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Donnerstag, 08. Dezember 2011

Antje Hinz
Spanien hören
Silberfuchs Verlag 2011, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6514 9
Spanien hören
Die kulturelle Vielfalt Spaniens wird in 80 Minuten und in 21 Häppchen als geniales Menü serviert. Die Länderreihe hat sich eindeutig zu einer stattliche Sammleredition mit steter Wiederhörqualität entwickelt. Historische, literarische und musikalische Clips lassen auf dieser CD ein ganz besonderes Bild von Spanien entstehen.
Beginnend mit den, zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählenden, Höhlenmalereien von Altamira spannt sich ein kultureller Bogen über die Iberische Halbinsel. Phönizier, Griechen, Vasconen, Iberer, Kelten, Römer, Westgoten, Mauren bildeten die vielfältige Basis. In Spanien ist untrennbar mit dem kulturellen Aufstieg während des Mittelalters auch politisch-religiöse Macht verbunden: Islam und Christentum. Das kulturelle Zentrum in islamischer Zeit war Córdoba. Hier entwickelte sich zugleich ein multikulturelles “Mekka der Wissenschaften”. Wie oft wechseln Toleranz und Verfolgung einander ab. Toledo profitiert vom Zuwachs Intellektueller als sie die Stadt verfolgte Juden und Christen aufnimmt. Schließlich wird vom Norden ausgehend die Rückgewinnung Spaniens unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der (Re-)Christianisierung vorgenommen. Dies mündet letztlich in der Inquisition. Systematische Verfolgung wird in Folge zum religiös untermauerten Staatsgeschäft, das die blühende Multikultur mit ihren Wissenschaftlern und Künstlern vernichtete. In Folge ging für Katholizismus, Kolonialismus und das Reich die Sonne nicht mehr unter. Marienverehrung, Askese auf der einen Seite sowie Don Quijote und das pralle spanische Volkstheater auf der anderen Seite sind nicht nur Gegensätze, sondern logische Folgen der Repressalien. Unter den Bourbonen sank der Stern des Katholizismus, Wissenschaft und Bildung wird zum Staatsanliegen. Dann kam Napoleon. Den Widerstand und den Kriegsgräuel zeigt niemand besser auf als Goya, der modernste, provozierendste, politisch und sozial kritischste Künstler - nicht nur zu seiner Zeit. Der Weg zur Verfassung und Republik war steinig, war aber auch der Weg zur nationalen Musik. Multikulturell, darunter die Musik und Sprache der Galizier, Basken, Katalanen und Roma, wird salonfähig. Ein fruchtbarer Nährboden auf denen einerseits Gaudi, Miró, Dalí, Picasso sich entfalten und andererseits im Zuge von Bürgerkrieg, Diktatur und neuer Nation Lorca, Celaya, Semprún, Marsé ihre Eindrücke in eindringliche, unvergängliche Worte fassen.
Dietmar Mues (†) präsentiert die Vielfalt außergewöhnlich abwechslungsreich vor dem Hintergrund vieler Musikzitate. Den optischen Genuss steuert Roswitha Röschs Grafik bei.
© S. Strohschneider-Laue
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 70/11, Europa, Hören, Kultur, Kunst, Literatur, Musik, Reise, Sistlau, Spanien, Völkerkunde
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Mittwoch, 09. November 2011

Alfried Wieczorek, Wilfried Rosendahl (Hgg.)
Schädelkult
Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen
Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen 41
Schnell + Steiner 2011, 388 S, zahlr. Fotografien und Grafiken.
ISBN 978 3 7954 2454 1
Schädelkult: Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen
Der gewichtige Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum ist beispielgebend. Die herausragende inhaltliche Qualität ist optisch und haptisch in einer attraktiven Publikation umgesetzt worden. Über 50 AutorInnen aus verschiedenen Forschungsbereichen unterziehen menschliche Schädel minutiösen Betrachtungen und interpretieren deren kulturgeschichtliche Bedeutung.
Das Thema wird in fünf Kapiteln gegliedert, die Sinnvoll und Geistreich - der Schädel, Vom Neandertaler bis zur Völkerwanderung - Ein Gang durch die Vor- und Frühgeschichte, Von Schrumpfköpfen, Schädelbechern und Schillerschädeln - Ein Gang durch die Weltkulturen, Schädelfaszination heute und Schädelgalerie betitelt sind. Den einzelnen Beiträgen sind umfassende Literaturzitate angeschlossen.
Im ersten Kapitel stehen Seele-Herz-Hirn - damit Sinn und Verstand - in antiker Vorstellung (Elisabeth Ahner), Schädel als Knochenstruktur (Helmut Wicht) sowie operative Eingriffe am Schädel (Kurt W. Alt) quer durch die Zeiten im Mittelpunkt. Wahrlich spannend, was aus dem Unikat des Schädels “herausgeholt” werden kann. Einerseits wurden schon früh medizinische und philosophische Betrachtungen mit dem Kopf verbunden, andererseits wurden bereits in prähistorischer Zeit mehr (!) oder minder erfolgreiche Eingriffe im Schädelbereich vorgenommen.
Eine spannende Zeitreise durch die Vor- und Frühgeschichte wird im zweiten Kapitel unternommen. Beiträge führen von der Alt- und Mittelsteinzeit (Joachim Wahl) über das Neolithikum (Jörg Orschiedt, Andrea Zeeb-Lanz), Bronzezeit (Christiane Ana Buhl) und Eisenzeit (Axel von Berg, Béatrice Vigié) mit einem Abstecher ins Alte Ägypten (Tanja Pommering und Stan Hendricx) und zu den Skythen (Claudia Braun). Betrachtungen zur Antike (C.B.) und Spätantike (Gerhard Hotz) schließen den genialen Überblick. Schädelkult, Kannibalismus, der Ritualplatz von Herxheim, Masken und Schädeldeformationen sind nur einige Aspekte, die berücksichtigt werden.
Der Blick auf die Weltkulturen im dritten Kapitel wirft Schlaglichter aus Afrika (Andrea Schlothauer), Asien (Katja Müller, Paolo Maiullari, Richard Kunz, A.S.), Ozeanien (Bernd Leicht, Alexandra Wessel, Antje Kelm, Wilfried Rosendahl, Christian Fink, Heaether Gill-Frerking, Thomas Henzler, Markus Monreal, Stefan Schlager, Ursula Wittwer-Backofen), Nord und Mesoamerika (Martin Schultz, Nikolaus Stolle, Ursula Thiemer Sachse, W.R., Sinas Steglich) Südamerika (A.S., Anna-Maria Begerock, Virgina und Michael Tellenbach, Sabine Bernschneider-Reif, Timo Gruber, Reiner Sörries, Dario Piombino-Mascali, Alber Zink, Ulrike Neurath-Sippel, Eva-Maria Günther, Elisabeth Ahner, Rudolf Maurer, U.W.-B., Daniel Möller, Uwe Hoßfeld, W.R., Gisela Gruppe, Marina Vohberger). Kopfjagd, Schädelschmuck, Skalps, Kristallschädel und Schrumpfköpfe zeigen u. a. vielfältige Rituale rund um Triumph und Trauer in außereuropäischen Kulturen auf. Während Heilmittel, religiöse und weltliche Reliquien sowie Rassenkunde Beispiele für europäischen Schädelkult sind.
Der ungebrochenen Schädelfaszination in der Gegenwart wird im vorletzten Kapitel Rechnung getragen. Die schwarze Szene (C.A.B.), das Totengedenken in Mexiko (Ulrike Umstätter), Kriminalistik (U.W.-B.), Hirnforschung (Hans Günter Gassen) und Totenkopfsymbolik (Magdalena Pfeifenroth) sind hier die zentralen Themen. Tristesse und Zuckerwerk, Kriminalistik und Forschung sowie Symbolkraft stehen für die breitgefächerte, moderne Schädelfaszination.
Mit der Schädelgalerie schließt das fünfte Kapitel. Als Highlights zur Ausstellung (Doris Döppes, A.-M.B., D.M., W.R., A.S., A.W.) werden herausragende Beispiele wie z. B. Trophäenköpfe und künstlich deformierte Schädel aus Peru oder für die Aufbewahrung im Beinhaus bemalte Schädel aus Hallstatt in Österreich in hochwertiger Fotoqualität inklusive Kurzinformationen gezeigt.
Autorenregister und Bildnachweis beschließen den - auch durch seine übersichtliche und attraktive Gestaltung - hochwertigen Band. Ein Pflichtkauf in Fachkreisen und für kulturgeschichtlich Interessierte ebenso.
© S. Strohschneider-Laue
Schädelkult: Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen
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Tags:Antike, Archäologie, Ausstellung, Biologie, Bronzezeit, Deutschland, Ebensolch Rez-E-zine 69/11, Eisenzeit, Katalog, Kultur, Sistlau, Steinzeit, Völkerkunde
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Freitag, 22. Juli 2011

