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Buchmesse Entdeckung: Norwegen

Mittwoch, 16. Oktober 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 76/13

Helena Neraal
Elg & co
En viltkokebok
Schibsted 2013, 185 S., zahlr. Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 8 2516 5653 5

Elg & co En viltkokebok Elg & co

Man kann ohne Elch leben, aber es lohnt nicht.

In der Eile zwischen zwei Terminen - die Frankfurter Buchmesse muss minutiös geplant und die Wege sollten aus reiner Selbsterhaltung möglichst kurz gehalten werden - sprang uns ein “Elch” ins Auge. Genaugenommen: Kein Elch, sondern zunächst nur das Cover von “Elg & co. En viltkokebok”. Das attraktive Buch war ausnehmend günstig platziert. Was man von dem Stand des Schibsted Forlags in der Halle 5 nicht behaupten konnte. Schade, denn das Verlagsprogramm ist interessant und abwechslungsreich - nur eben in Norwegisch -, es hätte defintiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Unsere Aufmerksamkeit hat der Verlag durch  das Elchkochbuch jedenfalls gewonnen.

Norwegisch muss man nicht können, aber es wäre hilfreich.

Fotos, Papier und Layout

Zunächst: Niemand aus dem Redaktionsteam spricht auch nur ansatzweise norwegisch. Trotzdem konnten wir uns dem Buch - ganz unabhängig von “Elch” im Titel und am Teller - nicht entziehen. Zunächst nahmen uns die Fotos von Anne Manglerud gefangen. Sie sind einfach schön. Die Arrangements, die Ausleuchtung und deren Farbabstimmung sowie die schwarz-weiß Fotos sind perfekt.

Dazu kommt die ideale Wahl des Papiers. Es ist matt und gibt dadurch den Fotos eine zusätzliche stimmungsvolle Note. Das Papier ist dadurch zwar nicht abwischbar. Aber wer verlangt denn, dass man in der Küche mit Fett spritzen und mit Zutaten auf den Fingern Bücher beschmutzen muss? Ein inhaltsschweres Coffee Table Book fühlt sich durchaus auch in der Küche wohl.

Schließlich das übersichtliche Layout, dass zusätzlich durch eine ansprechende Typografie und den gezielten Einsatz von angenehmen Rottönen die Gliederung der neun Kapitel bis ins Detail unterstützt.

Vom Herd und auf den Tisch

Mit den Augen haben wir auch beim Blättern im Buch geschmaust. Der Blick vom Foto zum Rezept war keine Enttäuschung. Natürlich ist es nicht grade leicht, in einer Fremdsprache Rezepte zu beurteilen. Das liegt auch daran, dass es immer ein spezifisches Vokabular gibt, das schon in der eigenen Muttersprache seltsam fremd anmuten kann. Nachgefragt wissen tatsächlich erstaunlich wenige Kochfreudige mit der Kochfachsprache etwas anzufangen. Alles, was über “simmern” hinausreicht, vielleicht “zur Rose abziehen” bedeutet, wird einfach überlesen, aber aus Erfahrung meist korrekt umgesetzt. So ähnlich geht es uns auch mit diesem Kochbuch.

Es ist klar wie Heidelbeersoße, worum es sich bei “Elgfilet med blåbærsmørsaus - ovenstekt persillerot og urtegårdspteter” handelt. Auch die nachfolgenden Informationen sind erfassbar: Ein Gericht für 4 Personen, mit  einer Vorbereitungszeit von 50 Minuten sowie 20 Minuten Zubereitungszeit - 30 Minuten für die Kartoffeln werden extra angeführt. Der Rest ist in üblicher Form aufgebaut. Zutaten für Soße, Fleisch und Beilage. Anschließend übersichtlich gegliedert, wie man würzt, wie heiß der Ofen sein muss etc. Schwieriger wird es erst am Seitenende, wenn noch der eine oder andere Tipp angeführt wird. Aber, dass es sich um “… den absolutte favoritten …” handelt, war für uns voll und ganz nachvollziehbar.

Autorin, Jägerin, Köchin

Es ist nicht Helena Neraals erstes Kochbuch. Nein, zwei Bücher zu “nordischen Tapas” sind bereits von ihr erschienen. Man merkt also, dass sie gut und erfahren auftischt! Selbst, wenn diese beiden Bücher nur halb so appetitanregend sind, wird sich ein Blick auch in diese beiden Häppchenbücher lohnen. Ob diese - so wie das Wildkochbuch - ebenfalls Küchenchefin Marie Englund als strenge Patin hatten? Die Autorin, die übrigens auch Handball-Meisterin ist, nimmt offensichtlich selbst das Gewehr zur Hand. Kein Wunder, dass im letzten Kapitel das Waidwerk, gefolgt von der richtigen Elch-Teilung und der Verwendung der Teilstücke (inkl. Querverweise zum Rezeptteil), berücksichtigt werden. Für dieses Buch wäre eine weitere Nominierung für den Gourmand Cookbook Award nicht überraschend.

