. Bis zu 120 Jahre alte Familienbilder hatten plötzlich durch sie einen Namen bekommen.
Ein unbeschwerter Nachmittag, bis mir eine Postkarte auffiel: Die Ausstellung “Der ewige Jude”. Die antisemitische Schau wurde vom 2. August bis 23. Oktober 1938 in der Nordwestbahnhalle in Wien (Eröffnungsrede im Archiv der Österreichischen Mediathek abrufbar) gezeigt. Sie schürte Hass und bereitete die Novemberprogrome mit vor.

Anscheinend war auch Rosi unter den fast 420.000 BesucherInnen der Wanderausstellung. Sie kaufte die Karte und hob sie über 70 Jahre auf.
Und ich frage mich:
Was hat Rosi Z. gedacht, als sie 1938 die Ausstellung betrat?
Was hat Rosi Z. gedacht, als sie die Ausstellung wieder verließ?
Was hat Rosi Z. gedacht, als sie die ersten Bilder aus den befreiten KZs sah?
Was hat Rosi Z. gedacht, wenn ihr die Karte beim Kramen unterkam?
Hat Rosi Z. gedacht?
© S. Strohschneider-Laue
Siehe auch
Kleist kam zu erst
Michael Yerry/Terry Ramirez Jr.
Loving Memory
Kriegsbriefe
Ebensolch | AmazonStore
Bertha Buch | Amazon(e)Store
Teeblätter | AmazonStory/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Österreich, Ebensolch Rez-E-zine 65/11, Fotografie, Kommentar, Nationalsozialismus, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Donnerstag, 07. Oktober 2010

Toilettendesaster

Die Buchbranche ist feine und sinnige Frauensache.
Die Architektur ist großk(l)otzige Männersache.
Paritätisch geht es hingegen bei der Toilettenfrage zu. Männer planen sie und Frauen benutzen (putzen) sie am häufigsten. Mit anderen Worten: Es gibt immer und überall zu wenige Damentoiletten. Außerdem sind die Etablissements immer zu klein. Dass sie jetzt auch ungebetene Einblicke gewähren, ist neu. Hingegen ist eine altbekannte Tatsache, dass Frauen sich zu helfen wissen. Dass Frauen sich in einer der raren und winzigen Zelle zuerst mit einer Klopapier-Verstopfungsaktion beschäftigen müssen, bleibt hoffentlich einmalig!
Erlebt, mitverstopft und fotografiert auf einem großen Messegelände in Deutschland.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStory/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Deutschland, Ebensolch Rez-E-zine 62/10, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 01. Oktober 2010

Verträglichkeiten

Vertragen muss der Mensch in seinem Leben vieles. Manches ist der Verträglichkeit abkömmlich. Wie unverträglich müssen erst Sessel sein, die man nicht vertragen darf?
Eine schwer verträgliche Beschriftung - besonders unverträglich in einer LehrerInnenausbildungsanstalt.
© S. Strohschneider-Laue
Siehe auch: Deutschproblem I
Teeblätter | AmazonStory/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 62/10, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Montag, 04. Januar 2010

Wem gehört das Paradies oder ist da der Wurm drin?

Copyright kann seltsame Blüten treiben.
2009 wurden Pfotenspuren auf Selbstgestricktem zu klagbaren Plagiaten erklärt - zumindest solange bis der betreffende Konzern mit massiven Imageverlusten zu kämpfen hatte.
2010 ist der Apfel erstmals seit Willhelm Tell wieder zur Zielscheibe der Rechtsverbindlichkeit geworden. Und wie man weiß, ist nicht nur Schneewittchen ein angebissener Apfel zum Verhängnis geworden.
Denn als der Apfel aus dem Paradies geschmuggelt wurde, bekamen Adam und Eva mehr Ärger mit dem illegalen Obstbau als der ganze Most durch den Apfel-Erstbiss wert war. Sogar einer ihrer Söhne züchtete in Folge lieber vierbeinige Vegetarier als das gesunde Zeug selber zu konsumieren. Der nachfolgende Familienzwist ist übrigens bis heute nicht geschlichtet.
Daher stellt sich folgende besorgte und berechtigte Frage:
Welcher der beiden biblischen Großkonzerne mit Monopolansprüchen, die bereits zu Beginn der Apfelmisere - die zum paradiesischen Menschenkonkurs führte - beteiligt waren, hat das Copyright-C auf den Apfel gestempelt?
© S. Strohschneider-Laue
Siehe auch: Eindeutig zweideutig
Teeblätter | AmazonStory/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Business, Ebensolch Rez-E-zine 59/10, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Sonntag, 13. September 2009