Corinna Hesse
Italien hören
Silberfuchs Verlag 2011, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6523 2
Italien Hören
Feste, Tradition und ohne Gegensatz dazu steter Wandel zeichnen Italien aus. Vom klassischen Erbe, das aus griechischer Tradition schöpfte und sich anschließend mit der gesamten damaligen Welt verband bis zur Gegenwart führt der kulturelle Streifzug.
In 19 kulturellen Häppchen wird das italienische Werden als perfektes Dinner für die Ohren serviert. Von göttlichen Wurzeln, den Etruskern und deren Städtebündnis ausgehend, entstand die antike Weltmacht Rom. Das römische Imperium verfällt, das Christentum setzt seinen Siegeszug fort und prägt Literatur, Kunst und Kultur. Mit Beginn der Neuzeit rücken der Mensch und sein Schaffen wieder in den Mittelpunkt. Architektur, Kunst, Literatur und Musik schwingen sich zu ungeahnten Höhen. Der Drang zur Einheit und Unabhängigkeit führt schließlich im 19. Jh. zum Königreich über ein wirtschaftlich duales Land. Der Blick nach vorn mündet schließlich nach dem Ersten Weltkrieg im Faschismus. Hier offenbart sich die Schwäche der CD, denn zwischen der Machtergreifung Mussolinis und dem Einmarsch der Alliierten klafft eine schmerzliche Lücke, die auch die anschließende gute Dokumentation der Nachkriegszeit nicht wettmacht.
Die sonore Stimme von Rolf Becker leitet wohl moduliert durch 80 kurzweilige Minuten. Passende Musik- und Literaturzitate lassen die Geschichte vor dem inneren Auge auferstehen. Roswitha Röschs Grafik unterstreicht von Cover über Booklet passend das Werden Italiens von seinen antiken Wurzeln bis in die Gegenwart.
Ein weiteres Qualitätsprodukt aus der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Länderreihe. Gemeinsam ist allen bereits produzierten Hörreisen der “Gerne-wieder-hören-Faktor”, der auch auf “Italien hören” zutrifft.
© S. Strohschneider-Laue
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 67/11, Europa, Hören, Italien, Kultur, Kunst, Literatur, Musik, Reise, Sistlau, Völkerkunde
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Montag, 16. Mai 2011

Weltreisende
Ida Pfeiffer

Auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich das Ehrengrab von Ida Pfeiffer. Sie wurde 1797 in Wien geboren und durch ihren Vater mehr intellektuell gefördert, als es der Mutter lieb war. Nach dem Tod des Vaters bereitete die realistisch denkende Mutter die kleine Ida auf das typische Frauenschicksal jener Zeit vor: ordentliche Hausfrau, treue Gattin, fürsorgliche Mutter. Aber Idas Ehe scheiterte, die zwei Söhne zog sie alleine auf. Mit 45 Jahren war sie endlich frei, frei ihre erste lang ersehnte Reise anzutreten. Es folgten 16 ebenso entbehrungsreiche wie abenteuerliche - aber sicher auch geistig erfüllte - Jahre für Ida Pfeiffer. Sie reiste, forschte, sammelte, schrieb Bücher und pflegte Kontakte zu führenden Wissenschaftern. 1858 starb sie völlig geschwächt, nachdem sie von Madagaskar zurück nach Wien gekommen war.
Ida Pfeiffer vollbrachte zu einer Zeit als Frauen gar nichts zugebilligt wurde mehr als ihre Zeitgenossen. Sie reiste und sammelte ethnografische und naturkundliche Objekte ohne jene generösen Förderungen - selbst Konservierungsmaterialien wurden abgelehnt -, die Männern mit geringeren Potenzial und großem Eigenkapital oft unbeantragt zuteil wurden. Viele Museen, darunter das Naturhistorische Museum und das Museum für Völkerkunde in Wien, verdanken ihr tausende Objekte.

Und ich frage mich:
Was hat es Ida Pfeiffer zu Lebzeiten genutzt, dass es heute veschiedene Arten - Palaemon idae (Garnele), Myronides pfeifferae (Stabheuschrecke), Vaginula idae (Schnecke), Rana idae (Frosch) - nach ihr benannt sind?
Was hat es Ida Pfeiffer zu Lebzeiten gebracht, dass ihr Leichnam auf massives Drängen des “Vereins für erweiterte Frauenbildung” vom Friedhof St. Marx in eines der Ehrengräber, die nur dazu dienten Wienern den entlegenen Friedhof schmackhaft zu machen, umgebettet wurde?
Gibt es Hoffnung, dass jemals angemessen nach tatsächlicher Leistung, aber nicht nach politischen und persönlichen Kriterien gefördert wird?
© S. Strohschneider-Laue
siehe dazu auch:
Eine Wiener Biedermeierdame erobert die Welt: Die Lebensgeschichte der Ida Pfeiffer (1797 - 1858)
Eine Frau fährt um die Welt: Die Reise 1846 nach Südamerika, China, Ostindien, Persien und Kleinasien
Verschwörung im Regenwald: Die Reise nach Madagaskar
Abenteuer Inselwelt - Die Reise 1851 durch Borneo, Sumatra und Java
Nordlandfahrt: Eine Reise nach Skandinavien und Island im Jahre 1845
Ida Pfeiffer: “Wir leben nach Matrosenweise”: Briefe einer Weltreisenden des 19. Jahrhunderts
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Tags:Biografie, Biologie, Ebensolch Rez-E-zine 66/11, Gender, Kommentar, Reise, Sistlau, Teefleck, Völkerkunde, Wien
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Montag, 14. Februar 2011

Barbara Berberon-Zimmermann
Polen hören
Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6518 8
Polen hören
Ein weiteres Qualitätsprodukt aus der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Länderreihe. Gemeinsam ist allen bereits erschienen Hörreisen der “Gerne-wieder-hören-Faktor”, der auch auf “Polen hören” zutrifft.
Barbara Baberon-Zimmermann verfasste aus der wechselvollen Kulturgeschichte Polens einen repräsentativen Hörreigen. Vom Adler im Wappen, wie die Holzbauten durch Steinbauten ersetzt wurden, von der ersten Akademie, aber auch von der Vielfalt der Menschen im Mittelpunkt von Glauben, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst berichtet sie. Passend eingestreute Text- und Musikzitate komplettieren die gut aufbereitete Information rund um das Land, das zwischen mächtigen Nachbarn aufgeteilt, einst völlig von der Landkarte verschwunden war.
Rolf Becker bringt seine angenehme Stimme so wohl moduliert zum Einsatz, dass die 80 Minuten geballter Information wie im Fluge vergehen. Roswitha Rösch designte in bewährter Weise. Sie schuf mit dem Cover einen ebenso passenden wie würdigen Eyecatcher aus Pferd, Reiter und Polen.
© S. Strohschneider-Laue
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 65/11, Europa, Hören, Kultur, Literatur, Musik, Polen, Reise, Sistlau, Völkerkunde
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Sonntag, 05. Dezember 2010

Hilke Maunder
Australien hören
Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6522 5
Australien hören
Von der Regenbogenschlange der Schöpfung bis zur multikulturellen Gegenwart führt die Reise. In 20 Kapiteln für die Ohren wird dieser extreme und noch nicht so lange bekannte Kontinent vorgestellt. Der heilige Berg Uluru ist die Heimat der Regenbogenschlange aus dem Schöpfungsmythos der Aborigines. Für die Ureinwohner sind Mensch, belebte Natur, Geschichte und Landschaft untrennbar. Ebenso untrennbar sind die physische und geistige Wirklichkeit. Die Verschmelzung von Erzählungen, Gesängen, Klängen und Felsbildern erschließt den Kontinent und die spirituelle Landschaft. Diese Verschmelzung kommt bei den über 300 Völkern mit ihren verschiedenen Sprachen und Dialekten variantenreich zum Ausdruck.
Eigentlich müsste man sich wünschen, dass Australien nie von Willem Jansz und James Cook entdeckt worden wäre. Denn für in Europa hochgelobte Entdeckungen zahlten seit jeher die indigenen Bevölkerungen den höchsten Preis. Wenn heute an Australien gedacht wird, stehen die schönsten Seiten der Natur im Vordergrund, aber weder Völkermord noch Ökokatastrophen. So erhielten die ursprünglichen Australier, die Aborigins erst 1957 australische Bürgerrechte. Ab 1962 durften Aborigines wählen. Bis 1970 wurden Kinder aus ihren Familien gerissen und zur Umerziehung geschickt. Rechte auf ihr eigenes Land wurden ihnen erst 1976 zuerkannt. Unfassbar ist, dass der Premierminister von Australien erst im Jahr 2008 Worte der Entschuldigung für die an den Aborigines begangenen Verbrechen - Vertreibungen, Massaker und Kindsraub - fand. Kein Wunder, dass der am 26. Januar begangene ”Australia Day” der Weißen zum “Invasion Day” für die Aborigines wurde.
Die Kolonisation Australiens war in jeder Hinsicht unrühmlich. Die englische Öffentlichkeit stellte sich nicht ihren sozialen Problemen. Stattdessen sorgten ein restriktives Rechtssystem und eine ebensolche Deportationspolitik für Nachschub an Sträflingen - darunter auch Kinder - in Australien. Traurige Berühmtheit erlangte dabei die ausbruchsichere Strafanstalt Port Arthur, die in ihrer Unmenschlichkeit durchaus Vergleiche mit Auschwitz und Guantanamo zulässt.
Alle Aspekte von Kunst und Kultur sind durch die australische Geschichte und ihrer Siedler durchdrungen. Die Erforschung des Landesinneren des 5. Kontinents ist untrennbar mit Ludwig Leichhardt verbunden. 1973 erhielt der Australier Patrick White den Literaturnobelpeeis. Für seinen Roman “Voss” diente die schillernd Persönlichkeit Leichhardt als Vorlage. Später entstand aus dem Stoff noch eine Oper. Sogar der Impressionismus hat mit der ”Heidelberg School” eine eigene australische Variante entwickelt. Der erste abendfüllende Film (1906) entstand in Melbourne und behandelte die Geschichte des Volkshelden Ned Kellys, dem Sidney Nolan (1946/47) in einem Bilderzyklus ein weiteres Denkmal setzte. Musikzitate, die den gesprochenen Text begleiten und stellenweise unterlegen, sind von einer außergewöhnlichen Vielfalt.
Hilke Mauner weiß, worüber sie schreibt. Die Journalistin hat die zahlreichen Facetten Australiens in vielen Berichten und Reiseführern verarbeitet. Spannend und aus erster Hand vermittelt sie einen vielfältigen und kritischen Überblick zur australischen Kultur. Selten ist ein Kontinent, ein Land und seine kulturelle Vielfalt einladender geschildert worden.
Andreas Fröhlich spricht, was Hilke Maunder über den 5. Kontinent berichtet. Wer bei dem Klang seiner Stimme an John Cusack, Ethan Hawke und Edward Norton erinnert wird, hat richtig gehört. Er ist der deutsche Synchronsprecher, der hier seiner stimmlichen Bandbreite zum großen Ergötzen der Hörer frönen darf.
Roswitha Rösch gestaltet das Booklet in den erdigen Farben Australiens, die die Präsenz der Regenbogenschlange erahnen lassen.
Der Hörgenuss “Australien” aus der vielfach prämierten Länderreihe des Silberfuchs Verlags überflügelt den hohen Standard, der mit den Vorgängern geschaffen wurde.
Hörproben
© S. Strohschneider-Laue
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Tags:Australien, Ebensolch Rez-E-zine 64/10, Hören, Kultur, Kunst, Literatur, Musik, Reise, Sistlau, Völkerkunde
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Dienstag, 28. September 2010