Eine Übersetzung - nein, bitte nicht nur ins Schwedische! - wäre begrüßenswert. Aber bis ein entsprechender Verlag sich um die Lizenz gekümmert hat, haben wir uns sicher perfekt ins Norwegische eingelesen. Das Aussuchen und Nachkochen funktioniert jedenfalls schon ganz unabhängig davon.

Wild ohne Elch

Wer sich sprachlich nicht mutig genug fühlt, muss eben mit anderen Wildkochbüchern vorlieb nehmen. Was nicht bedeutet, dass man auf Elch, sondern nur auf das großartige Buch von Helena Neraal, verzichten muss. Bereits 2012 erschienen, aber immerhin “exotisch” in seiner Fleischwahl ist Moderne Wildküche - Kochen mit Neuseelandhirsch. Wenn man will, bekommt man also durchaus Wildfleisch, das nicht aus einheimischen Wäldern stammt. Für kommenden Dezember ist Die 100 besten Wildrezepte angekündigt. Dort sollte wohl auch Grundlegendes zum Umgang mit Wildfleisch zu finden sein, das den Appetit anregt und zum Nachkochen einlädt. Die Kochbücher von blv überzeugen immer wieder, so darf sicher von dem demnächst auf den Markt kommenden Wild! Gourmet-Rezepte für jede Jahreszeit Gleiches erwartet werden. Natürlich muss das bereits 2007 erschiene Das große Buch vom Wild hier erwähnt werden. Aus dieser Serie, haben wir von den “kleinen Ausgaben” der Großen auf den Seiten von Ebensolch Rez-E-zine u. a. Salz und Schokolade rezensiert und waren hellauf begeistert. Also ein Standardwerke, das man “Wild-KöchInnen” und solchen, die es noch werden wollen, gerne immer wieder empfiehlt.

Fazit

Es lohnt sich, sich sprachlich durch die systematisch aufgebauten Rezepte zu arbeiten. Auch wenn es nicht Elch ist, sondern “Ersatz-Hirsch”. Das Endergebnis ist eine wahre Gaumenfreude. Abgesehen davon kann das Buch noch ein weiteres Ziel erreichen: Urlaub in Norwegen!

© S. Strohschneider-Laue
© V. I. Strohschneider

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Food for free: Naturküche

Mittwoch, 02. Oktober 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 76/13

Richard Mabey
essbar
Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche
Haupt 2013, 464 S., zahlr. Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 2580 77604

essbar essbar: Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche

Food for free - Essen von draußen

Das ganz Jahr steht erstklassige Nahrung zur Verfügung, wenn man sich direkt an Mutter Natur wendet. Der praktische Wert des Buches ist ungebrochen, obwohl - oder sogar weil - “Food for Free” bereits 1972 erschien. Naturküche, die damals nach Wirtschaftswunder, Plastikrevolution und vor der Ölkrise belächelt wurde, ist heute salonfähige Lebensart. Nach über 40 Jahren liegt nun hinsichtlich der Rezepte eine aktualisierte Ausgabe vor. Nehmen Sie die Einladung an, auf unblutige Pirsch zu gehen und zu genießen, was gratis zur Verfügung steht und dennoch nicht umsonst ist.

Systematisch, praktisch, appetitlich

Hier lohnt es nicht nur, sondern es ist wirklich wichtig, die Einführung rund um das Sammeln und die Grundkenntnisse zu lesen. Nicht jede Beere, nicht jeder Pilz ist genießbar. Manche sind sogar hochgiftig. Von persönlichen Unverträglichkeiten - nicht nur hinsichtlich der Schalentiere - ganz abgesehen. Dass man dazu noch andere Spielregeln beachten sollte, betrifft nicht nur das Betreten fremder Obstgärten. Wer neben Müllkippen, Straßen oder “frisch vergifteten” Anbauflächen sammelt, trägt  meist mehr Giftmüll als Vitamine in die eigene Küche. Wer also informiert, gezielt und schonend mit dem natürlichen Angebot umgeht, tut sich und damit der ganzen Welt einen zukunftsweisenden Gefallen.

Bäume und Sträucher, krautige Pflanzen, Pilze, Flechten und Farne, Algen und Tang sowie Schalentiere werden in dem Band vorgestellt. Der Bezeichnung (Deutsch, Latein) folgen Informationen zu wo, wann, wofür sowie zum Aussehen. Die exzellenten Fotos, die das Essbare (bzw. Ungenießbare und Giftige) begleiten, garantieren zwar keine Unverwechselbarkeit aber einen perfekten Start in die Welt der SammlerInnen. Was nicht schon im Vorwort bezüglich Achtsamkeit abgehandelt wurde, wird bei z. B. bei den Pilzen erneut betont: Finger weg, wenn man sich nicht sicher ist! Das bekannte Symbol “Totenschädel mit gekreuzten Langknochen” für Giftiges macht die Warnung deutlich genug.