Frohes Fest in Wien

Der Realitätsschock Juli bis August ‘09:
Weihnachtskalender Ende Juli im Papiergeschäft.
Lebkuchen Anfang August im Supermarkt.
Taschen mit Aufdruck “Frohes Fest” im passenden Design beim türkischen Bäcker Ende August.
Die Zukunftsvisionen für September ‘09 bis August ‘10:
Schoko-Weihnachtsmänner im September.
Schoko-Weihnachtsmänner mit Raketen im Oktober.
Schoko-Weihnachtsmänner mit Hasenohren im November.
Ostereier unterm Weihnachtsbaum im Dezember.
Ostereier für den Recycling-Ganzjahresbaum im Januar.
Ostereier im Weihnachtsmänner-Faschingsoutfit im Februar.
Weihnachtsmann bringt Ostereier im März.
Weihnachtsmänner mit Zuckereiern oder Ostereier gefüllt mit Weihnachtsmännern am 1. April.
Eierbowle mit Weihnachtsmanngeschmack im Mai.
1000jährige Eiermänner im Juni.
Fondue aus Beständen der unverkäuflichen 1000jährigen Männereiern im Juli.
Schultüten mit Weihnachtseiern und Ostermännern im August.
© S. Strohschneider-Laue
Teetipp Amazon
Tags:Österreich, Ebensolch Rez-E-zine 55/09, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Samstag, 04. Juli 2009

Tradition: Wiener Prater

Manchmal sind Traditionen gar nicht so schlecht; denn nicht alle sind vorgestrig und/oder moralinsauer. Eine schöne Wiener Tradition ist es, während der Kindheit zu bestimmten Anlässen (Einschulung, Erstkommunion) in den Prater gehen zu dürfen. Es ist quasi ein vorgezogener Tapferkeitsbonus, ein Haftaufschub, ein Freigang bevor es so richtig ernst mit der realen (Schule) und der spirituellen Hölle (Kirche) wird.
Ich kam in den Genuss dieser Tradition, weil ich zur richtigen Zeit statt in Frankfurt in Wien war. Als Minitouristin mit den Eltern genau rechtzeitig vor meiner Einschulung. Natürlich wurden Fotos gemacht: Kind am Pferd, Kind im Karussell, Kind im Miniauto. Meist ist das Kind - also meine Person - kaum erkennbar und oft lugte nicht einmal mein Kopf über die Lenkstange hinaus. Diese Fotos sind vermutlich familienunabhängig austauschbar. Es gibt sie sicher zu Millionen in den Schubladen von Eltern, Großeltern, Paten und unzähligen anderen mehr oder minder Anverwandten.
Rund dreißig Jahre nach meinem Praterspaß, ereilte unsere Tochter - eine typische Wienerin mit Wurzeln in ganz Europa - der Praterbesuch zum Schuleinstieg. Es war wie erwartet. Bei den meisten Fahrbetrieben musste man den Besuch aufgrund elterlicher Verantwortung ablehnen. Teuer war es auch, aber an einem solchen Tag haben Eltern und vor allem Großeltern Spendierhosen an. Schön ist es trotzdem, wenn man feststellt, dass sich das eigene Kind trotz des Überangebotes als bescheiden erweist. Riesenrad, Achterbahn, Autoscooter, Geisterbahn und sämtliche supermodernen Speed- und Höhenvarianten auf “Kotz mehr” und “Schneller Hirntod”, wurden bestaunt aber nicht gewünscht. Am Ende waren es eine Zuckerwatte, einige Lose bei der blonden Plastikpuppen- und rose Plüschtier-Tombola, eine Runde Ponyreiten und unbedingt die Autorennbahn. Das Rennbahnrelikt aus den 1960ern oder noch früher, existierte tatsächlich noch. Mindestalter war schon damals “12 Jahre” als ich Schulanfängerin war und unbedingt Rennen fahren wollte. Und ganz genau wie damals klettere mein Vater - nun mit der Enkeltochter - in das Vehikel. Und er sagte ganz genau dieselben Dinge zu ihr wie dreißig Jahre vorher zu mir: “Den schnappen wir, den kriegen wir, mehr Gas und schnell vorbei”. Natürlich blieb es nicht bei einer Runde.
Und ganz genau wie damals stand meine Mutter am Rand der Bahn und war zutiefst besorgt, dass der scheppernde Höllenritt - wie man dem Foto entnehmen kann - Opas kriegsversehrten Rücken schaden würde. Nun war auch ich Mutter, aber ich war nicht besorgt. Ich war eifersüchtig und noch dazu auf das eigene Töchterchen. Pech, dass es “meinen” blauen Wagen von damals nicht mehr gab. Ich hätte es den beiden gezeigt, schließlich hatte ich den gleichen Fahrlehrer.
Bei diversen Gelegenheiten waren wir in nachfolgenden Jahren mit Freunden und ihren Kindern im Prater. Die Bahn war geschlossen. Es war als ob ich ein Stück Kindheit verloren hätte. In Wirklichkeit gehen doch alle mit den Kindern in den Prater, um noch einmal das zu tun, was sie selbst als Kind so genossen haben - ich bin keine Ausnahme. Quasi ein glückliches Ausleben des verborgenen Peter-Pan-Komplexes. Was passiert aber, wenn es diese Kindheitserinnerungen plötzlich nicht mehr gibt? Nein, man muss trotzdem nicht erwachsen werden. Nein, denn wir haben doch alle die unzähligen Fotos. Wenn unsere alten Fotos nicht die Farbe verloren hätten, könnten wir unsere Fotos glatt verwechseln. Bis auf eines: Es ist einzigartig, zumindest für mich und sicher für unsere Tochter.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 53/09, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teeblatt, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teeblatt | Keine Kommentare »
Sonntag, 07. Juni 2009