Antje Hinz, Josef Tratnik
Argentinien hören
Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 19 5
Argentinien hören
Argentinien, dem Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, ist die musikalische Reise nach von Antje Hinz gewidmet. Dramatische Musikzitate verbunden mit der fesselnden Erzählstimme von Josef Tratnik lassen die gehaltvollen 80 Minuten viel zu kurz erscheinen.
Das Konzept der Hörreisen ist ebenso innovativ wie zeitlos. Exzellent recherchierte Inhalte und für einen flüssigen Vortrag geschriebene Texte garantieren, dass aufmerksames Zuhören selbstverständlich wird. Musikzitate begleiten, akustisch gleichberechtigt, den chronologisch aufgebauten Text. Stimmungsvoll erzählt und perfekt produziert, kann man sicher sein, in jeder Hinsicht ein Qualitätsprodukt zu erwerben. Das eingespielte Team und die konsequente Linie des Silberfuchsverlags spiegeln sich auch im Cover und im attraktiv-übersichtlichen Booklet wider, das von Roswitha Rösch gestaltet wurde.
Zu Argentinien hat wohl jeder eine bestimmte Vorstellung und erfasst damit meist nur einen schmalen Aspekt dieses riesigen Landes. So vielfältig wie Geografie und Klima ist auch die Kultur und die schmerzhafte Geschichte des Argentiniens. Das Silberland (lat. argentum = Silber) mit seinem Silberfluss (Rio de la Plata) war Lebensraum von 30 Ethnien bevor im 16. Jahrhundert Spanier und Katholizismus über das Land hereinbrachen. Einwanderungswellen bildeten seither einen kulturellen Schmelztiegel. Reiche und Arme, Wirtschaftsflüchtlinge, politisch Verfolgte und verfolgte Politiker begegnen sich in Argentinien. Alles ist hier möglich: Jesuiten und Gauchos, Perón und Borges, Königreich, Diktatur und Republik, Terror, Theater und Tango. Jorge Luis Borges sagte treffend über seine Landsleute: “Sie sind Italiener, die Spanisch sprechen und gerne Engländer wären, die glauben, in Paris zu leben”.
Argentinien in 80 Minuten gelungen zu präsentieren, kann nur den Silberfüchsinnen gelingen. Von den Mythen der Ureinwohner in Feuerland, über indigene Völker und Zuwanderungswellen wird der Bogen über Kultur und Politik unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Traumata bis in die Gegenwart gespannt. “Argentinien hören” ist ein Hauch Tango in den Ohren.
Hörproben
© S. Strohschneider-Laue
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Sonntag, 20. Juni 2010

Annemarie Schwarzenbach
Orientreisen
Herausgegeben von Walter Fähnders
edition ebersbach 2010, 192 S.
ISBN 978 3 8691 5019 2
Orientreisen: Reportagen aus der Fremde
Annemarie Schwarzenbach war Historikerin. Ihre Zugehörigkeit zu eine reichen, angesehen Schweizer Familie ermöglichte ihr zumindest wirtschaftliche Unabhängigkeit, wenn auch die inhaltliche Unterstützung ausblieb. Die intelligente Beobachterin fährt mit offenen Augen durch Europa, den Orient und Amerika und sie behält ihre dabei gewonnenen Eindrücke sowie bedrückenden Erkenntnisse nicht für sich. Sie ist unverhohlen lesbisch, antifaschistisch und definitiv ihrer Zeit und zuweilen ihrer Familie zu weit voraus. Als Autorin, Fotografin und Reporterin wird sie bekannt. Viel zu jung stirbt sie bereits mit 34 Jahren nicht an den Folgen ihres Drogenmissbrauchs, sondern durch eine Fehldiagnose ihrer Kopfverletzungen nach einem Fahrradunfall.
Zwischen 1933 und 1940 bereiste Annemarie Schwarzenbach währen vier Reisen den Orient. Die Reisereportagen der außergewöhnlichen Schweizerin bestechen durch ihre vielfältige Mischung aus historischen, zeitgeschichtlichen und persönlichen Eindrücken. Sie sind zugleich präzise auf den Punkt gebrachte Sozial- und Befindlichkeitsstudien. Denn Austauschbarkeit scheint nicht nur die logistischen Strukturen römische Legionslager zu betreffen, sondern auch weltweite Hotelketten und ihre NutzerInnen. Annemarie Schwarzenbach hält diese Beliebigkeiten fest und spießt sie auf, wie eine Insektensammlerin ihre Trophäen. Sie beobachtet die Reisenden - die heute genauso sind, aber massenhafter auftreten - wie sie genau das tun, was daheim von ihnen erwartet wird. Sie besuchen die richtigen Länder, sehen dort die richtigen Sehenswürdigkeiten, essen und trinken das Richtige - also das was man von daheim kennt -, schlafen in der richtigen Hotelkette, sprechen mit Ihresgleichen über die Banalitäten ihrer eigenen Wichtigkeit und hätten den Einheimischen einen großen Gefallen getan, wenn sie daheim geblieben wären. Es liest sich, als ob der Kolonialismus nahtlos durch Tourismus ersetzt wurde, getragen von der gleichen Gesinnung.
Wie moderne, inhaltsstarke Videoclips sind die bewusst nicht chronologisch gereihten Texte zu lesen. Schwarzenbachs Stil und Themenwahl hat ihre Aktualität in den letzten über 65 Jahren nicht verloren. Die Lektüre bleibt Seite für Seite ein fesselnder, inhaltsstarker Genuss.
Im Anhang setzt sich der Herausgeber mit dem Werk von Annemarie Schwarzenbach auseinander. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stehen die vorgelegten Reportagen aus der Fremde und leider nur äußerst randlich die Autorin selbst.
© S. Strohschneider-Laue
Orientreisen: Reportagen aus der Fremde
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Mittwoch, 09. Dezember 2009

Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museum für Völkerkunde Wien, Historisches Museum Bern (Hgg.)
James Cook und die Entdeckung der Südsee
Hirmer 2009, 276 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 7774 2121 6
James Cook und die Entdeckung der Südsee
Nichts vermag den Ruhm so zu beflügeln wie ein unerwarteter Tod unter ungeklärten Umständen. Das gewaltsame Ableben von James Cook auf Hawaii ist keine Ausnahme. Dem Seefahrer wurden posthum Gedichte, Theaterstücke, Gemälde, Münzen und Medaillons gewidmet. Sein Name wurde zum Synonym der Erforschung der Südsee.
Auch in dem Buch “James Cook und die Entdeckung der Südsee”, das anlässlich der gleichnamigen Ausstellung erschienen ist, dient Cook als Leitfigur. Die drei Reisen unter seinem Kommando führen als roter Faden durch die Weiten des Themenspektrums einer stattlichen Anzahl von Aufsätzen, die als Inseln des Wissens von den im Geiste mitreisenden LeserInnen angelaufen werden können. Entlang des Weges ist die Person James Cooks (1728-1779) der Ausgangs- und Referenzpunkt für die Erzählung über die Geschehnisse und Leistungen, die in Verbindung mit den Weltumsegelungen stehen: Von den Errungenschaften der an den Expeditionen teilnehmenden Wissenschaftler und Künstler über den zu dieser Zeit herrschenden Forschungsstand bis zu den Begegnungen mit den Bewohnern des Pazifiks spannt sich der Bogen der 26 Essays. Erfreulich ist der in den Texten dargebotene Facettenreichtum der Sichtweisen. Cooks Tod durch die Hand eines hawaianischen Kriegers ist dafür ein gutes Beispiel. Sowohl die eurozentrische Schilderung und Interpretation der Bluttat als auch die hawaianische Sicht des historischen Ereignisses und seines Kontexts werden ausführlich dargelegt. Dass nicht nur die Perspektive der Entdecker, sondern auch jene der Entdeckten berücksichtigt wird, ist eine Bereicherung des Wissens über eine Epoche die prägend für das europäische Selbstverständnis war.
Die Abenteuer des unerschrockenen Kapitäns, der vor allem als Kartograph und Navigator große Leistungen vollbrachte, stehen in engem Zusammenhang mit der Aufklärung und dem Bestreben die Welt zu erforschen. So hatte Cook nicht nur den Auftrag Land für England in Besitz zu nehmen und den großen Südkontinent zu suchen, er sollte auf seiner ersten Reise auch Tahiti anlaufen, um dort gemeinsam mit dem Astronom Charles Greene den Venusdurchgang zu beobachten. Weitere Stationen dieser von 1768 bis 1771 dauernden Entdeckungsfahrt waren Neuseeland, Australien und Batavia. Dass sich gerade Cooks erste Reise als Meilenstein für die Wissenschaft erwies, war jedoch weder ihm noch der Weitsicht der Admiralität, sondern dem Privatgelehrten Joseph Banks zu verdanken, der sich auf eigene Kosten mit seinem Forschungsteam an der Reise beteiligte. Die von ihnen gesammelten Pflanzen und Tiere, ethnografischen Objekte, Zeichnungen und Gemälde gingen in die Tausende. Kaum zurück in England war Mr. Banks Reise in aller Munde. An der nächsten Expedition in die Südsee nahm Joseph Banks wegen seines Zerwürfnisses mit der Admiralität nicht teil. Als Cook 1772 neuerlich in See stach, befanden sich als Naturforscher Johann Reinhold Forster und sein Sohn Georg an Bord. Die Fahrt ging nach Neuseeland, Tahiti, Tonga, Vanuatu, Neukaledonien sowie zu den Oster- und Marquesas-Inseln. Diesmal gehörte nach der Rückkehr 1775 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ganz James Cook - der es sich nicht nehmen ließ, den Abschlussbericht selbst zu schreiben.
Für die dritte Reise, die 1776 begann und nach Tonga, Tahiti, der nordamerikanischen Pazifikküste und Hawaii führte, verzichtete Cook auf die Mitnahme von offiziellen Wissenschaftlern. Die Bedeutung der bildlichen Dokumentation wurde allerdings erkannt und in die Hände des Malers John Webber gelegt.
Den von zahlreichen Abbildungen aufgelockerten Essays des Buches “James Cook und die Entdeckung der Südsee” steht ein vortrefflich bebilderter Katalog zur Seite, der 599 Einträge umfasst. Nahezu jedes der Objekte ist mit einer ausführlichen Erklärung versehen. Es zahlt sich aus, in diesen zumindest zu schmökern, denn sie geben - zum Teil belebt durch Zitate aus den Aufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer - faszinierende Details preis. Von den zwischenmenschlichen Beziehungen der Expeditionsteilnehmer ist im Kleingedruckten ebenso zu lesen wie über Beobachtungen von Ritualen und die Verwendung von Navigationsinstrumenten oder ethnografischen Artefakten.
Wer Auszüge aus den Reisedokumentationen und repräsentative Objekte im Original bestaunen möchte, hat bis Februar 2011 noch an folgenden Orten die Gelegenheit zu einem Besuch der Ausstellung “James Cook und die Entdeckung der Südsee”:
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland 28. August 2009 bis 28. Februar 2010, Museum für Völkerkunde Wien 10 Mai bis 13. September 2010, Historisches Museum Bern 7. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011
© Ch. Ranseder
James Cook und die Entdeckung der Südsee

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Tags:Ausstellung, CRans, Ebensolch Rez-E-zine 58/09, Katalog, Neuzeit, Reise, Völkerkunde
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Mittwoch, 18. November 2009

Peter Pannke, Lisa Fehrenbach
Indien hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 13 3
Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart
Die klingenden Reisen sind unverwechselbar. Kompakt und stimmungsvoll zugleich verführen sie zu Ohrenreisen in die Ferne. Fundiert aufbereitet, wird die Kulturgeschichte des jeweiligen Landes erzählt. Das klangliche i-Tüpfelchen bildet die jeweilige Kombination aus exzellentem Sprecher und mit Bedacht gewählten Musikzitate. Gemeinsam komplettieren sie die sinnliche Atmosphäre aller Hörreisen. Die anspruchsvollen Produktionen erfreuen durch ihre grafische und akustische Aufbereitung Augen und Ohren gleichermaßen. Aber das wirklich Besondere an Ihnen ist, dass sie wertfrei neugierig auf das Andere, das Fremde machen.
Auf Indien muss man allerdings nicht neugierig machen. Unvorstellbar das Land der Vielfalt nicht reizvoll zu finden. Indien denkt, fühlt und lebt in anderen Dimensionen. Nicht nur hinsichtlich Bevölkerung, Kulturen und Sprache ist Indien ein bunter Gigant. Mitprägend waren für die Entwicklung Indiens die Ausbreitung des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Islam, Bhakti-Kult, Sufismus, Sikhismus oder auch des Krishna-Kults. Die von innen und von außen kommenden politischen Veränderungen waren zusätzliche Faktoren, die Indien einen nachhaltigen Stempel aufdrückten.
Die neue klingende Reise aus dem Silberfuchs Verlag vermittelt einen akustischen Farbrausch für die Ohren, der Indien mehr als nur gerecht wird. Von den frühen Schöpfungsmythen, über politische, philosophische und religiöse Strömungen bis zum modernen Indien des Mahatma Gandhi, Bollywood oder auch Slumdog Millionär wird der Bogen gespannt. Die enorme Herausforderung eine gewaltige Informationsfülle auf 80 Minuten zu verdichten, ist genial bewältigt worden. Die spannende Aufbereitung in Kombination mit der Stimme von Rufus Beck verführt immer aufs Neue zum Wiederhören. Mit traditioneller indischer Musik unterlegt, entsteht ein Klangerlebnis, das Ohren Curry hören, riechen und schmecken lässt. Dass die Augen bei diesem inhaltlichen und akustischen Fest nicht zu kurz kommen, dafür hat Roswitha Rösch mit farbenprächtiger Gestaltung von CD, Cover und Booklet gesorgt.
Hörprobe
© S. Strohschneider-Laue
Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart
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Dienstag, 17. November 2009