Verwendungsvorschläge zum freien Angebot aus der Natur werden immer angeboten. Rezepte allerdings nur dort, wo es sich um etwas besonders Appetitliches handelt. Die Rezepte sind zwar hinsichtlich der Zutaten und Zubereitungen systematisch aufgebaut, aber es wird nicht immer deutlich für wie viele hungrige Gäste sie gedacht sind. Als Basis für weniger kochaffine Natursammler und als Inspiration für geläuterte Supermarkteinkäufer sind sie hingegen genau richtig.

Warum die systematischen Zeichnungen (mit Seitenverweis) erst im Anhang zu finden sind, hat sich uns nicht erschlossen. Sie hätten im Fließtext mit den Fotos ein rundes Gesamtpaket ergeben. Das Verzeichnis der Fachausdrücke, die verwendete und weiterführende Literatur sowie das Register machen das Buch zu einem benutzerfreundlichen Nachschlagewerk.

Fazit

“Essbar” schafft es, Natur-, Koch-, Lese- und Fotobuch sowie Lifestyle- und Nachschlagewerk zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Es beweist zudem, dass ein anspruchsvoller Inhalt auch als salonfähiges “Coffee Table Book” in Erscheinung treten darf.

© S. Strohschneider-Laue
© V. I. Strohschneider

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Schatzkammer Natur

Mittwoch, 30. September 2009
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 55/09

Museum Mensch & Natur Hofpfisterei München (Hg.)
Schatzkammer Natur
Von der Vielfalt heimischer Arten

oekom 2009, 221 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 86581 134 9

Schatzkammer Natur: Von der Vielfalt heimischer Arten

Dieses Buch bietet eine Entdeckungsreise durch die Natur für die ganze Familie. In wunderschönen Bildern von Rita Mühlbauer und herrlichen Texten führt es durch Bach und Tümpel, Feld und Flur, Hecke und Wald.

Dreiunddreißig heimischen Tiere und Pflanzen sowie Natur- und Umweltschutz stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. Dass dieser hohe Anspruch nicht langweilig, belehrend oder bis zur Unverständlichkeit wissenschaftlich sein muss, ist hohes Verdienst der neunzehn AutorInnen. Die renommierten WissenschaftlerInnen haben sich zum Ziel gesetzt Kinder und Erwachsene gleichermaßen für ihren unmittelbaren Lebensraum zu begeistern und damit dessen Erhalt zu fördern.

Blitzschnelle Wasserjäger, denen die Luft ausgeht, gepanzerte Ritter, denen das Wasser bis zum Hals steht oder Langstreckenflieger, die ohne Navi auskommen, sind einfach faszinierend, wenn der Finger auf den Punkt gelegt wird. Kurz, prägnant und trotzdem abwechslungsreich sind die Betrachtungen, denen neun ”Denkstücke” zur Seite gestellt werden.  Durch zartgelbes Papier farblich abgehoben, bieten die “Denkstücke” Fakten und Querbezüge, die dem großen Überblick gewidmet sind. In ihnen wird aufgezeigt, warum Vielfalt besser als Einfalt ist und welche Wechselseitigkeiten in überraschenden Bereichen bestehen.

Dass das Ausprobieren und Selbermachen ein wesentlicher Schritt zum Verständnis ist, ist Menschen angeboren - obwohl das zu viele vergessen haben. In diesem Buch ist es nicht vergessen worden. Egal ob im Trüben für die neue Teichlupe gefischt wird oder Hagebuttenmarmelade gekocht wird, es ist altersunabhängig, interessant und spaßbetont. Die zusätzlichen Publikationshinweise und Ansprechpartner machen Lust auf mehr Aktivitäten in der freien Natur und zu naturkundlichen Themen. Nützlich ist unter anderem die Liste der Naturkundemuseen mit ihren vielfältigen Attraktionen. Das Frankfurter Senckenberg liebe ich, das Erfurter sollte ich mal wieder besuchen, das Stuttgarter und einige andere stehen schon länger auf der Liste, dass ich allerdings das älteste Naturkundemuseum Deutschlands in Braunschweig diesen Sommer verpasst habe, ist mir erst durch das Buch bewusst geworden. Veranstalter von Waldführungen, Buchtipps zur Natur, Autorenporträts und das Artenregister runden den schönen Band benutzerfreundlich ab.

“Schatzkammer Natur” ist auch in gebundener Form vielfältig und bunt wie die Natur selbst. Dem Anspruch einen Beitrag zum Erhalt der Natur zu leisten wird das Buch - somit auch die herausgebende Hofpfisterei - in jeder Hinsicht gerecht.

© V. I. Strohschneider

Schatzkammer Natur: Von der Vielfalt heimischer Arten

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