Michael Yerry/Terry Ramirez Jr. kam nach Kleist

Bücher sind Freunde, gehören zur Familie. In den späten 70ern des letzten Jahrhunderts kam der kleine spitzartige Hund “Kleist” in unsere Familie. Er schlich sich geschmeidig zwischen den Buchseiten von Heinrich Kleist’s sämtlicher Werke ein und gehört seither dazu. Seine Story habe ich in Kleist kam zu erst erzählt.
Vor einem oder zwei Jahren zog wieder ein Flohmarktbuch mit darin verstecktem Bewohner bei uns ein. Meine Tochter kaufte das Buch gemeinsam mit einem ganzen Stapel anderer englischer Taschenbücher auf dem Naschmarkt-Flohmarkt in Wien. Sie fand schon immer, dass man Geld grundsätzlich in Bücher, möglichst in englischsprachiger Horror- und Fantasyliteratur, angelegen sollte. Und eigentlich kann ich ihr nur beipflichten und zugleich sämtlichen religiösen und magischen Ritualen huldigen, die verhindern sollen, dass wir mit unseren Bücherbergen vom vierten in den dritten Stock durchbrechen. Antiquarisch kam also auch folgendes - bis dahin schmerzlich vermisste - Horror-Werk in unserer Wohnung:
Anne Rice
The Mummy
Ballantine Books 1991
An der spannendsten - hoffentlich nicht der blutigsten - Stelle fand sich der kleine Michael. Ein ruhiges Kind, das eine ganze Weile unbemerkt zwischen den Seiten schlummerte. Auf der Seite stand “Tschaikowski 4. Symphonie”. Vielleicht war der kleine Michael deshalb so friedlich; denn er hörte die ganze Zeit gute Musik und erwartete sein weiteres Schicksal.
Auf der Rückseite des Babyfotos waren Name, Gewicht und Geburtsdatum vermerkt. Ein Glück, denn wenn es nicht so gewesen wäre, wäre es ihm wie Kleist ergangen, der seinen Namen dem “Fundbuch” zu verdanken hat. Irgendwie wäre gemäß deutscher Ausprache ”Mummy” für das Baby noch möglich, aber korrekt ”The Mummy” wäre inhaltlich doch etwas mehr als nur befremdlich für so ein kleines Geschöpf gewesen.
Wir verdanken dem kleinen Michael Yerry/Terry Ramirez Jr. (*15. August 1993) jedenfalls ungezählte Diskussionsstunden allein um des Buben Mittelname: Jerry, Yerry oder Terry? Und in Anbetracht der allgemeinen Globalisierung war es erfrischend, dass zwar weltweit Einheits-Papp zum Essen angeboten wird, aber die Maßeinheiten (lbs/oz/in) noch nicht erfolgreich überall vereinheitlicht wurden. Also über seine Idealmaße konnten wir uns vor lauter Schrägstrichen und/oder Einsen ohne Aufstrich* natürlich auch nicht einigen.
Somit gehört Michael der Minirätsel-Bub zur Familie. Er ist brav und verträgt sich auch mit Kleist gut. Seine eigentliche Familie hat ihn zwar aus dem Fotoalbum verloren, aber das unersetzbare Original behalten dürfen. Schön, wir wünschen ihm, dem Original und seiner Familie jedenfalls das Beste. Und falls Michael Yerry/Terry Ramirez jr. das hier liest, soll er immer daran denken, Er war jemanden so wichtig, dass er sogar beim Lesen - einer echten Solistentätigkeit - immer dabei sein durfte.
© S. Strohschneider-Laue
*Nicht der streichfähige Brotbelag, sondern der halbe Anlauf, den man hierzulande der Zahl “eins” auf der linken Seite als kurzes Stricherl von halb-links unten nach ganz-rechts oben vergönnt.
Siehe auch
Kleist kam zu erst
Loving Memory
Kriegsbriefe
Die Fotos der Rosi Z.
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 52/09, Fotografie, Kommentar, Literatur, Sistlau, Teeblatt, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teeblatt | Keine Kommentare »
Samstag, 18. April 2009