Jan Mokre (Hg.)
Annäherungen an die Ferne
Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek
Kremayr&Scheriau 2009, 224 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 218 00795 5
Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek
Habgier kennt keine Grenzen. Weltumspannendes Agieren auf der Suche nach Profit ist keinesfalls eine Erscheinung des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Globalisierung mag auf einem vorläufigen Höhepunkt angekommen sein, ihre Wurzeln hingegen reichen tief in die Vergangenheit zurück.
Als die Europäer sich aufmachten die Welt zu entdecken, taten sie dies nicht weil ihnen Fragen der Wissenschaft oder Erkenntnisgewinn um seiner selbst willen am Herzen lagen. Es ging, wie immer, um Geld und Macht. Expeditionen wurden ausgesandt, um Land in Besitz zu nehmen, wertvolle Rohstoffe auszubeuten und Luxusgüter zu finden. Die zu Beginn des 17. Jahrhunderts gegründeten Handelsgesellschaften genossen Privilegien und konnten in vieler Hinsicht wie ein Staat auftreten. Das Sammeln von Informationen erfolgte als zweckgebundene Begleiterscheinung, die gewonnenen Kenntnisse wurden oft geheim gehalten. Wer sich die Erde untertan machen möchte, muss erst einmal wissen, wie sie aussieht und beschaffen ist, wer beziehungsweise was auf ihr lebt und wie man am schnellsten von Punkt A nach Punkt B kommt. Die Vermessung der Welt ging Hand in Hand mit einer Bestandsanalyse. Fleißig wurde gezeichnet, beschrieben und gesammelt. Reisen erweitert - nolens volens - den Horizont. Kartenwerke, Reiseberichte, ethnografische und geografische Schilderungen, botanische und zoologische Schriften sowie Sammlungen von Objekten aller Art vermittelten den europäischen Eliten Kenntnisse über ferne Länder und ihre Bewohner. Dreh- und Angelpunkt der Verbreitung des neuen geografischen Wissens waren die Verlagshäuser, die aufwändig gestaltete Atlanten und Bücher über die Menschen, Flora und Fauna fremder Erdteile herausbrachten. Heute gehören diese historischen Zeugnisse der Erkundung der Welt zu den Beständen großer Universalbibliotheken, zu denen auch die Österreichische Nationalbibliothek zählt.
In dem reich bebilderten Buch “Annäherungen an die Ferne” präsentiert die Österreichische Nationalbibliothek Kostproben aus ihrer Sammlung geografischer Aufzeichnungen. Im Mittelpunkt der Betrachtung des europäischen Wissensstandes über Afrika, Asien und Amerika steht das 17. Jahrhundert, in dem nicht nur der Fernhandel erblühte, sondern auch das Verlagswesen Glanzleistungen hervorbrachte. Zu den schönsten, umfangreichsten und zu seiner Zeit teuersten Atlanten zählt der, 1662 im Amsterdamer Verlag Blaeu erschienene, “Atlas Maior sive Cosmographia Blaviana”. Mit seinen über 600 Karten stellt er - gleichsam als Spiegel der zu dieser Zeit bestehenden Kenntnisse über das Aussehen der Erde - eine einzigartig reichhaltige Bildquelle dar.
Jede der für das Buch “Annäherungen an die Ferne” ausgesuchten Bildquellen hat ihren eigenen visuellen Reiz. Im 17. Jahrhundert gab es auf den Landkarten noch viele weiße Flecken. Der Fernhandel erfolgte weitgehend auf dem Seeweg, folglich waren die Küsten und ihr Hinterland bis ins 19. Jahrhundert besser bekannt und erforscht als das Innere der Länder und Kontinente. Zeichner griffen oft auf fragwürdige Berichte zurück und ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Sie bevölkerten die Meere mit Ungeheuern und das Festland mit seltsamen Kreaturen, darunter die Acephalen (Kopflosen) und das einäugige Monoculi. Mit der Zeit wurde der Glaube an Mythen wie Eldorado und Fantasiewesen, die in fernen Ländern angeblich anzutreffen seien, durch Beobachtungen und verlässliche Augenzeugenberichte entkräftet. Die Europäer lernten schnell. Ihre von Illustratoren, Kartografen und Kupferstechern festgehaltenen Irrungen machen aus den Bildquellen charmante Zeitzeugnisse.
Was die attraktiven Land- und Seekarten, Kupferstiche mit Szenen des Alltags der fremden Völker, botanischen Illustrationen und anderen Bildquellen nicht selbst Preis geben, ist den hervorragenden Texten zu entnehmen. Nach Kontinenten gegliedert, erzählen die Autoren des Buches “Annäherungen an die Ferne” von den Fahrten und Taten der Eroberer und Kaufleute, die durch ihr Handeln in wenigen Jahrhunderten nicht nur das Anlitz der Erde, sondern auch das Leben fremder Völker gründlich veränderten. Die Europäer waren im Umgang mit der Natur und der indigenen Bevölkerung nicht zimperlich. Selbst kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Kolonialmächten waren keine Seltenheit, wenn es um den Schutz eines Monopols oder anderer wirtschaftlicher Vorteile ging. Diplomatische Missionen, die vor allem in den Beziehungen zu China und Japan eine bedeutende Rolle spielten, folgten wiederum anderen Regeln. Virtuos verbinden Jan Mokre, Elisabeth Zeilinger und Helga Hühnel in ihren Essays kartografische, politische, völkerkundliche, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte der Begegnung Europas mit dem Rest der Welt.
Eine gut bestückte Bibliothek, wie es die Österreichische Nationalbibliothek zweifelsohne ist, kann durch die Präsentation ihrer Schätze zur Zeitmaschine werden. Das Buch “Annäherungen an die Ferne” lädt ein zu einer Reise zurück zu den Anfängen der Globalisierung.
© Ch. Ranseder
Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek
siehe auch:
Ausstellungsrezension
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Sonntag, 30. August 2009

Juliane Buschhorn-Walter, Claudia von Holten (Hgg.)
El tesoro de cuentos
Der Märchenschatz
Silberfuchs 2009, 110 S., farbig illustriert.
Zwei CDs (Deutsch/Spanisch), 122′
ISBN 978 3 940665 05 8 (Print)
ISBN 978 3 940665 11 9 (Audio)
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
Es ist nie zu spät Sprachen zu lernen, aber man kann nicht früh genug damit beginnen. Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen, ist eine wertvolle Grundlage für das ganze Leben. Die Sprachschule Amiguitos hat sich auf Spanisch und Italienisch für Kinder spezialisiert. In Zusammenarbeit mit Silberfuchs erscheinen zu den Sprachprogrammen begleitende und hochwertige Print- und Audioprodukte, die auch unabhängig vom Kursbesuch eine Bereicherung darstellen.
Der “Märchenschatz” liegt als Buch und Audio-CD vor und sollten m. E. auch solche zum Einsatz kommen. Die 15 Stories aus Spanien und Lateinamerika werden zweisprachig geboten. Sie fördern neben dem sprachlichen auch das kulturelle Verständnis. Die sprachlichen Gemeinsamkeiten, aber auch die durch die Kulturkreise bedingten Unterschiede werden durch die getroffene Auswahl deutlich. Das hohe inhaltliche Niveau wird Kinder nicht überfordern, sondern sie in ihrem Sprachverständnis fördern. Ungebräuchliches wie Fachbegriffe oder historische Fakten werden ausführlich erklärt. Die in verschiedenen Farben sowie kursiv gesetzten zweisprachigen Textteile erleichtern den Lesefluss. Zugleich werden die Texte dadurch in übersichtlichen Häppchen aufgeteilt, so dass nicht der Eindruck einer riesigen und vielleicht abschreckenden Textflut entsteht.
Das exzellent gegliederte und ansprechend illustrierte Buch eignet sich zum Vorlesen und eigenständigem Lesen sowie Mitlesen in Verbindung mit dem Hörbuch (José Paniagua - Text, Ulli Simon - Musik, Peter Lohmeyer - Sprecher). Einen Sprachkurs können Buch und Audio-CD nicht ersetzen, sie werden aber bestehende Kenntnisse fördern und/oder zum Besuch eines Kurses anregen.
© S. Strohschneider-Laue
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
Siehe auch:
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder
- Rezension - Hörprobe
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Tags:ab acht, Ebensolch Rez-E-zine 54/09, Hören, Kommunikation, Literatur, Reise, Sistlau, Spanien, Völkerkunde
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Sonntag, 15. März 2009

Klaus E. Müller
Kleine Geschichte des Essens und Trinkens
Vom offenen Feuer zu Haute Cuisine
Beck 2009, 175 S., 16 Abb.
ISBN 978 3 406 58349 0

Kleine Geschichte des Essens und Trinkens: Vom offenen Feuer zur Haute Cuisine
Manche Bücher erinnern mich an glückliche Besuche in Museen. Die “Kleine Geschichte des Essens und Trinkens” ist so ein Buch. Beim Lesen entstand vor meinem inneren Auge das Bild eines Gemischtwarenladens, wie ich ihn unzählige Male in Stätten des kulturellen Bewahrens und Präsentierens gesehen habe. In meiner Fantasie roch der Raum nach altem Holz, Gewürzen, frischen Keksen und parfümierten Seifen. In hohen Regalen lockten dekorative Schachteln und Dosen, Schubladenkästen versprachen Delikatessen aus fernen Ländern, auf der Theke und am Boden stapelten sich Waren aller Art und von der Decke baumelten Körbe, Pfannen und Bürsten. Das Arrangement der Dinge erschien chaotisch und doch war bei näherer Betrachtung ein System zu erkennen. Viel Vertrautes fand sich im Sortiment, aber auch so manche Überraschung. Auf jedem Quadratmeter des vollgestopften, in Dämmerlicht gehüllten Raumes gab es etwas zu entdecken.
Für geistige Nahrung Suchende hält die “Kleine Geschichte des Essens und Trinkens” ein reichhaltiges Angebot an Informationen bereit. Klaus E. Müller verschmilzt europäische Kultur- und Sozialgeschichte, ethnologische Beobachtungen, Mythen und die Literatur des klassischen Altertums zu einer ganzheitlichen weltumspannenden Betrachtung des Essens und Trinkens. Zwölf Kapitel beherbergen - wundersamen Verpackungen gleich - kulinarische Ausflüge, die auf den Spuren des Genusses in großen Sprüngen durch Zeit und Raum führen. Von der mühsamen Nahrungsgewinnung in grauer Vorzeit über Hungerfantasien, Nahrungsgebote, Geschmacksvorlieben, Rituale der Gastfreundschaft und des Verhaltens bei Tisch bis zur Nahrung als Mittel der sozialen Abgrenzung sowie der Verknüpfung des Mahls mit sakralen Handlungen reicht das Themenspektrum. Das Hinzuziehen der Völkerkunde und die damit einhergehende Einbindung außereuropäischer Kulturen bringt eine Erweiterung des Horizontes und stellt die europäischen Gepflogenheiten durch die Verschiebung des Standpunktes in einen neuen Kontext.
Lässig geschrieben und unbehindert durch einen Fußnotenapparat ist das Buch ein unterhaltsamer und bildender Begleiter, der Dank seines kleinen Formats locker in (fast) jede Tasche passt.
© Ch. Ranseder
Kleine Geschichte des Essens und Trinkens: Vom offenen Feuer zur Haute Cuisine
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Tags:Antike, CRans, Ebensolch Rez-E-zine 49/09, Genuss, Mittelalter, Neuzeit, Steinzeit, Völkerkunde
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Montag, 17. November 2008

Museum für Völkerkunde, Wien
Neueröffnung einer Abteilung und drei Sonderausstellungen
Das Museum für Völkerkunde in Wien wird seit vier Jahren vor allem in den Arbeits- und Depotbereichen saniert. Jetzt ist wieder ein kleiner Teil der Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich. Ab dem 19. November ‘08 ist unter dem Motto “Götterbilder” die Abteilung “Süd-, Südostasien und Himalayaländer” als neueröffneter Teil der nach wie vor geschlossenen Dauerstellung zu sehen. Begleitet werden die zwei neuen Räume der Dauerausstellung durch die temporäre Präsentationen, die bis 2. März ‘09 Gegenwartskunst aus Sri Lanka, Bandwebereien und Fotografien aus Tibet präsentieren.
Süd-, Südostasien und Himalayaländer widmet sich mit 21 Vitrinen den Religionen. Neben Hinduismus, Buddhismus und Taoismus werden auch regionale Vorstellungen berücksichtigt. Das museale Konzept ist gekennzeichnet durch erhellte Objekte in dunklen Räumen und Texte, die auch den anspruchsvollen Besucher durch Umfang und gebotene Inhalte herausfordern. Weiterführende Informationen und innerer Zusammenhang können sich BesucherInnen vermutlich durch eine gesprächs- und/oder aktionsorientierte personale Vermittlung verschaffen oder den zusätzlichen Erwerb des Sammlungsführers. “…unser Museum ist das Schönste unter den vielen ethnologischen Museen, die ich schon gesehen habe…”, wurde bei der Pressekonferenz formuliert. Nun, ich habe in jeden Fall schon bessere als Wien gesehen. Allerdings bin auch ich von der schönen Architektur, soweit sie noch wahrnehmbar ist, angetan. Die internationalen Ansprüche an einen umfassenden und somit multisensorischen barrierefreien Zugang zur Ausstellung und ihren Inhalten, ganz im Sinne einer inklusiven Kultur für alle Menschen, entspricht diese Schau jedenfalls nicht.
Sri Lanka: KunstVoller Widerstand ist als Wanderausstellung konzipiert. Die zeitgenössischen Arbeiten konzentrieren sich auf das letzte Jahrzehnt. In Anbetracht, dass im Niederösterreichischen Landesmuseum zur Zeit u. a. durchaus sehenswerte Kinderarbeiten von Egon Schiele gezeigt werden, mag es verständlich sein, Werke von Kindern, die es durchaus mit der Kunst ihrer erwachsenen Kollegen aufnehmen können, einzubeziehen.
Straps & Bands. Textilien aus der Sammlung Foitl zeigt Kopfschmuck für Kamele und Pferde, Lastenbänder, Gürtel und viele Bänder mehr. 30 Jahre hat der inzwischen 80jährige Gerhard Foitl, Facharzt für Neurologie und Psychatrie, Webereien gesammelt. Deutlich war er mit Freude am Textil, Spaß am Ausprobieren, systematischen Untersuchen und Katalogisieren bei der Sache und hat gesammelt was ihm gefiel. Über 730 Objekte hat er zusammengetragen. Darunter Altes aus präkolumbische Zeit oder der Safawidenzeit und Junges aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Seine Bänder “umspannen” die Kontinente und sparen auch Österreich nicht aus. Natürlich werden nicht alle gezeigt. Sorgsam in Pultvitrinen gebettet, nehmen sie nämlich überraschend viel Platz im ebenso attraktiven wie uninformativen Weißraum ein. Immerhin meldet sich ab und an der Sammler persönlich durch Texte über Vitrinen zu Wort, der Kurator hält sich zurück. Die Sammlung gehört zur offensichtlichen Freude der Wissenschafter nach der Ausstellung dem Museum für Völkerkunde, Foitl bleibt neben der Erinnerung - eventuell den Fotos - zumindest der umfangreiche Katalog als Nachschlagewerk seiner Sammlung.

See Tibet now. Fotografien von Barbara Krobath ist das kleinste aber feinste Highligt des Ausstellungsreigens, das auch im Zeichen des Monats der Fotografie steht. Auf Augenhöhe mit der Abteilung “Süd-, Südostasien und Himalayaländer” präsentiert sie ihre Arbeiten, die in Osttibet von Menschen und Räumen entstanden. Mit einer 4×5 inch Graflex Plattenkamera richtete sie ein altes Objektiv auf eine durch China zum Tode verurteilte Kultur und deren RepräsentantInnen. Die dabei entstandenen Aufnahmen von Tibetern zwischen Neonlicht und Automatikwaffen wirken hypnotisch-historisierend. Dennoch ist die Fotoserie keine Reportage. Es sind Momente der Vergänglichkeit, die nach dem Olympia-Kommerz schon wieder aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit verschwunden sind. Gelungene Bilddokumente auf einen Istzustand der nach acht Jahren längst der Vergangenheit angehört, obwohl er zugleich die zukunftsarme Gegenwart repräsentiert. Das zur Ausstellung bereitgestellte Diskussionsboard bietet die Möglichkeit die Ausstellung zu kommentieren. Die sprechenden Bilder laden jedenfalls dazu ein.

© S. Strohschneider-Laue
Siehe zu Barbara Krobath auch:
Das Land der Stille
Die neue Welt des Weines. Österreich auf dem Weg zur Weltklasse
Licht-Jahre: 15 Jahre Christoffel-Blindenmission Österreich
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Tags:Ausstellung, Ebensolch Rez-E-zine 45/08, Fotografie, Kunst, Sistlau, Völkerkunde, Wien
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Donnerstag, 23. Oktober 2008

Corinna Hesse
Deutschland hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 02 7
Deutschland hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Deutschlands
Nominiert zum Deutschen Hörbuchpreis (2007 beste verlegerische Leistung, 2008 beste Information), war die Länderreihe schon zweimal. Die Ausstellung “Das “Auge hört mit” würdigte die Leistung auf der Leipziger Buchmesse und jetzt folgt brandaktuell der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Also wer es bis jetzt nicht gemerkt hat, dass diese Ländereihe ein ebsno kurzweiliges wie fundiertes Hörerlebnis ist, sollte spätestens jetzt die Ohren aufsperren und zuhören.
Gelegenheit dazu bietet “Deutschland hören”, das nach Frankreich hören und Türkei hören den diesjährigen Länderreigen schließt. Passend zum Tag der Deutschen Einheit erscheint die moderne Silberscheibe, die grün und golden wie die urzeitliche Bronzescheibe von Nebra gestaltet ist. Ein optischer Geniestreich, denn das bronzezeitliche Objekt aus Deutschland hat weltweite Schlagzeilen gemacht und kulturelle Wellen geschlagen. Sie macht auch den thematischen Auftakt zu den zwanzig Hörkapiteln rund um das kulturelle “Deutschland”. Die “Germania” des Römers Tacitus, die Merseburger Zaubersprüche und Hildebrandslied, mit der passenden musikalische Untermalung von Duivelspack, werfen bezeichnende Schlaglichter römische Wahrnehmung und germanische Selbstsicht. Nach dem geschmiedeten Himmel, im Spiegel des Feindes und Wodans Fährte, wendet sich die CD dem Bildung mit System unter Karl dem Großen zu. Schöner Schein und blutiger Ernst (Walther von der Vogelweide, Nibelungenlied) beschließen das Mittelalter. Mit dem brennenden Gott (Isenheimer Altar), Büchernarren - gefallene Engel und der Kraft des Wortes wird mit Grünewald, Brant, Dürer, Luther die Neuzeit eingeläutet. Meistersinger, Doktor Faust, Dreißigjährigem Krieg und Simplicissimus stehen in Folge für die Suche nach Ordnung und die Kollision von Gegensätze, während im Kapitel “Alles nach Maß und Zahl”, der harmonische Kosmos von Kepler bis Bach im Mittelpunkt steht. Philosophie und Bildung unter Friedrich dem Großen, Menschheitsdramen im Zeichen der Aufklärung von Lessing und Goethe sowie die freiheitliche Ideale am Beispiel von Schiller und Beethoven zeigen einen neuen Wendepunkt auf. Es folgt die staatliche Selbstfindung nach dem Wiener Kongress, eine Neuordnung, die in Folge die Proletarier aller Länder zur Vereinigung aufruft und 1848 für ein Jahr zu einem frei gewählten Parlament führt. Das Deutsche Reich entsteht aus Geld und Gewalt und baut auf Übermenschen und Untertanen. Die inhaltlichen und kulturellen Gegensätze prallten schon vor dem Ersten Weltkrieg aufeinander und werden anschließend zwischen Dada und Bauhaus zum neuen Ausdruck. Und trotzdem zeichneten sich die ”Notzeiten für Blechtrommler” bereits ab auch wenn man das Volk nicht abwählen konnte. Getrennte Entwicklungen unter kommunistischen und kapitalistischen Vorzeichen konnten die Identitätssuche nicht stoppen. Wie das letzte Kapitel “Von Zimmerspringbrunnen und Hobbygärtner” Deutschland treffend nach der Wiedervereinigung beleuchtet.
Ein spannender Abriss, dem man in seiner Leichtigkeit nicht anmerkt wie schwierig es gewesen sein muss in 80 Minuten nur die wesentlichsten Highlights der fast ausschließlich von Männern geprägten Kulturgeschichte herauszupicken. Die identitätstiftenden Höhenflüge sowie unmenschlichen Tiefpunkte wurden im Hörbuch “Deutschland Hören” zu einem kritischen Kulturreigen über und für die Deutsche Bevölkerung. So eingängig-nachhaltig muss Pflichtlektüre für die Ohren sein. Genial geschrieben von Corinna Hesse, genial gelesen von Rolf Becker und grafisch von Roswitha Rösch als echter Blickfang gestaltet. Bitte mehr davon!
Hörprobe
© S. Strohschneider-Laue
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Tags:Antike, Deutschland, Ebensolch Rez-E-zine 44/08, Europa, Hören, Kultur, Kunst, Literatur, Mittelalter, Moderne, Musik, Neuzeit, Reise, Sistlau, Völkerkunde
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Sonntag, 01. Juni 2008