Wienerwald NEU(lich)

Vieles wird neu in Österreich.
Noch mehr wird umgefärbt in Österreich.
Und alles ist ganz anders in Wien.
Wenn das Eine allgemein auffällig Mist gebaut hat, bekommt es einfach “NEU” voran gestellt und/oder wird frisch eingefärbt. Das wurde bei Vereinigungen der Politik, Verbänden der Interessen und Verwaltungen des Geldes bereits im Sinne des “Gleich-Anders” praktiziert.
Das Frühjahr ist endlich gekommen und die WienerInnen strömen in ihren Hauswald. Und damit sie dort wieder herauskommen und weiter brav Steuern zahlen, um die TEuro-Finanzierung von Vereinigungen, Verbänden und Verwaltungen zu gewährleisten, wurden die Wanderwege frisch markiert bzw. neu eingefärbt.
Ob es die richtigen Wege zum Ziel sind, wird sich erst in langfristigen Feldversuchen am lebenden Subjekt bzw. toten Objekt zeigen. Verantwortungsbewusste, überlebende BügerInnen verhindern in diesem Wienerwaldachterl schon jetzt die Verschwendung von Steuergeldern für regelmäßige Suchtrupps durch die warnende Zusatzinfo “IRRWEG”. Schade, dass das bei Gleich-Anderem kaum möglich ist.
Ungeklärt ist, ob die alte Einritzung unterhalb der Bemalung und oberhalb des linksgerichteten Pfeils “Vu” oder “Vv” bedeutet. Möglich sind (je nach PISA-Stand):
Voll unterirdisch
Veg unbrauchbar
Viel Unbill
Voll valsch
Veg verfehlt
Viel Vorsicht
© S. Strohschneider-Laue
Teetipp Amazon
Tags:Österreich, Ebensolch Rez-E-zine 50/09, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Montag, 23. März 2009

Hundstrümmerlkunst (A)/Hundehaufenkunst (D) in der zweiten Runde

Nach dem Aufflammen des Wiener Aktionismus 2008 wurde neulich eine weiteres Statement fotografisch dokumentiert. Nun ist Hundstrümmerlkunst keine Singularität mehr. Die Straßenszene hat die bürgerliche Empörung endgültig aufgespießt. Mit für Wiener Verhältnisse vehementer Eigendynamik (immerhin liegt erst ein Jahr zwischen dieser und der ersten Beobachtung) kam es daher zur bezirksübergreifender Spontansolidarität. Vom 16. auf den 7. übertragen, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Wiener Innenstadt um eine flexible Attraktion reicher wird.
Eine neuerliche Stellungnahme des künstlerischen Leiters der Halle zu dieser Kunstform fiel nach einem Jahr tiefer Gedankenkrise überraschend aus, denn ”…seine Vorstellung von Kunst hat das virtuell Unfassbare hinter sich gelassen und bedient sich jetzt aus dem reichen Fundus ungeschützter freier Ideen junger Ungenierter…”
Eine Stellungnahme seitens kommunal Engagierter konnte wieder nicht eingeholt werden. Wohlinformierte Kreise kolportieren, dass Bürgernähe in Zeiten der Krise nicht notwendig sei, da wir ohnedies alle im selben Rinnstein lägen. Die Kommission, die bereits die letzte Aktion aufgriff, hat jetzt den undotierten “Rinnstein”-Wettbewerb ausgeschrieben. Die nicht unbeträchtliche Teilnahmegebühr soll - nach Abgeltung der Sitzungstantiemen für Funktionsträger aus Politik und Wirtschaft - an jene KünstlerInnen refundiert werden, die für die Kommission bisher gratis Ideen und Entwürfe geliefert haben.
Übrigens: Die minderjährigen Schaschlikspießschnitzer in Südostasien bleiben von etwaigen Nutzungsrechten ausgeschlossen und das Spießchen ist ab sofort unter Denkmalschutz gestellt.
© S. Strohschneider-Laue
Teetipp Amazon
Tags:Österreich, Ebensolch Rez-E-zine 49/09, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 14. November 2008

Eindeutig zweideutig zum Quadrat

Es geht um Sechs, Sixpack oder doch um Sex?
Obiges grüne Äpfelchen kam im Sixpack und verkündete trotzdem einmalig stolz ”Sechs mit Sexappeal”!
Mit diesem Äpfelchen ist es eindeutig bewiesen: Es ging damals im Paradies - als unsere Ur-zum-Quadrat-Großeltern noch nicht aus Kostengründen nackt herumliefen und auch deshalb ganz verschieden aussahen - um nichts anderes als 6! Und weil drei eine heilige Zahl ist, ist es nicht verwunderlich, dass drei 6-Äpfel mathematische tierische Probleme von satanischen Ausmaßen verursachen, an dem vor allem pubertierende Schüler besonders zu beißen haben.
Und weil Eva Adam zu jener 6-Apfel-Erkenntnis verhalf, zu der er von alleine gar nicht gekommen wäre, sind die heutigen ungesunden Potenzmittelchen klein, rauten-(nein, nicht alraunen)förmig und blau statt gesund, rund und apfelfarben.
© S. Strohschneider-Laue
Siehe auch: Apfeliges Copyright
Bertha Buch | Amazon(e)
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 45/08, Fotografie, Gender, Kommentar, Sistlau, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Mittwoch, 05. November 2008

Doppeldeutig III

Schreibfehler mit Nachkorrektur?
Wort zu lang und den unwichtigsten Buchstaben ausgelassen?
Vielleicht wird ein Lachsack (”Lach-sack” nicht “Lachs-ack”) mitserviert!
Egal, denn es war ein echter Hingucker!
Dieser “funny-fish” wurde am 31. Oktober ‘08 in Wien serviert.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 45/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Dienstag, 15. April 2008

Doppeldeutig II

Damen beim Kochfest?
Damen beim feste Kochen?
Damen beim Festkochen?
Fest kochende Damen?
Feste Damen gekocht?
Damen fest gekocht?
Damen fest kochend?
Kochfeste Damen?
Echt unheimlich…
Diese Doppeldeutigkeit wurde im Burgenland entdeckt.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Burgenland, Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 11. April 2008

Doppeldeutig

Leder aus besten Händen!
Leder aus besten Händen?
Wirklich?
Aus Händen?
Aus besten Händen?
Aus besten Gerberhänden?
Aus besten von Gerbern gegerbten Händen?
Von besten Gerberhänden gegerbte Hände?
Von besten Gerberhänden händisch Gegerbtes?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes Leder?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes tierisches Leder?
Echt unheimlich…
Diese Doppeldeutigkeit wurde in Wien entdeckt.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 11. April 2008