Martin Greve
Türkei hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 79′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 01 0
Türkei hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Türkei
Selbst erfahrene Türkeireisende werden hier in einem geballten Überblick vom mythischen Ursprung bis in die Gegenwart sehr viel bislang Unbeachtetes erfahren. In zwanzig Kapiteln begleitet man das ursprünglich nomadische Volk aus Zentralasien. Der religiöse Schmelztiegel des Islam eint die Kulturen. Die Religion, Politik und Kunst werden untrennbar und die Ausweitung des Reichs aus Zentralanatolien gen Westen unaufhaltbar. 1366 fällt Adrianopel, 1453 schießen die Osmanen ein Loch in die mächtige Stadtmauer von Byzanz. Die letzte Erinnerung an oströmisches Erbe wird damit ausgelöscht. Die Hagia Sophia wird von christlicher Kirche zur Moschee deklariert. In kurzer Zeit wird die Stadt Konstantinopel zur Mega-City mit 400.000 Einwohnern. Erfolgreiche Kriegszüge lassen die Janitscharen, die Infantarie, in Folge zum Schrecken Europas werden. Bereits 1529 stehen sie - allerdings vergeblich - vor den Toren Wiens und 1683 belagern sie die Stadt wieder erfolglos. Das türkische Heer hat für Europa einen Teil seines Schreckens eingebüßt, dafür wird die türkische Kultur zur Mode. Aber auch der Austausch mit den westlichen europäischen Kulturen hat seine Spuren unter anderem in Musiktradition oder den Militärreformen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.
Vom frühen Dichter Yunus Emre bis zum Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk der Gegenwart spannt sich der literarische Bogen. Kalligraphie, Buchdruck und Malerei, Musik, Tanz und Islam gehen in der türkischen Kultur eine einzigartige Verbindung ein, die vom großen Vielvölkerstaat geprägt wird. Leichthändig und politsch sensibel, wird die Türkei als vielschichtiger und historisch wechselvoller kultureller Reigen präsentiert. Lebendig, sinnlich und traurig sind die ausgewählten Musikzitate. Sie stehen als harmonischer und dennoch fast gleichwertiger Bestandteil neben der ruhigen Stimme des Sprechers Ercan Durmaz. Mit roten Tulpen und weißen Derwischen auf türkisem Hintergrund hat Roswitha Rösch wieder kluges Gespür für passendes Cover- und Bookletdesign bewiesen.
Man muss die Silberfuchsreisen einfach alle haben. Unglaublich, aber fast besser als eine echte Reise und viel billiger! Ganz abgesehen davon, ist die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse 2008. Kurzweiliger und stimmiger kann man sich wirklich nicht kulturhistorisch über die Türkei informieren.
Hörprobe
© S. Strohschneider-Laue
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Freitag, 30. Mai 2008

Barbara Barberon-Zimmermann
Frankreich hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9810 7258 7
Frankreich hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die französische Kulturgeschichte bis in die Gegenwart
Die neueste Ohrenreise führt nach Frankreich und nimmt ihren Ausgang nach dem Einsetzen der Schriftgeschichte. Gergovia und die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Galliern und Römern machen somit anhand des berühmtesten und französischsten aller Franzosen - Asterix - den Auftakt. Wie bei Asterix ist der Sieg in Erinnerung während die endgültige Okkupation durch der Römer verdrängt wird.
In der gebotenen Fülle ist für die exzellente Audio-CD der knappe Einstieg trotzdem kein Schaden. Die wichtigsten kulturhistorischen Ereignisse folgen in einem attraktiven Reigen. Bestechend ist auch wieder die ausgewogene Mischung aus Musik und Text. Zwanzig geballte Kapitel für über zweitausend Jahre französische Geschichte bieten einen guten Überblick über Krieg und Frieden sowie Kunst und Kultur, die den Nährboden stellen aus denen Staaten entstehen. Von Galliern und Römer, Karl der Große, Troubadoure und durch die Jahrhunderte immer wieder Literatur, Kathedralen, Johanna von Orléans, Bartholomäusnacht, Sonnenkönig, Revolution, Impressionisten und Surrealisten bis zur Kultur der Erinnerung entsteht beim Hören ein eindrucksvolles Porträt vom Werden Frankreichs.
Vielschichtig aufbereitet, mit genialer musikalischer Umrahmung und nicht zu letzt eindringlich von Dietmar Muse gelesen, schafft es die CD neugierig auf Frankreich und mehr zu machen: Vor allem mehr Musik und mehr Literatur. Interessant, was man plötzlich wieder für Bücher aus den Regalen zieht und welche Musik man plötzlich wieder in den CD-Player schiebt.
Es ist zwar schade, dass auf wesenliche Teile der Urgeschichte mit ihren exzeptionellen archäologischen Funden und Orten verzichtet wurde, die trotz mangelnder schriftlicher Zeugnisse dieser frühen Epochen hätten berücksichtigt werden können, aber der geballte 2000jährige “Rest” ist wahrlich genug für eine einzige Audio-CD.
Fest steht, dass man bei dieser Hörbuchserie süchtig wird. Und das geling mit Frankreich hören allemal, zumal auch die optische und haptische Ausstattung von Roswitha Rösch wieder äußerst ansprechend gelungen ist.
Hörprobe
© S. Strohschneider-Laue
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Mittwoch, 23. April 2008

Corinna Hesse
Israel hören. Das heilige Land
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 00 3
Israel hören - Das heilige Land (Audio-CD)
Am 14. Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel. Der 60. Gründungstag Israels im Jahr 2008 ist Anlass für die klingende Reise “Israel hören”. Die Audio-CD erscheint am 13. Mai in der bewährten Länderreihe (s. a. Rezensionen zu China hören, Russland hören, Ungarn hören; Hörproben Silberfuchs Verlag) der beiden Kulturjournalistinnen Corinna Hesse und Antje Hinz.
In 80 fesselnden Minuten wird der zeitliche Bogen von den biblischen Überlieferung bis in die Gegenwart gespannt. Die dramatische Geschichte, die von Vertreibung und Verfolgung ebenso gekennzeichnet ist wie von kultureller Hochblüte und Rückkehr, wird anhand wesentlicher Ereignisse aufgezeigt. Viele davon sind nicht nur archäologisch nachgewiesen, sondern im meist gelesenen Buch der Welt, der Bibel, schriftlich überliefert. Die verbindende Elemente und Ursprünge der drei großen Weltreligionen werden dabei sensibel abseits der religiös-politischen Reibungsflächen in die historischen Betrachtungen einbezogen. Die Bewahrung alter Traditionen als zentrales Element wird leicht verständlich aufbereitet. Die sich aus der wechselvollen Geschichte ergebende kulturelle Brücke aus Orient und Okzident wird zuletzt noch anhand der Sichtweisen zeitgenössischer Künstler aufgezeigt.
Interessierte Menschen jeden Alters zu erreichen, gelingt der Länderreihe spielend. Das Ziel mit “Israel hören” insbesondere jüngere Menschen anzusprechen, geht jedenfalls vollinhaltlich auf. Die akustische Reise durch die wechselvolle Kulturgeschichte macht nicht nur neugierig auf mehr, sondern lädt immer wieder aufs Neue zum Hineinhören ein. Zum inhaltlichen Hörgenuss mischen sich passende musikalische Sequenzen. Die Stimme Rolf Beckers, der sich wieder als genialer Erzähler erweist, hält die Spannung bis zum letzten Wort aufrecht. Das Booklet, das wieder wesentlich mehr als nur Inhaltsverzeichnis ist und daher seinem Namen auch gerecht wird, ist von Roswitha Rösch themenbezogen gestaltet worden. Eine kleine, feine optische Ergänzung zum akustischen Genuss.
Hörprobe
© S. Strohschneider-Laue
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Freitag, 11. April 2008