Komm zu mich
ich lern dich Deutsch
im Flüchtli(n)gswerk

Die es geschrieben haben, brauchen die Tafel nicht.
Die es bräuchten, fragen lieber.
Sie war teuer.
Sie bleibt dort.
Dafür hängt sie hoch und der Gang ist finster…
In einem dunklen Winkel im Osten Österreichs gesehen und geblitzt…
© S. Strohschneider-Laue
siehe auch: Deutschproblem II
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 11. April 2008

Werkzeuggebrauch bei Primaten

Der Werkzeugerfolg gibt ihnen Recht: Affen stochern mit Stöckchen, um Apfelmus zu angeln und sie stapeln Kisten, um die Banane zu erwischen, die ein Wissenschaftler aufgehängt hat. Der Bonobo Kanzi nutzt einen großen Wortschatz, kann den Kühlschrank aufmachen, Kartoffel schälen und vermutlich auch Dosen öffnen…
Nur der kleine Blonde nimmt einen Flaschenöffner, um eine Bierdose zu öffnen, um an das kleine Blonde darin zu kommen
…und da er nicht verdursten wollte, hat ihm wohl eine große Blonde den Dosentrick verraten müssen!
Diese seltsame Kombination wurde in Linz geknipst.
© S. Strohschneider-Laue
Teeblätter | AmazonStore
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »
Freitag, 11. April 2008

Kommunale Navigationshilfe
oder
Hundstrümmerlkunst (A)/Hundehaufenkunst (D)

Ein Aufflammen des Wiener Aktionismus wurde neulich nebenan in Wien vermutet und fotografisch dokumentiert. Noch kann die neue Ausprägung der an die singuläre Uni-Ferkelei erinnernde Übermalungsvariante nicht definiert werden. Diskutiert wird von renommierten Experten der Installationscharakter der an die Straßenkunst und Landart angelehnten Vergänglichkeit am animalisch vollendeten Werk. Die öffentliche Sichtbarmachung der canin verrichteten Notdurft kommt innerlich und äußerlich im abstrahierenden aber signalstarken Grün erdnah als neue Wirklichkeit zum Ausdruck. Die partizipatorisch angelegte Aktion einer Minorität blieb - bisher - eine anonyme Singularität.
Die Stellungnahme des künstlerischen Leiters der Halle für die Zukunft der neuen Kunstform blieb kryptisch-pessimistisch, denn “…seine Vorstellung von Kunst definiert sich über virtuelle Raumlayer in einem aufstrebend umhegtem Geviert mit einer abschließenden Einrichtung oben und einem ebenen Konstrukt unten, welches in aktuellen Bezug zum temporären Gestrigen ein imhomogenes Ganzes in extrovertierte Heißluft konvertiert und nasal-fußtaktile Synästheten exkludiert…”
Eine Stellungnahme seitens kommunal Engagierter konnte nicht eingeholt werden. Wohlinformierte Kreise kolportieren, dass eine Übernahme der bürgernahen Kunstform in Planung ist. Die Gründung einer gut dotierten Kommission, die sich aus Kommissionsprofis aus Politik und Wirtschaft zusammensetzen wird, wurde schon in die Wege geleitet. Folder und Plakatwerbung sollen sich bereits in Planung befinden. Am mehrstufigen Eignungsverfahren, das die zukünftigen Hundstrümmerl-Künstler selbst zahlen müssen, wird noch gefeilt. Die schwer unterdotierten Kunstförderungen werden davon unberührt bleiben. Das Entgelt der kommisionär schwer geprüften Künstler wird durch die öffentliche Initialzündung gegeben sein und sich in der Nennung auf der Homepage erschöpfen. Ein Anrecht auf die Künstlersozialversicherung kann davon jedenfalls nicht abgeleitet werden, da die kommissionäre Prüfung nicht die Berufsberechtigung über den akademischen Zugang zur Kunst ersetzen wird.
Übrigens: Die Fußgänger hat die Hundstrümmerl-Navigations-Hilfe jedenfalls gefreut.
© S. Strohschneider-Laue
siehe auch: Wiener Aktion 2009
Teetipp Amazon
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Fotografie, Kommentar, Sistlau, Teefleck, Wien
Veröffentlicht in Allgemein, Teefleck | Keine Kommentare »