Schätze aus dem Nationalen Palastmuseum, Taiwan
1000 Jahre haben die chinesischen Kaiser gesammelt und etliches davon war schon damals bedeutend älter. Sie schöpften dabei aus der kulturellen Fülle und den wertvollsten Ressourcen ihres riesigen Reichs. Bereits zur Gründungszeit der Sammlung (Song-Dynastie 960-1279) wurde sie - ganz im bürokratischen Sinne dieser Zeit - katalogisiert. Unter allen Herrschern wuchs der 
Bestand an. Während der Qing-Dynastie (1644-1911) erreichte er seinen Höhepunkt. Kaiser Qianlong (1736-1795) zeichnete sich unter der langen Reihe als eifrigster Sammler aus. Gemeinsam ist allen diesen kaiserlichen Sammlern, dass sie bis heute über die Stücke - oft auch sehr persönlich - fassbar werden. Nicht nur ihre politische und philosophische Weltsicht, sondern auch ihre Vorlieben und kreativen Fähigkeiten sind erkennbar. Die Bewahrung des kulturellen Erbes gehörte zur Erfüllung des “himmlischen Mandats” des chinesischen Herrschers, von dem auch erwartet wurde nicht nur Kunstkenner, sondern auch selbst Künstler zu sein.
Die Sammlung überdauerte Dynastien, Fremdherrschaften, Kriege und die Odyssee zwischen 1933 und 1965, die sie an ihren jetzigen Standort in Taipeh (Taiwan) führte. Das Nationale Palastmuseum beherbergt heute eine Sammlung mit über 650.000 Objekten. Das KHM zeigt von 26. Februar bis 13. Mai 2008 aus dem reichen Bestand 120 ausgewählte Stücke.
Die erzählerische Kraft der Stücke ist groß. So sieht man von Kaiser Xuande nicht nur ein Prunkporträt, sondern auch eine von ihm gefertigte meisterliche Pinselzeichnung von Affenmutter mit Kind.
Das kupferrote Kännchen mit eingeschnittenem Lotosblütendekor, das unter Xuande in die Sammlung kam, ist einmal im Original und einmal auf einem Bild von Guiseppe Castiglione (1688-1766) zu sehen. Der Jesuit war Hofmaler unter drei Qing-Kaisern und beeinflusste die chinesische Malerei durch seinen westlichen Stil maßgeblich.
Dass auch Kaiser irren können, zeigt sich in der Fehlbeurteilung einer flachen Schale. Die wertvolle Schale deren Füßchen - vermutlich nach einer Beschädigung - kunstvoll entfernt worden waren, wurde fälschlich als Hundenapf bezeichnet. Eine nette Geschichte, die zeigt wie lebendig Sammlungsgeschichte sein kann.
Kalligraphien sind ebenso vertreten wie bildliche Darstellungen, die mit Texten kombiniert sind. Schade, dass die Mehrheit die Schriftzeichen nicht lesen können und so die Inhalte verborgen bleiben und nur die ansprechende Form gefällt. Die 1736 entstandene Bildrolle zum Begräbnisfest ist hingegen eine Entdeckungsreise für alle. Sie ist elf Meter lang und von einer erzählerischen Kraft, die man bei TV-Produktionen vergeblich sucht. Die Besucher nähern sich beidseitig des Flusses und über die Brücke den Stadtmauern. Jeder Mensch, jedes Tier, Gebäude, Fahrzeug oder Schiff erzählt eine Geschichte. Eine Flut von Darstellungen halten Abschnitt für Abschnitt die Augen gefangen. Kaum meint man alles entdeckt zu haben, wird ein weiteres winziges Detail sichtbar, vom vollgepackten Händler bis zum Haus mit westlichen Elementen. Allein mit dieser Rolle könnte man sich Ewigkeit beschäftigen. Hier nimmt man gerne in Kauf, dass das gedimmte Licht dem Schutz der Rolle dient.
Man sollte sich Zeit nehmen für diese Ausstellung und nicht nur um den üblichen exorbitanten Eintrittspreis ins KHM auszunutzen. Die Objekte verdienen und erfordern eine genaue Betrachtung. Über eine gute körperliche Beweglichkeit sollte man aber auf jeden Fall verfügen oder von Natur aus kleingewachsen sein. Teeschalen, die besonders exquisit verziert sind, stehen nämlich nicht auf einem Spiegel oder auf einem Sockel, der in etwa der Augenhöhe des ohnehin kleinen Durchschnittsösterreichers entspricht. Leider befinden sich die meisten Schalen in Hüft- und Bauchhöhe, was wenig Sinn macht, wenn nicht die Innenseite, sondern die Außenseite das attraktivere von beiden ist. Die beste Sicht hat man daher, wenn man sich mit regelmäßigen Kniebeugen durch die Ausstellung bewegt. Den Vorteil groß zu sein schöpft man hingegen aus, wenn man Stücke, die rundum geschnitzt oder bemalt sind, genauer betrachten möchte. Auf einem langestreckten Sockel stehen die Objekte in einer Doppelreihe. Jedes davon mit einem gläsernen Sturz bedeckt und daher am besten in der Frontalen zu sehen. Nun schlägt die Stunde der großen BesucherInnen. Sie erheben sich von ihren Knien auf die großen Zehen. Balancierend renken sie sich den Hals schlangengleich aus, um auch das letzte erzählerische Detail auf der Rückseite aufnehmen zu können. Aber Sport ist ja gesund und für diese Stücke lohnt es sich davor auf die Knie zu fallen oder sich zu recken.
Zu viel Information darf man natürlich in den beiden Räumen nicht erwarten, schließlich möchte das Haus auch einen Katalog verkaufen. Nach einer chronologischen Übersicht kann man sich mit den ersten Raumtexten zu den wichtigsten Materialien wie z. B. Jade, Porzellan oder Bronze informieren. Die Objekttexte sind erfreulicher Weise nicht nur auf Objektansprache, Datierung sowie die Inventarnummer reduziert. Sie bieten bei ausgewählten Stücken auch spannende Zusatzinformationen. Die Texte selbst sind wie üblich im akademisch getragenen Stil des 19. Jh. abgefasst und passen gut zur Erbauung des Hauses. Das interessierte Publikum, das nicht in höhere akademische Sphären entschwebt ist, sondern einen Brotberuf ergriffen hat, sei daher ein Fremdwörterlexikon empfohlen. Dass die Lauflänge der Texte zu groß, der Durchschuss zu schmal und die Schriftgröße zu klein ist, hat schon missgestalterische Tradition. Wer ein Lesebrille braucht, muss sie sowie so parat haben, um die Details der Objekte wirklich erforschen zu können.
Hingehen und in aller Ruhe anschauen. Die Ausstellung ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer Unmengen sein müssen. Es ist erfreulich, dass das vielfach überstrapazierte Wort “Gold” hier für den Ausstellungstitel nicht verwendet werden konnte. “Jade” ist aufgrund des fehlenden kulturellen Kontextes im Westen nicht so zugkräftig und deshalb hat man voll und ganz gerechtfertigt auf “Schatz” zurückgegriffen. Schönheit, Qualität, Einzigartigkeit und historischer Zusammenhang machen den Hauptanteil des Schatzes aus, dass die Objekte ebenso unersetzlich wie unbezahlbar sind, steht sowieso außer Frage.
© S. Strohschneider-Laue
Schätze der Liao
Im Zeichen des Drachen. Von der Schönheit chinesischer Lacke
Xi’an - Kaiserliche Macht im Jenseits
Schätze der Himmelssöhne
Chinesische Jade

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Tags:Archäologie, Asien, Ausstellung, China, Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Mittelalter, Neuzeit, Sistlau, Völkerkunde
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Freitag, 11. April 2008

Cantado y contado para los amiguitos
Amiguitos – Spanisch für Kinder
Sprecher: Peter Lohmeyer
Silberfuchs 2007, Laufzeit 70′
ISBN 978 398107 257 0
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder
Eine CD, die Kinder lieben werden, auch wenn sie im Spanischen noch nicht so sattelfest sind, dass sie die Texte lückenlos verstehen können. Einfache Melodien, die spanischen und lateinamerikanischen Volksliedern nachempfunden sind, in der typischen Instrumentierung dieser Regionen, ein paar bekannte Kinderlieder, und dazwischen von einem deutschen Schauspieler gelesene Geschichten und Gedichte – so lernt die Zielgruppe der 3- bis 10-Jährigen ganz nebenbei auch die spanische Sprache. Die Texte sind so aufgebaut, dass von den Zahlen über die Vokale im Alphabet, die Farben des Regenbogens und die Zutaten für einen typischen spanischen Salat und eine Torte, bis zu den Körperteilen, verschiedenen Berufen, Tiernamen und Musikinstrumenten ein breiter Wortschatz abgedeckt wird.
An die Eltern, die mit ihren Kindern mitsingen, mitlesen und vielleicht mitlernen, wurde auch gedacht, und so sind die Inhalte der Lieder und Geschichten nicht allzu banal ausgefallen, sondern ganz im Gegenteil auch für Erwachsene durchaus witzig und unterhaltsam. Kleiner Wermutstropfen: Die Texte im mitgelieferten Büchlein sind in so winziger Schrift gedruckt, dass ein Mitlesen nur sehr schwer möglich ist.
Auf den kostenlosen Download auf der Website, der auf dem Cover angepriesen wird, sollte man zumindest in Gegenwart von Kindern verzichten, denn hier ist das allseits bekannte Lied “La cucaracha” zu hören. Wie man einem Kind im Kindergarten- oder Volksschulalter erklärt, was mit der erbarmenswerten Küchenschabe los ist, die an massiven Marihuana-Entzugserscheinungen leidet, hat wohl niemand überlegt. Diese Gedankenlosigkeit tut jedoch der Qualität der CD “cantado y contado” als didaktisches Instrument und ihrem Unterhaltungswert keinen Abbruch!
Hörprobe
© P. Kunz
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder
Siehe auch:
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
- Rezension
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Tags:ab acht, Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Hören, Kommunikation, Musik, PeKu, Reise, Spanien, Völkerkunde
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